Dienstag, 28. April 2009

Volksentscheid in Berlin gescheitert.

Schon vor 20 Uhr wird es bei Unterstützern und Initiatoren des Volksbegehrens Pro Reli lange Gesichter gegeben haben, als sich abzeichnete, dass die Wahlbeteiligung an diesem Volksentscheid zum Wahlpflichtfach Ethik / Religion moderat ausfallen würde. Am Morgen war dann klar, dass die Wahlbeteiligung berlinweit keine 30 % betrug. 2,45 Millionen wahlberechtigte Berliner waren am Sonntag, den 26. April dazu aufgerufen an die Wahlurne zu treten und darüber abzustimmen, ob der Religionsunterricht (konfessionell getrennt) an öffentlichen Schulen ab Klassenstufe 1 mit dem Ethikunterricht (der in Berlin verpflichtend ist) auf ein Level zu stellen ist. Bisher konnte der Religionsunterricht freiwillig neben dem ordentlichen Pflichtfach Ethik gewählt werden, allerdings fielen diese Stunden dann in den späten Nachmittag bzw. den frühen Abend. Dieser Umstand – ganz grob beschrieben – sollte also an diesem Sonntag geklärt werden. Da die Reglung ab der ersten Klasse gelten soll, sollen Kinder, die das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, die Erziehungsberechtigten einspringen. Dem vorausgegangen waren wochenlange Grabenkämpfe zwischen Befürwortern und Gegnern der Initiative, die zur ein oder anderen Kontroverse führten. Christoph Lehmann, Vorsitzender von Pro Reli, stieß das Vorhaben auf Anraten der Kinder der Familie Lehmann. Bereits im März 2007 wird die Initiative Pro Reli gegründet. Und schon im November des selben Jahres wurden 37.000 Unterschriften für die Einleitung eines Volksbegehrens gesammelt, nötig wären 20.000 lt. Verfassung gewesen. Somit war der Weg für frei für die zweite Stufe. Ende September 2008 wurden für das Volksbegehren die Unterschriftensammlung fortgesetzt. Bis zum 21 Januar 2009 konnten 307.000 Stimmen für einen Volksentscheid gesammelt werden. Laut amtlichem Endergebnis am 4. Februar 2009, lagen 267.000 gültige Stimmen für einen Volksentscheid vor. Somit war auch der zweite Stolperstein genommen. Innerhalb von vier Monaten nach einem erfolgreichen Volksbegehren musste nun der Volksentscheid veranstaltet werden. Alleine schon die Einigung über einen Termin dafür geriet zur Auseinanderssetzung zwischen dem Senat und der Initiative Pro Reli. Der Senat, der sich offen für das 2006 eingeführte Pflichtfach Ethik einsetzte, favorisierte den 26. April 2009. Die Initiatoren des Volksentscheids schlugen allerdings den 7. Juni, den Tag der Europawahl, vor, um kostengünstiger zu arbeiten. Eine Ausnahmeklausel in der Verfassung von Berlin setzt die Viermonats-Regel dann außer Kraft, „wenn dadurch der Volksentscheid gemeinsam mit Wahlen oder mit anderen Volksentscheiden durchgeführt werden kann.“ Im Februar wurde publik, dass der Volksentscheid zum vom Senat veranschlagten Termin stattfinden wird. In den Wochen danach mobilisierte die Initiative nochmals Persönlichkeiten, um auf sich und den nahenden Volksentscheid Aufmerksam zu machen. Supporter sind / waren u. a. Günther Jauch, Arne Friedrich usw. . Weitere Unterstützer des Aktionsbündnisses: CDU, FDP (jeweils Landesverband Berlin), Jüdische Gemeinde Berlin, Deutsche Bischofskonferenz , Malteser Hilfsdienst, Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, Erzbistum Berlin, Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, um nur einen