Dienstag, 29. Dezember 2009

Das Ende der Herrlichkeit

Ein Jahr lang ist Barak Obama bald im Amt und mit hohen Erwartungen war sein Amtsantritt verknüpft. Der erste schwarze Präsident der USA wurde Obama und dieser Fakt sollte sein erstes Jahr als Präsident der vereinigten Staaten schwer belasten. Sein Ansehen hat Obama auch bei mir inzwischen weitestgehend verloren. Die Vorstellung, alle Amerikaner versichern zu lassen (eine Art gesetzliche Krankenversicherung), stieß auf mächtigen Gegenwind, unter seiner Ägide fiel unglücklicher Weise auch noch die Weltfinanzkrise, die dafür sorgte, dass Ausgaben in mehreren Milliarden Dollar für Konjunkturfonds generiert werden mussten.
Doch sein Beschluss, nach dem er den Friedensnobelpreis erhalten hatte, nun zusätzlich 30.000 Soldanten ins Pulverfass nach Afghanistan zu senden, lässt alles andere verblassen. Auf der Preisverleihung in Oslo vor einigen Wochen, rechtfertigte Obama den militärischen Einsatz in Hindukusch und sprach vom „Bösen in der Welt“. Eine Wortwahl, die wir von seinem Amtsvorgänger nur zu gut kennen. Was den geneigten Bürger noch mehr verärgert ist, dass der US-Präsident seine Rede auf Rechtfertigungen und das, was den Frieden in der Welt gefährdet, ausrichtete. Leider, leider, Worthülsen, die auf ein Déjà-vu-Erlebnis schließen lassen. Angemessen wäre gewesen, auf den in Teilen der Welt bereits bestehenden Frieden hinzuweisen, und das elende Herunterspielen des Krieges in Afghanistan zumindest größtenteils zurückzuschieben. Doch zeigte die Rede vor allem eins: Obama ist neben dem Mann, mit dem (auch jetzt noch) Hoffnungen verbunden sind, auch wie sein Vorgänger, George W. Bush, ein Kriegstreiber. Dass so jemand bei der Laudatio für den Friedensnobelpreis dann darauf hinweist, dass es Krieg ja schon immer gegeben habe und manche Kriege eben „gerecht“ und nötig seien, müsste ihn vor Scham im Boden versinken lassen. Auf der anderen Seite zeigt ist aber auch seine Ohnmacht in der Afghanistan-Frage.
Seit Monaten wird international über mittelfristige Abzugspläne debattiert.

Auch in Deutschland steht das Thema auf der politischen - und damit auch der öffentlichen - Agenda.

Eine weitere immens wichtige Frage für die nächsten Jahre wird der Nahostkonflikt zwischen Palästinensern und Israel sein. Auch hier hat Barack Obama keine Position für die Palästinenser bezogen, dessen Land annektiert wurde, und auf dem nun seit Jahren illegal Siedlungsbau betrieben wird. Es wäre ein wünschenswertes Signal gewesen, hier zumindest diplomatisch (mehr kann man von einem US-Präsidenten nicht erwarten) eine Lanze für die Menschen zu brechen, die jeden Tag durch die israelische Schikane drangsaliert werden. Komischerweise kam solch ein Signal noch viel deutlicher vor ein paar Jahren ausgrechnet von Obamas Vorgänger im Amt des Präsidenten. Doch dieser musste kurz danach schleunigst wieder zurückrudern, da die Zionisten in den USA einen großen Einfluss ausüben und relevante Stellungen in der Gesellschaft bekleiden.

Für mich hat sich Obama vom Präsidenten, mit dem ich etwas anderes verbunden habe, was schon zu einem George W. Bush mit dunkler Hautfarbe gewandelt. Dies bedaure ich zu zutiefst. Doch die Wortwahl und die Handlungen, was speziell außenpolitische Themen anging enttäuschten mich unglaublich.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Im Sog des Abstiegs

Im Frühling dieses Jahres hatten sie bei Hertha BSC nur eins im Kopf: Den Kampf um die Meisterschaft. Am 31.Spieltag der Fußballbundesliga Saison 2008 / 2009 konnte Hertha BSC durch einen 2:0-Sieg gegen den VfL Bochum vor 70.000 Zuschauern im Olympiastadion Punkte auf Tabellenführer VfL Wolfsburg gut machen und lag drei Spieltage vor Schluss nur einen Punkt hinter Platz eins zurück.

Dieter Hoeneß, der damalige Manager von Hertha, lief praktisch pausenlos mit einem Grinsen auf den Lippen umher. Er genoss, was sich um sein Baby Hertha BSC entwickelte: Meistereuphorie. Selbst das an „normalen“ Spieltagen unterbesetzte Olympiastadion konnte durch die Luxussituation neue Rekorde vermelden. Verteidiger Josip Smiunic lief derweil schon mal mit meiner Kopie der Meisterschale eine Ehrenrunde vor heimischem Publikum. Und Hoeneß selbst ließ sich nach dem Sieg gegen Bochum zu der Aussage bewegen, dass Wolfsburg sicher nicht alle drei restlichen Spiele gewinnen werde. Die Wolfsburger mussten sich mit Dortmund (H), Hannover 96 (A) und Werder Bremen auseinandersetzen. Für viele Fans im Umfeld des Klubs war klar, dass Hertha die beste Ausgangsposition hatte – was keine Fehleinschätzung war. Das Restprogramm der Bayern und auch das des VfB Stuttgart (Der VfB und die Bayern mussten am letzten Spieltag gegeneinander spielen) schien den Berlinern in die Karten zu spielen. Es gab einen einzigen Warner in diesem Jubelmeer: Der Trainer Lucien Favre. Schon im März der Saison hatte Hertha vier Punkte Vorsprung auf Platz zwei – man war deutlicher Tabellenführer. Und verspielte diese Position durch drei Niederlagen.

Gegen Köln am 32. Spieltag gewannen die Minimalisten der Liga noch mit 2:1, um in den letzten beiden Saisonspielen einzubrechen. Das Olympiastadion sah am 33. Spieltag den FC Schalke 04 als Gast, für den es nur noch um die goldene Annanas ging. Es zeigte sich in diesem Spiel der Ritt auf der Rasierklinge, den die Mannschaft von Favre zwar überraschend lange durchgehalten hatte, um aber nun das Gleichgewicht zu verlieren. Am Ende stand ein 0:0, was durch den Sieg deutlichen der Wolfsburger in Hannover (5:0), nicht reichte. Am letzten Spieltag folgte dann der Negativhöhepunkt. Beim bereits als Absteiger feststehenden Karlsruher SC verlor man sang- und klanglos 0:4.

Es schien Ratlosigkeit geherrscht zu haben und obwohl der vierte Platz vor der Saison nur von den wenigsten erwartet worden wäre, so fühlte sich dieses Resultat, nach dem man so nah dran war, wie eine Niederlage an. Wie ein Dolchstoß in aller letzter Minute. Das Ziel hatte man doch schon vor Augen gehabt.

Im Rausch des Erfolges ist allerdings vielen nicht bewusst gewesen, dass Favre das absolute Maximum aus der Mannschaft herausgeholt hatte. Gegen den Karlsruher SC konnte man zum Abschluss der Hinrunde mit 4:0 gewinnen, aber viele Offensive-Festivals fanden sich unter den Erfolgen nicht. Die Chancen, die sich boten nutzte man eiskalt, und stand hinten bomben sicher. Hier bewahrheitete sich fast wieder der Spruch, „Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive die Meisterschaft.“ Zusammen mit dem Meister aus Wolfsburg teilt sich die Hertha den Platz für die drittbeste Abwehrreihe der Saison 2008 / 2009. Nur 41 Tore ließen die Hauptstädter zu. Die verpasste Champions League Qualifikation brachte noch viel weiterreichende Folgen mit sich, die mit dazu beigetragen haben, dass Favre am Ende seinen Platz als Cheftrainer räumen musste. In Folge der verspielten (im wahrsten Sinne der Wortes) Millionen-Beträge für das Erreichen der europäischen Königsklasse, musste Hertha BSC die Personalplanung ändern. Andrej Voronin verließ den Verein, weil im Etat kein Spielraum mehr vorhanden war. Oben erwähnter Josip Simunic wechselte für 7 Millionen Euro zum Konkurrenten TSG Hoffenheim, weil Hertha einen Transferüberschuss (!) erwirtschaften musste. Außerdem musste der bei Lucien Favre in Ungnade gefallene Marco Pantelic den Verein verlassen. Alle drei genannten Spieler darf man ruhig als relevanteste Stangen im Korsett der Mannschaft von Hertha BSC 2008 / 2009 bezeichnen. Um sie herum baute sich das Team auf.

Vor der Saison 2007 / 2008, als Favre verpflichtet wurde, strukturierte er den Kader komplett um. Nun fand also eine z. T. ungewollte Umstrukturierung statt. Man verpflichtete weitgehend unbekannte Spieler: Nemanja Pejcinovic (damals 21 Jahre jung), Rasmus Bengtsson (23 Jahre). Für beide wurden – geschätzt – ca. 800.000 Euro fällig. Als Ersatz im Sturm verpflichtete man, zum Unmut vieler Hertha-Anhänger, Arthur Wichniarek. Zum zweiten Mal. Bei seinem ersten Engagement (2003 bis Januar 2006) schoss er in 44 spielen lediglich vier Tore und wurde wieder zurück nach Bielefeld transferiert.
Entledigt hat man sich neben Spielern wie zum Beispiel Sofian Chahed auch vom 24-Jährigen Brasilianer Rodnei (Abwehr). Dieser wurde allerdings „nur“ verliehen. Zum 1.FC Kaiserslautern. Aber auch dieser Schritt sollte sich im Nachhinein als fatal erweisen. In der zweiten Liga gehört dieser Rodnei inzwischen zu dem besten, was die Spielklasse zu bieten hat und Kaiserslautern scheint realistische Chancen auf eine endgültige Verpflichtung des Defensiv-Mannes zu haben.

Die Hinrunde verlief bis zum heutigen Tag, dem 2. Dezember 2009, desolat. Nach 14. Saisonspielen weist die Habenseite nur 5 Punkte auf. Nur am ersten Spieltag konnte die Mannschaft gewinnen (Hannover 96 1:0), dem folgten 8 Niederlagen am Stück. Nach sieben Spielen und drei Punkten, aus eben diesem Sieg, wurde Lucien Favre samt seines Co-Trainers beurlaubt. Gerüchte von aufmüpfigen Profis machten die Runde. Eine Revolte gegen den Trainer? Herthas Verantwortliche wollten davon nichts wissen. Nur Gämperle, der Co-Trainer, sprach nach der Entmachtung davon, dass sich einige Profis auffällig gegenüber dem Trainerteam verhalten haben sollen. Interminsmäßig übernahm Karsten Heine die Mannschaft für ein Spiel in der Europa-Liga gegen Sporting Lissabon (0:1). Danach wurde die Verpflichtung des Ex-Frankfurters und Ex-Kölners Friedhelm Funkel bekannt. Dieser steuerte zu der Niederlagen-Serie von 8 Spielen zwei bei (Favre wurde nach der sechsten Niederlage in Folge entlassen). Und konnte in bis identisch soviel Spielen in der Saison (nämlich sieben), den Punkteschnitt noch weiter. Holte Favre aus sieben Spielen noch drei Punkte, sind es bei Funkel ganze zwei Zähler. In Funkels’ Amtszeit fällt auch der (aus meiner Sicht) desolateste Auftritt der Hertha diese Saison. Es gab schon höhere Niederlagen (1:5 gegen Hoffenhein, 0:4 gegen Freiburg), aber das 0:3 beim bis dahin müden Klub aus Nürnberg (Abstiegskonkurrent) ließ bei mir den Eindruck schwinden, dass die Mannschaft rein von der Besetzung her die Klasse für den Abstiegskampf mitbringt.


Nun also gab es von der Mitgliederversammlung vor allem vom Neumanager Michael Preetz Durchhalteparolen zu vernehmen. Wer jetzt schon aufgebe, habe schon verloren. Und der amtierende Präsident Gegenbauer möchte noch nichts vom Abstieg wissen, ehe rechnerisch nicht alles entschieden ist. Ich kenne diese Verfahrensweise aus der Union-Saison 2004 / 2005, auch wenn die Voraussetzungen damals nicht identisch waren (nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga wurde aus finanziellen Gründen die Mannschaft fast komplett getauscht, man peilte man einen Mittelfeldplatz an).
Bleibt man am Abend des 19.12.2009, nach dem letzten Spiel der Hinrunde gegen den FC Bayern München, im einstelligen Punktebereich, so rückt der Klassenerhalt in weite Ferne.

Donnerstag, 26. November 2009

Spezielle Geschmacksrichtung

„28 Weeks later“, alleine der Titel, samt interessanten Cover hat mich dazu animiert mein Geld in diese DVD zu investieren. Die Fortsetzung von „28 Days later“ zeichnet sich wieder durch viel Blut und brutale Szenen aus. Hier wird der Zuschauer regelrecht verwöhnt. Um den „Gruselfaktor“ noch etwas in die Höhe zu treiben, wechseln die Kamerasequenzen zum Teil in Bruchteilen von Sekunden. Bestechen tun sicherlich die Bilder vom evakuierten London, von menschenleeren Straßen, von den unbewohnten Häusern, vor denen sich die Müllsäcke türmen. Ganz Großbritannien wurde vom „Wut-Virus“ heimgesucht, der durch einen durch Umweltaktivisten freigelassenen Schimpansen zur Epidemie wurde. Über das gesamte König Reich wurde die Quarantäne verhängt, um die Infizierten, dessen Virus sich über das Blut überträgt, aushungern zu lassen. Infiziert werden die Menschen durch die Träger, die alle samt innerhalb von Sekunden zu Bestien werden, die sich nur noch ihren Mordgelüsten hingeben können. Ihre Augen sind rot unterlaufen, sie sind wahnsinnig aggressiv und scheinen auch ihre Intelligenz verloren zu haben. Ohne zu zögern stolpern (in einigen Szenen rennen sie sogar) dem potentiellen Opfer hinterher. Aus ihren Öffnungen (speziell der Mund) tropft das Blut. Im Teil, den ich mir zugelegt habe, ist so eine Verwandlung wunderbar veranschaulicht gemacht. Weiße Flüssigkeit tropft dem Infizierten aus dem Mund, der beginnt zu zittern. Auf einmal fügt er sich Schmerzen zu, in dem er mit dem Kopf gegen einen Gegenstand schlägt. Blut spritzt aus seinem Mund und anderen Öffnungen…Die Augen verändern sich, der Blick, die Bewegungen, die Köpersprache. Alles Menschliche scheint innerhalb von Sekunden ausgelöscht zu sein. Aus dem Menschen wird die Tötungs- bzw. Fressmaschiene. Doch nach dem offizielle alle Infizierten verhungert sind, besetzten NATO-Truppen unter Führung der USA Großbritannien. Sie dekontaminieren die Wohnungen, bzw. sämtliche Plätze. Der Neuaufbau beginnt. Die Story hat Kraft, kam sie doch noch vor „I’m Legend“ in die Kinos und sprach die damalige Gefahr durch z. B. das SARS-Virus an.

