Er ist ein Engel. Der Bundesminister für Arbeit und Soziales hat mal wieder seinen Heiligenschein aufblitzen lassen und das alles nur für die gebeutelten Rentner der Nation. Dabei vergaß er die Rentenformel und ließ sich dazu hinreißen die Behauptung aufzustellen bzw. das Versprechen, dass „die Renten in Deutschland nicht gekürzt werden“, so Scholz. „Nicht im nächsten und auch nicht in späteren Jahren.“ Das geht bei den Betroffenen natürlich runter wie Öl, wenn da nicht die Rentenformel wäre, die besagt, dass sich die Renten an der Lohnentwicklung des Vorjahres orientieren. Und dann haben wir da noch diese Weltwirtschaftskrise, die dafür sorgt, dass immer mehr Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren bzw. in Kurzarbeit geschickt werden. Das Lohnniveau sinkt und damit auch das Volumen des Betrages, welcher in der Rentenkasse landet. Also eigentlich doch ein unrealistischer Vorschlag, denkt sich da Ottonormalverbraucher. Ist Herr Scholz also ein Traumtänzer? Nun, nicht ganz, denn die Rentenformel bezieht viele Faktoren mit ein. Z. B. der Nachhaltigkeitsfaktor, der seit 2005 wirksam ist. Der Anteil der Rentner wird in Relation zu den Beitragszahlern gestellt. In den letzten Jahren müssen immer weniger Beitragszahler immer mehr Rentner bezahlen. Die Waage ist also schon um Ungleichgewicht. Doch dieser Umstand fließt in die Berechnung nicht in vollem Umfang mit ein – nur mit 25 % wird er berücksichtigt. Es wird also an dieser Stelle getrickst, um eine Kürzung der Renten zu verhindern, obwohl sie rein wirtschaftlich zu begründen wäre. Im Klartext: Die demografische Entwicklung wird nur z. T. berücksichtigt. Vor allem nach diesem Jahr wird man mit Interesse – auch in Berlin – verfolgen wie sich die Bruttolöhne entwickelt haben. Doch, der liebe Olaf hat mehr Kenntnis, die er nun todesmutig zu Gunsten einer großen Wählergruppe auslegen möchte. Der Rentneranteil an der Gesamtbevölkerung ist nicht gerade überschaubar und da tut sich eine potentielle Wählerscharr ( ca. 20 Millionen Rentner in Deutschland) für Scholz, denn – oh, Wunder – im September stehen die Bundestagswahlen vor der Tür und gerade dann erscheinen Versprechungen, wie die, die Scholz zum Besten gibt in einem ganz anderen Licht.
Doch das ist dem Wohltäter Olaf Scholz nicht genug, denn er will sein Versprechen nun auch juristisch festgezurrt wissen: Schwarz auf Weiß. „Warum soll man nicht klarstellen, was jeder von uns sowieso weiß“, auch so ein geflügelter Satz des ehm. SPD-Generalsekretärs.
Das „Handelsblatt“ hatte zuvor publiziert, dass den Rentnern in Deutschland die Altersbezüge, auf Grund der weltweiten Wirtschaftskrise um über 2 % gekürzt werden sollen. Man berief sich auch Kreise der Sozialversicherungen, bei denen die Haushaltslage gewohnt marode ist.
Aber auch die CDU sorgt sich um die Umfragewerte und stimmte in den Tenor ein, CDU-Generalsekretär steht Roland Pofalla möchte für 2010 ebenfalls keim Minus vor der Prozentzahl sehen.
Sind sie nicht drollig?Doch reicht man dem Bürger mal den Finger, nimmt er gleich die ganze Hand.
Irgendeiner der vielen Sozialverbände forderte „einen Schutzschirm für Rentner“.
Ich fordere ebenfalls einen Rettungsschirm: Für Jugendliche, Für Arbeitnehmer, für Arbeitslose (die haben doch schon einen, oder), für die Banker und Manager, die dafür gesorgt haben, dass so manche Bank an der Wand landete. Ja, wovon sollen denn diese bemitleidenswerten Individuen leben? Von der lächerlichen Abfindung? Oder dem Ruhegehalt?! Pfff, das reicht hinten und vorne nicht!
Sollen wir etwa von der Hand in den Mund leben?
Nein, nein, noch nicht mal die hohlen Wahlversprechen von Olaf Scholz scheinen die Stimmung bei den Rentnervertretern aufzuhellen. Die wollen nicht nur die Hand, satt den Finger; sondern gleich den ganzen Arm!
Politisch, sportlich, bissig, weltoffen, hartnäckig und obendrein auch noch unabhängig.