Auszug zu nennen. Je näher der Volksentscheid rückte, desto öffentlicher wurde das Werben um Stimmen. Große Plakate säumten die Straßen und die Laternenpfeiler. Plakate von Pro Reli, aber auch dem im mai 2008 gegründeten Gegen-Bündnis Pro Ethik. Doch nicht nur der visuelle Konkurrenzkampf bestimmte die Szenerie, neben den Kampagnen auf Banner, wurden Pressekonferenzen / Gesprächsrunden abgehalten, in denen man für die eigene Position warb. Der Senat warb in Zeitungsannoucen für das Fach Ethik. Hier kam es zum Rechtsstreit, denn Befürworter von Pro Reli sahen auf der einen Seite die Steuergelder aus dem Fenster fliegen, was allerdings juristisch wohl nicht so anfechtbar war, auf der anderen Seite aber im Text dieser Annonce einen Satz, der sie erzürnte und ihrer Meinung nach nicht den wirklichen Gegebenheiten entsprach. Außerdem hielten sie das öffentliche Werben des Senats, das klare Beziehen der Stellung, für nicht rechtens. Und man bekam vor dem Oberverwaltungsgericht Berlins Recht – teilweise. Werbe dürfe der Senat sehr wohl für sine Position, allerdings mit Anzeigen in Zeitungen, die aus Steuergeldern finanziert werden. Außerdem wurde die Aussage, dass in den Grundschulen ausschließlich konfessionsgebundener Religionsunterricht angeboten werde, als nicht zutreffend deklariert.
Die zentralen Argumente waren, dass in allen anderen Bundesländern Religion an öffentlichen Schulen ordentlich Unterrichtsfach sei, außerdem wolle man der Bevormundung der Kinder durch den Senat ein Ende setzten. Daher auch die freie Wahlmöglichkeit zwischen Ethik und Religion. Des Weiteren würden Schüler, die Religion freiwillig wählen würden in den Nachmittagsstunden keine Zeit mehr für den Besuch. Das Argument schlechthin der Initiative war, dass die Kenntnis über den eigenen Glauben dazu führt, dass man auch andere Glaubensrichtungen besser nachvollziehen bzw. sie besser verstehen kann, also auch toleranter ist. Es war auch die Rede vom „Verdrängen des Religionsunterrichtes“.
Hier muss allerdings mit Recht angeführt werden, dass Berlin eine multikulturelle Stadt ist und der Religionsunterricht keinesfalls komplett aus der Schule verschwindet. Jedoch ist er mit Einführung des Ethik-Unterrichts in den Hintergrund getreten und nicht mehr so präsent wie er es vor dem Jahr 2006 war.
Und doch hat dieses Begehren einen faden Beigeschmack. Eine Bevormundung durch den Staat halte ich für ein schlüssiges Argument im Hinblick auf ein gleichberechtigtes Wahlpflichtfach, jedoch spielt noch ein anderer Faktor in diesem Spiel mit. Die Kirchen verlieren seit Jahren Mitglieder und im gleichen Atemzug auch Zuspruch. Sie sind keine Anlaufstelle mehr für die Menschen. Also hat dieser Vorschlag in den Augen er Gegner den Charakter einer Rekrutierung, nur eben als Umweg über die Schulen, in denen man die Kinder noch erreicht.
Eine freie Wahl, in vollem Umfang gab es und gibt es immer noch nicht. Der Ethik-Unterricht ist an öffentlichen Schulen Pflichtfach. Hier besteht für die Schüler keinerlei Wahlmöglichkeit. Hier von vollkommener Wahlfreiheit zu sprechen ist grotesk.
Für mich stellt sich jedoch die Frage, ob es nicht sinnvoller wäre seine Kinder, wenn man es denn möchte auf kirchlich geprägte Schulen zu schicken, wo Religion ein ordentliches Pflichtfach, sogar versetzungsrelevantes Fach ist. Diese Schulen existieren.