Die Handlung an sich ist sehr simpel gehalten. Darauf ist an dieser Stelle aber auch nicht näher einzugehen. Alleine die Effekte, das menschenleere London, die großen Straßen ohne ein einziges sich bewegendes Auto – es lässt inne halten. Dazu noch das Hintergrundwissen, über welches ich als Zuschauer verfüge.

Leider besitzt der Film gravierende Schwächen, die durch nichts übertüncht werden können: Wie kann es sein, dass zwei Kinder den Ring eines Hochsicherheitsgebiets einfach so durchbrechen können, in dem sie plump an der Seite einer Brücke mit einem Checkpoint entlang krabbeln? Was noch verworrenerer ist, wieso eine Frau, die anscheinend immun gegen den Virus ist (es aber in sich trägt, es aber nicht zum Ausbruch kommen kann, jedoch für andere hochgefährlich ist!), und somit sehr wertvoll, völlig alleine in Quarantäne bleibt. Erst durch diesen Umstand kann sie den Mann (ihren eigenen) küssen, der an dem „Wut-Virus“ innerhalb von Sekunden erliegt und zur Bestie wird, in Folge dessen er seine Frau bestialisch tötet. Darauf basieren die weiteren Ereignisse des Films.

An dessen Ende erreicht das Virus Frankreich – also EU-Festland. Ein dritter Teil ist, so hört man, seit 2007 in Arbeit. Bei Horrorfilmen darf man wohl nicht all zu viel Wert auf Inhalt legen, was mich trotzdem sehr enttäuschte.

Das schnelle Wechseln der Szenen ist bei dieser Art von Filmen wohl so oder so der Standart, um den Zuschauer noch mehr an den Streifen zu binden. Denn das wurde in diesem Film verdammt gut beherzigt.

Wer auf diese Art von Schockern steht (blutrünstige Bestien, die die Menschheit auslöschen wollen, ein außer Kontrolle geratenes Virus), der wird an diesem Film sein helles Vergnügen haben.

Mittwoch, 11. November 2009

Robert Enke (1977 – 2009)

„Die Grenzen der Seele wirst du nicht finden, auch wenn du alle Wege durchwanderst. So tiefen Grund hat sie.“ Heralikt (um 550 vChr - um 480 vChr)

Die Gazetten spekulieren und berichten am heutigen 11. November 2009, über den Tod von Robert Enke, dem Stammtorhüter von Hannover 96 und Nationaltorwart. Von Rückschlägen in der Karriere ist zu lesen, von Verletzungspech, von Fans aus Istanbul, die ihn nicht mehr wollten. Von seinem missglückten Versuch beim FC Barcelona die sportliche Erfüllung zu finden. Nur der Mensch Robert Enke, den keiner von uns wirklich kennt, den beleuchtet niemand. Auch ich kann es nicht, da ich Robert Enke persönlich nicht gekannt habe. Jedoch stand er durch seine Popularität im Rampenlicht, und so hatte die Öffentlichkeit bald zwangsweise auch ein bisschen an seinem privaten Leben teil.
Der größte Schicksalsschlag, der bekannt wurde, war wohl im Jahr 2006 der Tod seiner damals zweijährigen Tochter wegen eines Herzfehlers, den er verkraften musste.
Dann kam die Adoption und Robert Enke sagte, dass er sich seiner Verantwortung vor allem für seine Familie bewusst sei.

Was war passiert, dass er diese Verantwortung nicht mehr wahr nehmen konnte? In Robert Enke wird primär der Leistungssportler in Torwartkleidung gesehen, der jedes Wochenende seine Leistung bringt, es 2007 zum Nationalspieler gebracht hat. Doch in erster Linie ist auch ein Mann wie Robert Enke – wie jeder von uns – Mensch. Und jeder Mensch hat auch eine Seele, mit der er seine Lasten tragen muss. Wie schwer der Rucksack war, der auf den Schultern von Robert Enke lastete, lässt sich nur erahnen.

Die Anteilnahme gilt seiner Frau, die jetzt Witwe ist, und natürlich seiner Tochter, die das alles erst später verstehen wird.

Am 10. November gegen 18.25 Uhr stirbt Robert Enke, vermutlich durch Suizid. In der Hoffnung, dass es Dir da oben nun leichter fällt, Du von deinen Lasten befreit bist.

In tiefer Trauer und Bestürzung…

Dienstag, 10. November 2009

Es blitzt - auch ohne Gewitter

Sollte ich mich freuen oder doch lieber fluchen?


Schwer war die Entscheidung im Endeffekt nicht. Die Freunde der Direktion 5 haben heute Morgen in der Großbeerenstraße mit einem Opel Vectra gestanden und via Multanova VR 6F die Sünder aus der 30-Zone geblitzt. Allerdings befand sich der Messort gegenüber einer Schule und somit ist so eine Messung durchaus berechtigt. Problematisch sind die vielen Muttis und Vates, die die Lücke hinter dem Messfahrzeug erspähen und (wie solche Art von Menschen sind) schlicht und einfach die Hütchen ummähen und sich einfach hinter den Wagen stellen. Doch als der nette Herr in Zivil aus dem Auto gestiegen kam, um den Mitbürger auf sein Vergehen aufmerksam zu machen, wurde Vati devot und platzierte zuerst seinen Wagen wieder korrekt, um dann die Hüte wieder in korrekte Stellung zu bringen. So viel Dreistigkeit muss man erst an den Tag legen: Man sieht ganz deutlich (!), wenn man fast auf Höhe des Wagens ist, dass es sich um einen „mobilen Blitzer“ handelt. Und sich dann noch – nach dem man das registriert hat – vor den Wagen zu stellen…holla!
Interessant ist, dass die Großbeerenstraße im Bereich der Messstelle (zwischen Kreuzbergstraße und Kreuzung Hagelbergerstraße) nur ca. 250 Meter lang ist.

Und trotzdem bringen es einige Kraftfahrer auf dieser Distanz – die Ampel schon im Blick – locker auf 50 Km/h. So kam es dann auch das bestimmte jedes dritte Kfz geblitzt wurde. Einige davon für eine 30-Zone mit einem krassen Tempo. Fakt ist und bleibt dass es sich um eine Schule handelte und dort schon von Natur aus durch den Verkehr und eben die Kinder mit Gefahr zu rechnen ist. Jeder Zeit, auch auf der Fahrbahn. Ein Ball, der zwischen den Autos auf die Fahrbahn rollt – der Klassiker. Insofern ist es wichtig, solche Stellen entsprechend zu überwachen. Allerdings fahre ich diese Strecke nun schon seit zweieinhalb Jahren und es war für mich eine Premiere.

Erwischt hat es mich wohl nicht, denn einen blitz konnte ich nicht wahrnehmen. Die Tachonadel war von der 40er-Markierung auch noch ein gutes Stücken entfernt. Leider ist es auf diesem Abschnitt nicht selten, dass man genötigt wird, schneller zu fahren. Und selbst, wenn schon die obligatorischen 40 auf dem Tacho hat, wird aufgefahren und gedrängelt was das Zeug hält.

An diesem Tag allerdings wurde denen etwas zurückgegeben, die sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten. Ein kleines Stück Gerechtigkeit – vielleicht.
Nur, warum fahren die Leute, wie sie fahren? Es bleibt dabei, dass die Personal- und Technikdecke bei der Polizei viel zu dünn ist. Geschwindigkeitskontrollen (und zwar die mobilen) müssten viel flächendeckender durchgeführt werden. Es herrscht auf den Straßen auch deswegen z. T. Anarchie, weil die Gefahr, Konsequenzen tragen zu müssen, verschwindend gering ist.

Unfallschwerpunkte, wie der Britzer Tunnel (A113), werden ab nächstem Jahr mit Infrarot-Blitzern überwacht, was ich in Anbetracht der Schrammen an den Seitenwenden, die einen in unregelmäßigen Abständen begleiten, definitiv überfällig ist. Die Quintessens ist, dass das menschliche Auge den Blitz nicht mitbekommt. In der Verkehrsverwaltung begründet man die Installation der „schwarzen Blitzer“ mit dem Risiko, dass bei einem sichtbaren Blitzen im Tunnel, die Autofahrer erschrecken würden. Problem ist die teilweise willkürliche Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 Km/h auf 60 Km/h, auch ohne, dass Nässe auf der Fahrbahn erkennbar wäre. Manchmal gilt diese Begrenzung nur für ein paar hundert Meter…manchmal, wenn ich den Tunnel passiere, auf einmal auf ganzer Länge.

Ich bin gespannt, wie es in der Folge „angenommen“ wird, wenn man erst nach 4 Wochen seinen Papierkram von der Bußgeldstelle, samt Foto im Briefkasten hat, aber schon mehrere Male in diesem Zeitfenster diese Strecke gefahren ist. Ob die erzieherische Wirkung da wirkt?

Zum goldenen Abschluss: Richtig und wichtig bleibt die Geschwindigkeistüberwachung!

Samstag, 31. Oktober 2009

Das Geschäft mit der Grippe.

Die Schweinegrippehysterie hat im Jahre 2009 Deutschland im Klammergriff und scheint das Land nicht loslassen zu wollen. Auch die Regierung hat sich von der Panikmache anstecken lassen und bereits 50 Millionen Impfdosen eines unzureichend getesteten Impfstoffes geordert. Das ist der Faktenstand in Deutschland im Herbst 2009. Vor wenigen Tagen begannen die Impfungen. Allerdings nicht in dem Umfang, den sich vor allem die Bundesregierung erhofft hatte. Keine 15 Prozent der Bevölkerung möchten sich gegen die (angeblich) drohende Riesenpandemie impfen lassen. Nun ist davon auszugehen, dass wenn die diese Zahlen nur so ungefähr der Wahrheit entsprechen, die Bundesregierung auf Unmengen von Impfstoff sitzen bleiben wird, den sie für gutes Geld den Pharmariesen abgenommen hat. Hier könnte der Vorwurf der Unverhältnismäßigkeit auftauchen.

Das impfwillige Fußvolk scheint also zu bocken und die immer kritischeren Berichte über den Impfstoff mit Wirkverstärker ernst zu nehmen. Und dabei tut nicht nur die Regierung doch ihr „Bestes“, sondern auch die (natürlich) unabhängige WHO, die Weltgesundheitsorganisation. Sie empfiehlt ausdrücklich sich mit dem neuen Impfstoff versorgen zu lassen. Doch nicht nur das. Man muss sich dieses Organ der Vereinten Nationen sehr genau anschauen, um zu verstehen, welchen Einfluss es ausübt. Im Mai des laufenden Jahres änderte die WHO ihr Pandemiewarnstufensystem ganz entscheidend ab. Anders gesagt: Für eine Pandemie (Höchste Stufe) müssen bestimmte Voraussetzungen nicht mehr erfüllt sein, damit die Warnstufe auf das maximale Level angehoben werden kann. Außerdem arbeiten in dieser Sonderorganisation auch Personen, die gute Verbindungen in die Pharmaindustrie halten. Man kann sagen, dass dieser Industriezweig einen nicht zu unterschätzenden Einfluss ausübt.

Die Bundesregierung reagierte auf die Nachrichten aus Genf, dem Hauptsitz der WHO und bestellte Impfstoff im Wert von über 400 Millionen Euro. Von dem ganzen Deal profitiert in diesem Fall der Hersteller GlaxoSmithKline.

Auch die ständige Impfkommission, abgekürzt SITKO, ist ein 16-köpfiges Gremium, welches sich vor allem aus Personen zusammensetzt, die nicht unabhängig von der Pharmaindustrie arbeiten können. Im Herbst 2007 trat der Vorsitzende dieser Kommission zurück und wechselte in die private Wirtschaft zu einem großen Pharmakonzern. Keine Kontakte also? Völlig unabhängig und objektiv? Pustekuchen! Sämtliche von diesem Gremium empfohlenen Impfungen werden durch die Krankenkasse übernommen (Seit 1. April 2007, Gesundheitsreform). Das Netz der Pharmariesen umspannt auch dieses Organ fest und sorgte dafür, dass sich natürlich auch die SITKO dazu hinreißen ließ, die Schweinegrippeimpfung ausdrücklich zu empfehlen. Hier lässt sich die ungeheure Macht veranschaulichen, die von den 16 Frauen und Männern ausgeht. Mit ihren Empfehlungen steigen und fallen die Umsätze der Konzerne. Aller Wahrscheinlichkeit nach operiert dieses Gremium nicht nur auf Grund wissenschaftlicher Grundlagen, sondern auch auf der kaufmännischen Basis.

Und bei „guter“ Arbeit für entsprechende Firmen winken eventuell auch mal Posten für die „Zeit danach“. Ich zweifle die Autonomität jedenfalls stark an.

Ob man sich impfen lässt, sollte jeder individuell für sich entscheiden. Aber auf jeden Fall sollte am, bevor man sich zu diesem Schritt entschließt, Hintergrundwissen zu Eigen machen.

In diesem Sinne, eine schöne Woche!

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Der Fall Sarrazin: Der Ton macht die Musik.

Thilo Sarrazin, Vorstand der Deutschen Bundesbank, hat bundesweit mal wieder durch ein provokantes und polemisches Interview für Aufregung gesorgt. Da wurde u. a. die hohe Geburtenrate in der „Unterschicht“ bemängelt, dazu hat Sarrazin Beiträge über integrationsunwillige Türken und Araber gebracht. Zitat: „Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert. Das gilt für 70 Prozent der türkischen und 90 Prozent der arabischen Bevölkerung in Berlin.“ Das Problem ist an sich nicht der Inhalt, sondern die Rhetorik, mit der der ehemalige Finanzsenator von Berlin, seine Äußerungen vertrug. Die NPD hat sich die Äußerungen von Sarrazin ja bereits zu nutzte gemacht und ihn als neuen Ausländerbeauftragten vorgeschlagen, wie es in einer Gazette formuliert wird. Im Kern treffen die Aussagen das aus Berlin abgewanderten im Groß zu. Sicher ist die Geburtenrate, gerade im Prekariat, ein Problem, da diese Kinder nicht selten in bildungsferne Familien hineingeboren werden. Die These des ehemaligen Berliner Finanzsenators aus Berlin dazu: „das Problem, dass 40 Prozent aller Geburten in der Unterschicht stattfinden.“

Die Zahlen, die Sarrazin in dem ersten Zitat, welches ich gebracht habe, auftaucht habe ich nicht nachprüfen können. Ich halte sie auch für einen Deut zu hoch gegriffen, aber in der Sache spricht der Mann die Wahrheit aus – in diesem Fall. Ich möchte noch mal darauf hinweisen, dass ich mich in diesem Kommentar nur dem Interview im „Lettre International“ beziehe.
Die Frage ist, ob Sarrazin so extrem hätte formulieren dürfen, für einen Mann seines intellektuellen Niveaus. Ich kann mir vorstellen, dass Sarrazin mit dem Interview schon alles erreicht hat, was er wollte: Eine Debatte. Nicht primär um seine Person, sondern um das Problem der Integration. Wurde sie in den letzten Jahren richtig angegangen? Ist sie überhaupt so erfolgreich, wie manche es behaupten wollen? Sollten wir mit Immigranten kritischer umgehen, als wir es uns bisher getraut haben? Sind Leistungsklassen (hervorstechend gute Deutschkenntnisse) in Berliner Grundschulen (Anteil von Immigranten höchstens 50 %) sinnvoll? Was ist Ausgrenzung und was schlicht und einfach effizientere Förderung? Wo beginnt der braune Sumpf und wo hört er auf?

