Das ist es, was in vielen Gazetten diskutiert und berichtet wird.
Die Kommentarseiten sind voll mit Mutmaßungen, Rückblenden, Fragen und vermeintlichen Antworten. Doch wie soll man eine Antwort auf ein Verhalten finden, auf das es doch eine klare Antwort gar nicht gibt? Richtig, man sucht sich Sündenböcke aus und kreidet ihnen an, was passiert ist und eventuell noch passieren könnte.
Am besten würde man ein Frühwarnsystem installieren, was die „schwarzen Schafe“ lokalisiert. Die Rede ist von der neu aufgeflammten Diskussion nach dem Amoklauf eines Ex-Schülers aus Winnenden, den er auch in dieser Ortschaft verübte. Interessant immer wieder, wie sich zahlreiche Experten zu Wort melden, die das passende Rezept parat haben. Es wird viel debattiert, sich in Talk-Runden verbal duelliert, aber am Ende scheinen alle Theorien nicht das „Gelbe vom Ei“ zu sein. Denn was bringt es bitte bestimmte Arten von Computerspielen (Hier oft Egoshooter) zu diskreditieren und sie als Auslöser für solche Taten zu nennen? Ich kann es nicht mit aller Sicherheit sagen, aber ich tippe darauf, dass mehr als 5 Millionen Jugendliche (männlich – sicher, denn genau um diese Personengruppe geht es) Spiele spielen, in denen Gewalt eine große Rolle spielt. Doch nicht jeder, der sich mit so etwas befasst ist ein potentieller Täter. Mit einem Verbot dieser Spieler stellt man Millionen Spieler an den Pranger, die gar nicht zu einer solchen Tat fähig wären. Es müssen so viele Faktoren berücksichtigt werden, die bei dem Entschluss eine solche Bluttat begehen und der eigentlichen Durchführung eine Rolle spielen. Und selbst nach der Analyse muss man feststellen, dass selbst wenn alles darauf hinaus läuft, es immer noch Fragezeichen gibt. „Mobbing“ wurde schon angesprochen. Wenn Schüler psychisch fertig gemacht werden – von Mitschülern.
Es sind hier nicht die physischen Wunden, sondern die seelischen und die können unter Umständen tiefer sein als man denkt. Der junge Mensch zieht sich zurück, alles akzeptiert, aber auch das kann nicht der Weißheit letzter Schluss sein. Viele Mobbingfälle werden ja gar nicht aufgedeckt – erst recht nicht publik. Deswegen ist die Zahl der Opfer auch nur zu schätzen und kommt ein geringes Selbstbewusstsein dazu sind das sicher ungünstige Voraussetzungen und doch auch hier die Frage: Nur drei bis vier Taten zwischen 2002 und 2009 sind eine verschwendend geringe Zahl. Vor allem, wenn sie im Bezug auf die Gesamtbevölkerung nimmt. Mobbing, PC-Spiele, kein Selbstbewusstsein, nicht mit den Eltern sprechen können, das kann nicht das ganze Paket sein. Es muss etwas geben, was sich der Mensch rational nicht erklären kann.
Und Leute, wie ein Herr Prof. Christian Pfeiffer, der Kriminalpsychologe ist, denken so abartig rational und suhlen sich in der Theorie, dass einem angst und bange wird. Es handelt sich um Menschen, die glauben, dass man die 99,99 prozentige Kontrolle haben könnte. Und die gibt es nicht, sie ist nicht real, sondern von uns Menschen konstruiert! Es ist völlig irreal, denn auch mir fehlt die Vorstellungskraft…mir eine Waffe zu schnappen, 250 Schuss Munition einzusacken, und ein Blutbad anzurichten. Das geht weit über die Vorstellungskraft eines Menschen hinaus, auch über die eines Mannes wie Herrn Pfeiffer. Es wird unter Millionen immer zwei, drei Persönlichkeiten geben, die labiler als labil sind, denen das Wasser nicht nur bis zum Hals steht, sondern darüber hinaus. Und ich spreche hier von Taten des Volumens von Erfurt im Jahr 2002 und eben dem aktuellen Fall. Denn es gibt durchaus auch andere Amokläufe, die diesen Namen nicht ohne triftigen Grund tragen. Familien werden ausgelöscht, weil ein Mitglied Amok läuft. Doch dafür ist die Öffentlichkeit nicht mehr sensibilisiert. Taten wie die in Winnenden sind es, die sich auch im Fernsehen gut verkaufen lassen. Das Elternhaus wird belagert, um die besten Bilder zu bekommen oder vielleicht ein Elternteil vors Mikrofon. Mal ganz davon abgesehen wer die Schuld trägt.