Der Volksentscheid wurde indes von den Nichtwählern entschieden. 70 % der Stimmberechtigten suchten ihr Wahllokal gar nicht erst auf. Die größte Wahlbeteiligung gab es im Bezirk Steglitz-Zehlendorf mit über 40 % Wahlbeteiligung. Und würde das Quorum auf Bezirksebene existieren, dann wäre dieser Bezirk der einzige, der dieses erreicht hätte. In den restlichen Bezirken des westlichen Berlins lag die Wahlbeteiligung ebenfalls über dem Durchschnitt, mit Ausnahme von Spandau und Neukölln, die beide nahe dem Schnitt landeten. In fast allen westlichen Bezirken konnte die Initiative Pro Reli die Mehrheit für den vorgeschlagenen Gesetzentwurf. 180° verändertes Bild im Ostteil der Stadt. Das Ergebnis wurde wohl auch dadurch gefördert, dass ein nicht minder großer Teil der Berliner konfessionslos ist.
Für mich ist der religiösneutrale Ethik-Unterricht eine gute Lösung, in einer Stadt, in der so viele Glaubens- und Kulturrichtungen aufeinander prallen und auch Reibungspunkte entstehen. Diese herauszufiltern wird der Ethik-Unterricht durch sein breites Blickfeld besser schaffen, als der Religionsunterricht, der ja in seinem Umfang beschränkt auf die jeweilige Glaubensrichtung ist. Unabhängig davon kann der Religionsunterricht – und auch dazu stehe ich – nicht aus der Schule verschwinden. Er sollte weiterhin im Angebot der öffentlichen Schulen, als sinnvolle Ergänzung des Wissens aus dem Fach Ethik, enthalten sein.
Und während der gesamten Diskussion, die noch weiter geführt werden wird in den nächsten Wochen, sollte man sich immer eine Frage stellen: Wo sind sie denn, die Kirchen? Anscheinend könne sie junge Menschen nicht mehr begeistern bzw. für sich gewinnen.
Artikel 7 Abs. 1–3 GG Schulwesen, besagt, dass Religionsunterricht in den öffentlichen Schulen (die Ausnahme bilden die „bekenntnisfreien Schulen“) ordentliches Lehrfach ist. Die „Bremer Klausel“ ist ein Schlupfloch, so möchte ich es mal ausdrücken, welches es ermöglicht in bestimmten Teilen Deutschlands einen veränderten Religionsunterricht zu erteilen. Also einen Religionsunterricht, der im Sinne des Grundgesetztes gar kein solcher ist. In Wikipedia heißt es dazu: „Er schränkt den Anwendungsbereich der grundgesetzlichen Vorschriften über den Religionsunterricht ein“ Hier handelt es sich um Artikel 141 des Grundgesetzes, der auch als Bremer Klausel bezeichnet wird. Das heißt, dass Artikel 7 Abs. 1-3 GG Schulwesen in den Ländern, in denen es vor (dem 1. Januar)1949 landesspezifische bzw. abweichende Reglungen gab, nicht zur Anwendung kommen muss. Und in Berlin war genau das der Fall.
Religion war also in Berlin seit dieser Zeit immer ein Fach, welches der Schüler an der staatlichen Schule freiwillig zu dem Sockelunterricht dazu wählen konnte.
Nach dem Ehrenmord an der Türkin Hatun Sürücü Anfang des Jahres 2005 entbrannte in Berlin eine Debatte über eine allgemeine, verbesserte Wertvermittlung an den Schulen. Hierzu wurde auch das Ethik-Modell diskutiert und vom Senat vorgeschlagen. Für jeden Schüler solle das Fach Ethik verpflichtend sein und man wollte die Schüler beisammen haben – jede Konfession in einem Klassenzimmer und im Meinungsaustausch. Noch im März 2006 – also knapp ein Jahr nach der Tat – wird ein Gesetzentwurf durch das Abgeordnetenhaus von Berlin angenommen und mit dem Schuljahr 2006 / 2007 trat das Pflichtfach Ethik an allen öffentlichen Schulen ab Klasse 7 in Kraft.