Die Reaktionen seiner Parteifreunde, von Wohlfahrts- und anderen Verbänden, zeigen, dass Sarrazin in gewisser Weise den wunden Punkt getroffen hat. Getroffene Hunde bellen, wie man so schön sagt. Ich persönlich zähle mich ehr zum linken Lager und muss aber eingestehen, dass Thilo Sarrazin Probleme angesprochen hat, die nicht so einfach aus der Luft gegriffen sind, sondern in Teilen dem Berliner Alltag entsprechen.

Sätze, in denen Sarrazin türkische und arabische Obst- und Gemüsehändler diskriminiert, sind jedoch unter der Gürtellinie und entbehren jeglicher Grundlage. Ebenso wie die Vokabel „Kopftuchmädchen“ in Zusammenhang mit „Produktion“ zu nennen.

Eines der am tiefsten verankerten Probleme in der Deutschen Debattenkultur ist, dass viele „Deutsche“ bei dieser Diskussion (vielleicht sogar nur im Unterbewusstsein) sofort in den Rassismus abgleiten. Dies muss verhindert werden, denn wenn jemand von dem Thema nicht (!!!) profitieren soll, dann die NPD!

Nicht unter den Teppich kehren sollte man, dass das Interview mit Sarrazin sich nicht hauptsächlich um Araber oder Türken dreht. Die Abschnitte, die nun so hohe Wellen schlagen, sind lediglich Auszüge aus einem ausführlichen Text.

Samstag, 3. Oktober 2009

Schweizer Käse

Noch am Montagvormittag leitete Lucien Favre zusammen mit seinem Assistenten Gämperle das Training beim Tabellenletzten der Bundesliga, Hertha BSC Berlin. Nur wenige Stunden später ist der Trainer samt seinem Assistenten beurlaubt. Ja, Lucien Favre weiß nun, wie schnell der Ruhm vergangener Tage verblassen und wie irrelevant er sein kann, wenn im Verein das Abstiegsgespenst umgeht und die handelnden Personen unruhig werden.
Favre ist wohl nicht freiwillig gegangen, denn er traute sich wohl zu, die Mannschaft aus dem Tal herauszuführen. Sechs Niederlagen musste das Team seit dem ersten Spieltag der Saison 2009 / 2010 hinnehmen – bei bis jetzt sieben Punktspielen. Resultat: 3 Punkte, 7 Spiele, 18. Platz in der Bundesligatabelle. Speziell die beiden letzten Niederlagen gegen den SC Freiburg (0:4 zu Hause) und die TSG Hoffenheim (1:5 auswärts) ließen den Eindruck zu, dass die Mannschaft das Arbeiten komplett eingestellt hat. Es bleibt die Frage zu stellen, wie viel Anteil Favre an diesen Ergebnissen hat. Noch im Mai wurde Favre wie der große Zampano gefeiert. Schon im März schien er bereits über allem zu stehen: Hertha konnte sich realistische Hoffnungen auf den Gewinn der Deutschen Meisterschaft machen. Doch seit dem August 2009 ist eine neue Zeitrechnung angebrochen. Der vormals Unumstrittene wird auf einmal – fast schon logisch – angreifbar. Die Ergebnisse stimmen nicht mehr. Ein Knipser wie Voronin, den man auf Grund der verpassten CL-Qualifikation abgeben musste, riss ein tiefes Loch in der Offensive. Die Chance auf diesen Wettbewerb hat allerdings nicht Favre, sondern seine Spieler ausgelassen, die es in einem Spiel gegen den FC Schalke am vorletzten Spieltag der Saison 2008 / 2009, für den es zu diesem Zeitpunkt um nichts mehr ging, auf einmal keine Tore mehr schießen konnte. Die Mannschaft, die zuvor durch ihren Minimalismus auffiel (eine Häufung von Triumphen mit 1:0 und 2:1 Siegen. In gewisser Weise das Emden der Bundesliga), hatte ihn scheinbar verlernt. Im letzten Saisonspiel kassierte man gegen den Karlsruher SC, der bereits abgestiegen war, eine deutliche 0:4-Niederlage. Während die Hertha-Fans also seit März 2009 schon die Meisterschaft feierten und sich ein gewisser Josip Simunic auch hundertprozentig sicher war selbige am Ende der Saison zu gewinnen, setzte am Ende wieder die große Ernüchterung in Charlottenburg ein. Ein Aha-Erlebnis, was Hertha nicht unbekannt ist. In der Saison 2004 / 2005 verspielte Hertha am letzten Spieltag mit einem 0:0 im Heimspiel gegen Hannover 96. Doch man versuchte, das muss man den Anhängern der Hertha zugestehen, die sich nicht zu den Erfolgsfans rechnen, das Ergebnis am Ende der Saison als das zu sehen, was es war: Perfekt. Favre holte aus einem mittelmäßigen Kader mit zwei bis drei Individualisten, die technischen herausragten, das Maximum.
Nur wurde durch das verpassen der Champions League das Halten bestimmter Spiele schier unmöglich. Voronin war so ein Fall. Noch im August 2008 bis Saisonende vom FC Liverpool ausgeliehen entwickelte sich der Ukrainer zum Goalgetter, für den Liverpool im Juni 2009 allerdings eine entsprechende Ablösesumme erzielen wollte, sofern Hertha ihn behalten wolle. Der finanzielle Spielraum, den man vor den letzten beiden Saisonspiel als groß wähnte, schrumpfte innerhalb von zwei mal 90 Minuten erheblich zusammen. An eine Weiterverpflichtung von Voronin war nicht mehr zu denken. Außerdem wurde bekannt, dass Hertha mal wieder Finanzschuh drücke, weshalb 5 Millionen-Euro Transferüberschuss erwirtschaftet werden müsste. Und da traf es sich gut, dass die TSG Hoffenheim an die Blau-Weiße Tür klopfte, um ein millionenschweres Kaufangebot für die Stütze in der Defensive, Josip Simunic, abzugeben.
Resultat war eine Hertha, die ihre Schlüsselspieler abgeben musste und diesen Qualitätsverlust unbefriedigend ausglich. Sinnbild dafür ist die nach 2003 zweite Verpflichtung des Polen Artur Wichniarek (bei Hertha von Sommer 2003 bis Winter 2006 / 44 Bundesliga-Spiele, 4 Bundesliga Tore), der schon bei seinem ersten Engagement in der Hauptstadt nicht das tat, wofür man ihn verpflichtete.
Lucien Favre ist in Wahrheit das Bauernopfer. Noch viel prekärer: Das Opfer seiner Spieler, die sich von ihm abwandten. Das war auch am Donnerstagabend noch mal beim Europaleague-Vorrundenspiel unter dem Interminstrainer Karsten Heine zu bestaunen.
Sicher, Hertha hat keinen Kader mehr, mit dem man zwangsweise die Champions League erreichen muss, schon deswegen hätte man gut daran getan die Erwartungshaltung zu bremsen. Am Ende waren auf dem Platz bei der Hertha Auflösungserscheinungen zu registrieren. Kein Biss mehr, kein Wille, keim Kampf, wenig Laufbereitschaft. Das kleine Fußballeinmaleins war ad acta gelegt. Diese Qualitäten aus den Spielern wieder herauszulocken, wird die Hauptaufgabe des neuen (und auch akzeptierten) Trainers Friedhelm Funkel sein.

Montag, 31. August 2009

Landtagswahlen: Neue Perspektiven

Einen Erdrutsch gab es im Saarland, sowie in Thüringen. Und die Gesichter der SPD-Anhänger im Willy-Brandt-Haus strahlten als die Zahlen aus den ersten Hochrechnungen über die vielen Bildschirme flimmerten. In drei Bundesländern (Saarland, Thüringen und Sachsen) wurde der Landtag gewählt und in zwei davon erlebte die CDU böse Überraschungen, so kurz vor der Bundestagswahl. Für die SPD hingegen ergeben sich nach diesem Wahlabend neue Perspektiven – mit der Linkspartei als Koalitionspartner zum Beispiel. Doch das interessierte bei der SPD zunächst mal niemanden. Viel mehr ergötzte man sich an den deutlichen Stimmenverlusten der CDU in zwei der drei Bundesländer. Anstatt also seine eigenen Ergebnisse zu analysieren legt man das Augenmerk auf das Elend der anderen. Zumindest vorerst. Und was vor 5 Jahren nicht undenkbar war, rückt nun in den Bereich des Realistischen: Die SPD zusammen mit der Linkspartei und den Grünen an der Macht auf Länderebene. Bei der FDP und ihrem Generalsekretär Dirk Niebel ziehen sofort die roten Wolken der Kommunisten am Himmel auf, die es „mit einer bürgerlichen Mehrheit“ zu verhindern gelte. In Thüringen (Althaus Ministerpräsident) und im Saarland (Müller Ministerpräsident) stehen zwei CDU-Männer vor schweren Zeiten – das will man nutzen. Es soll ein Politikwechsel vollzogen werden, das hat man sich bei der SPD und der Linken vorgenommen. Vor allem im Saarland scheint diese Vision nun am wahrscheinlichsten. Der seit 1999 mit absoluter Mehrheit regierende Peter Müller wurde vom Wähler mit einer bösen Watschen abgestraft und sackte von 47,5 % der Stimmen am 3. September 2004, auf 34,5 % ab. Dazu eine Linke, die über 21 % der Stimmen auf sich vereinigen konnte, vor allem weil sie mit Oskar Lafontaine einen populären Spitzenkandidaten aufwies. Die Sozialdemokraten büßten zwar auch noch mal rund 6 % im Vergleich zu 2004 ein (30,8 %), können vom beispiellosen Rutsch bei der CDU profitieren. Die stellt zwar die stärkste Fraktion, ist also formal der Sieger, geht aber angeschlagen in die Konsolidierungsgespräche. Eine große Koalition ist möglich, aber eben auch das Rot-Rot-Grüne Bündnis. Für eine Koalition mit der FDP wird es für Müller nicht reichen – es stehen spannende Wochen im Saarland bevor.
Nicht anders verhält es sich in Thüringen. Hier verlor die CDU um Ministerpräsident Dieter Althaus ebenfalls im zweistelligen Bereich, stellt aber trotzdem die stärkste Fraktion – mit dünnem Vorsprung auf die Linkspartei um Spitzenkandidat Bodo Ramelow, die es auf 27,4 % Stimmenanteile brachte. Damit hat sie ihr Ergebnis von 2004 noch mal um über 1 % steigern können und ist der CDU (31,2%) dicht auf den Fersen. Die SPD bekam von der Bundesebene bereits das Go für Koalitionen auf Länderebene mit der Linkspartei und man sprach bereits offen davon, dass man in Thüringen auf diese Konstellation schielt. Es wäre jedoch eine knappe Mehrheit, die man mit einem dritten Bündnispartner – den Grünen – kompfrotabler gestalten könnte. Für die CDU bliebe die große Koalition mit der SPD, um an der Regierung zu bleiben und diese Möglichkeit wolle man sich offen halten, so Althaus. Es wird Sondierungsgespräche mit der SPD geben. Dieter Althaus war am Wahlabend sichtlich gezeichnet vom Ergebnis und schien sich sehr anstrengen zu müssen, seine Enttäuschung zu verstecken. Auch er verlor, wie die CDU im Saaraland, die absolute Mehrheit.
In beiden Bundesländern wurde die Vorherrschaft der CDU eindrucksvoll gebrochen. Es wurde aber analog klar, dass die SPD davon praktisch nicht profitieren konnte, sondern auf ihrem Niveau verbleibt bzw. sogar noch absackte. Stattdessen konnten die Linken gestern auf den Wahlpartys Jubelstürme aufbrausen lassen, denn die Groß der Unzufriedenen, die der CDU den Rücken kehrten suchten ihre Zuflucht dort, oder entschieden sich für die Liberalen bzw. Bündnis 90/ Grüne.
Wie aus meinen Ausführungen hervor geht, können die Grünen in beiden Bundesländern (Saarland und Thüringen) das Zünglein an der Waage werden. Auch eine „Jamaika-Koalition“, als ein Bündnis zwischen den Christdemokraten, der FDP und den Grünen, ist ja kein Tabu mehr in einer Parteienlandschaft, wie sie heute aufgestellt ist. Es gibt neue Perspektiven im Koalitionspoker um die Macht. Die Grünen befinden sich was die Verhandlungsposition an geht auf einem Logenplatz und wollen alles auf sich zukommen lassen.

Die Linke verlor in Sachsen 3 %, konnte sich aber über der 20 %-Marke halten. Die Wahlbeteiligung in Sachsen dokumentiert in unvergleichlicher Art die Politikverdrossenheit: Nur 52,2 % nutzen den Sonntag für einen Besuch an der Wahlurne. So sank die Wahlbeteiligung im Vergleich zu 2004 rapide um 7,4 Prozentpunkte.

In Sachsen konnte die CDU (40,2 %) ihr Ergebnis von 2004 praktisch bestätigen und weiß mit der FDP (10 %) einen starken Bündnispartner an ihrer Seite. Hier gab es leider keine Unvorhersehbarkeiten, denn auch die NPD schaffte mit 5,6 % den Widereinzug in den sächsischen Landtag. Bedauerlicher Weise scheint dieser Fakt an den meisten vorbeizugehen und lässt leichte Arroganz im Umgang mit den Rechtsextremisten durchblicken. So musste ein Moderator in einer ARD-Sondersendung unbedingt unter Beweis stellen, dass er im Umgang mit den ultra Rechten immer noch nichts dazu gelernt hat und versuchte Herrn Apfel im Anschluss an sein Statement mit Spitzen die provozieren. Ich selbst zähle mich zum links angehauchten Lager und blicke mit Sorge auf die Erfolge der NPD speziell in Sachsen. Diese zu bagatellisieren oder herunterzuspielen ändert an der Situation bedauerlicher Weise nichts. Ein offener Schlagabtausch muss stattfinden, in dem man die Argumente dieser aus meiner Sicht verfassungsfeindlichen Partei wirksam entkräften kann!

Hier sind wieder die Demokraten gefragt, sich auseinanderzusetzen: CDU, SPD, Grüne, FDP und viele andere aus unserer Gesellschaft, denen die Demokratie am Herzen liegt.

Samstag, 29. August 2009

Der Wolf im Schaafspelz.

