Sonntag, 28. Februar 2010

FC Hansa Rostock vs. 1.FC Union Berlin 0:0

Ja, es war am Mittwoch tatsächlich soweit: Die Partei gegen Hansa Rostock fiel dem Schnee diesmal nicht zum Opfer und wir haben die Fahrt bis an die Ostsee nicht umsonst gemacht. Das erst mal zum positiven Teil des Abends. Um halb zwei machten wir uns via Automobil wie Ende Januar auf den Weg gen Rostock und kamen ca. 2 Stunden vor Anpfiff auf dem Parkplatz „Südblick“ am Stadtrand von Rostock an. Dort erwarteten einen schon die ersten Wannen, die den Parkplatz anscheinend bewachten, so wie es im Vorfeld offiziell angekündigt war.
Je näher man der Küste kam, desto kühler wurde es und die mollig warmen 4 oder 5 Grad in Berlin gehörten der Vergangenheit an. Wir fuhren also sogleich mit dem erstem Bus – eskortiert von der Polizei und mit einem VIRUS-Bus, so wie es aussah – zum Ostsee-Stadion. Das ganze lief sehr, sehr diszipliniert ab und wir kamen dann anderthalb Stunden vor Anpfiff ins Stadion und konnten uns dort mit der obligatorischen Stadionwurst stärken. Im Gästeblock angekommen gab’s zumindest bei mir die ersten Fragezeichen. Also das Netz, welches man vor die Gästeecke gespannt hat, schien mir der Abwehr von Gegenständen zu dienen, wenn eine Ecke ausgeführt wird. Wieso allerdings dann allerdings die drei anderen Ecken des Stadions nicht auch mit so einem Netz ausgestattet waren, entzieht sich meiner Kenntnis. Allerdings erklärt diese Maßnahme, weshalb bei jedem Eckball, den ein Gästespieler in der DKB-Arena ausführen muss, zwei Ordner mit Regenschirmen für den entsprechenden Schutz vor dem Heimpublikum sorgen müssen. Auf Grund dessen kam ich schon mit einem leicht negativ geprägten Bild eines Teils des Rostocker Anhangs auf der Süd-Tribüne nach Rostock. Leider verfestigte sich das Bild, als im Gästeblock in schöner Konstanz durchgesungen wurde und wenn man nach links blickte, dann sah man „Fans“ des FC Hansa, die sich mehr mit der Gastmannschaft befassten und rumhampelten, als die eigene Mannschaft zu unterstützen. Vier, fünf Personen aus dem Gästeblock sprangen natürlich auch sofort darauf an, aber insgesamt hielten sich die Reaktionen auf die Provokationen in Grenzen. Überhaupt wurde das Spiel über gut durchgesungen. Apropos Spiel: Das präsentierte sich durchschnittlich. In den ersten 10 Minuten war der FC Hansa die spielbestimmende Mannschaft und hätte schon nach wenigen Minuten in Führung gehen können. Nebenbei merke ich an, dass Uwe Neuhaus Chinedu Ede nach dem Spiel am letzten Freitag gegen die TuS Koblenz wieder das Vertrauen schenkte, und ihn als zweite Spitze neben Mosquera aufbot. Dieser verstolperte leider auch in einer Kontersituation in Hälfte eins den Ball und musste den Angriff dadurch abbrechen. Und dann ergab sich nach einem Doppelpass mit Dogan (?) für Tusche noch eine tolle Chance, die Walke im Hansa-Tor allerdings glänzend parierte.
