Einen Erdrutsch gab es im Saarland, sowie in Thüringen. Und die Gesichter der SPD-Anhänger im Willy-Brandt-Haus strahlten als die Zahlen aus den ersten Hochrechnungen über die vielen Bildschirme flimmerten. In drei Bundesländern (Saarland, Thüringen und Sachsen) wurde der Landtag gewählt und in zwei davon erlebte die CDU böse Überraschungen, so kurz vor der Bundestagswahl. Für die SPD hingegen ergeben sich nach diesem Wahlabend neue Perspektiven – mit der Linkspartei als Koalitionspartner zum Beispiel. Doch das interessierte bei der SPD zunächst mal niemanden. Viel mehr ergötzte man sich an den deutlichen Stimmenverlusten der CDU in zwei der drei Bundesländer. Anstatt also seine eigenen Ergebnisse zu analysieren legt man das Augenmerk auf das Elend der anderen. Zumindest vorerst. Und was vor 5 Jahren nicht undenkbar war, rückt nun in den Bereich des Realistischen: Die SPD zusammen mit der Linkspartei und den Grünen an der Macht auf Länderebene. Bei der FDP und ihrem Generalsekretär Dirk Niebel ziehen sofort die roten Wolken der Kommunisten am Himmel auf, die es „mit einer bürgerlichen Mehrheit“ zu verhindern gelte. In Thüringen (Althaus Ministerpräsident) und im Saarland (Müller Ministerpräsident) stehen zwei CDU-Männer vor schweren Zeiten – das will man nutzen. Es soll ein Politikwechsel vollzogen werden, das hat man sich bei der SPD und der Linken vorgenommen. Vor allem im Saarland scheint diese Vision nun am wahrscheinlichsten. Der seit 1999 mit absoluter Mehrheit regierende Peter Müller wurde vom Wähler mit einer bösen Watschen abgestraft und sackte von 47,5 % der Stimmen am 3. September 2004, auf 34,5 % ab. Dazu eine Linke, die über 21 % der Stimmen auf sich vereinigen konnte, vor allem weil sie mit Oskar Lafontaine einen populären Spitzenkandidaten aufwies. Die Sozialdemokraten büßten zwar auch noch mal rund 6 % im Vergleich zu 2004 ein (30,8 %), können vom beispiellosen Rutsch bei der CDU profitieren. Die stellt zwar die stärkste Fraktion, ist also formal der Sieger, geht aber angeschlagen in die Konsolidierungsgespräche. Eine große Koalition ist möglich, aber eben auch das Rot-Rot-Grüne Bündnis. Für eine Koalition mit der FDP wird es für Müller nicht reichen – es stehen spannende Wochen im Saarland bevor.
Nicht anders verhält es sich in Thüringen. Hier verlor die CDU um Ministerpräsident Dieter Althaus ebenfalls im zweistelligen Bereich, stellt aber trotzdem die stärkste Fraktion – mit dünnem Vorsprung auf die Linkspartei um Spitzenkandidat Bodo Ramelow, die es auf 27,4 % Stimmenanteile brachte. Damit hat sie ihr Ergebnis von 2004 noch mal um über 1 % steigern können und ist der CDU (31,2%) dicht auf den Fersen. Die SPD bekam von der Bundesebene bereits das Go für Koalitionen auf Länderebene mit der Linkspartei und man sprach bereits offen davon, dass man in Thüringen auf diese Konstellation schielt. Es wäre jedoch eine knappe Mehrheit, die man mit einem dritten Bündnispartner – den Grünen – kompfrotabler gestalten könnte. Für die CDU bliebe die große Koalition mit der SPD, um an der Regierung zu bleiben und diese Möglichkeit wolle man sich offen halten, so Althaus. Es wird Sondierungsgespräche mit der SPD geben. Dieter Althaus war am Wahlabend sichtlich gezeichnet vom Ergebnis und schien sich sehr anstrengen zu müssen, seine Enttäuschung zu verstecken. Auch er verlor, wie die CDU im Saaraland, die absolute Mehrheit.
In beiden Bundesländern wurde die Vorherrschaft der CDU eindrucksvoll gebrochen. Es wurde aber analog klar, dass die SPD davon praktisch nicht profitieren konnte, sondern auf ihrem Niveau verbleibt bzw. sogar noch absackte. Stattdessen konnten die Linken gestern auf den Wahlpartys Jubelstürme aufbrausen lassen, denn die Groß der Unzufriedenen, die der CDU den Rücken kehrten suchten ihre Zuflucht dort, oder entschieden sich für die Liberalen bzw. Bündnis 90/ Grüne.