Ende Mai 2009 wurde es publik. Der Getränkeriese Red Bull steigt im deutschen Fußball ein, nach dem er schon in der Formel 1, im US-Fußball und in Österreich direkt aktiv geworden ist. Objekt der Begierde war das Startrecht des SSV Markranstädt in der Oberliga Nordost (fünft höchste Spielklasse). Dafür gliederte man die Fußballabteilung der Markranstädter aus, um sie für den Investor zugänglich zu machen. Aus dieser Abteilung ging also Rasen Ballsport Leipzig hervor, der anstelle des SSV an den Start zur Oberliga-Saison 2009 / 2010 ging. Zuvor stimmte der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) dem Vorhaben, die Spiellizenz an RB Leipzig abzutreten, zu. Damit war für den SSV Markranstädt und Red Bull die entscheidende Hürde genommen. Alle Spieler wurden aus dem alten Kader übernommen, und es wurde erwartungsgemäß kräftig in neue Köpfe investiert. Die Oberliga war für Red Bull insofern interessant, als das ein Engagement nicht dem Einfluss des DFB- Lizenzierungsverfahren unterliegt. Juristisch gesehen ist der Rahmen also nicht so eng abgesteckt, hat man mehr Bewegungsfreiheit. Die Frage, ob es sich bei diesem Projekt primär um den Fußball dreht, spaltet die Fangemeinde mit Nichten. Viel mehr ist man sich einig, dass mit Red Bull der Fußball mit Seele angegriffen bzw. zerstört wird. Denn anstatt sich in die fünfte Liga zu kaufen, hätte man einen Verein rundum neu gründen und in der untersten Spielklasse starten können. Doch Dietrich Mateschitz hat andere Pläne. In erster Linie ist ein Engagement in dieser Größenordnung nicht aus Liebe zum Sport eingegangen worden, so viel scheint sicher. Viel mehr wird ein bestimmtes Getränk marketingorientiert auf der Brust umher getragen – vorerst in Liga Nummer fünf. Aber genau da will man schnell weg. Aus diesem Grund kündigte Red Bull bereits an, einen Millionenbetrag in den nächsten zwei Jahren zu investieren. Langfristig wird die Bundesliga angestrebt. Noch bewegt sich RB Leipzig in einem juristisch unantastbaren Raum für den DFB. Nur den Firmennamen darf man im Vereinsnamenszug nicht wieder finden. Ansonsten ist das Projekt Bundesliga allgegenwärtig. Nicht nur auf dem Trikot, sondern auch auf dem Rasen. Sven Neuhaus, Lars Müller, Thomas Kläsener und Ingo Hertzsch wechselten im Sommer vom FC Augsburg nach Sachsen. Alle drei haben einen riesigen Erfahrungsschatz im Profifußball. Ingo Hertzsch seinerseits ist ehemaliger Nationalspieler für Deutschland und aus seiner Zeit beim HSV einem breiten Publikum bekannt. Hinzu kommen mit Patrick Bick (SV Wehen Wiesbaden), Daniel Rosin, Christian Reimann (beide1.FC Magdeburg) und Christian Streit (Tebe Berlin), die ebenfalls Erfahrung aus höheren Spielklassen mit einbringen werden. Namen, die in der Öffentlichkeit einen Rang genießen und die den Fokus noch mehr auf den neu gegründeten Verein richten. Dass Stammspieler aus der 2. Bundesliga verpflichtet werden verdeutlicht, mit welcher Konsequenz Red Bull das Unternehmen Aufstieg angeht. Schon nach der Saison 2009 / 2010 soll der Verein in die Regionalliga Nord aufgestiegen sein.
Insgesamt 8 Jahre plant Red Bull für das große Ziel Erstklassigkeit ein. Angekündigt wurde eine dreistellige Millionensumme in den nächsten 10 Jahren, die in den neuen Verein fließen soll. In diese grobe Schätzung sind also schon zwei Bundesliga-Spielzeiten eingerechnet.
Der Präsident des SSV Markranstädt sprach davon, dass die Partnerschaft beiden Seiten nur von Nützen sein könnte.
Apropos Nützen: Vor allem auch ein Michael Kölmel wittert die Chance sein Zentral Stadion Leipzig wieder an einen Verein zu vermieten, der die mit 44.345 ausgestattete Arena füllen kann. Zuletzt spielte dort der (schon wieder) insolvente FC Sachsen Leipzig (vor der Wende BSG Chemie Leipzig).
Mit im Einzugsgebiet spielt Lokomotive Leipzig, der Verein, der Nachfolger des VfB Leipzig, des ersten Deutschen Meisters. Lok Leipzig musste im Sommer 2004 in der letzten Spielklasse (11. Liga) starten und arbeitete sich seit dem jedes Jahr eine Klasse höher – mit Ausnahme der letzten Saison. Alle drei Vereine spielen nun zusammen in der NOFV Oberliga Nordost Staffel Süd.
Die Diskrepanz zwischen Lok und RB Leipzig wird schon dadurch deutlich. Auf der einen Seite steht ein Verein, der von Fans selbst aus der Taufe gehoben wurde und der einen steinigen Weg zurücklegen musste. Auf der anderen Seite die Marketingwalze RB Leipzig, die sich in eine Spielklasse hineinkauft, um alsbald in die Regionalliga aufzusteigen.
Das rief bereits deutlichen Protest der Anhängerschaft anderer Vereine aus der Staffel hervor. Beim Premierenspiel des RB Leipzig beim FC Carl Zeiss Jena II wurde auf einem Nebenplatz ausgespielt. Die Fans waren nah dran und nutzten dies sofort. Während der Parte taten sie ihren Unmut kund und behinderten in der zweiten Halbzeit einen Spieler des RB Leipzig beim Einwurf.
Hat man den Effekt, die Polarisierung unterschätzt?
Die Gemüter bei den Ultras jedenfalls sind reichlich erhitzt. Ein Getränkeriese, der finanziell eine außerordentlich hohe Potenz mitbringt stellt die Gesetze des Fußballs auf den Kopf – mit den schon geschilderten Kniffen. Man umgeht Regelungen soweit dies möglich ist. Und natürlich das alles primär des Fußballs wegen. Die Glaubwürdigkeit fehlt diesen Beteuerungen. Alleine, dass man den Kader des SSV Makranstädt übernommen hat, zeigt noch nicht genau auf, worum es Red Bull tatsächlich geht.
„Die Dosen“ haben jedoch jetzt schon ein Teilziel erreicht: Mediale Aufmerksamkeit. Langfristig müssen diese Nachrichten positiver Natur sein und ein Feld der Vermarktung würde entsprechend gut besetzt sein.

In jedem Fall wird das Thema RB Leipzig weiter in der Öffentlichkeit präsent sein. Und es muss kritisch diskutiert werden. So tief greifende „Operationen“ eines einzigen Konzerns bedürfen immer einer Diskussion – dass diese geführt wird, dafür sind wir alle zuständig. Damit solche Aufkäufe nicht lautlos vonstatten gehen.

Montag, 20. Juli 2009

Chaos bei der S-Bahn

Der Bahnhof ist überfüllt, die Menschenmassen schieben sich in den ankommenden Zug, während die drinnen versuchen sich einen Weg durch die Menge an die Luft zu bahnen. Und bis eine S-Bahn kommt, kann es schon mal länger als 20 Minuten dauern. Jeder weiß wovon ich spreche: Der S-Bahn Berlin GmbH. Das Unternehmen, welches Prüffristen vom Eisenbahnbundesamt vorgeben, nicht eingehalten hat, obwohl strenge Kontrollen angeordnet waren. Am 1. Mai entgleiste in Berlin-Karow ein S-Bahn-Zug, dessen Räder erhebliche Mängel aufwiesen. Daraufhin hatte die Zulassungsbehörde (EBA) verschärfte Kontrollen der Züge veranlasst, die nicht stattfanden. Nun führte das, dass die Behörde handelte und ein Drittel der Züge sofort aus dem Verkehr zog. In Folge dessen gab es überfüllte Bahnhöfe und S-Bahnen, Kunden, die sich zu Recht beschweren und der Informationsmangel wurde einmal mehr offensichtlich. Wer davon ausgeht, dass er an den Bahnhöfen informiert wird, der irrt. Auf Grund des massiven Personalabbaus der letzten Jahre, gibt es auf vielen Bahnhöfen nicht mal mehr Abfertigungspersonal. Somit fehlen den Fahrgästen die Ansprechpartner. Dies führte nicht selten zu Disputen zwischen dem einzigen Ansprechpartner und en Fahrgästen: Dem Zugführer. Alles an Allem sehr ärgerlich ist, dass es ab Montag praktisch zum Supergau kommen wird: Zwischen Ostbahnhof und Zoo werden ab 20. Juli gar keine Wageneinheiten mehr verkehren, das gab Bahnmanager Ulrich Homburg vor dem Wochenende bekannt. Im Juni soll an einem Zug ein großer Riss (vermutlich 5 Millimeter lang) entdeckt worden sein, welcher das EBA dazu veranlasst hat, die Kontrollen noch einmal anzuziehen bzw. noch mal zu intensivieren.
Es ist schon erstaunlich gewesen, dass die S-Bahn die dringend nötigen Kontrollen nach dem Vorfall im Mai und der darauf folgenden Anordnung der EBA nicht hat durchführen können. Allerdings dokumentiert dieser Zustand wie vernichtend sich der jahrelange Personalabbau auf das tägliche Brot der S-Bahn auswirkt. Das Wegrationalisieren der Ressourcen tritt in diesen Wochen immer mehr ans Tageslicht.

Die Berlintouristen scheint das Ungemach nicht negativ aufzustoßen. Sie nehmen es wie es kommt. Nur für die, die die S-Bahn täglich nutzen (müssen), fällt das Fazit eben deutlich anders aus. Bereits seit drei Wochen kann die S-Bahn ihr Angebot nur noch beschränkt anbieten.

Die Frage ist, ob die S-Bahn durch die großen Gewinnabgaben an die Bahn, die Tochtergesellschaft, damit diese den Börsengang meistern kann, nicht kaputt gewirtschaftet wird. Die Kundenbewertung für die S-Bahn ist jetzt bereits teilweise vernichtend. Ein Aushängeschild der öffentlichen Verkehrsmittel in Berlin ist dabei wie die Titanic unterzugehen. Nur fungiert hier als Eisberg der Mutterkonzern.

Angesichts der prekären Situation, kann ich nachvollziehen, dass die Stunde geschlagen hat.
Nur, wenn ich wie heute Morgen die überfüllten Züge sehe und man mit manchen Fahrgäste ins Gespräch kommt, so bleibt einem nicht verborgen, dass die S-Bahn viel Kredit verloren hat. Die Verantwortlichen für diesen Kurs sind allerdings primär bei der Deutschen Bahn direkt zu suchen und nicht im alten S-Bahn-Vorstand, der als Baueropfer seine Koffer packen musste.

Das Resultat dieser Zustände ist, dass wieder „die Kleinen“ ihre Köpfe hinhalten müssen. Die S-Bahner fordern, in Zukunft mehr Personal einzustellen bzw. den radikalen Stellenabbau zu stoppen. Umsonst?
In den Instandsetzungswerken mussten kurzfristig über 100 Arbeitskräfte eingestellt werden, um der Lage wenigstens ansatzweise Herr zu werden.
Vor September dieses Jahres wir die S-Bahn jedenfalls ihren Standartfahrplan wohl kaum mehr anbieten können, so vernimmt man es aus Kreisen der Arbeitnehmervertretungen.

Donnerstag, 16. Juli 2009

Bunte Ärgernisse oder doch Kunst?

Sie sind allgegenwärtig und spalten die Gesellschaft: Grafittis bzw. Takes.
In jeder Großstadt und fast jeder Kleinstadt sind sie anzutreffen die Kürzel und / oder selbst gestalteten Bilder, die ihre Urheber als „Kunst“ betrachten und sich deshalb selber den Persilschein zum Aufbringen dieser Kunst ausstellen. Sie prangen auf Zügen, Wänden, Brücken, Dächern und ab und zu sogar auf Pkws oder Bäumen. Man kann ihnen also nicht entkommen, wenn man seinen Fuß vor die Tür setzt. Nun kann man sich durchaus darüber streiten welche Bedeutung diese Werke für den einzelnen haben – und ich spreche hier explizit über die Optik. Ich persönlich empfinde 70 % der Takes und Bilder, die ich sehe als hässlich oder nicht gelungen an. Oft handelt es sich um wirklich billige Schmierereien, die die Umgebung optisch in unerträglicher Weise vergewaltigen. Das hat absolut nichts mit „Verschönerung“ zu tun, sondern stellt für mich eine Abwertung dar. Genauso wie die Namenskürzel, die einem einfach nur noch auf die Nerven gehen. Ebenso die Argumente vieler der selbsternannten Helden, die ihre Taten bagatellisieren und mittels anderer Taten herunterzuspielen versuchen. Auch hier wäre es interessant herauszubekommen, was passiert, wenn man es mit dem Eigentum der Sprayer genauso handhaben würde, wie sie es selbst mit fremden tun. Und doch sollte man den objektiven Blick für die Sache behalten. Nicht jedes Bild macht optisch einen unattraktiven Eindruck. Ich habe schon Werke erblickt, die man durchaus als Kunst bezeichnen darf. Farbenfroh und nicht in 5 Minuten zurechtgesprayt. Hier ist zu merken, dass viel Arbeit und Liebe zum Detail hinter steckt. Den Urhebern könnte ich sogar abnehmen, dass sie ihren Teil zur Aufwertung des Stadtbildes beitragen möchten.

Eine S-Bahnlinie, mit der ich Verkehre, die bringt mich an wahren Kunstwerken vorbei. Es hat fast ein bisschen etwas von einer Galerie, an der man vorbeigeführt wird. Und es ist beeindruckend, wenn man seine Blicke über die vielen Farbtöne und Figuren schweifen lässt. Es ist wie ein Abtauchen in eine andere Welt.

Leider empfinde ich dieses Gefühl viel zu selten, wenn ich durch Berlin laufe. Oft bleibt einfach nur Ärger über läppische Schmierereien, die das Stadtbild in den Dreck ziehen. Es kann mir keiner erzählen, dass das, was z. T. an Hauswänden und in Zügen klebt etwas mit Kunst zu tun hat! Einzelne Buchstaben oder irgendwas in Sekunden dahin gekritzeltes müssten den, der sich daran versucht hat vor Peinlichkeit erröten lassen.
Die Frage ist doch, wo liegt die Grenze zwischen Kunst und bloßer Beschmierung.

Und neben dieser Frage sollte man nie vergessen, dass solche Aktionen ohne Genehmigung immer eine Sachbeschädigung darstellen.

Ich würde dafür plädieren, dass man für Sprayer mehr Flächen zur Verfügung stellt. Legal und ihnen die Möglichkeit zu geben sich wirklich auszuleben.
Es soll ja auch Leute geben, die aus der Szene ausgestiegen sind, weil sie ihr Hobby zum Beruf gemacht haben.

Es ist also nicht unrealistisch und doch wird noch zu wenig getan, um das Talent, was durchaus bei einigen vorhanden ist, auch tatsächlich ernst zu nehmen und entsprechend zu fördern.

Das muss neben der Strafverfolgung ganz oben auf der Agenda stehen.