Montag, 4. Mai 2009
Freitag, 1. Mai 2009
Ausgespielt
Im Januar 2008 wurde der „Erneuerer“ Jürgen Klinsmann zum ersten Mal auf einer Pressekonferenz als Bayern-Trainer öffentlich vorgestellt. Man erkannte ihn an seinem immer positiven Grinsen. Da war er wieder, der Schwabe, der noch in den 90ern für die Bayern aktiv spielte und der durch seinen Tritt gegen eine ominöse Werbetrommel einer (seiner Meinung nach ungerechtfertigten) Auswechslung Luft machte. Das alles war in seiner aktiven Zeit. Danach zog es ihn in die USA und von 2004 bis 2006 war er Nationalcoach der deutschen Elf. Er war für das „Sommermärchen“ der Weltmeisterschaft 2006 mitverantwortlich, unter ihm belegte das Team den dritten WM-Platz, scheitere nur knapp an Italien im Halbfinale in Dortmund. Der Presseraum des FC Bayern ist geborsten voll, die Nachricht, dass ausgerechnet Klinsmann den FC Bayern ab Sommer coachen soll, lockt diverse Kamerateams und eine Scharr von Reportern zur Säbener Straße. Auf der PK wirkt Jürgen Klinsmann fast schon normal; er erläutert, dass „als der Anruf vom Karl-Heinz (Rummenigge, A. v. m.) kam, war die Entscheidung emotional recht schnell gefallen. In Absprache mit meiner Frau natürlich.“ Doch die Freunde merkt man ihm dann doch noch an, denn „es ist eine Ehre für mich“, so der zukünftige Bayern-Cheftrainer, „hier aufgenommen werden zu dürfen, hier im Prinzip eine Arbeit weiterzuführen, die ich in gewisser Weise mit der Nationalmannschaft schon angefangen habe.“ Er spricht von der Erfahrung, die er während seines Engagements für den DFB gesammelt habe; von den ersten Schritten, wie man eine Mannschaft zu führen habe. Dann geht Klinsmann auf seine „eigene Philosophie an, die er zusammen mit dem damaligen Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft, Joachim Löw, entwickelt habe. Auch die Motivation der Spieler ist ein Faktor, den der Wahlkalifornier anschneidet.
Diese Philosophie konzentriere sich darauf, „jeden einzelnen Spieler besser machen zu wollen“, so Klinsmann. Dieser Satz sollte in seiner kurzen Amtszeit wie ein Damoklesschwert über ihm hängen. Und – das überraschte - Klinsmann brach eine Lanze für den Bayern-Manager, den Mann, dessen Herz mit dem Klub fest verwachsen ist, Uli Hoeneß. Auch er hätte ihm während seiner Amtszeit beim DFB viel Unterstützung zu kommen lassen, was in den Medien aber falsch interpretiert wurde, so Klinsmann. Dann verkündet er selbstsicher, dass er wisse worauf er sich eingelassen habe und mit Freude dem Amtsantritt entgegenfiebere. Man wollte nach der zweiten Ära Hitzfeld (2007 Januar – 2008 Juni / von der ersten braucht man denke ich nicht zusprechen; sie war von Erfolgen gespickt), die sehr erfolgreich verlief, beginnen einen neuen Fußball spielen zu lassen. Man wollte aufschließen zu den großen europäischen Top-Vereinen, wie Manchester United, FC Barcelona, Real Madrid, FC Chelsea, Inter Mailand und wie sie alle heißen. Das Spieltempo sollte erhöht werden, auf internationalem Parkett wollte man wieder eine gute Figur abgeben.
Im Mai 2008 verabschiedet sich Ottmar Hitzfeld mit zwei Titeln vom FC Bayern – das zweite Mal. Hitzfeld holt mit dem im Sommer 2007 extrem verstärkten FC Bayern (u. a. Ribery (25 Millionen Euro), Miroslav Klose (ca. 12 Millionen Euro), Marcell Jansen (ca. 14 Millionen Euro), etc.) souverän den Meistertitel und den DFB-Pokal: Das Double.
Am 1. Juli beginnt beim FC Bayern eine neue Zeitrechnung.
Denn mit Klinsmann wechselte nicht einfach nur ein Trainer, nein, es wechselte, wie angekündigt, eine ganze Philosophie. Denn Klinsmann brachte mehrere Co-Trainer mit, die teilweise noch keine Erfahrung im europäischen Profifußball hatten. Das Trainingsgelände wurde umgestaltet, eine Oase bildete sich an der Säbener Straße. Nicht nur die pure fußballerische Ausbildung interessierte Klinsmann, er wollte den Spielern das Rüstzeug für eine Karriere mitgeben, was außerhalb des Platzes von Nöten ist. Was passiert, wenn ein Spieler psychisch angeschlagen ist? Wie geht er mit dem Medienaufgebot um? Wie verhält er sich in juristischen Fragen? All das war für den sympathischen Schwaben von zentraler Bedeutung und es war ein Aspekt, der im Profifußball seiner Meinung nach bisher völlig ausgeblendet wurde. Vorbilder für seine Trainertätigkeit fand der z. B. in den US-Sportarten Basketball und Football. Dabei vergaß er nicht zu erwähnen, dass diese Sportarten dem Fußball weit voraus sein.
Trainingsanalyse, neue Fitnessübungen, umfangreiche Datenerhebung, individuell für jeden einzelnen Spieler, intensivere Betreuung und neues Spielsystem. Van Bommel wurde zum Kapitän ernannt, für den abgetretenen Oliver Kahn. In der Sommerpause wurden keine großen Transfers getätigt. Hans-Jörg-Butt kam von Benfica Lissabon und Tim Borowski von Werder Bremen. Zu alledem kam, dass der Linksverteidiger Marcell Jansen für 8 Millionen Euro an den HSV abgegeben wurde. Und als Willy Sagnol (Rechtsverteidiger) wegen seiner chronischen Achillessehnenleiden seine Karriere mit 31 Jahren beenden musste, brauchte man kurzfristigen Ersatz. Diesen fand man in Massimo Oddo vom AC Mailand, der für eine Spielzeit ausgeliehen wurde.