Ja, selbst Justitia wird missbraucht. Das Waffengesetz soll weiter verschärft werden, fordern Kritiker und selbsternannte Experten. Sowieso wird mit der Gesetzeskeule geschwungen, wenn sich eine Möglichkeit dafür bietet – wie eben ein solch trauriges Ereignis.
Der nächste Höhepunkt, den ich erblicke, war der, dass der Vorsitzende des deutschen Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger, nun mit der Forderung / dem Vorschlag nach einer „Gefahrenzulage“ an die Öffentlichkeit ging. Also, der Amoklauf wird nun also auch für Finanzfragen instrumentalisiert – es wird immer skurriler. In Verbindung mit seinem Vorschlag Sprach er von Lehrern, die zu „Hassobjekten“ (vermutlich meinte er, dass dies in den Augen der Schüler so sei) werden. Doch zeigt diese Reaktion keinerlei Fingerspitzengefühl, sondern eiskaltes Ausnutzen der aktuellen Lage für die eigenen Zwecke. Es ist bestürzend zu sehen, wie hohe Funktionäre, wie der genannte, zeitnah das Geschehene ausschlachten, um sich einen Vorteile zu verschaffen und Argumente für zu diesem Zeitpunkt völlig fehl am Platze Forderung zu finden.
Was Psychologen im Moment angeht, fehlen mir die Worte. Es wird vor allem von diesen Personen Öl ins Feufer gegossen und die sowieso schon in die Höhe geschnellte Angst durch unbedachte Kommentare weiter in ungeahnte Ausmaße getrieben. Da ist davon die Rede, dass die Medien Gewalt (-Videos) verharmlosen. Da musste ich dann – bei aller Ernsthaftigkeit – schmunzeln. Denn entweder lesen diese Leute keine Gazetten, schauen kein TV, oder leben sowieso „unplugged“ vom Rest der Welt. Gerade das (!) müsste aufgefallen sein, dass in den Medien gerade Spiele und entsprechende Videos nach solchen Vorfällen verstärkt unter Beschuss geraten und Softwareentwickler immer öfter Rechtfertigungen abgeben müssen. Was ich im Übrigen nicht pauschal für einen Irrweg halte. Aber ist es in Mode gekommen in dieser Sparte die Hauptschuldigen zu lokalisieren und sie dann an den Pranger zu stellen.
Politisch, sportlich, bissig, weltoffen, hartnäckig und obendrein auch noch unabhängig.