Dienstag, 7. Juli 2009

Die Superheuchler

Am 15. Juni um 20.15 Uhr war es soweit: der neue Quotenbrecher von SAT.1 ging auf Sendung. Die „Superlehrer“ sind ein Team aus vier Pädagogen (Die Sportlehrerin muss ausgeklammert werden, denn sie ist gelernte Bürokauffrau. Ebenso der Deutschlehrer, der Frührentner (ja, genau diesem Personenkreis fühle ich mich sehr verpflichtet) ist. Schon mal zwei Personen Abzug) und einer Sozialarbeiterin (die auf der offiziellen SAT.1-Seite als „Sozialpädagogin“ bezeichnet wird, aber nicht aktiv am Unterricht bzw. der Gestaltung des Unterrichts teilnimmt. Eine Person Abzug), die es mit 16 unbelehrbaren und verzogenen Teenies zu tun bekommen. Sie sollen die Bande – in der keiner einen Schulabschluss besitzt - wieder auf Vordermann bringen. Innerhalb von 14 Wochen sollen die 16 Versuchskaninchen ihren Hauptschulabschluss geschafft haben, um eine Lehrstelle zu erlangen bzw. eine Berufsfachschule zu besuchen. Die Teilnehmer an diesem Projekt sollten es als zweite bzw. Chance verstehen, damit ihnen nicht „der Zugang zu einer Berufsausbildung verwehrt“ bleibt, wie es im Text heißt. Ja, alles zum Wohle der Jugendlichen, denen der großzügige Privatsender noch eine Hintertür offen hält. Wie sozial, wie verantwortungsvoll. Es kommen einem die Tränen – nur den Auserwählten scheint der Ernst der Lage noch nicht bewusst zu sein. Gezeigt werden fast ausschließlich Ausraster, schlechte Noten oder sonstige Beleidigungen bzw. Beschimpfungen. Der Lehrer wedelt vorne stehend mit einer gelben Karte und die Runde, die diese Geste scheinbar nicht für voll nimmt. Autorität sieht anders aus, und doch bekommt man mit den 16 Schicksalen Mitleid. Eine Mathearbeit wurde geschrieben…es hagelt Fünfer und Sechser. Disziplin ist für die meisten ein Fremdwort. Diese Serie wurde als „Dokutainment“ angekündigt. Ein Mix aus Seriosität und Sensationsjournalismus. Herausgekommen ist leider wieder die Quotenmaschinerie. Womöglich ist das dem Sender nicht einmal ganz unrecht, denn so lässt sich auf den Montagabend doch eine ganz ordentliche Aufmerksamkeit erzeugen. Und sein wir mal ehrlich: Solche Brennpunkttehmen ziehen gerade in Zeiten, in denen das Bildungssystem im Kollektiv hinterfragt wird am besten.

Für mich hat dieses Format mit einer ordentlichen Dokumentation, in der sachlich analysiert wird und Möglichkeiten für die Jugendlichen aufgezeigt werden, wenig zu tun. Viel mehr geht es darum die Jugendlichen durch die Manege zu treiben. Wie Vieh werden sie vorgeführt. Ein weiterer Nachteil ist, dass sich die Aufnahmen auf ihre künftigen Vorstellungsgespräche (sofern es sie geben wird) auswirken werden.
Auch die Konsequenzen bei Fehlverhalten sind die altbekannten Maßnahmen. Den Sitz in der Klasse für den Rest der Stunde räumen ist nur ein Beispiel. Sie lernen also dieselben Muster kennen, mit denen ihn schon auf ihren vorherigen Schulen nicht geholfen werden konnte.
Neben dem schwammigen Begriff des Lehrers wird also pädagogisch auf den Standart zurückgegriffen, der jedem bekannt ist.
Es kommt also wie es kommen muss. Und SAT.1 reibt sich genüsslich die Hände. Der Deutschlehrer wird als „absolute Respektsperson“ bezeichnet. Genau diesen Charakter hat man wohl gesucht, denn von der Bezeichnung zehrt der Mann nur noch in der Theorie.
Das alles bringt dem Sender Einschaltquoten und durch die Themenwahl (die grundsätzlich nicht fehl am Platze ist) bekommt das Ganze einen vernünftigen Anstrich.
Was jeder weiß: Der Hauptschulabschluss an sich ist heute noch lange, lange kein Türöffner für eine Ausbildung.

Geknallt hat es bereits – natürlich – zwischen Schülern und Lehrern, aber auch untereinander gibt es dem einen oder anderen Konflikt auszufechten.
Mittlerweile ist auch die Bild-Zeitung (online) auf den Hund…ähm, pardon, Lehrer gekommen, und hat die Prügelstory (ein Schüler wurde gegen eine Klassenkameradin handgreiflich, nach dem ein böses Wort im Raum fiel) mit Kusshand aufgenommen.
Bravo SAT.1! Zumindest der Sender hat sein Ziel schon mal erreicht.
Welche Ziele die jetzt 15 Schülern (das Ungetüm wurde, pädagogisch sinnvoll, aus dem Unterricht entfernt) erreichen werden? Ihren Soll für den Gönner haben sie erfüllt.

Sonntag, 28. Juni 2009

Das große Rad

Mehr als Karlsruhe, Cottbus und Bielefeld für ihren Burstsponsor kassierten.
2 Millionen Euro wird der 1.FC Union künftig dafür bekommen, dass die ISP (International Sport Promotion) in der 2. Bundesliga die Brust des Hauptstadtclubs schmücken darf. Damit ist man auf diesem Feld der Ligakrösus schon lange bevor der erste Ball der Saison 2009/2010 gerollt ist. Am 25. Juni wurde das Engagement auf einer PK im Stadion an der Alten Försterei bekannt geben. Die Verantwortlichen gaben sogleich eine Pressemitteilung heraus, denn mit solch hohen Summen, kommen meist auch etwas unangenehme Fragen. Und diese werden nicht ganz zu Unrecht in den Raum geworfen.
Dir Zingler erklärt: „Wir verstehen die ISP als strategischen Partner, der die Entwicklung des Vereins mittelfristig begleiten und beim Erreichen unserer Ziele unterstützen wird. Die uns zur Verfügung stehenden Mittel werden wir zu gleichen Teilen in verschiedenen Bereichen des Vereins einsetzen. Natürlich wird ein Teil unmittelbar in den sportlichen Bereich investiert, wir werden die Infrastruktur weiter verbessern und wir werden auch den Abbau von Verbindlichkeiten vorantreiben“. Dabei immer im Auge haben sollte man, dass der Verein ganz alleine seine Entwicklung vorantreibt. Man möchte die Menschen, die sich in den letzten Jahren treu zum Verein bekannt haben, mitnehmen. Darüber hinaus soll die ISP an der Stadionbetreibergesellschaft beteiligt werden. Auch bei Spielertransfers soll der neue Partner ein Wörtchen mitreden können.
Was wiederum zum nachdenken anregt: „Die ISP wurde im Frühjahr dieses Jahres gegründet, um über die Kooperation mit Union und den damit verbundenen Einstieg in den prestigeträchtigen Profifußball weitere Geschäftsfelder erschließen zu können. Das Unternehmen ist eingetragen bei der Chamber of Commerce in Dubai.“
Ein neues Unternehmen gegründet, um einem Fußballverein zu unterstützen. Interessant und zugleich fragwürdig.
ISP ist Mitglied einer von der ISO International Development & Consulting koordinierten Unternehmensgruppe. Gut, denkt man sich da, schaue ich doch mal nach der ISP. Diese ist im Netz leider nicht leicht aufzutreiben und wenn man sich den Onlineauftritt der ISO anschaut, wird man noch stutziger.
Man habe „für die Entwicklung von komplexen Projekten“ die Verantwortung.
Die Betätigungsfelder des Unternehmens werden wie folgt angegeben: Bautechnologien und innovative Baustoffe, Umwelt-Management und regenerative Energien, Rohstofferkundungen und Rohstofferschließungen sowie Infrastruktur-Projekte.
Das hört sich für mich alles sehr, sehr schwammig an. Und wenn man ein paar Zeilen weiter runter springt ist von der „Übernahme von Unternehmen“ die Rede. Alles in allem sind mir persönlich zu wenig konkrete (!) Informationen enthalten. Das man allgemein das Firmenprofil herausstellet ist selbstverständlich, aber ein paar Referenzen wären wünschenswert. Ein internationales Unternehmen also, wie man lesen darf, welches sich nicht nur auf einem Kontinent an den Markt gewagt hat. Klickt man auf die Rubrik „Was wir tun“, so landet man auf einer leeren Seite, die in den“ nächsten Wochen“ veröffentlicht wird. Ein bisschen beschleichen mich nun doch flaue Gefühle im Bauchraum.
Auch in der Baubranche war man anscheinend nicht untätig. Man das Augenmerk wohl auf West-Afrika gelegt und den Fokus auf regenerative Energien und Rohstofferkundungen bzw. Erschließungen gerichtet.
Das alles hört sich für mich immer noch nicht so recht Vertrauens erweckend an.
Festhalten sollte man aber, dass in der heutigen Zeit im Profifußball ohne einen so potenten Sponsor nicht mehr viel geht. Die Infrastruktur muss angepasst, das Stadion ausgebaut und der Spielerkader weiter entwickelt werden. Das alles treibt die Kosen in unermessliche Höhen. Alleine schon deswegen könnte, wenn der Deal nach fünf Jahren glatt gelaufen ist, die ISP auf der anderen Seite ein wichtiger Partner sein.
Unerwartet kam das Sponsoring für die Öffentlichkeit alle mal.
Im Vorfeld war wild spekuliert worden. Vor allem Gazprom Germania war als möglicher Kandidat im Gespräch. Diese Gerüchte wurden durch das Gastspiel des FC Schalke 04 im Sommer noch angeheizt.
Am Ende wird es also ein Unternehmen, das niemand so richtig kennt und dessen Tätigkeitsfelder zwar beschrieben wurden, aber nicht so wirklich konkretisiert.
Ich freue mich für den Verein, dass er so eine Geldquelle auftun konnte. Doch traue ich dem Braten (noch) nicht.
Eingetragen ist die ISP übrigens in Dubai.

Dienstag, 9. Juni 2009

Wahl?! Was für eine Wahl?

Die Europawahl, das klingt nach großer Politik, nach mächtigem Einfluss.
Doch das Europaparlament gilt als mausgrau, als unwichtig und unbedeutend.
Der direkte Einfluss auf das politische Gesehen in Deutschland wird als gering eingeschätzt, obwohl Deutschland die meisten Abgeordneten (99) in Brüssel stellt. Genauer gesagt sehen die Menschen, dass im Bundestag die für sie relevanten Entscheidungen getroffen werden, sogar der Gemeinderat, so die ARD, sei für die Menschen in Deutschland ein Organ, welches entscheidendere Maßnahmen beschließt als das EU-Parlament.
Die Bürger, die dann doch aufraffen können den Weg Richtung Wahlkabine zurückzulegen, die wählen dann oft die europakritischen Parteien.
Verzweifelt versuchte die EU mittels Horrorklips die Wähler an die Urne zu peitschen.
Da rennt das schreiende Opfer ins Wahllokal und der potentielle Mörder mit einer Axt in der rechten Hand folgt Sekunden später, um seine Stimme anzugeben. Europa genießt einen hohen Stellenwert, dafür werden sogar Morde um ein paar Minutchen verschoben, so die Botschaft.
Und auch die Parteien haben mich wieder amüsiert - auf ihre ganz eigene Art und Weise sich die eigenen Ergebnisse bei den s. g. Wahlpartys schönzureden. Der politische Gegner wird mit allen rhetorischen Tricks in Grund und Boden geredet, so wie es sich gehört, wenn man selber, wie z. B. die CDU, über 5 % der Stimmen im Vergleich zur Europawahl im Jahr 2004 eingebüßt hat und damit den größten Verlust aller Parteien hinnehmen musste. Herr Pofalla frohlockte und zeichnete bereits das Bild zur Bundestagswahl im September dieses Jahres. Er wiederholte freudestrahlend und kraftstrotzend noch einmal: „Es gibt eine bürgerliche Mehrheit in Deutschland.“
In der SPD beginnt derweil das Wundenlecken. Man sackte noch unter den Wert des Hartz-Jahres 2004, in dem die SPD auf Grund der Agenda-Politik der Rot-Grünen Bundesregierung unter Schröder abgestraft wurde. Selbst die Führungsfiguren Steinmeier und Müntefering standen ratlos vor dem Ergebnis und versuchten erst gar nicht den Eindruck zu erwecken, es gehe ihnen nicht unter die Haut.
Die anderen, kleineren Parteien gingen an diesem Abend zum Feiern über; nicht ganz zu Unrecht.
Was festzuhalten ist – so steht für mich fest -, ist dass die Wahlmöglichkeit vor allem die jungen Bundesbürger nicht interessiert, wie man nach Einblick in gewisse Statistiken feststellen konnte. Die Trauer wird sich in Grenzen halten und schon jetzt mobilisiert man für den Bundestagswahlkampf. Dort soll die Wahlbeteiligung über 80 % liegen. Die SPD sieht ihr Wählerpotential, so wissen wir seit dieser Woche, unter den Nichtwählern schlummern. Wohl dem, der solchen Optimismus pflegt.

Dienstag, 2. Juni 2009

Die gutmütige Bundesregierung

Nun gibt’s also den ersten Überbrückungskredit für Opel.
1,5 Milliarden Euro werden aus öffentlichen Geldern bereitgestellt und das ist noch lange nicht das Ende. Die Kanzlerin wollte auf einen der wenigen plausiblen Vorschläge des Wirtschaftsministers Guttenberg nicht eingehen. Der nämlich hatte in Erwägung gezogen, Opel insolvent gehen zu lassen und die Arbeitnehmer in einer Treuhandgesellschaft aufzufangen. Gegen dieses sperrten sich die Kanzlerin, viele Teile der Union und auch der Koalitionspartner SPD. Man hält also krampfhaft an Opel fest und konnte den Konzern aus der Mutter General Motors herauslösen, ehe diese am Sonntag zahlungsunfähig wurde. Der kanadisch-österreichische Autozulieferer Magna erhielt den Zuschlag für Opel – zusammen mit der russischen Sberbank möchte man einen Mehrheitsanteil übernehmen. Sollte sich das Konzept für den Autobauer Opel als nicht tragfähig erweisen wird, ist völlig unklar. Die Regierung möchte insgesamt 4,5 Milliarden Euro Überbrückungskredit gewähren, inklusive der 1,5 Milliarden, die schon genannt wurden. Der Umatz des Autozulieferers Magna wird bei Wikipedia mit 25 Milliarden US-Dollar angegeben (2007). Die Frage ist wie weit dieser Aktionismus noch führt. Denn schon jetzt klopft der Karstadt Mutterkonzern Arcandor an die Tür von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und bittet um über 600 Millionen Euro Hilfen.

Die Frage ist doch, wie lange man dieses Spiel noch so weiter treiben kann. Nicht jeder, der jetzt an die Regierung herantritt kann man Staatsknete überschüttet werden. Denn auch das ist keine niemals versiegende Quelle. Die Resonanzen aus der Bundesregierung sind ja kaum überhörbar. Die SPD setzt sich für Hilfen für den Handelskonzern Arcandor ein, während aus der CDU Gegenwind kommt –verständlicher Weise. Und ich zähle mich mit Nichten zu den Christdemokraten, aber es muss eine Schmerzgrenze gezogen werden. Nicht jeder Konzern, jedes Unternehmen, kann mir nichts, dir nichts, an den Staat herantreten und sich die Kohle vom Tablett klauen. Denn ein der Einstieg in immer mehr Unternehmen bedeutet Verstaatlichung – ein Wort, was in weiten Sitzreihen des Bundestages wohl nur den Linken über die Lippen gekommen wäre…wenn überhaupt.