Alleine die Trainingsmethoden wurden kritisch beim Münchner Publikum beäugt.
Ich muss zugeben, dass der Weg für Klinsmann, die Spieler anders auf den Spieltag vorzubereiten, ein sehenswerter war. Und er war von dem ersten Tag an überzeugt es mit der Mannschaft, die er zur Verfügung hatte umzusetzen. Es wehte ein frischer Wind auf dem Bayern-Trainingsgelände. Vor allem die Psyche stand im Vordergrund, diese Schraube zu drehen, sollte den einzelnen Spieler zu neuen Leistungen pushen. Der Trainerstab nahm jedenfalls ungeahnte Ausmaße an. Für den Außenstehenden war es schwer zu differenzieren, welcher Trainer nun genau für welchen Aufgabenbereich zuständig war. Dieses Netz von Trainern, Therapeuten, Psychologen etc. war schwer durchschaubar und doch war der Ansatz ein, für deutsche Verhältnisse, viel versprechender.
Die ersten vier Spieltage der neuen Saison beginnen erfolgreich. 10 Tore erzielt der FC Bayern München, bei vier Gegentreffern. Doch mit dem 20. September fangen die sportlichen Probleme an und ein erstes Stottern im Motor des FC Bayern ist unüberhörbar. 2:5 unterliegt der Meister vor eigener Kulisse Werder Bremen – eine Packung. Das Bremen in der Lage sein würde, den FC Bayern vor eigenem Publikum abzuschießen, das hatten nur die kühnsten Optimisten für möglich gehalten. Denn die Münchner waren nicht unbegründet klarer Favorit. Nach dem auch das folgende Auswärtsspiel in Hannover verloren wurde, fingen sich die Bayern wieder und starteten eine Serie bis hin zur Winterpause. Doch auch diese Erfolgsserie wurde von Störfeuern begleitet. Das 3:3 gegen den VfL Bochum war der Anfang von elf Spielen ohne Niederlage. Jedoch führten die Bayern bis zur 82. Minute klar mit 3:1 und doch gelang den Bochumern noch der Ausgleich, obwohl man sie im Griff zu haben schien. Auch Torwart Michael Rensing war daran nicht schuldlos und damit kommen wir zu einer Personaldiskussionen, die sich die gesamte Hinrunde ausbreiten sollte und auch in der Rückrunde brandaktuell war. Immer wieder waren Unsicherheiten beim 24-Jährigen auszumachen, der das schwere Erbe von Oliver Kahn antreten musste. Bis zum 18. Spieltag verlor der FC Bayern kein Liga-Spiel mehr und lag zur Winterpause mit „Herbstmeister“ TSG Hoffenheim punktgleich auf Platz, da die Tordifferenz nicht positiv genug war.
Die Misstöne waren aufgrund der vielen Gegentore trotzdem zu vernehmen. Oft hatte Klinsmann rotieren lassen: Mal Oddo, mal Lell als Rechtsverteidiger gebracht oder van Buyten für Demichelis. Es gab also keinen Konstanten Abwehrverbund. Daran störte man sich also auch nach einer sehr guten Hinrunde, mit ein paar Schönheitsfehlern.
Das neue Jahr begann für die Bayern am 27. Januar mit der DFB-Pokal-Partie in Stuttgart, beim VfB. Dieses Spiel gewannen die Bayern mit 5:1. Nebenbei waren sie auch in der Champions League gut dabei. Das Dilemma beginnt damit, dass Jürgen Klinsmann Landon Donovan unbedingt für 3 Monate verpflichten wollte. Der US-Amerikaner (27 Jahre / 108 A-Einsätze für die USA) wurde also bis März von LA Galaxy ausgeliehen, was so manchen ins Schmunzeln versetzte, war es doch genau der Spieler, der sich schon bei Bayer Leverkusen so schwer tat; also eine Station in Deutschland bereits durchlaufen hatte. Zum Auftakt der Hinrunde gab es dann gegen den HSV auswärts eine 0:1-Niederlage und das in einer Saison, in der die Norddeutschen ganz oben mit mischen. In der Winterpause war außerdem bekannt geworden, dass Ivicar Olic (eben vom HSV) im Sommer 2009 nach München wechselt – ablösefrei. Das kommende Heimspiel gegen die Dortmunder begann mit einem Rückstand in der 2. Minute, konnte aber noch mit 3:1 gewonnen werden. Gegen Hertha BSC (auswärts / 1:2) und den 1.FC Köln (Heimspiel / 1:2) setzte es Niederlagen. Auch beim SV Werder Bremen konnte man, obwohl 75 Minuten in Überzahl (nach Platzverweis gegen Naldo), nicht gewinnen und fuhr mit einem 0:0 in die bayrische Landeshauptstadt zurück. Die Kritiker fühlten sich nun immer intensiver bestätigt. Von Souveränität war beim amtierenden Meister nämlich nichts zu sehen.
