Sonntag, 28. Juni 2009

Das große Rad

Mehr als Karlsruhe, Cottbus und Bielefeld für ihren Burstsponsor kassierten.
2 Millionen Euro wird der 1.FC Union künftig dafür bekommen, dass die ISP (International Sport Promotion) in der 2. Bundesliga die Brust des Hauptstadtclubs schmücken darf. Damit ist man auf diesem Feld der Ligakrösus schon lange bevor der erste Ball der Saison 2009/2010 gerollt ist. Am 25. Juni wurde das Engagement auf einer PK im Stadion an der Alten Försterei bekannt geben. Die Verantwortlichen gaben sogleich eine Pressemitteilung heraus, denn mit solch hohen Summen, kommen meist auch etwas unangenehme Fragen. Und diese werden nicht ganz zu Unrecht in den Raum geworfen.
Dir Zingler erklärt: „Wir verstehen die ISP als strategischen Partner, der die Entwicklung des Vereins mittelfristig begleiten und beim Erreichen unserer Ziele unterstützen wird. Die uns zur Verfügung stehenden Mittel werden wir zu gleichen Teilen in verschiedenen Bereichen des Vereins einsetzen. Natürlich wird ein Teil unmittelbar in den sportlichen Bereich investiert, wir werden die Infrastruktur weiter verbessern und wir werden auch den Abbau von Verbindlichkeiten vorantreiben“. Dabei immer im Auge haben sollte man, dass der Verein ganz alleine seine Entwicklung vorantreibt. Man möchte die Menschen, die sich in den letzten Jahren treu zum Verein bekannt haben, mitnehmen. Darüber hinaus soll die ISP an der Stadionbetreibergesellschaft beteiligt werden. Auch bei Spielertransfers soll der neue Partner ein Wörtchen mitreden können.
Was wiederum zum nachdenken anregt: „Die ISP wurde im Frühjahr dieses Jahres gegründet, um über die Kooperation mit Union und den damit verbundenen Einstieg in den prestigeträchtigen Profifußball weitere Geschäftsfelder erschließen zu können. Das Unternehmen ist eingetragen bei der Chamber of Commerce in Dubai.“
Ein neues Unternehmen gegründet, um einem Fußballverein zu unterstützen. Interessant und zugleich fragwürdig.
ISP ist Mitglied einer von der ISO International Development & Consulting koordinierten Unternehmensgruppe. Gut, denkt man sich da, schaue ich doch mal nach der ISP. Diese ist im Netz leider nicht leicht aufzutreiben und wenn man sich den Onlineauftritt der ISO anschaut, wird man noch stutziger.
Man habe „für die Entwicklung von komplexen Projekten“ die Verantwortung.
Die Betätigungsfelder des Unternehmens werden wie folgt angegeben: Bautechnologien und innovative Baustoffe, Umwelt-Management und regenerative Energien, Rohstofferkundungen und Rohstofferschließungen sowie Infrastruktur-Projekte.
Das hört sich für mich alles sehr, sehr schwammig an. Und wenn man ein paar Zeilen weiter runter springt ist von der „Übernahme von Unternehmen“ die Rede. Alles in allem sind mir persönlich zu wenig konkrete (!) Informationen enthalten. Das man allgemein das Firmenprofil herausstellet ist selbstverständlich, aber ein paar Referenzen wären wünschenswert. Ein internationales Unternehmen also, wie man lesen darf, welches sich nicht nur auf einem Kontinent an den Markt gewagt hat. Klickt man auf die Rubrik „Was wir tun“, so landet man auf einer leeren Seite, die in den“ nächsten Wochen“ veröffentlicht wird. Ein bisschen beschleichen mich nun doch flaue Gefühle im Bauchraum.
Auch in der Baubranche war man anscheinend nicht untätig. Man das Augenmerk wohl auf West-Afrika gelegt und den Fokus auf regenerative Energien und Rohstofferkundungen bzw. Erschließungen gerichtet.
Das alles hört sich für mich immer noch nicht so recht Vertrauens erweckend an.
Festhalten sollte man aber, dass in der heutigen Zeit im Profifußball ohne einen so potenten Sponsor nicht mehr viel geht. Die Infrastruktur muss angepasst, das Stadion ausgebaut und der Spielerkader weiter entwickelt werden. Das alles treibt die Kosen in unermessliche Höhen. Alleine schon deswegen könnte, wenn der Deal nach fünf Jahren glatt gelaufen ist, die ISP auf der anderen Seite ein wichtiger Partner sein.
Unerwartet kam das Sponsoring für die Öffentlichkeit alle mal.
Im Vorfeld war wild spekuliert worden. Vor allem Gazprom Germania war als möglicher Kandidat im Gespräch. Diese Gerüchte wurden durch das Gastspiel des FC Schalke 04 im Sommer noch angeheizt.
Am Ende wird es also ein Unternehmen, das niemand so richtig kennt und dessen Tätigkeitsfelder zwar beschrieben wurden, aber nicht so wirklich konkretisiert.
Ich freue mich für den Verein, dass er so eine Geldquelle auftun konnte. Doch traue ich dem Braten (noch) nicht.
Eingetragen ist die ISP übrigens in Dubai.

Dienstag, 9. Juni 2009

Wahl?! Was für eine Wahl?