Die aktuelle Reglung ist beizubehalten, vor allem, weil – und das ist der Knackpunkt - der Volksentscheid scheitere. Die Menschen sind mit dem aktuellen Modell in Berlin zufrieden und möchten es in Zukunft so, und nicht verändert, beibehalten.

Sonntag, 26. April 2009

Redacted – Eine Kritik.

Der Streifen „Redacted“ ist ein US-Kriegsdrama. Die Handlung spielt in der irakischen Stadt Samarra und das Grundgerüst des Films beruht auf einem wahren Vorfall: Dem Massaker von Mahmudiyya. In dieser Stadt vergewaltigen 5 US-Soldaten ein 14-Jähriges Mädchen und töten ihr Opfer, samt der restlichen Familie. Dem folgten Racheakte Aufständischer / Widerstandskämpfer. Dieser Film also beruht auf diesem Ereignis, die Charaktere und viele Details sind frei erfunden, darauf wird im Vorspann auch explizit hingewiesen. Es geht um eine im Irak eingesetzte Company, die Company „Alpha“, vor allem aber um einen gewissen Kreis von Soldaten. Diese Einheit kontrolliert in Samarra einen ganz bestimmten Posten. Vor allem sollen sie Pkw / Lkw kontrollieren sowie Passanten, und nicht etwa stichprobenartig, nein, alle, die den Checkpoint passieren müssen sich einer kleinen Leibesvisitation unterziehen. Im Anschluss daran kommt der Sprengstoff- / Drogenspürhund zum Einsatz, der die Fahrzeuge mit seinem Führer umkurvt. So geht das wochenlang und vor allem der stupide Alltag steht zunächst im Fokus. Ein Soldat nimmt diesen Alltag auf Video auf, für sein „Tagebuch“, denn er möchte sich, wenn er zurückkehrt, an einer Filmhochschule bewerben, sozusagen mit einer Echtzeitdokumentation. Der Soldat ist Angel Salazar. In einer Szene ist der Kontrollpunkt zu sehen, dann wird augenblicklich auf Zeitraffer geschaltet und der Kontrollvorgang wiederholt sich ein paar Mal. Immer wieder zeigt die Kamera Menschen, die auf die Soldaten zu kommen und veranschaulicht damit auch ein klitzekleines bisschen den psychischen Druck, dem sie ausgesetzt sind. Wer ist gut? Wer ist böse? Wie kann ich differenzieren, nach so vielen Wochen? Vor den Checkpoints sind viele Schilder aufgestellt, die darauf hinweisen, wie man sich zu verhalten hat, doch, so der Film, Studien belegen, dass 50 % der Iraker gar nicht lesen können. Auch Missverständnisse sind alltäglich. Eines Tages fährt ein Mann mit seiner schwangeren Frau zügig auf den Checkpoint zu und hält die Handzeichen der Soldaten anscheinend für ein „Durchwinken“. Er stoppt nicht, darauf hin wird sofort das Feuer eröffnet und die schwangere von Schüssen getroffen getötet. So recht einordnen konnte ich diese Szene allerdings nicht. Es wurde dann von der Sprecherin darauf hingewiesen, dass 2.000 Menschen an US-Kontrollpunkten getötet wurden und nur 90 von ihnen tatsächlich „Täter“ waren. Und doch kann ich es im Teil nachvollziehen, was einem durch den Kopf geht, wenn sich jemand zügig solch einem Punkt nähert und man nicht weiß wer sich in Fahrzeug aufhält. Der Soldat, der geschossen hat, Reno Flake, wird allerdings eine wichtige Rolle spielen. Salazar, der alles aufzeichnet, fragt am Abend nach dem Vorfall, ob es Flake belaste, was er getan habe. Dieser scheint überrascht. Die Gesinnung wird schnell klar. Es scheint ihn nicht anzutasten, was die geschehen war an diesem Tag. Er reagiert „cool“ und verteidigt sein Vorgehen und verneint jegliche Gefühle.