Montag, 4. Mai 2009

Ein Schelm, wer Böses denkt.

Er ist ein Engel. Der Bundesminister für Arbeit und Soziales hat mal wieder seinen Heiligenschein aufblitzen lassen und das alles nur für die gebeutelten Rentner der Nation. Dabei vergaß er die Rentenformel und ließ sich dazu hinreißen die Behauptung aufzustellen bzw. das Versprechen, dass „die Renten in Deutschland nicht gekürzt werden“, so Scholz. „Nicht im nächsten und auch nicht in späteren Jahren.“ Das geht bei den Betroffenen natürlich runter wie Öl, wenn da nicht die Rentenformel wäre, die besagt, dass sich die Renten an der Lohnentwicklung des Vorjahres orientieren. Und dann haben wir da noch diese Weltwirtschaftskrise, die dafür sorgt, dass immer mehr Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren bzw. in Kurzarbeit geschickt werden. Das Lohnniveau sinkt und damit auch das Volumen des Betrages, welcher in der Rentenkasse landet. Also eigentlich doch ein unrealistischer Vorschlag, denkt sich da Ottonormalverbraucher. Ist Herr Scholz also ein Traumtänzer? Nun, nicht ganz, denn die Rentenformel bezieht viele Faktoren mit ein. Z. B. der Nachhaltigkeitsfaktor, der seit 2005 wirksam ist. Der Anteil der Rentner wird in Relation zu den Beitragszahlern gestellt. In den letzten Jahren müssen immer weniger Beitragszahler immer mehr Rentner bezahlen. Die Waage ist also schon um Ungleichgewicht. Doch dieser Umstand fließt in die Berechnung nicht in vollem Umfang mit ein – nur mit 25 % wird er berücksichtigt. Es wird also an dieser Stelle getrickst, um eine Kürzung der Renten zu verhindern, obwohl sie rein wirtschaftlich zu begründen wäre. Im Klartext: Die demografische Entwicklung wird nur z. T. berücksichtigt. Vor allem nach diesem Jahr wird man mit Interesse – auch in Berlin – verfolgen wie sich die Bruttolöhne entwickelt haben. Doch, der liebe Olaf hat mehr Kenntnis, die er nun todesmutig zu Gunsten einer großen Wählergruppe auslegen möchte. Der Rentneranteil an der Gesamtbevölkerung ist nicht gerade überschaubar und da tut sich eine potentielle Wählerscharr ( ca. 20 Millionen Rentner in Deutschland) für Scholz, denn – oh, Wunder – im September stehen die Bundestagswahlen vor der Tür und gerade dann erscheinen Versprechungen, wie die, die Scholz zum Besten gibt in einem ganz anderen Licht.
Doch das ist dem Wohltäter Olaf Scholz nicht genug, denn er will sein Versprechen nun auch juristisch festgezurrt wissen: Schwarz auf Weiß. „Warum soll man nicht klarstellen, was jeder von uns sowieso weiß“, auch so ein geflügelter Satz des ehm. SPD-Generalsekretärs.
Das „Handelsblatt“ hatte zuvor publiziert, dass den Rentnern in Deutschland die Altersbezüge, auf Grund der weltweiten Wirtschaftskrise um über 2 % gekürzt werden sollen. Man berief sich auch Kreise der Sozialversicherungen, bei denen die Haushaltslage gewohnt marode ist.
Aber auch die CDU sorgt sich um die Umfragewerte und stimmte in den Tenor ein, CDU-Generalsekretär steht Roland Pofalla möchte für 2010 ebenfalls keim Minus vor der Prozentzahl sehen.
Sind sie nicht drollig?Doch reicht man dem Bürger mal den Finger, nimmt er gleich die ganze Hand.
Irgendeiner der vielen Sozialverbände forderte „einen Schutzschirm für Rentner“.
Ich fordere ebenfalls einen Rettungsschirm: Für Jugendliche, Für Arbeitnehmer, für Arbeitslose (die haben doch schon einen, oder), für die Banker und Manager, die dafür gesorgt haben, dass so manche Bank an der Wand landete. Ja, wovon sollen denn diese bemitleidenswerten Individuen leben? Von der lächerlichen Abfindung? Oder dem Ruhegehalt?! Pfff, das reicht hinten und vorne nicht!
Sollen wir etwa von der Hand in den Mund leben?
Nein, nein, noch nicht mal die hohlen Wahlversprechen von Olaf Scholz scheinen die Stimmung bei den Rentnervertretern aufzuhellen. Die wollen nicht nur die Hand, satt den Finger; sondern gleich den ganzen Arm!

Freitag, 1. Mai 2009

Ausgespielt

Im Januar 2008 wurde der „Erneuerer“ Jürgen Klinsmann zum ersten Mal auf einer Pressekonferenz als Bayern-Trainer öffentlich vorgestellt. Man erkannte ihn an seinem immer positiven Grinsen. Da war er wieder, der Schwabe, der noch in den 90ern für die Bayern aktiv spielte und der durch seinen Tritt gegen eine ominöse Werbetrommel einer (seiner Meinung nach ungerechtfertigten) Auswechslung Luft machte. Das alles war in seiner aktiven Zeit. Danach zog es ihn in die USA und von 2004 bis 2006 war er Nationalcoach der deutschen Elf. Er war für das „Sommermärchen“ der Weltmeisterschaft 2006 mitverantwortlich, unter ihm belegte das Team den dritten WM-Platz, scheitere nur knapp an Italien im Halbfinale in Dortmund. Der Presseraum des FC Bayern ist geborsten voll, die Nachricht, dass ausgerechnet Klinsmann den FC Bayern ab Sommer coachen soll, lockt diverse Kamerateams und eine Scharr von Reportern zur Säbener Straße. Auf der PK wirkt Jürgen Klinsmann fast schon normal; er erläutert, dass „als der Anruf vom Karl-Heinz (Rummenigge, A. v. m.) kam, war die Entscheidung emotional recht schnell gefallen. In Absprache mit meiner Frau natürlich.“ Doch die Freunde merkt man ihm dann doch noch an, denn „es ist eine Ehre für mich“, so der zukünftige Bayern-Cheftrainer, „hier aufgenommen werden zu dürfen, hier im Prinzip eine Arbeit weiterzuführen, die ich in gewisser Weise mit der Nationalmannschaft schon angefangen habe.“ Er spricht von der Erfahrung, die er während seines Engagements für den DFB gesammelt habe; von den ersten Schritten, wie man eine Mannschaft zu führen habe. Dann geht Klinsmann auf seine „eigene Philosophie an, die er zusammen mit dem damaligen Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft, Joachim Löw, entwickelt habe. Auch die Motivation der Spieler ist ein Faktor, den der Wahlkalifornier anschneidet.
Diese Philosophie konzentriere sich darauf, „jeden einzelnen Spieler besser machen zu wollen“, so Klinsmann. Dieser Satz sollte in seiner kurzen Amtszeit wie ein Damoklesschwert über ihm hängen. Und – das überraschte - Klinsmann brach eine Lanze für den Bayern-Manager, den Mann, dessen Herz mit dem Klub fest verwachsen ist, Uli Hoeneß. Auch er hätte ihm während seiner Amtszeit beim DFB viel Unterstützung zu kommen lassen, was in den Medien aber falsch interpretiert wurde, so Klinsmann. Dann verkündet er selbstsicher, dass er wisse worauf er sich eingelassen habe und mit Freude dem Amtsantritt entgegenfiebere. Man wollte nach der zweiten Ära Hitzfeld (2007 Januar – 2008 Juni / von der ersten braucht man denke ich nicht zusprechen; sie war von Erfolgen gespickt), die sehr erfolgreich verlief, beginnen einen neuen Fußball spielen zu lassen. Man wollte aufschließen zu den großen europäischen Top-Vereinen, wie Manchester United, FC Barcelona, Real Madrid, FC Chelsea, Inter Mailand und wie sie alle heißen. Das Spieltempo sollte erhöht werden, auf internationalem Parkett wollte man wieder eine gute Figur abgeben.
Im Mai 2008 verabschiedet sich Ottmar Hitzfeld mit zwei Titeln vom FC Bayern – das zweite Mal. Hitzfeld holt mit dem im Sommer 2007 extrem verstärkten FC Bayern (u. a. Ribery (25 Millionen Euro), Miroslav Klose (ca. 12 Millionen Euro), Marcell Jansen (ca. 14 Millionen Euro), etc.) souverän den Meistertitel und den DFB-Pokal: Das Double.
Am 1. Juli beginnt beim FC Bayern eine neue Zeitrechnung.
Denn mit Klinsmann wechselte nicht einfach nur ein Trainer, nein, es wechselte, wie angekündigt, eine ganze Philosophie. Denn Klinsmann brachte mehrere Co-Trainer mit, die teilweise noch keine Erfahrung im europäischen Profifußball hatten. Das Trainingsgelände wurde umgestaltet, eine Oase bildete sich an der Säbener Straße. Nicht nur die pure fußballerische Ausbildung interessierte Klinsmann, er wollte den Spielern das Rüstzeug für eine Karriere mitgeben, was außerhalb des Platzes von Nöten ist. Was passiert, wenn ein Spieler psychisch angeschlagen ist? Wie geht er mit dem Medienaufgebot um? Wie verhält er sich in juristischen Fragen? All das war für den sympathischen Schwaben von zentraler Bedeutung und es war ein Aspekt, der im Profifußball seiner Meinung nach bisher völlig ausgeblendet wurde. Vorbilder für seine Trainertätigkeit fand der z. B. in den US-Sportarten Basketball und Football. Dabei vergaß er nicht zu erwähnen, dass diese Sportarten dem Fußball weit voraus sein.
Trainingsanalyse, neue Fitnessübungen, umfangreiche Datenerhebung, individuell für jeden einzelnen Spieler, intensivere Betreuung und neues Spielsystem. Van Bommel wurde zum Kapitän ernannt, für den abgetretenen Oliver Kahn. In der Sommerpause wurden keine großen Transfers getätigt. Hans-Jörg-Butt kam von Benfica Lissabon und Tim Borowski von Werder Bremen. Zu alledem kam, dass der Linksverteidiger Marcell Jansen für 8 Millionen Euro an den HSV abgegeben wurde. Und als Willy Sagnol (Rechtsverteidiger) wegen seiner chronischen Achillessehnenleiden seine Karriere mit 31 Jahren beenden musste, brauchte man kurzfristigen Ersatz. Diesen fand man in Massimo Oddo vom AC Mailand, der für eine Spielzeit ausgeliehen wurde.

Alleine die Trainingsmethoden wurden kritisch beim Münchner Publikum beäugt.
Ich muss zugeben, dass der Weg für Klinsmann, die Spieler anders auf den Spieltag vorzubereiten, ein sehenswerter war. Und er war von dem ersten Tag an überzeugt es mit der Mannschaft, die er zur Verfügung hatte umzusetzen. Es wehte ein frischer Wind auf dem Bayern-Trainingsgelände. Vor allem die Psyche stand im Vordergrund, diese Schraube zu drehen, sollte den einzelnen Spieler zu neuen Leistungen pushen. Der Trainerstab nahm jedenfalls ungeahnte Ausmaße an. Für den Außenstehenden war es schwer zu differenzieren, welcher Trainer nun genau für welchen Aufgabenbereich zuständig war. Dieses Netz von Trainern, Therapeuten, Psychologen etc. war schwer durchschaubar und doch war der Ansatz ein, für deutsche Verhältnisse, viel versprechender.

Die ersten vier Spieltage der neuen Saison beginnen erfolgreich. 10 Tore erzielt der FC Bayern München, bei vier Gegentreffern. Doch mit dem 20. September fangen die sportlichen Probleme an und ein erstes Stottern im Motor des FC Bayern ist unüberhörbar. 2:5 unterliegt der Meister vor eigener Kulisse Werder Bremen – eine Packung. Das Bremen in der Lage sein würde, den FC Bayern vor eigenem Publikum abzuschießen, das hatten nur die kühnsten Optimisten für möglich gehalten. Denn die Münchner waren nicht unbegründet klarer Favorit. Nach dem auch das folgende Auswärtsspiel in Hannover verloren wurde, fingen sich die Bayern wieder und starteten eine Serie bis hin zur Winterpause. Doch auch diese Erfolgsserie wurde von Störfeuern begleitet. Das 3:3 gegen den VfL Bochum war der Anfang von elf Spielen ohne Niederlage. Jedoch führten die Bayern bis zur 82. Minute klar mit 3:1 und doch gelang den Bochumern noch der Ausgleich, obwohl man sie im Griff zu haben schien. Auch Torwart Michael Rensing war daran nicht schuldlos und damit kommen wir zu einer Personaldiskussionen, die sich die gesamte Hinrunde ausbreiten sollte und auch in der Rückrunde brandaktuell war. Immer wieder waren Unsicherheiten beim 24-Jährigen auszumachen, der das schwere Erbe von Oliver Kahn antreten musste. Bis zum 18. Spieltag verlor der FC Bayern kein Liga-Spiel mehr und lag zur Winterpause mit „Herbstmeister“ TSG Hoffenheim punktgleich auf Platz, da die Tordifferenz nicht positiv genug war.
Die Misstöne waren aufgrund der vielen Gegentore trotzdem zu vernehmen. Oft hatte Klinsmann rotieren lassen: Mal Oddo, mal Lell als Rechtsverteidiger gebracht oder van Buyten für Demichelis. Es gab also keinen Konstanten Abwehrverbund. Daran störte man sich also auch nach einer sehr guten Hinrunde, mit ein paar Schönheitsfehlern.

Das neue Jahr begann für die Bayern am 27. Januar mit der DFB-Pokal-Partie in Stuttgart, beim VfB. Dieses Spiel gewannen die Bayern mit 5:1. Nebenbei waren sie auch in der Champions League gut dabei. Das Dilemma beginnt damit, dass Jürgen Klinsmann Landon Donovan unbedingt für 3 Monate verpflichten wollte. Der US-Amerikaner (27 Jahre / 108 A-Einsätze für die USA) wurde also bis März von LA Galaxy ausgeliehen, was so manchen ins Schmunzeln versetzte, war es doch genau der Spieler, der sich schon bei Bayer Leverkusen so schwer tat; also eine Station in Deutschland bereits durchlaufen hatte. Zum Auftakt der Hinrunde gab es dann gegen den HSV auswärts eine 0:1-Niederlage und das in einer Saison, in der die Norddeutschen ganz oben mit mischen. In der Winterpause war außerdem bekannt geworden, dass Ivicar Olic (eben vom HSV) im Sommer 2009 nach München wechselt – ablösefrei. Das kommende Heimspiel gegen die Dortmunder begann mit einem Rückstand in der 2. Minute, konnte aber noch mit 3:1 gewonnen werden. Gegen Hertha BSC (auswärts / 1:2) und den 1.FC Köln (Heimspiel / 1:2) setzte es Niederlagen. Auch beim SV Werder Bremen konnte man, obwohl 75 Minuten in Überzahl (nach Platzverweis gegen Naldo), nicht gewinnen und fuhr mit einem 0:0 in die bayrische Landeshauptstadt zurück. Die Kritiker fühlten sich nun immer intensiver bestätigt. Von Souveränität war beim amtierenden Meister nämlich nichts zu sehen.
Nach dem der FC Bayern in der Champions League Gruppensieger wurde, konnte er im Achtelfinale Sporting Lissabon mit 5:0 (Hinspiel / in Lissabon) und 7:1 (Rückspiel / in München) bezwingen. Im Viertelfinale wartete mit dem FC Barcelona der Triumphator von 2006 in der Königsklasse.