Die Europawahl, das klingt nach großer Politik, nach mächtigem Einfluss.
Doch das Europaparlament gilt als mausgrau, als unwichtig und unbedeutend.
Der direkte Einfluss auf das politische Gesehen in Deutschland wird als gering eingeschätzt, obwohl Deutschland die meisten Abgeordneten (99) in Brüssel stellt. Genauer gesagt sehen die Menschen, dass im Bundestag die für sie relevanten Entscheidungen getroffen werden, sogar der Gemeinderat, so die ARD, sei für die Menschen in Deutschland ein Organ, welches entscheidendere Maßnahmen beschließt als das EU-Parlament.
Die Bürger, die dann doch aufraffen können den Weg Richtung Wahlkabine zurückzulegen, die wählen dann oft die europakritischen Parteien.
Verzweifelt versuchte die EU mittels Horrorklips die Wähler an die Urne zu peitschen.
Da rennt das schreiende Opfer ins Wahllokal und der potentielle Mörder mit einer Axt in der rechten Hand folgt Sekunden später, um seine Stimme anzugeben. Europa genießt einen hohen Stellenwert, dafür werden sogar Morde um ein paar Minutchen verschoben, so die Botschaft.
Und auch die Parteien haben mich wieder amüsiert - auf ihre ganz eigene Art und Weise sich die eigenen Ergebnisse bei den s. g. Wahlpartys schönzureden. Der politische Gegner wird mit allen rhetorischen Tricks in Grund und Boden geredet, so wie es sich gehört, wenn man selber, wie z. B. die CDU, über 5 % der Stimmen im Vergleich zur Europawahl im Jahr 2004 eingebüßt hat und damit den größten Verlust aller Parteien hinnehmen musste. Herr Pofalla frohlockte und zeichnete bereits das Bild zur Bundestagswahl im September dieses Jahres. Er wiederholte freudestrahlend und kraftstrotzend noch einmal: „Es gibt eine bürgerliche Mehrheit in Deutschland.“
In der SPD beginnt derweil das Wundenlecken. Man sackte noch unter den Wert des Hartz-Jahres 2004, in dem die SPD auf Grund der Agenda-Politik der Rot-Grünen Bundesregierung unter Schröder abgestraft wurde. Selbst die Führungsfiguren Steinmeier und Müntefering standen ratlos vor dem Ergebnis und versuchten erst gar nicht den Eindruck zu erwecken, es gehe ihnen nicht unter die Haut.
Die anderen, kleineren Parteien gingen an diesem Abend zum Feiern über; nicht ganz zu Unrecht.
Was festzuhalten ist – so steht für mich fest -, ist dass die Wahlmöglichkeit vor allem die jungen Bundesbürger nicht interessiert, wie man nach Einblick in gewisse Statistiken feststellen konnte. Die Trauer wird sich in Grenzen halten und schon jetzt mobilisiert man für den Bundestagswahlkampf. Dort soll die Wahlbeteiligung über 80 % liegen. Die SPD sieht ihr Wählerpotential, so wissen wir seit dieser Woche, unter den Nichtwählern schlummern. Wohl dem, der solchen Optimismus pflegt.

Dienstag, 2. Juni 2009

Die gutmütige Bundesregierung

Nun gibt’s also den ersten Überbrückungskredit für Opel.
1,5 Milliarden Euro werden aus öffentlichen Geldern bereitgestellt und das ist noch lange nicht das Ende. Die Kanzlerin wollte auf einen der wenigen plausiblen Vorschläge des Wirtschaftsministers Guttenberg nicht eingehen. Der nämlich hatte in Erwägung gezogen, Opel insolvent gehen zu lassen und die Arbeitnehmer in einer Treuhandgesellschaft aufzufangen. Gegen dieses sperrten sich die Kanzlerin, viele Teile der Union und auch der Koalitionspartner SPD. Man hält also krampfhaft an Opel fest und konnte den Konzern aus der Mutter General Motors herauslösen, ehe diese am Sonntag zahlungsunfähig wurde. Der kanadisch-österreichische Autozulieferer Magna erhielt den Zuschlag für Opel – zusammen mit der russischen Sberbank möchte man einen Mehrheitsanteil übernehmen. Sollte sich das Konzept für den Autobauer Opel als nicht tragfähig erweisen wird, ist völlig unklar. Die Regierung möchte insgesamt 4,5 Milliarden Euro Überbrückungskredit gewähren, inklusive der 1,5 Milliarden, die schon genannt wurden. Der Umatz des Autozulieferers Magna wird bei Wikipedia mit 25 Milliarden US-Dollar angegeben (2007). Die Frage ist wie weit dieser Aktionismus noch führt. Denn schon jetzt klopft der Karstadt Mutterkonzern Arcandor an die Tür von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und bittet um über 600 Millionen Euro Hilfen.

Die Frage ist doch, wie lange man dieses Spiel noch so weiter treiben kann. Nicht jeder, der jetzt an die Regierung herantritt kann man Staatsknete überschüttet werden. Denn auch das ist keine niemals versiegende Quelle. Die Resonanzen aus der Bundesregierung sind ja kaum überhörbar. Die SPD setzt sich für Hilfen für den Handelskonzern Arcandor ein, während aus der CDU Gegenwind kommt –verständlicher Weise. Und ich zähle mich mit Nichten zu den Christdemokraten, aber es muss eine Schmerzgrenze gezogen werden. Nicht jeder Konzern, jedes Unternehmen, kann mir nichts, dir nichts, an den Staat herantreten und sich die Kohle vom Tablett klauen. Denn ein der Einstieg in immer mehr Unternehmen bedeutet Verstaatlichung – ein Wort, was in weiten Sitzreihen des Bundestages wohl nur den Linken über die Lippen gekommen wäre…wenn überhaupt.