Viel mehr passierte allerdings nach 45 Minuten nicht. In der Halbzeit reagierte Uwe Neuhaus personell noch nicht, allerdings schien er verbal aktiv geworden zu sein, denn die zweite Halbzeit wurde aktiver angegangen. Daraus resultierte auch ein toller Flugkopfball von Ede, der leider nur den Pfosten traf. Auffallend war, dass sich z. B. auch angesprochener Ede ein ums andere Mal am Gegner festdrippelte – Hansa stand in der Defensive gut und verlangte Ede und Mosquera viel ab. Nach 60 Minuten nahm Neuhaus Dogan und Ede vom Platz und brachte dafür Gebhardt bzw. Benyamina. Und Marco Gebhardt nahm seine Rolle im Mittelfeld sehr gut an und konnte sich ja eine Chance erspielen, die aber geblockt wurde. Mal wieder einen guten Eindruck hinterlassen konnte Dominic Peitz, der nicht nur durch sein gutes Kopfballspiel zum Spiel betrug, sondern ab und zu den Ballverteiler vor der Abwehr gab. In der zweiten Halbzeit gab es eine gute Chance, die mich fast an das 3:2 gegen Koblenz erinnerte. Ein Freistoß wurde auf den langen Peitz geschlagen, der den Ball mit dem Kopf quer legte und dadurch vor Walke eine gefährliche Situation beschwor.
Was wieder hängen blieb war die Verwertung der Möglichkeiten, die am Ende nicht ganz zufriedenstellend war. Unterschlagen will ich nicht, dass nach dem Neuhaus den guten Peitz durch den indisponierten Younga ersetzte, durch den ehemaligen Kapitän einen Ballverlust gab, der fast bitter bestraft worden wäre. Überhaupt erfuhr das Spiel der Unioner mit der Einwechslung von Mac einen Knick, der bis zum Ende nicht mehr ausgeglichen werden sollte.
Direkt nach dem Abpfiff kam die erste Leuchtrakete von der Süd-Tribüne. Das war für die kleine Reisegruppe aus Berlin dann auch der Startschuss, zu gehen. Wir konnten dann auf den Platz vor dem Gästeblockzugang ohne Probleme gelangen. Allerdings nur bis zum Tor, wo dann die Grünen warteten und man erst mal gefühlte 30 Minuten aufgehalten wurde. Danach lief der Transfer zurück zum Parkplatz, der zu diesem Zeitpunkt überhaupt gar nicht bewacht wurde. Gut, da hätte sich unter Umständen gewisse Personenkreise aus Rostock locker bedienen können, denn von Bewachung war da eben weit und breit nichts zu sehen.
Uns war’s in dem Moment egal. Wir bestiegen das Auto und machten uns zügig auf den Weg nach Berlin.