Wie aus meinen Ausführungen hervor geht, können die Grünen in beiden Bundesländern (Saarland und Thüringen) das Zünglein an der Waage werden. Auch eine „Jamaika-Koalition“, als ein Bündnis zwischen den Christdemokraten, der FDP und den Grünen, ist ja kein Tabu mehr in einer Parteienlandschaft, wie sie heute aufgestellt ist. Es gibt neue Perspektiven im Koalitionspoker um die Macht. Die Grünen befinden sich was die Verhandlungsposition an geht auf einem Logenplatz und wollen alles auf sich zukommen lassen.
Die Linke verlor in Sachsen 3 %, konnte sich aber über der 20 %-Marke halten. Die Wahlbeteiligung in Sachsen dokumentiert in unvergleichlicher Art die Politikverdrossenheit: Nur 52,2 % nutzen den Sonntag für einen Besuch an der Wahlurne. So sank die Wahlbeteiligung im Vergleich zu 2004 rapide um 7,4 Prozentpunkte.
In Sachsen konnte die CDU (40,2 %) ihr Ergebnis von 2004 praktisch bestätigen und weiß mit der FDP (10 %) einen starken Bündnispartner an ihrer Seite. Hier gab es leider keine Unvorhersehbarkeiten, denn auch die NPD schaffte mit 5,6 % den Widereinzug in den sächsischen Landtag. Bedauerlicher Weise scheint dieser Fakt an den meisten vorbeizugehen und lässt leichte Arroganz im Umgang mit den Rechtsextremisten durchblicken. So musste ein Moderator in einer ARD-Sondersendung unbedingt unter Beweis stellen, dass er im Umgang mit den ultra Rechten immer noch nichts dazu gelernt hat und versuchte Herrn Apfel im Anschluss an sein Statement mit Spitzen die provozieren. Ich selbst zähle mich zum links angehauchten Lager und blicke mit Sorge auf die Erfolge der NPD speziell in Sachsen. Diese zu bagatellisieren oder herunterzuspielen ändert an der Situation bedauerlicher Weise nichts. Ein offener Schlagabtausch muss stattfinden, in dem man die Argumente dieser aus meiner Sicht verfassungsfeindlichen Partei wirksam entkräften kann!
Hier sind wieder die Demokraten gefragt, sich auseinanderzusetzen: CDU, SPD, Grüne, FDP und viele andere aus unserer Gesellschaft, denen die Demokratie am Herzen liegt.
Politisch, sportlich, bissig, weltoffen, hartnäckig und obendrein auch noch unabhängig.
Montag, 31. August 2009
Samstag, 29. August 2009
Der Wolf im Schaafspelz.
Ende Mai 2009 wurde es publik. Der Getränkeriese Red Bull steigt im deutschen Fußball ein, nach dem er schon in der Formel 1, im US-Fußball und in Österreich direkt aktiv geworden ist. Objekt der Begierde war das Startrecht des SSV Markranstädt in der Oberliga Nordost (fünft höchste Spielklasse). Dafür gliederte man die Fußballabteilung der Markranstädter aus, um sie für den Investor zugänglich zu machen. Aus dieser Abteilung ging also Rasen Ballsport Leipzig hervor, der anstelle des SSV an den Start zur Oberliga-Saison 2009 / 2010 ging. Zuvor stimmte der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) dem Vorhaben, die Spiellizenz an RB Leipzig abzutreten, zu. Damit war für den SSV Markranstädt und Red Bull die entscheidende Hürde genommen. Alle Spieler wurden aus dem alten Kader übernommen, und es wurde erwartungsgemäß kräftig in neue Köpfe investiert. Die Oberliga war für Red Bull insofern interessant, als das ein Engagement nicht dem Einfluss des DFB- Lizenzierungsverfahren unterliegt. Juristisch gesehen ist der Rahmen also nicht so eng abgesteckt, hat man mehr Bewegungsfreiheit. Die Frage, ob es sich bei diesem Projekt primär um den Fußball dreht, spaltet die Fangemeinde mit Nichten. Viel mehr ist man sich einig, dass mit Red Bull der Fußball mit Seele angegriffen bzw. zerstört wird. Denn anstatt sich in die fünfte Liga