Zurück in die Bundesliga: Landon Donovan war inzwischen schon wieder auf dem Heimflug. Nur drei magere Monate verbrachte er bei Bayern München und die Kluboberen haben keine Veranlassung gesehen Donovan weiterzubeschäftigen. Ohnehin sind seit den Niederlagen gegen Berlin und vor allen gegen Köln (!) einige Misstöne zu vernehmen. Nach dem 0:0 gegen Bremen wurde das DFB-Pokalviertelfinale mit 2:4 gegen Bayer Leverkusen verloren und damit war das Chaos so ein bisschen eröffnet und die ersten kritischen Stimmen gegen Klinsmann unüberhörbar. Die darauf folgenden Spieltage 23. 24. und 25. konnte man zwar alle samt gewinnen und doch war man in München nicht zufrieden, denn man hätte z. B. gegen Hertha bei einem Sieg Tabellenführer werden können und verpasst es, nach dem man in der vergangenen Saison vom 1. bis zum 34. Spieltag die Tabelle anführte. Nach der Pleite gegen Leverkusen konnte der erste Titel für 2008 / 2009 abgehackt werden: Der DFB-Pokal. Erschwerend hinzukam, dass Leverkusen die Münchner im Griff hatte, und zwar richtig und durchaus hätte mehr Tore erzielen können. Dann kam der 26. Spieltag, wieder hätte Bayern bei einem Sieg Tabellenführer werden können, aber auch der VfL Wolfsburg, der die Münchner zu Hause empfing hätte die Führung durch einen Erfolg erringen können. Doch schon 2004 / 2005 gab es eine ähnliche Konstellation und auf den FC Bayern war immer Verlass – damals noch mit Felix Magath auf Seiten der Münchner. Dieses Mal allerdings wurde die Talfahrt der Münchner abrupt! 1:5 unterlagen sie beim neuen Tabellenersten und mussten durch das fünfte Tor eine Demütigung hinnehmen, als VfL-Angreifer Grafite die gesamte Hintermannschaft schwindlig spielte und den Ball mit der Hacke an Rensing vorbei ins Tor kickte. Es war die höchste Bundesliga Niederlage des FC Bayern seit dem 1:5 beim FC Schalke 04 im Jahr 2002. Und vier Tage später stand das Duell gegen den FC Barcelona im Camp Nou vor über 90.000 Zuschauern an. Man fuhr angeschlagen nach Spanien und Jürgen Klinsmann stand nach der Klatsche gegen die Wolfsburgern bei den Fans offen am Pranger. Hinzu kamen nun auch noch Gerüchte, dass die Mannschaft sich vor dem Champions League Achtelfinale gegen Sporting Lissabon, eigenmächtig die Taktik verändert haben soll. Es sollte sich später also Finte herausstellen, aber die Autorität des Trainers Jürgen Klinsmann untergrub es allerdings nicht unerheblich. In einer Phase, in der Jürgen Klinsmann offen und scharf kritisiert wurde, hielt das Präsidium des Klubs still. Der Abend des Viertelfinal-Hinspiels geriet dann für den FC Bayern zur Farce. Bereits nach 45 Minuten war man geschlagen – 0:4-Rückstand und auch dieser war noch gnädig. Es war auch das Endergebnis, weil die Gastgeber mind. zwei Gänge zurückschalteten. Das Dauerfeuer war eröffnet. Und man musste ganz klar attestieren, dass diese Mannschaft nicht konkurrenzfähig war – zumindest auf europäischer Bühne. Ein Christian Lell fand nicht statt, Massimo Oddo wurde von Thierry Henry schwindlig (im wahrsten Sinne des Wortes) gespielt. Eine Verteidigung existierte über die gesamten 90 Minuten nicht und vor der Partie hatte Klinsmann für einen weiteren Erdrutsch gesorgt, als man die Aufstellung studierte. Der Kron-Prinz und Kahnnachfolger, Michael Rensing, fand sich auf der Ersatzbank wieder und Torwartroutinie Hans-Jörg-Butt kam in den Genuss der Startelf.

Nach dem Spiel prügelte Günther Netzer und wie sie alle heißen, die Großen des deutschen Fußballs, auf Klinsmann ein, aber Netzer eben besonders. Ich muss zugeben, dass der Abend ein bitterer war und die Grenzen dem FC Bayern klar aufgezeigt wurden, aber die Hauptschuld an dem desolaten und unmotivierten Auftritt trug nicht Klinsmanns Taktik, sondern einzig und allein die unmotivierte Spielweise der Männer mit Bayern-Emblem auf der Brust – nicht zu vergessen die technischen Mängel, sowie das langsam Antizipieren, was Barcelona wesentlich besser gelang.

Und obwohl er Michael Rensing versprochen hatte, dass er gegen Eintracht Frankfurt am kommend Wochenende wieder im Tor stehen würde, blieb er bei seiner Entscheidung. Und hier möchte ich ansetzen, denn dass Rensing ein s. g. „Fliegenfänger“ ist, das ist bekannt; die Fußstapfen, die Oliver Kahn hinterlassen hat sind für diesen Keeper eine Nummer zu groß. Er stellte nach Leistung auf, was lobenswert ist und auch korrekt, weil Rensing sich auf die letzten Monate betrachtet zu viele Fehler und Unsicherheiten geleistet hatte. Nach dem 4:0-Sieg gegen Frankfurt, sprach Klinsmann davon, dass er nun einen „erfahrenen Mann“ zwischen den Pfosten benötigt und vor allem einen Leader, der auch Ruhe ausstrahlen kann, einen Souverän eben. Aber ihm dann das Wort zu geben und zu sagen, „Hey, du stehst auf jeden Fall beim Spiel gegen Eintracht Frankfurt im Tor.“, um wieder die 180° Wende einzulegen war nicht hilfreich. Und doch lautet das Fazit, dass ein Michel Rensing kein Potential hat, um beim FC Bayern klarer Stammkeeper zu werden. Ich bin mir allerdings unsicher, ob Klinsmann, dass vielleicht schon viel früher abschätzen konnte, nur nicht wechseln konnte, weil ein Uli Hoeneß zu den Unterstützern von Rensing zählte. Inzwischen waren die „Klinsmann-raus“ Rufe deutlich zu vernehmen. Die Fans machten ihrem Umnut Luft – akustisch. Klinsmann konnte das nachfolgende Spiel in Bielefeld zwar gewinnen, aber als es am 25. April 2009 0:1 gegen den FC Schalke hieß, war seine Zeit aus Sicht von Uli Hoeneß, Rummenigge und Hopfner abgelaufen. Zwei Tage später war Jürgen Klinsmann nicht mehr Chef-Trainer des FC Bayern München und auch sein Trainerstab um Martin Vasquez musste seinen Posten räumen.

Zu allem Überfluss legten die Spieler beim letzten Spiel von Jürgen Klinsmann zwar wieder einen guten Start hin, verfielen dann aber in eine Lethargie, von der sie sich nicht mehr erholen sollte (oder wollten?). Der Star, Frank Ribery, holte sich völlig unmotiviert eine Ampelkarte ab und verschwand ohne den leisesten Protest in den Katakomben der Allianz-Arena. Die Mannschaft präsentierte sich nach einem ambitionierten Start blutleer und demotiviert. Und obwohl der Titel nach der Niederlage der Wolfsburger (nach 10 Siegen in Folge) bei Kellerkind Energie Cottbus, wieder Hoffnung weckte, so war das Sonntagsauslaufen an der Säbener Straße Klinsmanns letzte Diensthandlung. Am Montag gab der FC Bayern München (nach dem die Bild-Zeitung die Personalentscheidung bereits öffentlich machte) eine Presseerklärung heraus, aus der hervorging, dass Jürgen Klinsmann ab sofort nicht mehr Bayern-Cheftrainer, ebenso die Assistenztrainer.
Das Projekt Klinsmann fand ein plötzliches Ende, weil ihm nicht mehr Zeit eingeräumt wurde.

National hätte man auch mit Jürgen Klinsmann die Meisterschaft erringen können. Was international realisierbar gewesen wäre, weiß man nicht genau. Doch Jürgen Klinsmann, nach dem man sein Konzept so überzeugend fand, (O-Ton Uli Hoeneß) die Zeit einzuräumen, das auch umzusetzen, ist selbstverständlich. Hier muss man auch eine Saison ohne Titel einplanen – auch der FC Bayern unterliegt diesen Gesetzen.

Dienstag, 28. April 2009

Volksentscheid in Berlin gescheitert.

Schon vor 20 Uhr wird es bei Unterstützern und Initiatoren des Volksbegehrens Pro Reli lange Gesichter gegeben haben, als sich abzeichnete, dass die Wahlbeteiligung an diesem Volksentscheid zum Wahlpflichtfach Ethik / Religion moderat ausfallen würde. Am Morgen war dann klar, dass die Wahlbeteiligung berlinweit keine 30 % betrug. 2,45 Millionen wahlberechtigte Berliner waren am Sonntag, den 26. April dazu aufgerufen an die Wahlurne zu treten und darüber abzustimmen, ob der Religionsunterricht (konfessionell getrennt) an öffentlichen Schulen ab Klassenstufe 1 mit dem Ethikunterricht (der in Berlin verpflichtend ist) auf ein Level zu stellen ist. Bisher konnte der Religionsunterricht freiwillig neben dem ordentlichen Pflichtfach Ethik gewählt werden, allerdings fielen diese Stunden dann in den späten Nachmittag bzw. den frühen Abend. Dieser Umstand – ganz grob beschrieben – sollte also an diesem Sonntag geklärt werden. Da die Reglung ab der ersten Klasse gelten soll, sollen Kinder, die das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, die Erziehungsberechtigten einspringen. Dem vorausgegangen waren wochenlange Grabenkämpfe zwischen Befürwortern und Gegnern der Initiative, die zur ein oder anderen Kontroverse führten. Christoph Lehmann, Vorsitzender von Pro Reli, stieß das Vorhaben auf Anraten der Kinder der Familie Lehmann. Bereits im März 2007 wird die Initiative Pro Reli gegründet. Und schon im November des selben Jahres wurden 37.000 Unterschriften für die Einleitung eines Volksbegehrens gesammelt, nötig wären 20.000 lt. Verfassung gewesen. Somit war der Weg für frei für die zweite Stufe. Ende September 2008 wurden für das Volksbegehren die Unterschriftensammlung fortgesetzt. Bis zum 21 Januar 2009 konnten 307.000 Stimmen für einen Volksentscheid gesammelt werden. Laut amtlichem Endergebnis am 4. Februar 2009, lagen 267.000 gültige Stimmen für einen Volksentscheid vor. Somit war auch der zweite Stolperstein genommen. Innerhalb von vier Monaten nach einem erfolgreichen Volksbegehren musste nun der Volksentscheid veranstaltet werden. Alleine schon die Einigung über einen Termin dafür geriet zur Auseinanderssetzung zwischen dem Senat und der Initiative Pro Reli. Der Senat, der sich offen für das 2006 eingeführte Pflichtfach Ethik einsetzte, favorisierte den 26. April 2009. Die Initiatoren des Volksentscheids schlugen allerdings den 7. Juni, den Tag der Europawahl, vor, um kostengünstiger zu arbeiten. Eine Ausnahmeklausel in der Verfassung von Berlin setzt die Viermonats-Regel dann außer Kraft, „wenn dadurch der Volksentscheid gemeinsam mit Wahlen oder mit anderen Volksentscheiden durchgeführt werden kann.“ Im Februar wurde publik, dass der Volksentscheid zum vom Senat veranschlagten Termin stattfinden wird. In den Wochen danach mobilisierte die Initiative nochmals Persönlichkeiten, um auf sich und den nahenden Volksentscheid Aufmerksam zu machen. Supporter sind / waren u. a. Günther Jauch, Arne Friedrich usw. . Weitere Unterstützer des Aktionsbündnisses: CDU, FDP (jeweils Landesverband Berlin), Jüdische Gemeinde Berlin, Deutsche Bischofskonferenz , Malteser Hilfsdienst, Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, Erzbistum Berlin, Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, um nur einen Auszug zu nennen. Je näher der Volksentscheid rückte, desto öffentlicher wurde das Werben um Stimmen. Große Plakate säumten die Straßen und die Laternenpfeiler. Plakate von Pro Reli, aber auch dem im mai 2008 gegründeten Gegen-Bündnis Pro Ethik. Doch nicht nur der visuelle Konkurrenzkampf bestimmte die Szenerie, neben den Kampagnen auf Banner, wurden Pressekonferenzen / Gesprächsrunden abgehalten, in denen man für die eigene Position warb. Der Senat warb in Zeitungsannoucen für das Fach Ethik. Hier kam es zum Rechtsstreit, denn Befürworter von Pro Reli sahen auf der einen Seite die Steuergelder aus dem Fenster fliegen, was allerdings juristisch wohl nicht so anfechtbar war, auf der anderen Seite aber im Text dieser Annonce einen Satz, der sie erzürnte und ihrer Meinung nach nicht den wirklichen Gegebenheiten entsprach. Außerdem hielten sie das öffentliche Werben des Senats, das klare Beziehen der Stellung, für nicht rechtens. Und man bekam vor dem Oberverwaltungsgericht Berlins Recht – teilweise. Werbe dürfe der Senat sehr wohl für sine Position, allerdings mit Anzeigen in Zeitungen, die aus Steuergeldern finanziert werden. Außerdem wurde die Aussage, dass in den Grundschulen ausschließlich konfessionsgebundener Religionsunterricht angeboten werde, als nicht zutreffend deklariert.
Die zentralen Argumente waren, dass in allen anderen Bundesländern Religion an öffentlichen Schulen ordentlich Unterrichtsfach sei, außerdem wolle man der Bevormundung der Kinder durch den Senat ein Ende setzten. Daher auch die freie Wahlmöglichkeit zwischen Ethik und Religion. Des Weiteren würden Schüler, die Religion freiwillig wählen würden in den Nachmittagsstunden keine Zeit mehr für den Besuch. Das Argument schlechthin der Initiative war, dass die Kenntnis über den eigenen Glauben dazu führt, dass man auch andere Glaubensrichtungen besser nachvollziehen bzw. sie besser verstehen kann, also auch toleranter ist. Es war auch die Rede vom „Verdrängen des Religionsunterrichtes“.
Hier muss allerdings mit Recht angeführt werden, dass Berlin eine multikulturelle Stadt ist und der Religionsunterricht keinesfalls komplett aus der Schule verschwindet. Jedoch ist er mit Einführung des Ethik-Unterrichts in den Hintergrund getreten und nicht mehr so präsent wie er es vor dem Jahr 2006 war.
Und doch hat dieses Begehren einen faden Beigeschmack. Eine Bevormundung durch den Staat halte ich für ein schlüssiges Argument im Hinblick auf ein gleichberechtigtes Wahlpflichtfach, jedoch spielt noch ein anderer Faktor in diesem Spiel mit. Die Kirchen verlieren seit Jahren Mitglieder und im gleichen Atemzug auch Zuspruch. Sie sind keine Anlaufstelle mehr für die Menschen. Also hat dieser Vorschlag in den Augen er Gegner den Charakter einer Rekrutierung, nur eben als Umweg über die Schulen, in denen man die Kinder noch erreicht.
Eine freie Wahl, in vollem Umfang gab es und gibt es immer noch nicht. Der Ethik-Unterricht ist an öffentlichen Schulen Pflichtfach. Hier besteht für die Schüler keinerlei Wahlmöglichkeit. Hier von vollkommener Wahlfreiheit zu sprechen ist grotesk.
Für mich stellt sich jedoch die Frage, ob es nicht sinnvoller wäre seine Kinder, wenn man es denn möchte auf kirchlich geprägte Schulen zu schicken, wo Religion ein ordentliches Pflichtfach, sogar versetzungsrelevantes Fach ist. Diese Schulen existieren.
Der Volksentscheid wurde indes von den Nichtwählern entschieden. 70 % der Stimmberechtigten suchten ihr Wahllokal gar nicht erst auf. Die größte Wahlbeteiligung gab es im Bezirk Steglitz-Zehlendorf mit über 40 % Wahlbeteiligung. Und würde das Quorum auf Bezirksebene existieren, dann wäre dieser Bezirk der einzige, der dieses erreicht hätte. In den restlichen Bezirken des westlichen Berlins lag die Wahlbeteiligung ebenfalls über dem Durchschnitt, mit Ausnahme von Spandau und Neukölln, die beide nahe dem Schnitt landeten. In fast allen westlichen Bezirken konnte die Initiative Pro Reli die Mehrheit für den vorgeschlagenen Gesetzentwurf. 180° verändertes Bild im Ostteil der Stadt. Das Ergebnis wurde wohl auch dadurch gefördert, dass ein nicht minder großer Teil der Berliner konfessionslos ist.
Für mich ist der religiösneutrale Ethik-Unterricht eine gute Lösung, in einer Stadt, in der so viele Glaubens- und Kulturrichtungen aufeinander prallen und auch Reibungspunkte entstehen. Diese herauszufiltern wird der Ethik-Unterricht durch sein breites Blickfeld besser schaffen, als der Religionsunterricht, der ja in seinem Umfang beschränkt auf die jeweilige Glaubensrichtung ist. Unabhängig davon kann der Religionsunterricht – und auch dazu stehe ich – nicht aus der Schule verschwinden. Er sollte weiterhin im Angebot der öffentlichen Schulen, als sinnvolle Ergänzung des Wissens aus dem Fach Ethik, enthalten sein.
Und während der gesamten Diskussion, die noch weiter geführt werden wird in den nächsten Wochen, sollte man sich immer eine Frage stellen: Wo sind sie denn, die Kirchen? Anscheinend könne sie junge Menschen nicht mehr begeistern bzw. für sich gewinnen.
Artikel 7 Abs. 1–3 GG Schulwesen, besagt, dass Religionsunterricht in den öffentlichen Schulen (die Ausnahme bilden die „bekenntnisfreien Schulen“) ordentliches Lehrfach ist. Die „Bremer Klausel“ ist ein Schlupfloch, so möchte ich es mal ausdrücken, welches es ermöglicht in bestimmten Teilen Deutschlands einen veränderten Religionsunterricht zu erteilen. Also einen Religionsunterricht, der im Sinne des Grundgesetztes gar kein solcher ist. In Wikipedia heißt es dazu: „Er schränkt den Anwendungsbereich der grundgesetzlichen Vorschriften über den Religionsunterricht ein“ Hier handelt es sich um Artikel 141 des Grundgesetzes, der auch als Bremer Klausel bezeichnet wird. Das heißt, dass Artikel 7 Abs. 1-3 GG Schulwesen in den Ländern, in denen es vor (dem 1. Januar)1949 landesspezifische bzw. abweichende Reglungen gab, nicht zur Anwendung kommen muss. Und in Berlin war genau das der Fall.
Religion war also in Berlin seit dieser Zeit immer ein Fach, welches der Schüler an der staatlichen Schule freiwillig zu dem Sockelunterricht dazu wählen konnte.
Nach dem Ehrenmord an der Türkin Hatun Sürücü Anfang des Jahres 2005 entbrannte in Berlin eine Debatte über eine allgemeine, verbesserte Wertvermittlung an den Schulen. Hierzu wurde auch das Ethik-Modell diskutiert und vom Senat vorgeschlagen. Für jeden Schüler solle das Fach Ethik verpflichtend sein und man wollte die Schüler beisammen haben – jede Konfession in einem Klassenzimmer und im Meinungsaustausch. Noch im März 2006 – also knapp ein Jahr nach der Tat – wird ein Gesetzentwurf durch das Abgeordnetenhaus von Berlin angenommen und mit dem Schuljahr 2006 / 2007 trat das Pflichtfach Ethik an allen öffentlichen Schulen ab Klasse 7 in Kraft.
Die aktuelle Reglung ist beizubehalten, vor allem, weil – und das ist der Knackpunkt - der Volksentscheid scheitere. Die Menschen sind mit dem aktuellen Modell in Berlin zufrieden und möchten es in Zukunft so, und nicht verändert, beibehalten.