Nach dem der FC Bayern in der Champions League Gruppensieger wurde, konnte er im Achtelfinale Sporting Lissabon mit 5:0 (Hinspiel / in Lissabon) und 7:1 (Rückspiel / in München) bezwingen. Im Viertelfinale wartete mit dem FC Barcelona der Triumphator von 2006 in der Königsklasse.
Zurück in die Bundesliga: Landon Donovan war inzwischen schon wieder auf dem Heimflug. Nur drei magere Monate verbrachte er bei Bayern München und die Kluboberen haben keine Veranlassung gesehen Donovan weiterzubeschäftigen. Ohnehin sind seit den Niederlagen gegen Berlin und vor allen gegen Köln (!) einige Misstöne zu vernehmen. Nach dem 0:0 gegen Bremen wurde das DFB-Pokalviertelfinale mit 2:4 gegen Bayer Leverkusen verloren und damit war das Chaos so ein bisschen eröffnet und die ersten kritischen Stimmen gegen Klinsmann unüberhörbar. Die darauf folgenden Spieltage 23. 24. und 25. konnte man zwar alle samt gewinnen und doch war man in München nicht zufrieden, denn man hätte z. B. gegen Hertha bei einem Sieg Tabellenführer werden können und verpasst es, nach dem man in der vergangenen Saison vom 1. bis zum 34. Spieltag die Tabelle anführte. Nach der Pleite gegen Leverkusen konnte der erste Titel für 2008 / 2009 abgehackt werden: Der DFB-Pokal. Erschwerend hinzukam, dass Leverkusen die Münchner im Griff hatte, und zwar richtig und durchaus hätte mehr Tore erzielen können. Dann kam der 26. Spieltag, wieder hätte Bayern bei einem Sieg Tabellenführer werden können, aber auch der VfL Wolfsburg, der die Münchner zu Hause empfing hätte die Führung durch einen Erfolg erringen können. Doch schon 2004 / 2005 gab es eine ähnliche Konstellation und auf den FC Bayern war immer Verlass – damals noch mit Felix Magath auf Seiten der Münchner. Dieses Mal allerdings wurde die Talfahrt der Münchner abrupt! 1:5 unterlagen sie beim neuen Tabellenersten und mussten durch das fünfte Tor eine Demütigung hinnehmen, als VfL-Angreifer Grafite die gesamte Hintermannschaft schwindlig spielte und den Ball mit der Hacke an Rensing vorbei ins Tor kickte. Es war die höchste Bundesliga Niederlage des FC Bayern seit dem 1:5 beim FC Schalke 04 im Jahr 2002. Und vier Tage später stand das Duell gegen den FC Barcelona im Camp Nou vor über 90.000 Zuschauern an. Man fuhr angeschlagen nach Spanien und Jürgen Klinsmann stand nach der Klatsche gegen die Wolfsburgern bei den Fans offen am Pranger. Hinzu kamen nun auch noch Gerüchte, dass die Mannschaft sich vor dem Champions League Achtelfinale gegen Sporting Lissabon, eigenmächtig die Taktik verändert haben soll. Es sollte sich später also Finte herausstellen, aber die Autorität des Trainers Jürgen Klinsmann untergrub es allerdings nicht unerheblich. In einer Phase, in der Jürgen Klinsmann offen und scharf kritisiert wurde, hielt das Präsidium des Klubs still. Der Abend des Viertelfinal-Hinspiels geriet dann für den FC Bayern zur Farce. Bereits nach 45 Minuten war man geschlagen – 0:4-Rückstand und auch dieser war noch gnädig. Es war auch das Endergebnis, weil die Gastgeber mind. zwei Gänge zurückschalteten. Das Dauerfeuer war eröffnet. Und man musste ganz klar attestieren, dass diese Mannschaft nicht konkurrenzfähig war – zumindest auf europäischer Bühne. Ein Christian Lell fand nicht statt, Massimo Oddo wurde von Thierry Henry schwindlig (im wahrsten Sinne des Wortes) gespielt. Eine Verteidigung existierte über die gesamten 90 Minuten nicht und vor der Partie hatte Klinsmann für einen weiteren Erdrutsch gesorgt, als man die Aufstellung studierte. Der Kron-Prinz und Kahnnachfolger, Michael Rensing, fand sich auf der Ersatzbank wieder und Torwartroutinie Hans-Jörg-Butt kam in den Genuss der Startelf.
Nach dem Spiel prügelte Günther Netzer und wie sie alle heißen, die Großen des deutschen Fußballs, auf Klinsmann ein, aber Netzer eben besonders. Ich muss zugeben, dass der Abend ein bitterer war und die Grenzen dem FC Bayern klar aufgezeigt wurden, aber die Hauptschuld an dem desolaten und unmotivierten Auftritt trug nicht Klinsmanns Taktik, sondern einzig und allein die unmotivierte Spielweise der Männer mit Bayern-Emblem auf der Brust – nicht zu vergessen die technischen Mängel, sowie das langsam Antizipieren, was Barcelona wesentlich besser gelang.