Ein dreistes Vorgehen der Soldaten ist die Kontrolle von Frauen. Sie werden nicht etwa von weiblichen Soldaten durchsucht, sondern von Männern. Dafür stellen sie sich in ein Provisorium, in dem man nicht genug verfolgen kann, was der Soldat tut. Die zu Kontrollierenden werden außerdem z. T. rabiat angegangen. Zum Personenkreis, die von Sarazar gefilmt werden gehören auch Lawyer McCoy, James Sweet und BB Rush.
James Sweet ist der Befehlshaber der Truppe und kommt bei einem Routinerundgang ums Leben, weil er auf eine Bombe tritt, die sich in einem Fußball befand.
Eines Tages wird eine Razzia durchgeführt. Ein Haus, in dem sich ein Verdächtiger befindet wird gestürmt und die Zielperson festgenommen.
Die Stimmung in der Truppe scheint gereizt. Es macht sich Hass auf die Bevölkerung breit. Flake, McCoy, Sweet, Rush und Sarazar spielen eines Abends Poker und schütten währenddessen jede Menge Alkohol in sich hinein. Das Thema, dass die Bevölkerung sie anfeinde und doch nur eines wolle: Sie tot sehen, macht sich breit. Und aus der Kalten heraus schlägt Flake vor, dass man doch das Mädchen aus dem Haus, aus dem man den Verdächtigen festgenommen hatte, doch vergewaltigen könne. Als Wiedergutmachung sozusagen. Das Wort „vergewaltigen“ nimmt Flake jedoch nicht in den Mund. Er bagatellisiert das, was er vorhat. BB Rush springt ihm zu Seite – ein Soldat, der geistig auf niedrigstem Niveau operiert. Sarazar beschließt sofort das Ganze auf Video aufnehmen zu wollen und willigt ein mitzukommen. Auch McCoy wird sie begleiten, allerdings spricht er davon, dass er auf sie aufpassen wolle, da sie es ja doch nicht tun würden und er es sowieso für undenkbar und nicht richtig hält. Nur bei ihm greift etwas, das man Gewissen nennt. Die anderen Soldaten sind scharf auf die Erfahrung und vor allem auf eine Frau. Das wird in den Dialogen kurz vor der Tat deutlich. Es macht sich bei Flake und Rush eine Art Vorfreude breit. Sie gehen in der Nacht auf ihre „Tour“ und stürmen in das Haus. Doch bevor das Mädchen erniedrigt wird, erschießt Flake ihre gesamte Familie mit einer AK 47 und spricht davon, dass man ihn bedroht hätte und er keine andere Möglichkeit hatte. Dann beginnt das Martyrium, welches damit endet, dass das Opfer erst erschossen und dann verbrannt wird. McCoy schafft es nicht und bleibt vor dem Haus und schiebt Wache.
Nach dem die Tat publik wurde gab es Racheaktionen der Aufständischen. Sarazar wird auf offener Straße beim Kauf eines Geschenkes entführt und Tage später vor laufender Kamera enthauptet. Eine militante Gruppe hatte ihn gefangen genommen und lange gefoltert. Sie sahen es als Vergeltung für die Tat, für das, was sich in jener Nacht in einem Haus in Samarra abspielte. Die Armee und die TV-Anstalten reagieren geschickt und alsbald wird auch der Vater des toten Mädchens befragt, der bereits in Kenntnis gesetzt worden war, dass es sich um einen Vergewaltigung handelte. Er publiziert, dass dies nicht ungesünd bleiben würde. Und diese Ankündigung bewahrheitete sich.