Sonntag, 26. April 2009

Redacted – Eine Kritik.

Der Streifen „Redacted“ ist ein US-Kriegsdrama. Die Handlung spielt in der irakischen Stadt Samarra und das Grundgerüst des Films beruht auf einem wahren Vorfall: Dem Massaker von Mahmudiyya. In dieser Stadt vergewaltigen 5 US-Soldaten ein 14-Jähriges Mädchen und töten ihr Opfer, samt der restlichen Familie. Dem folgten Racheakte Aufständischer / Widerstandskämpfer. Dieser Film also beruht auf diesem Ereignis, die Charaktere und viele Details sind frei erfunden, darauf wird im Vorspann auch explizit hingewiesen. Es geht um eine im Irak eingesetzte Company, die Company „Alpha“, vor allem aber um einen gewissen Kreis von Soldaten. Diese Einheit kontrolliert in Samarra einen ganz bestimmten Posten. Vor allem sollen sie Pkw / Lkw kontrollieren sowie Passanten, und nicht etwa stichprobenartig, nein, alle, die den Checkpoint passieren müssen sich einer kleinen Leibesvisitation unterziehen. Im Anschluss daran kommt der Sprengstoff- / Drogenspürhund zum Einsatz, der die Fahrzeuge mit seinem Führer umkurvt. So geht das wochenlang und vor allem der stupide Alltag steht zunächst im Fokus. Ein Soldat nimmt diesen Alltag auf Video auf, für sein „Tagebuch“, denn er möchte sich, wenn er zurückkehrt, an einer Filmhochschule bewerben, sozusagen mit einer Echtzeitdokumentation. Der Soldat ist Angel Salazar. In einer Szene ist der Kontrollpunkt zu sehen, dann wird augenblicklich auf Zeitraffer geschaltet und der Kontrollvorgang wiederholt sich ein paar Mal. Immer wieder zeigt die Kamera Menschen, die auf die Soldaten zu kommen und veranschaulicht damit auch ein klitzekleines bisschen den psychischen Druck, dem sie ausgesetzt sind. Wer ist gut? Wer ist böse? Wie kann ich differenzieren, nach so vielen Wochen? Vor den Checkpoints sind viele Schilder aufgestellt, die darauf hinweisen, wie man sich zu verhalten hat, doch, so der Film, Studien belegen, dass 50 % der Iraker gar nicht lesen können. Auch Missverständnisse sind alltäglich. Eines Tages fährt ein Mann mit seiner schwangeren Frau zügig auf den Checkpoint zu und hält die Handzeichen der Soldaten anscheinend für ein „Durchwinken“. Er stoppt nicht, darauf hin wird sofort das Feuer eröffnet und die schwangere von Schüssen getroffen getötet. So recht einordnen konnte ich diese Szene allerdings nicht. Es wurde dann von der Sprecherin darauf hingewiesen, dass 2.000 Menschen an US-Kontrollpunkten getötet wurden und nur 90 von ihnen tatsächlich „Täter“ waren. Und doch kann ich es im Teil nachvollziehen, was einem durch den Kopf geht, wenn sich jemand zügig solch einem Punkt nähert und man nicht weiß wer sich in Fahrzeug aufhält. Der Soldat, der geschossen hat, Reno Flake, wird allerdings eine wichtige Rolle spielen. Salazar, der alles aufzeichnet, fragt am Abend nach dem Vorfall, ob es Flake belaste, was er getan habe. Dieser scheint überrascht. Die Gesinnung wird schnell klar. Es scheint ihn nicht anzutasten, was die geschehen war an diesem Tag. Er reagiert „cool“ und verteidigt sein Vorgehen und verneint jegliche Gefühle.
Ein dreistes Vorgehen der Soldaten ist die Kontrolle von Frauen. Sie werden nicht etwa von weiblichen Soldaten durchsucht, sondern von Männern. Dafür stellen sie sich in ein Provisorium, in dem man nicht genug verfolgen kann, was der Soldat tut. Die zu Kontrollierenden werden außerdem z. T. rabiat angegangen. Zum Personenkreis, die von Sarazar gefilmt werden gehören auch Lawyer McCoy, James Sweet und BB Rush.
James Sweet ist der Befehlshaber der Truppe und kommt bei einem Routinerundgang ums Leben, weil er auf eine Bombe tritt, die sich in einem Fußball befand.
Eines Tages wird eine Razzia durchgeführt. Ein Haus, in dem sich ein Verdächtiger befindet wird gestürmt und die Zielperson festgenommen.
Die Stimmung in der Truppe scheint gereizt. Es macht sich Hass auf die Bevölkerung breit. Flake, McCoy, Sweet, Rush und Sarazar spielen eines Abends Poker und schütten währenddessen jede Menge Alkohol in sich hinein. Das Thema, dass die Bevölkerung sie anfeinde und doch nur eines wolle: Sie tot sehen, macht sich breit. Und aus der Kalten heraus schlägt Flake vor, dass man doch das Mädchen aus dem Haus, aus dem man den Verdächtigen festgenommen hatte, doch vergewaltigen könne. Als Wiedergutmachung sozusagen. Das Wort „vergewaltigen“ nimmt Flake jedoch nicht in den Mund. Er bagatellisiert das, was er vorhat. BB Rush springt ihm zu Seite – ein Soldat, der geistig auf niedrigstem Niveau operiert. Sarazar beschließt sofort das Ganze auf Video aufnehmen zu wollen und willigt ein mitzukommen. Auch McCoy wird sie begleiten, allerdings spricht er davon, dass er auf sie aufpassen wolle, da sie es ja doch nicht tun würden und er es sowieso für undenkbar und nicht richtig hält. Nur bei ihm greift etwas, das man Gewissen nennt. Die anderen Soldaten sind scharf auf die Erfahrung und vor allem auf eine Frau. Das wird in den Dialogen kurz vor der Tat deutlich. Es macht sich bei Flake und Rush eine Art Vorfreude breit. Sie gehen in der Nacht auf ihre „Tour“ und stürmen in das Haus. Doch bevor das Mädchen erniedrigt wird, erschießt Flake ihre gesamte Familie mit einer AK 47 und spricht davon, dass man ihn bedroht hätte und er keine andere Möglichkeit hatte. Dann beginnt das Martyrium, welches damit endet, dass das Opfer erst erschossen und dann verbrannt wird. McCoy schafft es nicht und bleibt vor dem Haus und schiebt Wache.
Nach dem die Tat publik wurde gab es Racheaktionen der Aufständischen. Sarazar wird auf offener Straße beim Kauf eines Geschenkes entführt und Tage später vor laufender Kamera enthauptet. Eine militante Gruppe hatte ihn gefangen genommen und lange gefoltert. Sie sahen es als Vergeltung für die Tat, für das, was sich in jener Nacht in einem Haus in Samarra abspielte. Die Armee und die TV-Anstalten reagieren geschickt und alsbald wird auch der Vater des toten Mädchens befragt, der bereits in Kenntnis gesetzt worden war, dass es sich um einen Vergewaltigung handelte. Er publiziert, dass dies nicht ungesünd bleiben würde. Und diese Ankündigung bewahrheitete sich.
Der Film zeigte den Vorgang der Vergewaltigung teilweise und machte dadurch auch die Hilflosigkeit der Opfer sehr deutlich. Gegen bewaffnete Soldaten, die einen mitten in der Nacht überfallen, konnte sich die Familie nicht wehren.
Als McCoy nach seiner Zeit im Irak wieder in die USA zurückkehrt wird er als Kriegsheld gefeiert, der sich für „das Gute“ eingesetzt hat. Er ist – aus Sicht der Verwandtschaft und von Freunden – auf seinem Zenit. Doch im Menschen McCoy brodelt es. Er vergisst die Bilder aus jener Nacht nicht, er hört die Schreie und die Salven der AK 47. Unverdrossen beginnt er zu weinen. Denn ihm wird die Last, die auf ihm liegt schlagartig bewusst. Neben dem Elend, was er jeden Tag zu Gesicht bekam, kommt nun auch die Erkenntnis das Leben eines Mädchens zumindest indirekt mit ausgelöscht zu haben. Dieses Erlebnis wird sein gesamtes Leben nicht mehr aus seinem Kopf ausziehen, es wird immer dort, auf der großen Festplatte gespeichert sein und sein Gewissen quälen.
Doch er hatte ja seine Stimme erhoben! Bevor er in die USA zurückkehrte wollte er reinen Tisch machen. Er meldete die beiden Haupttäter Flake und Rush bei den Oberen. Darauf hin werden beide Verhört, doch streiten alles ab. Hingegen scheint man McCoy wenig Glauben zu schenken.
Der Film kommt wahnsinnig authentisch rüber, der der Film über weite Strecken nicht unbedingt mit Schusswechselszenen gespickt ist. Doch genau das zeichnet den Film und wohl auch die Tätigkeit aus, die diese Soldaten dort verübt haben. Diese Realitätsnähe, diese Extreme im Moment der Tat – sie zeigen die Kluft. Der Film klagt in gewisser Weise an. Soldaten, die, weil ihnen Beschäftigung fehlt, sie abstumpfen und einen Schuldigen suchen zum Aggressor werden, zu dem, welchen sie in den feindlichen Reihen vermuten. Der Schmerz über den Verlust eines Mitmenschen – viele Indikatoren werden zu einem gefährlichen Mix.
Der Film ist t. W. sehr sachlich aufgebaut, man kann der Handlung schnell folgen. Es wird nichts verherrlicht, sondern für den Zuschauer extrem authentisch wiedergegeben. Dass der Film überspitzt sein könnte, kam mir in den 86 Minuten nicht in den Sinn.