Und obwohl er Michael Rensing versprochen hatte, dass er gegen Eintracht Frankfurt am kommend Wochenende wieder im Tor stehen würde, blieb er bei seiner Entscheidung. Und hier möchte ich ansetzen, denn dass Rensing ein s. g. „Fliegenfänger“ ist, das ist bekannt; die Fußstapfen, die Oliver Kahn hinterlassen hat sind für diesen Keeper eine Nummer zu groß. Er stellte nach Leistung auf, was lobenswert ist und auch korrekt, weil Rensing sich auf die letzten Monate betrachtet zu viele Fehler und Unsicherheiten geleistet hatte. Nach dem 4:0-Sieg gegen Frankfurt, sprach Klinsmann davon, dass er nun einen „erfahrenen Mann“ zwischen den Pfosten benötigt und vor allem einen Leader, der auch Ruhe ausstrahlen kann, einen Souverän eben. Aber ihm dann das Wort zu geben und zu sagen, „Hey, du stehst auf jeden Fall beim Spiel gegen Eintracht Frankfurt im Tor.“, um wieder die 180° Wende einzulegen war nicht hilfreich. Und doch lautet das Fazit, dass ein Michel Rensing kein Potential hat, um beim FC Bayern klarer Stammkeeper zu werden. Ich bin mir allerdings unsicher, ob Klinsmann, dass vielleicht schon viel früher abschätzen konnte, nur nicht wechseln konnte, weil ein Uli Hoeneß zu den Unterstützern von Rensing zählte. Inzwischen waren die „Klinsmann-raus“ Rufe deutlich zu vernehmen. Die Fans machten ihrem Umnut Luft – akustisch. Klinsmann konnte das nachfolgende Spiel in Bielefeld zwar gewinnen, aber als es am 25. April 2009 0:1 gegen den FC Schalke hieß, war seine Zeit aus Sicht von Uli Hoeneß, Rummenigge und Hopfner abgelaufen. Zwei Tage später war Jürgen Klinsmann nicht mehr Chef-Trainer des FC Bayern München und auch sein Trainerstab um Martin Vasquez musste seinen Posten räumen.
Zu allem Überfluss legten die Spieler beim letzten Spiel von Jürgen Klinsmann zwar wieder einen guten Start hin, verfielen dann aber in eine Lethargie, von der sie sich nicht mehr erholen sollte (oder wollten?). Der Star, Frank Ribery, holte sich völlig unmotiviert eine Ampelkarte ab und verschwand ohne den leisesten Protest in den Katakomben der Allianz-Arena. Die Mannschaft präsentierte sich nach einem ambitionierten Start blutleer und demotiviert. Und obwohl der Titel nach der Niederlage der Wolfsburger (nach 10 Siegen in Folge) bei Kellerkind Energie Cottbus, wieder Hoffnung weckte, so war das Sonntagsauslaufen an der Säbener Straße Klinsmanns letzte Diensthandlung. Am Montag gab der FC Bayern München (nach dem die Bild-Zeitung die Personalentscheidung bereits öffentlich machte) eine Presseerklärung heraus, aus der hervorging, dass Jürgen Klinsmann ab sofort nicht mehr Bayern-Cheftrainer, ebenso die Assistenztrainer.
Das Projekt Klinsmann fand ein plötzliches Ende, weil ihm nicht mehr Zeit eingeräumt wurde.
National hätte man auch mit Jürgen Klinsmann die Meisterschaft erringen können. Was international realisierbar gewesen wäre, weiß man nicht genau. Doch Jürgen Klinsmann, nach dem man sein Konzept so überzeugend fand, (O-Ton Uli Hoeneß) die Zeit einzuräumen, das auch umzusetzen, ist selbstverständlich. Hier muss man auch eine Saison ohne Titel einplanen – auch der FC Bayern unterliegt diesen Gesetzen.
Diese Philosophie konzentriere sich darauf, „jeden einzelnen Spieler besser machen zu wollen“, so Klinsmann. Dieser Satz sollte in seiner kurzen Amtszeit wie ein Damoklesschwert über ihm hängen. Und – das überraschte - Klinsmann brach eine Lanze für den Bayern-Manager, den Mann, dessen Herz mit dem Klub fest verwachsen ist, Uli Hoeneß. Auch er hätte ihm während seiner Amtszeit beim DFB viel Unterstützung zu kommen lassen, was in den Medien aber falsch interpretiert wurde, so Klinsmann. Dann verkündet er selbstsicher, dass er wisse worauf er sich eingelassen habe und mit Freude dem Amtsantritt entgegenfiebere. Man wollte nach der zweiten Ära Hitzfeld (2007 Januar – 2008 Juni / von der ersten braucht man denke ich nicht zusprechen; sie war von Erfolgen gespickt), die sehr erfolgreich verlief, beginnen einen neuen Fußball spielen zu lassen. Man wollte aufschließen zu den großen europäischen Top-Vereinen, wie Manchester United, FC Barcelona, Real Madrid, FC Chelsea, Inter Mailand und wie sie alle heißen. Das Spieltempo sollte erhöht werden, auf internationalem Parkett wollte man wieder eine gute Figur abgeben.
Im Mai 2008 verabschiedet sich Ottmar Hitzfeld mit zwei Titeln vom FC Bayern – das zweite Mal. Hitzfeld holt mit dem im Sommer 2007 extrem verstärkten FC Bayern (u. a. Ribery (25 Millionen Euro), Miroslav Klose (ca. 12 Millionen Euro), Marcell Jansen (ca. 14 Millionen Euro), etc.) souverän den Meistertitel und den DFB-Pokal: Das Double.
Am 1. Juli beginnt beim FC Bayern eine neue Zeitrechnung.