Montag, 16. März 2009
Sonntag, 1. März 2009
Kontraste bei Union
Wenn man heute in die Gesichter der Verantwortlichen beim 1.FC Union schaut, dann entdeckt man vor allem lächelnde Züge, und das nicht nur, weil es beim Stadionbau in die entscheidende Phase geht, sondern weil auch die Mannschaft diese Saison schon für den einen oder anderen Höhepunkt gesorgt hat. Sportlich hat Kapitän Uwe Neuhaus innerhalb von 1,5 Jahren aus dem unsicheren 1.FC Union eine Spitzenmannschaft in der dritthöchsten Spielklasse Deutschlands geformt. Eine Mannschaft, die „Arbeitssiege“, wie den im November 2008 gegen Regensburg (2:0) einfahren kann, aber auch Spektakuläres, wie den Sieg gegen den bis dahin Spitzenreiter Paderborn am 25. Oktober 2008, mit 3:2 – nach 0:2 Rückstand und in Unterzahl nach einer Ampelkarte für Michael Bemben. Eingespielt? Das alleine kann es nicht sein, denn Neuhaus übernahm einen Großteil der Mannschaft, die bereits unter seinem Vorgänger Christian Schreier spielte und ergänzte in Zusammenarbeit mit der sportlichen Leitung punktuell. Im Juni 2007, dem Antrittsmonat Neuhaus’ bei Union, wurde finanziell noch mal großzügig in die Schatztruhe gegriffen und nach dem Younga Mouhani und Spasskov bereits verpflichtet waren, mit Marco Gebhardt und Michael Bemben noch mal die geballte Erfahrung ins Team geholt. Vor allem der bereits 34 Jährige Gebhardt erwies sich als Glücksgriff, denn er wurde auf Anhieb eine der Stützen im Team. Doch Uwe Neuhaus kann auch durchgreifen und das tat er schon mehrfach. Spasskov wurde nach einem halben Jahr in die zweite Mannschaft beordert und sein Vertrag schließlich im Sommer 2007 (nach einem Jahr bei Union) auf gelöst. Auch Steven Ruprecht musste die Segel nach einer Affäre mit der Partnerin eines Mitspielers streichen, denn der Trainer duldet keine Störfeuer im Team, denn man befürchtete, dass das Vertrauen der Mitspieler zu sehr leiden könne. Vieles hat sich alles verändert seit dem Sommer 2007. Den ersten Achtungserfolg hat der Trainer Neuhaus schon gesetzt: Die Qualifikation für die 3. Liga nach der Saison 2007 / 2008 mit dem abschl. Platz 4 der RL Nord und Aufstiegschancen bis zum letzten Spieltag. Chapô, Herr Neuhaus. In der Regionalliga stabilisieren und mittelfristig wieder in die 2. Bundesliga aufsteigen, so hieß die Zielsetzung für Neuhaus in dem Sommer 2007 – er ist auf dem besten Weg das umzusetzen.
Der sportliche Stand der ersten Mannschaft im Februar des Jahres 2009 liest sich wie ein Gedicht: Platz 1 in der eingleisigen dritten Liga, 46 Punkte nach 22 Spielen.
Doch nicht immer war beim 1.FC Union an solch hohe Ziele zu denken, denn im Februar des Jahres 2005 las sich der Leistungsstand noch wesentlich anders: Platz 19 in der Regionalliga Nord (Letzter) und lediglich 14 Punkte nach 22 Spielen. Eine mittelschwere Katastrophe und schon in der Hinrunde dieser Saison 2004 / 2005 versuchten sich drei Übungsleiter an einer Mannschaft, der die Qualität für Höheres fehlte und die zu diesem Zeitpunkt zutiefst verunsichert war. Noch im Sommer 2004 stiegen die Köpenicker aus der 2. Bundesliga ab und gerieten in große Finanznöte, selbst die Liquiditätsreserve, die für das erhalten der Lizenz unabdingbar war, konnte nicht aufgebracht werden – jedenfalls nicht aus eigener Kraft und so rief der Verein zusammen mit seinen Fans die Aktion „Bluten für Union“ aus. Viele Sponsoren beteiligten sich und selbst einige Neue konnten gefunden werden. Fans spendeten Blut und das Geld wurde direkt an den Verein weitergeleitet, darüber hinaus gab es ein Spendenkonto und auch ehm. Spieler, wie z. B. HSV-Idol Uwe Seeler beteiligten sich an der Rettungsaktion. Am 11. Juni gab der 1.FC Union bekannt, dass er die Lizenzauflagen erfüllt und 1,461 Millionen Euro auf ein Treuhandkonto des DFB überwiesen habe. Genau die Summe, die als Liquiditätsreserve gefordert worden war. Nach Wochen das Kämpfens und Zusammenkratzens der letzten Pennys, stand man nun äußerst kurzfristig vor dem Problem der Zusammenstellung einer Mannschaft. Es mussten schnell Abschlüsse her und die meisten begehrten Spieler hatten sowieso schon Kontrakte fixiert, aber die kamen – so oder so – nicht in Frage, denn das Anforderungsprofil an einen Spieler war klar: Das Günstigste vom Günstigsten. Denn bis in den Juni war nicht klar, ob der 1.FC Union nicht sogar in der Oberliga starten muss. Verträge kamen zwar dann relativ zeitig zu Stande und der blutjunge Frank Wormuth sollte das Team in die erste Regionalliga-Saison seit 2001 führen.