Der Film zeigte den Vorgang der Vergewaltigung teilweise und machte dadurch auch die Hilflosigkeit der Opfer sehr deutlich. Gegen bewaffnete Soldaten, die einen mitten in der Nacht überfallen, konnte sich die Familie nicht wehren.
Als McCoy nach seiner Zeit im Irak wieder in die USA zurückkehrt wird er als Kriegsheld gefeiert, der sich für „das Gute“ eingesetzt hat. Er ist – aus Sicht der Verwandtschaft und von Freunden – auf seinem Zenit. Doch im Menschen McCoy brodelt es. Er vergisst die Bilder aus jener Nacht nicht, er hört die Schreie und die Salven der AK 47. Unverdrossen beginnt er zu weinen. Denn ihm wird die Last, die auf ihm liegt schlagartig bewusst. Neben dem Elend, was er jeden Tag zu Gesicht bekam, kommt nun auch die Erkenntnis das Leben eines Mädchens zumindest indirekt mit ausgelöscht zu haben. Dieses Erlebnis wird sein gesamtes Leben nicht mehr aus seinem Kopf ausziehen, es wird immer dort, auf der großen Festplatte gespeichert sein und sein Gewissen quälen.
Doch er hatte ja seine Stimme erhoben! Bevor er in die USA zurückkehrte wollte er reinen Tisch machen. Er meldete die beiden Haupttäter Flake und Rush bei den Oberen. Darauf hin werden beide Verhört, doch streiten alles ab. Hingegen scheint man McCoy wenig Glauben zu schenken.
Der Film kommt wahnsinnig authentisch rüber, der der Film über weite Strecken nicht unbedingt mit Schusswechselszenen gespickt ist. Doch genau das zeichnet den Film und wohl auch die Tätigkeit aus, die diese Soldaten dort verübt haben. Diese Realitätsnähe, diese Extreme im Moment der Tat – sie zeigen die Kluft. Der Film klagt in gewisser Weise an. Soldaten, die, weil ihnen Beschäftigung fehlt, sie abstumpfen und einen Schuldigen suchen zum Aggressor werden, zu dem, welchen sie in den feindlichen Reihen vermuten. Der Schmerz über den Verlust eines Mitmenschen – viele Indikatoren werden zu einem gefährlichen Mix.
Der Film ist t. W. sehr sachlich aufgebaut, man kann der Handlung schnell folgen. Es wird nichts verherrlicht, sondern für den Zuschauer extrem authentisch wiedergegeben. Dass der Film überspitzt sein könnte, kam mir in den 86 Minuten nicht in den Sinn.

Samstag, 11. April 2009

Wehrlos an der Seitenlinie.

Schon am letzten Samstag, nach der 1:5 Niederlage gegen den VfL Wolfsburg in der Bundesliga, war Jürgen Klinsmann, verantwortlicher Cheftrainer beim FC Bayern, schwer gezeichnet gewesen. Es war nur eine Etappe in einer völlig verkorksten Saison, in der der FC Bayern vor allem durch eines auffällt: Die Mannschaft ist extremen Formschwankungen unterworfen. Eine der letzten Bastionen der Saison ist die Königsklasse, das wusste auch Klinsmann. Im Achtelfinale der Champions League gegen Sporting Lissabon spielte der FC Bayern groß auf und schoss die Portugiesen in Hin – (5:0) und Rückspiel (7:1) vom Rasen und selbst ein Lukas Podolski durfte sich wieder mal zeigen. Doch die Klatsche gegen den VfL Wolfsburg war nicht die erste in der Meisterschaft, die so unerhört hoch ausfiel, sondern eine entscheidende, da es gegen eine Mannschaft zu gewinnen galt, die als direkter Konkurrent gilt. In die allgemeine Unruhe, die schon die gesamte Saison herrscht und durch die bescheidene Rückrunde (Platz 6 der Rückrundentabelle) noch angefacht wurde. Resultat war, dass Jürgen Klinsmann vor der Partie der Viertelfinals in Barcelona, im Nou Camp vor über 90.000 Zuschauern, den Torwart tauschte. Für den eigentlich Stammtorhüter Michael Rensing kam dieser Wechsel sehr überraschend und viel Verständnis äußerte er für diese Maßnahme nicht. Klinsmann selbst begründete die Rotation auf der Position damit, dass er ein Zeichen setzten wollte und Hans-Jörg Butt über einen großen Erfahrungsschatz auf der internationalen Bühne, speziell in der Champions League, verfügt. Mit Bayern Leverkusen stand er im Jahr 2002 im Finale gegen Real Madrid. Und Klinsmann setzte auf verbales Aufrütteln – sprach davon, dass auch der FC Barcelona Respekt vor dem FC Bayern habe. Und das war ja auch der Fall, denn man warnte bei den Katalanen vor dem taumelnden FC Bayern, der zwar in den Seilen hängt, aber immer für eine Leistungsexplosion gut ist. Der ehemalige Bundestrainer und einer der Hauptdarsteller der Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land, versuchte also der Mannschaft einen Ruck zu geben, sie neu zu motivieren.