zu kaufen, hätte man einen Verein rundum neu gründen und in der untersten Spielklasse starten können. Doch Dietrich Mateschitz hat andere Pläne. In erster Linie ist ein Engagement in dieser Größenordnung nicht aus Liebe zum Sport eingegangen worden, so viel scheint sicher. Viel mehr wird ein bestimmtes Getränk marketingorientiert auf der Brust umher getragen – vorerst in Liga Nummer fünf. Aber genau da will man schnell weg. Aus diesem Grund kündigte Red Bull bereits an, einen Millionenbetrag in den nächsten zwei Jahren zu investieren. Langfristig wird die Bundesliga angestrebt. Noch bewegt sich RB Leipzig in einem juristisch unantastbaren Raum für den DFB. Nur den Firmennamen darf man im Vereinsnamenszug nicht wieder finden. Ansonsten ist das Projekt Bundesliga allgegenwärtig. Nicht nur auf dem Trikot, sondern auch auf dem Rasen. Sven Neuhaus, Lars Müller, Thomas Kläsener und Ingo Hertzsch wechselten im Sommer vom FC Augsburg nach Sachsen. Alle drei haben einen riesigen Erfahrungsschatz im Profifußball. Ingo Hertzsch seinerseits ist ehemaliger Nationalspieler für Deutschland und aus seiner Zeit beim HSV einem breiten Publikum bekannt. Hinzu kommen mit Patrick Bick (SV Wehen Wiesbaden), Daniel Rosin, Christian Reimann (beide1.FC Magdeburg) und Christian Streit (Tebe Berlin), die ebenfalls Erfahrung aus höheren Spielklassen mit einbringen werden. Namen, die in der Öffentlichkeit einen Rang genießen und die den Fokus noch mehr auf den neu gegründeten Verein richten. Dass Stammspieler aus der 2. Bundesliga verpflichtet werden verdeutlicht, mit welcher Konsequenz Red Bull das Unternehmen Aufstieg angeht. Schon nach der Saison 2009 / 2010 soll der Verein in die Regionalliga Nord aufgestiegen sein.
Insgesamt 8 Jahre plant Red Bull für das große Ziel Erstklassigkeit ein. Angekündigt wurde eine dreistellige Millionensumme in den nächsten 10 Jahren, die in den neuen Verein fließen soll. In diese grobe Schätzung sind also schon zwei Bundesliga-Spielzeiten eingerechnet.
Der Präsident des SSV Markranstädt sprach davon, dass die Partnerschaft beiden Seiten nur von Nützen sein könnte.
Apropos Nützen: Vor allem auch ein Michael Kölmel wittert die Chance sein Zentral Stadion Leipzig wieder an einen Verein zu vermieten, der die mit 44.345 ausgestattete Arena füllen kann. Zuletzt spielte dort der (schon wieder) insolvente FC Sachsen Leipzig (vor der Wende BSG Chemie Leipzig).
Mit im Einzugsgebiet spielt Lokomotive Leipzig, der Verein, der Nachfolger des VfB Leipzig, des ersten Deutschen Meisters. Lok Leipzig musste im Sommer 2004 in der letzten Spielklasse (11. Liga) starten und arbeitete sich seit dem jedes Jahr eine Klasse höher – mit Ausnahme der letzten Saison. Alle drei Vereine spielen nun zusammen in der NOFV Oberliga Nordost Staffel Süd.
Die Diskrepanz zwischen Lok und RB Leipzig wird schon dadurch deutlich. Auf der einen Seite steht ein Verein, der von Fans selbst aus der Taufe gehoben wurde und der einen steinigen Weg zurücklegen musste. Auf der anderen Seite die Marketingwalze RB Leipzig, die sich in eine Spielklasse hineinkauft, um alsbald in die Regionalliga aufzusteigen.
Das rief bereits deutlichen Protest der Anhängerschaft anderer Vereine aus der Staffel hervor. Beim Premierenspiel des RB Leipzig beim FC Carl Zeiss Jena II wurde auf einem Nebenplatz ausgespielt. Die Fans waren nah dran und nutzten dies sofort. Während der Parte taten sie ihren Unmut kund und behinderten in der zweiten Halbzeit einen Spieler des RB Leipzig beim Einwurf.
Hat man den Effekt, die Polarisierung unterschätzt?