Denn mit Klinsmann wechselte nicht einfach nur ein Trainer, nein, es wechselte, wie angekündigt, eine ganze Philosophie. Denn Klinsmann brachte mehrere Co-Trainer mit, die teilweise noch keine Erfahrung im europäischen Profifußball hatten. Das Trainingsgelände wurde umgestaltet, eine Oase bildete sich an der Säbener Straße. Nicht nur die pure fußballerische Ausbildung interessierte Klinsmann, er wollte den Spielern das Rüstzeug für eine Karriere mitgeben, was außerhalb des Platzes von Nöten ist. Was passiert, wenn ein Spieler psychisch angeschlagen ist? Wie geht er mit dem Medienaufgebot um? Wie verhält er sich in juristischen Fragen? All das war für den sympathischen Schwaben von zentraler Bedeutung und es war ein Aspekt, der im Profifußball seiner Meinung nach bisher völlig ausgeblendet wurde. Vorbilder für seine Trainertätigkeit fand der z. B. in den US-Sportarten Basketball und Football. Dabei vergaß er nicht zu erwähnen, dass diese Sportarten dem Fußball weit voraus sein.
Trainingsanalyse, neue Fitnessübungen, umfangreiche Datenerhebung, individuell für jeden einzelnen Spieler, intensivere Betreuung und neues Spielsystem. Van Bommel wurde zum Kapitän ernannt, für den abgetretenen Oliver Kahn. In der Sommerpause wurden keine großen Transfers getätigt. Hans-Jörg-Butt kam von Benfica Lissabon und Tim Borowski von Werder Bremen. Zu alledem kam, dass der Linksverteidiger Marcell Jansen für 8 Millionen Euro an den HSV abgegeben wurde. Und als Willy Sagnol (Rechtsverteidiger) wegen seiner chronischen Achillessehnenleiden seine Karriere mit 31 Jahren beenden musste, brauchte man kurzfristigen Ersatz. Diesen fand man in Massimo Oddo vom AC Mailand, der für eine Spielzeit ausgeliehen wurde.
Alleine die Trainingsmethoden wurden kritisch beim Münchner Publikum beäugt.
Ich muss zugeben, dass der Weg für Klinsmann, die Spieler anders auf den Spieltag vorzubereiten, ein sehenswerter war. Und er war von dem ersten Tag an überzeugt es mit der Mannschaft, die er zur Verfügung hatte umzusetzen. Es wehte ein frischer Wind auf dem Bayern-Trainingsgelände. Vor allem die Psyche stand im Vordergrund, diese Schraube zu drehen, sollte den einzelnen Spieler zu neuen Leistungen pushen. Der Trainerstab nahm jedenfalls ungeahnte Ausmaße an. Für den Außenstehenden war es schwer zu differenzieren, welcher Trainer nun genau für welchen Aufgabenbereich zuständig war. Dieses Netz von Trainern, Therapeuten, Psychologen etc. war schwer durchschaubar und doch war der Ansatz ein, für deutsche Verhältnisse, viel versprechender.
Die ersten vier Spieltage der neuen Saison beginnen erfolgreich. 10 Tore erzielt der FC Bayern München, bei vier Gegentreffern. Doch mit dem 20. September fangen die sportlichen Probleme an und ein erstes Stottern im Motor des FC Bayern ist unüberhörbar. 2:5 unterliegt der Meister vor eigener Kulisse Werder Bremen – eine Packung. Das Bremen in der Lage sein würde, den FC Bayern vor eigenem Publikum abzuschießen, das hatten nur die kühnsten Optimisten für möglich gehalten. Denn die Münchner waren nicht unbegründet klarer Favorit. Nach dem auch das folgende Auswärtsspiel in Hannover verloren wurde, fingen sich die Bayern wieder und starteten eine Serie bis hin zur Winterpause. Doch auch diese Erfolgsserie wurde von Störfeuern begleitet. Das 3:3 gegen den VfL Bochum war der Anfang von elf Spielen ohne Niederlage. Jedoch führten die Bayern bis zur 82. Minute klar mit 3:1 und doch gelang den Bochumern noch der Ausgleich, obwohl man sie im Griff zu haben schien. Auch Torwart Michael Rensing war daran nicht schuldlos und damit kommen wir zu einer Personaldiskussionen, die sich die gesamte Hinrunde ausbreiten sollte und auch in der Rückrunde brandaktuell war. Immer wieder waren Unsicherheiten beim 24-Jährigen auszumachen, der das schwere Erbe von Oliver Kahn antreten musste. Bis zum 18. Spieltag verlor der FC Bayern kein Liga-Spiel mehr und lag zur Winterpause mit „Herbstmeister“ TSG Hoffenheim punktgleich auf Platz, da die Tordifferenz nicht positiv genug war.
Die Misstöne waren aufgrund der vielen Gegentore trotzdem zu vernehmen. Oft hatte Klinsmann rotieren lassen: Mal Oddo, mal Lell als Rechtsverteidiger gebracht oder van Buyten für Demichelis. Es gab also keinen Konstanten Abwehrverbund. Daran störte man sich also auch nach einer sehr guten Hinrunde, mit ein paar Schönheitsfehlern.