Es wurden Spieler aus der damals viertklassigen Oberliga verpflichtet, die technisch naturbedingte Mängel aufwiesen, aber da war noch viel mehr im Busch. Man verpflichtete äußerste junge Akteure, die auf keine großen Referenzen blicken konnten. Nur Tom Persich und Jan Glinker blieben übrig – aus dem Kader der alten Saison. Letzterer sollte als „alter Hase“ die junge Boygroup von Wormuth ein Stück weit auf Kurs halten.
Doch schon bald stellte sich das als unrealistisches Unterfangen dar. Nach 7 Punkten aus den ersten 4 Spielen fiel die Mannschaft tief – sehr tief. Und landete nach dem 3:1-Sieg gegen die Kölner Amateure im August 2004 sechs (!) Niederlagen am Stück. Am 25. September 2004 wird Wormuth zum letzten Mal als verantwortlicher Chefübungsleiter an der Seitenlinie Platz genommen haben. Auf der Bielefelder Alm unterliegt der 1.FC Union trotz großer Chancen mit 1:2 gegen die zweite Garnitur der Arminia und der Trainer seinen Arbeitsplatz. Am 27. September, 2 Tage nach der Pleite, wird Wormuth entlassen. Er selbst hätte wohl gerne weitergemacht, die Vereinsspitze sah jedoch die Fälle schon länger dahin schwimmen musste aktiv werden. Also Nachfolger gab es eine interne Lösung: Werner „Pico“ Voigt , bis dahin Trainer der Verbandsligamannschaft, übernahm das Ruder an Deck und fand eine Mannschaft vor, die bis ins Mark verunsichert war, und Spieler, die in „Sachen Fitness noch etwas machen müssen“, so Voigt nach seiner Premiere Anfang September 2004, die mit 1:3 gegen Amateure von Borussia Dortmund verloren ging. Die Akte Wormuth wurde also schnell geschlossen, denn es galt sich dem Tagesgeschäft zu widmen und das hieß Abstiegskampf. Voigt attestierte der Mannschaft – im Gegensatz zu Wormuth – fehlende Qualität, vor allem sprach er offen von „eine Klasse besser besetzten Gegnern“, und das nicht nur bei der Niederlage im ersten Spiel gegen Dortmund, sondern auch am 27.11.2004, am letzten Vorrundenspieltag, gegen den KFC Uerdingen (1:1). Zwei Unentschieden (vs. Lübeck, Preußen Münster, KFC Uerdingen) und einen Sieg (2:1 gegen Werder Bremen II zu Hause) konnte Voigt in seiner Amtszeit verbuchen. Am ersten Rückrundenspieltag gegen Hertha BSC II konnte Union unter seiner Leitung trotz einer 2:0-Führung nach 9 Minuten nicht gewinnen. Man verlor mit 3:4 am Ende. Dieses Spiel bildete das Abziehbild einer ganzen Hinrunde, die verkorkst war, in der Union aber nie abgeschossen werden konnte. Oft gab es nur 1 Tor, was den Unterschied machte in der Endabrechnung, und doch reichten 3 Tore im Heimspiel gegen Hertha BSC II nicht aus. Wir schrieben da schon den 5. Dezember 2004. 3 Tage später verliert Union im Achtelfinale des Berliner Pokals (damals Oddset-Pokal) gegen den eine Klasse tiefer angesiedelten Oberligisten TeBe mit 0:2 und noch in der Nacht reichte Werner Voigt seinen Rücktritt ein.
Die Mannschaft war ein psychisches Wrack und um die Geschichte abzukürzen: Lothar Hamann übernahm für 9 Tage kurzfristig das Traineramt, bis dann Frank Lieberam gefunden war. Drei Spieler wurden in der Winterpause verpflichtet: David Bergner (der den Gang in der Oberliga mitantrat), Sebastian Bönig (der im Laufe der Wochen und Monate zum Liebling der Fans wurde) und Marcel Rath, der seinen Zenit leider schon lange überschritten hatte. Die Mannschaft stieg sang- und klanglos ab und holte in der Rückrunde 14 Punkte – einen mehr als in der Hinserie.