Die Gemüter bei den Ultras jedenfalls sind reichlich erhitzt. Ein Getränkeriese, der finanziell eine außerordentlich hohe Potenz mitbringt stellt die Gesetze des Fußballs auf den Kopf – mit den schon geschilderten Kniffen. Man umgeht Regelungen soweit dies möglich ist. Und natürlich das alles primär des Fußballs wegen. Die Glaubwürdigkeit fehlt diesen Beteuerungen. Alleine, dass man den Kader des SSV Makranstädt übernommen hat, zeigt noch nicht genau auf, worum es Red Bull tatsächlich geht.
„Die Dosen“ haben jedoch jetzt schon ein Teilziel erreicht: Mediale Aufmerksamkeit. Langfristig müssen diese Nachrichten positiver Natur sein und ein Feld der Vermarktung würde entsprechend gut besetzt sein.
In jedem Fall wird das Thema RB Leipzig weiter in der Öffentlichkeit präsent sein. Und es muss kritisch diskutiert werden. So tief greifende „Operationen“ eines einzigen Konzerns bedürfen immer einer Diskussion – dass diese geführt wird, dafür sind wir alle zuständig. Damit solche Aufkäufe nicht lautlos vonstatten gehen.
Insgesamt 8 Jahre plant Red Bull für das große Ziel Erstklassigkeit ein. Angekündigt wurde eine dreistellige Millionensumme in den nächsten 10 Jahren, die in den neuen Verein fließen soll. In diese grobe Schätzung sind also schon zwei Bundesliga-Spielzeiten eingerechnet.
Der Präsident des SSV Markranstädt sprach davon, dass die Partnerschaft beiden Seiten nur von Nützen sein könnte.
Apropos Nützen: Vor allem auch ein Michael Kölmel wittert die Chance sein Zentral Stadion Leipzig wieder an einen Verein zu vermieten, der die mit 44.345 ausgestattete Arena füllen kann. Zuletzt spielte dort der (schon wieder) insolvente FC Sachsen Leipzig (vor der Wende BSG Chemie Leipzig).
Mit im Einzugsgebiet spielt Lokomotive Leipzig, der Verein, der Nachfolger des VfB Leipzig, des ersten Deutschen Meisters. Lok Leipzig musste im Sommer 2004 in der letzten Spielklasse (11. Liga) starten und arbeitete sich seit dem jedes Jahr eine Klasse höher – mit Ausnahme der letzten Saison. Alle drei Vereine spielen nun zusammen in der NOFV Oberliga Nordost Staffel Süd.
Die Diskrepanz zwischen Lok und RB Leipzig wird schon dadurch deutlich. Auf der einen Seite steht ein Verein, der von Fans selbst aus der Taufe gehoben wurde und der einen steinigen Weg zurücklegen musste. Auf der anderen Seite die Marketingwalze RB Leipzig, die sich in eine Spielklasse hineinkauft, um alsbald in die Regionalliga aufzusteigen.
Das rief bereits deutlichen Protest der Anhängerschaft anderer Vereine aus der Staffel hervor. Beim Premierenspiel des RB Leipzig beim FC Carl Zeiss Jena II wurde auf einem Nebenplatz ausgespielt. Die Fans waren nah dran und nutzten dies sofort. Während der Parte taten sie ihren Unmut kund und behinderten in der zweiten Halbzeit einen Spieler des RB Leipzig beim Einwurf.
Hat man den Effekt, die Polarisierung unterschätzt?
Die Gemüter bei den Ultras jedenfalls sind reichlich erhitzt. Ein Getränkeriese, der finanziell eine außerordentlich hohe Potenz mitbringt stellt die Gesetze des Fußballs auf den Kopf – mit den schon geschilderten Kniffen. Man umgeht Regelungen soweit dies möglich ist. Und natürlich das alles primär des Fußballs wegen. Die Glaubwürdigkeit fehlt diesen Beteuerungen. Alleine, dass man den Kader des SSV Makranstädt übernommen hat, zeigt noch nicht genau auf, worum es Red Bull tatsächlich geht.
„Die Dosen“ haben jedoch jetzt schon ein Teilziel erreicht: Mediale Aufmerksamkeit. Langfristig müssen diese Nachrichten positiver Natur sein und ein Feld der Vermarktung würde entsprechend gut besetzt sein.
In jedem Fall wird das Thema RB Leipzig weiter in der Öffentlichkeit präsent sein. Und es muss kritisch diskutiert werden. So tief greifende „Operationen“ eines einzigen Konzerns bedürfen immer einer Diskussion – dass diese geführt wird, dafür sind wir alle zuständig. Damit solche Aufkäufe nicht lautlos vonstatten gehen.
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