Das neue Jahr begann für die Bayern am 27. Januar mit der DFB-Pokal-Partie in Stuttgart, beim VfB. Dieses Spiel gewannen die Bayern mit 5:1. Nebenbei waren sie auch in der Champions League gut dabei. Das Dilemma beginnt damit, dass Jürgen Klinsmann Landon Donovan unbedingt für 3 Monate verpflichten wollte. Der US-Amerikaner (27 Jahre / 108 A-Einsätze für die USA) wurde also bis März von LA Galaxy ausgeliehen, was so manchen ins Schmunzeln versetzte, war es doch genau der Spieler, der sich schon bei Bayer Leverkusen so schwer tat; also eine Station in Deutschland bereits durchlaufen hatte. Zum Auftakt der Hinrunde gab es dann gegen den HSV auswärts eine 0:1-Niederlage und das in einer Saison, in der die Norddeutschen ganz oben mit mischen. In der Winterpause war außerdem bekannt geworden, dass Ivicar Olic (eben vom HSV) im Sommer 2009 nach München wechselt – ablösefrei. Das kommende Heimspiel gegen die Dortmunder begann mit einem Rückstand in der 2. Minute, konnte aber noch mit 3:1 gewonnen werden. Gegen Hertha BSC (auswärts / 1:2) und den 1.FC Köln (Heimspiel / 1:2) setzte es Niederlagen. Auch beim SV Werder Bremen konnte man, obwohl 75 Minuten in Überzahl (nach Platzverweis gegen Naldo), nicht gewinnen und fuhr mit einem 0:0 in die bayrische Landeshauptstadt zurück. Die Kritiker fühlten sich nun immer intensiver bestätigt. Von Souveränität war beim amtierenden Meister nämlich nichts zu sehen.
Nach dem der FC Bayern in der Champions League Gruppensieger wurde, konnte er im Achtelfinale Sporting Lissabon mit 5:0 (Hinspiel / in Lissabon) und 7:1 (Rückspiel / in München) bezwingen. Im Viertelfinale wartete mit dem FC Barcelona der Triumphator von 2006 in der Königsklasse.
Zurück in die Bundesliga: Landon Donovan war inzwischen schon wieder auf dem Heimflug. Nur drei magere Monate verbrachte er bei Bayern München und die Kluboberen haben keine Veranlassung gesehen Donovan weiterzubeschäftigen. Ohnehin sind seit den Niederlagen gegen Berlin und vor allen gegen Köln (!) einige Misstöne zu vernehmen. Nach dem 0:0 gegen Bremen wurde das DFB-Pokalviertelfinale mit 2:4 gegen Bayer Leverkusen verloren und damit war das Chaos so ein bisschen eröffnet und die ersten kritischen Stimmen gegen Klinsmann unüberhörbar. Die darauf folgenden Spieltage 23. 24. und 25. konnte man zwar alle samt gewinnen und doch war man in München nicht zufrieden, denn man hätte z. B. gegen Hertha bei einem Sieg Tabellenführer werden können und verpasst es, nach dem man in der vergangenen Saison vom 1. bis zum 34. Spieltag die Tabelle anführte. Nach der Pleite gegen Leverkusen konnte der erste Titel für 2008 / 2009 abgehackt werden: Der DFB-Pokal. Erschwerend hinzukam, dass Leverkusen die Münchner im Griff hatte, und zwar richtig und durchaus hätte mehr Tore erzielen können. Dann kam der 26. Spieltag, wieder hätte Bayern bei einem Sieg Tabellenführer werden können, aber auch der VfL Wolfsburg, der die Münchner zu Hause empfing hätte die Führung durch einen Erfolg erringen können. Doch schon 2004 / 2005 gab es eine ähnliche Konstellation und auf den FC Bayern war immer Verlass – damals noch mit Felix Magath auf Seiten der Münchner. Dieses Mal allerdings wurde die Talfahrt der Münchner abrupt! 1:5 unterlagen sie beim neuen Tabellenersten und mussten durch das fünfte Tor eine Demütigung hinnehmen, als VfL-Angreifer Grafite die gesamte Hintermannschaft schwindlig spielte und den Ball mit der Hacke an Rensing vorbei ins Tor kickte. Es war die höchste Bundesliga Niederlage des FC Bayern seit dem 1:5 beim FC Schalke 04 im Jahr 2002. Und vier Tage später stand das Duell gegen den FC Barcelona im Camp Nou vor über 90.000 Zuschauern an. Man fuhr angeschlagen nach Spanien und Jürgen Klinsmann stand nach der Klatsche gegen die Wolfsburgern bei den Fans offen am Pranger. Hinzu kamen nun auch noch Gerüchte, dass die Mannschaft sich vor dem Champions League Achtelfinale gegen Sporting Lissabon, eigenmächtig die Taktik verändert haben soll. Es sollte sich später also Finte herausstellen, aber die Autorität des Trainers Jürgen Klinsmann untergrub es allerdings nicht unerheblich. In einer Phase, in der Jürgen Klinsmann offen und scharf kritisiert wurde, hielt das Präsidium des Klubs still. Der Abend des Viertelfinal-Hinspiels geriet dann für den FC Bayern zur Farce. Bereits nach 45 Minuten war man geschlagen – 0:4-Rückstand und auch dieser war noch gnädig. Es war auch das Endergebnis, weil die Gastgeber mind. zwei Gänge zurückschalteten. Das Dauerfeuer war eröffnet. Und man musste ganz klar attestieren, dass diese Mannschaft nicht konkurrenzfähig war – zumindest auf europäischer Bühne. Ein Christian Lell fand nicht statt, Massimo Oddo wurde von Thierry Henry schwindlig (im wahrsten Sinne des Wortes) gespielt. Eine Verteidigung existierte über die gesamten 90 Minuten nicht und vor der Partie hatte Klinsmann für einen weiteren Erdrutsch gesorgt, als man die Aufstellung studierte. Der Kron-Prinz und Kahnnachfolger, Michael Rensing, fand sich auf der Ersatzbank wieder und Torwartroutinie Hans-Jörg-Butt kam in den Genuss der Startelf.