Die Gründe für den Abstieg sind vielschichtig: Auf der einen Seite eine Mannschaft, die nicht homogen erschien. Das Zusammenspiel war – je näher der Winter kam und desto mehr Niederlagen es setzte – praktisch nicht mehr existent. Dazu einen Stammtorwart, der trotz seines Alters immense Defizite in Strafraumbeherrschung und dem Handwerk eines Keepers aufwies. Und ein junger Jan Glinker, der dadurch wenig Spielpraxis bekam und leider naturgemäß, auf Grund seines Alters, die einen oder anderen Aussetzer zu viel hatte. Auch Lichtblicke gab es, wie zum Beispiel ein an sich technisch starker Franzose: Ismaäl Bouzid, der sich im Lauf der Saison jedoch nahtlos in das Leitungsspektrum der Mannschaft einfügte und im Frühjahr 2005 wegen eines Geheimtrainings beim FC Saarbrücken aus der Mannschaft flog. Er begann verheißungsvoll und schlitterte mit Fortschreiten der Saison immer weiter in die Bedeutungslosigkeit. Im April des Jahres 2005 – wie angedeutet – gab es auf Grund seines Arbeitsverständnisses Zwist mit Trainer Lieberam und darauf im Sommer die Trennung. Auch Ryan Coiner stellt eine der positiven Ausnahmen der Saison. Er erzielte insgesamt 12 Liga-Tore und viel durch Kampfkraft und Finesse auf. Schade, denn dieser Stürmer verdiente das Etikett „Knipser“ auf jeden Fall, wenn man sich seinen Anteil an der Gesamtausbeute zu Gemüte führt. Jedoch baute er, als sein Wechsel zum Liga-Konkurrenten Holstein Kiel publik wurde, massiv ab und konnte keine nennenswerten Akzente mehr setzten. Physisch war der US-Amerikaner anwesen, psychisch allerdings schon an der Ostsee. Spieler, wie Dominik Werling und Hannes Wilking erwiesen sich als nicht konkurrenzfähig, so muss man es leider formulieren. Vor allem Wilking – den größten Teil der Saison verletzt – machte vor allem durch Karten auf sich aufmerksam, wenn er dann mal seine Schuhe schnüren durfte.
Diese Saison werde ich ein anders Mal nochmals aufdröseln, aber an Hand dessen wollte ich den Fortschritt seit dem Neuaufbau im Sommer 2005 anschaulich machen.
Und nach dem 1:0 Auswärtssieg in Wuppertal, der erste Sieg für Union nach drei Anläufen dort überhaupt, ist der Abstand auf den zweiten Aufstiegsplatz auf sechs Punkte angewachsen. Weiter so!
Der sportliche Stand der ersten Mannschaft im Februar des Jahres 2009 liest sich wie ein Gedicht: Platz 1 in der eingleisigen dritten Liga, 46 Punkte nach 22 Spielen.