Doch dieses Vorhaben scheiterte schon 9 Minuten nach dem Howard Webb das Spiel angepfiffen hatte. Loinel Messi und Eto’o sorgten nach 9 bzw. 12. Minute. Beim ersten Tor stand Eto’o Pate und Messi traf, beim zweiten dasselbe Szenario, nur umgekehrt. Die gesamte erste Hälfte war Anschauungsunterricht eine konsternierte und verunsicherte Mannschaft aus München. Negativ aufgefallen war vor allem ein Massimo Oddo, der vor allem durch Lauffaulheit glänzte. Die Gastgeber ihrerseits waren nicht einen, sondern mindestens zwei Schritte schneller als die Bayern. Die liefen fast nur hinterher und „Barca“ zauberte regelrecht mit Xavi (beste Spieler der Europameisterschaft 2008) und Andres Iniesta im Mittelfeld. Die Abwehr wurde gar nicht gefordert und die Lücken, die der FC Bayern anbot, nutzten die Spanier knallhart aus. Immer wieder wurde die fehlende Schnelligkeit und taktische Mängel offenbart. Messi wurde nicht selten gedoppelt, aber dieser Umstand wurde durch verflucht gutes Kurzpassspiel aufgelöst – fast immer. Die Bayern-Spieler wurden von Szene zu Spielszene immer mehr zu Statisten degradiert worden. Mark van Bommel (Bayern Kapitän) sprach später enttäuscht davon, dass man keine Chance hatte, weil Barcelona schlicht und einfach „zu schnell gespielt“ habe. Die Tore fielen nach bewährtem Muster. In der 38. Minute teste Thierry Henry die Lauffreudigkeit des Rechtsverteidigers Oddo und überlief ihn mit einem einzigen (!) schnellen Antritt, passte scharf in den Strafraum, wo Messi gegen drei Gegenspieler plus Torwart, die Fußspitze hinhielt das Tor erzielte. Jürgen Klinsmann tobte nicht, aber er gestikulierte, versuchte seine Spieler aufzuwecken, von Mut zusprechen will ich gar nicht reden – der hatte sie da schon lange verlassen. In der 43. Minute schepperte es erneut im Bayerngebälk. Diesmal war es wieder Messi, der den startenden Henry, der über die rechte Seite kam, sah und ihn bestens bediente. Die Seite war offen und so konnte Henry den Ball unbedrängt in die lange Ecke schieben. Das 4:0 noch vor der Halbzeit. Eine Backpfeife sondergleichen.
Und immer wieder fanden Iniesta oder Xavi einen der drei Offensivoptionen Henry, Messi oder Eto’o. Und diese spielten dann die Abwehrkette der Bayern schwindelig. Die Außenpositionen der Bayern oft nicht besetzt und in der Mitte praktisch zum Zuschauen verdammt.