Nach dem Spiel prügelte Günther Netzer und wie sie alle heißen, die Großen des deutschen Fußballs, auf Klinsmann ein, aber Netzer eben besonders. Ich muss zugeben, dass der Abend ein bitterer war und die Grenzen dem FC Bayern klar aufgezeigt wurden, aber die Hauptschuld an dem desolaten und unmotivierten Auftritt trug nicht Klinsmanns Taktik, sondern einzig und allein die unmotivierte Spielweise der Männer mit Bayern-Emblem auf der Brust – nicht zu vergessen die technischen Mängel, sowie das langsam Antizipieren, was Barcelona wesentlich besser gelang.
Und obwohl er Michael Rensing versprochen hatte, dass er gegen Eintracht Frankfurt am kommend Wochenende wieder im Tor stehen würde, blieb er bei seiner Entscheidung. Und hier möchte ich ansetzen, denn dass Rensing ein s. g. „Fliegenfänger“ ist, das ist bekannt; die Fußstapfen, die Oliver Kahn hinterlassen hat sind für diesen Keeper eine Nummer zu groß. Er stellte nach Leistung auf, was lobenswert ist und auch korrekt, weil Rensing sich auf die letzten Monate betrachtet zu viele Fehler und Unsicherheiten geleistet hatte. Nach dem 4:0-Sieg gegen Frankfurt, sprach Klinsmann davon, dass er nun einen „erfahrenen Mann“ zwischen den Pfosten benötigt und vor allem einen Leader, der auch Ruhe ausstrahlen kann, einen Souverän eben. Aber ihm dann das Wort zu geben und zu sagen, „Hey, du stehst auf jeden Fall beim Spiel gegen Eintracht Frankfurt im Tor.“, um wieder die 180° Wende einzulegen war nicht hilfreich. Und doch lautet das Fazit, dass ein Michel Rensing kein Potential hat, um beim FC Bayern klarer Stammkeeper zu werden. Ich bin mir allerdings unsicher, ob Klinsmann, dass vielleicht schon viel früher abschätzen konnte, nur nicht wechseln konnte, weil ein Uli Hoeneß zu den Unterstützern von Rensing zählte. Inzwischen waren die „Klinsmann-raus“ Rufe deutlich zu vernehmen. Die Fans machten ihrem Umnut Luft – akustisch. Klinsmann konnte das nachfolgende Spiel in Bielefeld zwar gewinnen, aber als es am 25. April 2009 0:1 gegen den FC Schalke hieß, war seine Zeit aus Sicht von Uli Hoeneß, Rummenigge und Hopfner abgelaufen. Zwei Tage später war Jürgen Klinsmann nicht mehr Chef-Trainer des FC Bayern München und auch sein Trainerstab um Martin Vasquez musste seinen Posten räumen.
Zu allem Überfluss legten die Spieler beim letzten Spiel von Jürgen Klinsmann zwar wieder einen guten Start hin, verfielen dann aber in eine Lethargie, von der sie sich nicht mehr erholen sollte (oder wollten?). Der Star, Frank Ribery, holte sich völlig unmotiviert eine Ampelkarte ab und verschwand ohne den leisesten Protest in den Katakomben der Allianz-Arena. Die Mannschaft präsentierte sich nach einem ambitionierten Start blutleer und demotiviert. Und obwohl der Titel nach der Niederlage der Wolfsburger (nach 10 Siegen in Folge) bei Kellerkind Energie Cottbus, wieder Hoffnung weckte, so war das Sonntagsauslaufen an der Säbener Straße Klinsmanns letzte Diensthandlung. Am Montag gab der FC Bayern München (nach dem die Bild-Zeitung die Personalentscheidung bereits öffentlich machte) eine Presseerklärung heraus, aus der hervorging, dass Jürgen Klinsmann ab sofort nicht mehr Bayern-Cheftrainer, ebenso die Assistenztrainer.
Das Projekt Klinsmann fand ein plötzliches Ende, weil ihm nicht mehr Zeit eingeräumt wurde.
National hätte man auch mit Jürgen Klinsmann die Meisterschaft erringen können. Was international realisierbar gewesen wäre, weiß man nicht genau. Doch Jürgen Klinsmann, nach dem man sein Konzept so überzeugend fand, (O-Ton Uli Hoeneß) die Zeit einzuräumen, das auch umzusetzen, ist selbstverständlich. Hier muss man auch eine Saison ohne Titel einplanen – auch der FC Bayern unterliegt diesen Gesetzen.
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