Doch nicht immer war beim 1.FC Union an solch hohe Ziele zu denken, denn im Februar des Jahres 2005 las sich der Leistungsstand noch wesentlich anders: Platz 19 in der Regionalliga Nord (Letzter) und lediglich 14 Punkte nach 22 Spielen. Eine mittelschwere Katastrophe und schon in der Hinrunde dieser Saison 2004 / 2005 versuchten sich drei Übungsleiter an einer Mannschaft, der die Qualität für Höheres fehlte und die zu diesem Zeitpunkt zutiefst verunsichert war. Noch im Sommer 2004 stiegen die Köpenicker aus der 2. Bundesliga ab und gerieten in große Finanznöte, selbst die Liquiditätsreserve, die für das erhalten der Lizenz unabdingbar war, konnte nicht aufgebracht werden – jedenfalls nicht aus eigener Kraft und so rief der Verein zusammen mit seinen Fans die Aktion „Bluten für Union“ aus. Viele Sponsoren beteiligten sich und selbst einige Neue konnten gefunden werden. Fans spendeten Blut und das Geld wurde direkt an den Verein weitergeleitet, darüber hinaus gab es ein Spendenkonto und auch ehm. Spieler, wie z. B. HSV-Idol Uwe Seeler beteiligten sich an der Rettungsaktion. Am 11. Juni gab der 1.FC Union bekannt, dass er die Lizenzauflagen erfüllt und 1,461 Millionen Euro auf ein Treuhandkonto des DFB überwiesen habe. Genau die Summe, die als Liquiditätsreserve gefordert worden war. Nach Wochen das Kämpfens und Zusammenkratzens der letzten Pennys, stand man nun äußerst kurzfristig vor dem Problem der Zusammenstellung einer Mannschaft. Es mussten schnell Abschlüsse her und die meisten begehrten Spieler hatten sowieso schon Kontrakte fixiert, aber die kamen – so oder so – nicht in Frage, denn das Anforderungsprofil an einen Spieler war klar: Das Günstigste vom Günstigsten. Denn bis in den Juni war nicht klar, ob der 1.FC Union nicht sogar in der Oberliga starten muss. Verträge kamen zwar dann relativ zeitig zu Stande und der blutjunge Frank Wormuth sollte das Team in die erste Regionalliga-Saison seit 2001 führen.
Es wurden Spieler aus der damals viertklassigen Oberliga verpflichtet, die technisch naturbedingte Mängel aufwiesen, aber da war noch viel mehr im Busch. Man verpflichtete äußerste junge Akteure, die auf keine großen Referenzen blicken konnten. Nur Tom Persich und Jan Glinker blieben übrig – aus dem Kader der alten Saison. Letzterer sollte als „alter Hase“ die junge Boygroup von Wormuth ein Stück weit auf Kurs halten.
Doch schon bald stellte sich das als unrealistisches Unterfangen dar. Nach 7 Punkten aus den ersten 4 Spielen fiel die Mannschaft tief – sehr tief. Und landete nach dem 3:1-Sieg gegen die Kölner Amateure im August 2004 sechs (!) Niederlagen am Stück. Am 25. September 2004 wird Wormuth zum letzten Mal als verantwortlicher Chefübungsleiter an der Seitenlinie Platz genommen haben. Auf der Bielefelder Alm unterliegt der 1.FC Union trotz großer Chancen mit 1:2 gegen die zweite Garnitur der Arminia und der Trainer seinen Arbeitsplatz. Am 27. September, 2 Tage nach der Pleite, wird Wormuth entlassen. Er selbst hätte wohl gerne weitergemacht, die Vereinsspitze sah jedoch die Fälle schon länger dahin schwimmen musste aktiv werden. Also Nachfolger gab es eine interne Lösung: Werner „Pico“ Voigt , bis dahin Trainer der Verbandsligamannschaft, übernahm das Ruder an Deck und fand eine Mannschaft vor, die bis ins Mark verunsichert war, und Spieler, die in „Sachen Fitness noch etwas machen müssen“, so Voigt nach seiner Premiere Anfang September 2004, die mit 1:3 gegen Amateure von Borussia Dortmund verloren ging. Die Akte Wormuth wurde also schnell geschlossen, denn es galt sich dem Tagesgeschäft zu widmen und das hieß Abstiegskampf. Voigt attestierte der Mannschaft – im Gegensatz zu Wormuth – fehlende Qualität, vor allem sprach er offen von „eine Klasse besser besetzten Gegnern“, und das nicht nur bei der Niederlage im ersten Spiel gegen Dortmund, sondern auch am 27.11.2004, am letzten Vorrundenspieltag, gegen den KFC Uerdingen (1:1). Zwei Unentschieden (vs. Lübeck, Preußen Münster, KFC Uerdingen) und einen Sieg (2:1 gegen Werder Bremen II zu Hause) konnte Voigt in seiner Amtszeit verbuchen. Am ersten Rückrundenspieltag gegen Hertha BSC II konnte Union unter seiner Leitung trotz einer 2:0-Führung nach 9 Minuten nicht gewinnen. Man verlor mit 3:4 am Ende. Dieses Spiel bildete das Abziehbild einer ganzen Hinrunde, die verkorkst war, in der Union aber nie abgeschossen werden konnte. Oft gab es nur 1 Tor, was den Unterschied machte in der Endabrechnung, und doch reichten 3 Tore im Heimspiel gegen Hertha BSC II nicht aus. Wir schrieben da schon den 5. Dezember 2004. 3 Tage später verliert Union im Achtelfinale des Berliner Pokals (damals Oddset-Pokal) gegen den eine Klasse tiefer angesiedelten Oberligisten TeBe mit 0:2 und noch in der Nacht reichte Werner Voigt seinen Rücktritt ein.