Die zweite Halbzeit kann man getrost abkürzen. Die Gastgeber schalteten zwei Gänge zurück und ließen die Bayern…kommen wäre übertrieben. Denn auch mit gezügeltem Spiel, hatte der FC Barcelona zu jeder Sekunde die Kontrolle über dieses Viertelfinalhinspiel. Es endete mit einer in dieser Höhe absolut verdienten Niederlage für den verbliebenen deutschen Vertreter in der Königsklasse. Die Bayern mussten Lucio (durch Breno) und Lahm (durch Lell) ersetzten und der Ersatz machte seinem Namen leider alle Ehre. In den ersten 45 Minuten verloren sie beinahe jeden Zweikampf (oder kamen gar nicht erst in selbigen) und brachten die Defensive gefährlich ins Schwimmen. Luca Toni wurde völlig aus dem Spiel genommen, weil keine verwertbaren Bälle bekam und Spieler wie Altintop und Schweinsteiger machten durch Fehlpässe und verlorene Zweikämpfe auf sich aufmerksam. Und an der Seitenlinie stand ein Trainer, der in seiner bisher jungen Amtszeit eine der bittersten Stunden durchleben musste.

Jeden Tag, hatte Klinsmann vor der Saison angekündigt, wolle er die Spieler ein bisschen besser machen. Ist seine Vision schon gescheitert? In der Bundesliga sind gegen Cottbus oder Bielefeld solche Ausfälle, wie die von Lahm / Lucio vielleicht noch zu korrigieren, aber auf internationalem Parkett werden diese sofort als Schwächen entlarvt. Ob das „Projekt Klinsmann“ gescheitert ist, ist eine andere Frage. Seit seinem Amtsantritt wechselte er viel Personal aus. Hat sich einen riesigen Trainerstab zugelegt. Und auch einige Trainingsmethoden neu eingeführt. Anfang der Saison scheiterte er mit einem neuen Spielsystem und kehrte wieder zum Bewährten, unter Hitzfeld praktizierten, zurück. Weitere Schlagzeilen machten nicht nur die ungünstigen Ergebnisse in der Bundesliga, sondern auch deren Ausmaß. Nur 21 Gegentore kassierte der FC Bayern 2007 / 2008 unter Ottmar Hitzfeld – unter Klinsmann sind es schon 36. Nur zwei weniger als Bielefeld. Als I-Tüpfelchen, berichteten Medien, dass sich die Spieler vor dem ersten oder zweiten Champions League Achtelfinalspiel eigenmächtig noch mal an die Taktikschraube gesetzt haben sollen. Das erwies sich im Nachhinein wohl als Ente, aber es untergrub die Autorität des Trainers Klinsmann empfindlich. Es bleiben Fragen, Fragen, ob Klinsmann unter den Spielern noch das Ansehen genießt, dass Voraussetzung ist, um ein Ensemble, wie das des FC Bayern zu führen, welches aus so vielen Nationen besteht. Jürgen Klinsmann selbst war einer der wenigen, die sich nach dem Spiel in Barcelona vor den Kameras erklärten.
Die kratergroßen Löcher in der Defensive gilt es notdürftig zu stopfen. Ohne die Stammkräfte in der Defensive ist der FC Bayern auf internationaler Bühne, in der Champions League, aufgeschmissen. Gegen Barcelona agierte man nicht, sondern reagierte nur, weil in der Abwehr kein Spieler war, der die Ordnung wenigstens ein bisschen im Hinterkopf abgelagert hatte. Zwei, drei Mann werden durch Messi/ Eto’o gebunden und dann steht ein anderer völlig frei. Als der Schlusspfiff ertönte schienen die Spieler froh darüber zu sein, dass Howard Webb der Schmach ein Ende setzte.
Im Rückspiel muss eine Leistungssteigerung abzusehen sein, damit man wenigstens Moral beweisen und mind. dagegenhalten kann.