Die Mannschaft war ein psychisches Wrack und um die Geschichte abzukürzen: Lothar Hamann übernahm für 9 Tage kurzfristig das Traineramt, bis dann Frank Lieberam gefunden war. Drei Spieler wurden in der Winterpause verpflichtet: David Bergner (der den Gang in der Oberliga mitantrat), Sebastian Bönig (der im Laufe der Wochen und Monate zum Liebling der Fans wurde) und Marcel Rath, der seinen Zenit leider schon lange überschritten hatte. Die Mannschaft stieg sang- und klanglos ab und holte in der Rückrunde 14 Punkte – einen mehr als in der Hinserie.
Die Gründe für den Abstieg sind vielschichtig: Auf der einen Seite eine Mannschaft, die nicht homogen erschien. Das Zusammenspiel war – je näher der Winter kam und desto mehr Niederlagen es setzte – praktisch nicht mehr existent. Dazu einen Stammtorwart, der trotz seines Alters immense Defizite in Strafraumbeherrschung und dem Handwerk eines Keepers aufwies. Und ein junger Jan Glinker, der dadurch wenig Spielpraxis bekam und leider naturgemäß, auf Grund seines Alters, die einen oder anderen Aussetzer zu viel hatte. Auch Lichtblicke gab es, wie zum Beispiel ein an sich technisch starker Franzose: Ismaäl Bouzid, der sich im Lauf der Saison jedoch nahtlos in das Leitungsspektrum der Mannschaft einfügte und im Frühjahr 2005 wegen eines Geheimtrainings beim FC Saarbrücken aus der Mannschaft flog. Er begann verheißungsvoll und schlitterte mit Fortschreiten der Saison immer weiter in die Bedeutungslosigkeit. Im April des Jahres 2005 – wie angedeutet – gab es auf Grund seines Arbeitsverständnisses Zwist mit Trainer Lieberam und darauf im Sommer die Trennung. Auch Ryan Coiner stellt eine der positiven Ausnahmen der Saison. Er erzielte insgesamt 12 Liga-Tore und viel durch Kampfkraft und Finesse auf. Schade, denn dieser Stürmer verdiente das Etikett „Knipser“ auf jeden Fall, wenn man sich seinen Anteil an der Gesamtausbeute zu Gemüte führt. Jedoch baute er, als sein Wechsel zum Liga-Konkurrenten Holstein Kiel publik wurde, massiv ab und konnte keine nennenswerten Akzente mehr setzten. Physisch war der US-Amerikaner anwesen, psychisch allerdings schon an der Ostsee. Spieler, wie Dominik Werling und Hannes Wilking erwiesen sich als nicht konkurrenzfähig, so muss man es leider formulieren. Vor allem Wilking – den größten Teil der Saison verletzt – machte vor allem durch Karten auf sich aufmerksam, wenn er dann mal seine Schuhe schnüren durfte.
Diese Saison werde ich ein anders Mal nochmals aufdröseln, aber an Hand dessen wollte ich den Fortschritt seit dem Neuaufbau im Sommer 2005 anschaulich machen.
Und nach dem 1:0 Auswärtssieg in Wuppertal, der erste Sieg für Union nach drei Anläufen dort überhaupt, ist der Abstand auf den zweiten Aufstiegsplatz auf sechs Punkte angewachsen. Weiter so!
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