Das Fazit kam wurde schnell zusammengestellt: Ein 0:0 des 1.FC Union der besseren Sorte, aber kein gutes Spiel. Mosquera lief sich leider oft am Gegner fest und konnte wieder keine großen Akzente setzten. Stuff macht speziell bei seiner Rettungsaktion auf der Linie für den geschlagenen Glinker eine gute Figur. Wer wieder ein bisschen Probleme mit der Schnelligkeit seiner Gegenspieler hatte, war Menz, dem man das aber verdenken muss. Der Junge muss ran geführt werden, an das Niveau der 2. Bundesliga und dazu sind solche Spiele geradezu prädestiniert.

Montag, 22. Februar 2010

Bagatelle

Ja, auch ich bin nun ein Opfer der Schwerkraft geworden, ein Opfer des Winters, der Deutschland an diesem Jahr in einen langen Winterschlaf legte. Seit Dezember haben wir mit Temperaturen unter null zu kämpfen. Und seit Anfang Januar liegt man hier bei uns in Berlin unter einer Schneedecke, die sich erst gegenwärtig auf Grund des Tauwetters so langsam auflöst und für groß Pfützen auf Gehwegen, Straßen und in Rinnen sorgt.
Doch bevor uns dieser Tage des Tauwetter aus der Umklammerung des Winters löste, haben wir wochenlang den Schnee genossen, aber eben auch verteufelt. Zu denen, die dann im Endeffekt doch etwas gespanten waren, gehöre ich. Denn auf der einen Seite zog mich das „weiße Gold“ mit samt Fotoapparat nach draußen, um diesen Zustand im Bild festzuhalten, auf der anderen Seite blieb ich zwei Mal mit meinem Automobil auf Grund der Witterungsverhältnisse stecken. Selbst der alltägliche Weg zur Arbeit wurde so zur kleinen Abenteuerreise. Selbst das Aussteigen aus dem Auto oder einfach nur das die Straße überqueren wurden so zur Tortur, wenn man nicht gehörig aufpasste. Seit ich mich erinnern kann, habe ich so einen Winter jedenfalls nicht miterlebt. Vierlagig ist man am besten präpariert gewesen, wenn man sich nach draußen gewagt hat. Ach ja, und die Schneeschaufel war ein wichtiges Utensil in diesem Winter, genauso wie die Spikes für Schuhe, damit man Haltung bewahren konnte. Beeindruckend war für mich auch, welches Bild die Autobahn nach Rostock Ende Januar abgegeben hat. Unglaublich diese hohen Verwehungen, kein bisschen Asphalt mehr zusehen. Selbst der Blick 5 Meter voraus war einem verwehr geblieben, weil der Wind die Flocken durch die Luft peitschte.
Im Endeffekt bleibt aber hängen, dass es so ziemlich der kälteste Winter seit dem des Jahres 2005 bzw. 2006. Nur, dass diesmal als Sahnehäubchen noch der Schnee dazu kam. Dieser wiederum brachte einen zwar ein ums andere Mal in Verlegenheit, aber in Wirklichkeit, wenn wir alle mal in uns gehen, haben wir die Zeit doch irgendwo genossen. Wenn man nicht gerade in einem Dorf in Mecklenburg-Vorpommern, nahe der Ostsee wohnte, wo Tage lang gar nichts mehr ging.

Dienstag, 16. Februar 2010

Auf Konfrontationskurs

Guido Westerwelles Gefühlslage ist dieser Tage nicht berauschend – schon gar nicht feierlich. Der 27. September liegt inzwischen schon über 4 Monate zurück. Der Moment des totalen Triumphes für die FDP, er war gekommen. Seit dem war die Brust des Parteichefs und Vizekanzlers von Angela Merkel (CDU) stolz geschwellt. Sie wölbte sich und der Parteichef der Liberalen wusste gar nicht wohin mit der ganzen Euphorie. Die 10-Prozenthürde wurde locker übersprungen und die Gazetten sahen in Frau Merkel auch schon „die Kanzlern Guidos Gnaden“. Die Liberalen – und speziell Westerwelle – waren da angekommen, wo sie sich selbst wohl schon eine ganze Zeit lang gesehen haben: Am Puls der Macht. Bewerkstelligt haben sie dies mit einem Ein-Punkte-Wahlkampf, der sich auf die Fahnen geschrieben hatte „Steuersenkungen“. Die Entlastung der „Leistungsträger dieser Gesellschaft“ stand im Fokus des FDP-Wahlkampfes. Ein „gerechteres und einfacheres Steuersystem“ sollte es gäben.

Einen Koalitionsvertrag ohne diesen Punkt, würde die FDP gar nicht erst unterzeichnen, ließ Westerwelle in den Tagen der Verhandlungen mit der CDU nach der Bundestagswahl in diversen Medien verlauten. Über Monate hinweg hatte die FDP zuvor auf einem Umfragehoch geschwebt, ja fast gethront. Allerdings musste sich der Koalitionspartner der CDU bald unangenehme Fragen anhören: Weshalb man bis zur Steuerschätzung im Mai 2010 warte mit einem klaren Konzept? Parteitaktische Spielchen wurden da vermutet. Dann kam die s.g. „Mövenpick-Spende“ hinzu. Und das genau zu dem Zeitpunkt, als man die Steuererleichterungen für Hoteliers beschlossen hatte (1 Milliarde Euro ca.). Der ermäßigte Mehrwertsteuersatz für Übernachtungen erhitzt die Gemüter und brachte die Liberalen in arge Bedrängnis. Nun kam jüngst auch noch das Urteil des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe in die Debatte. Die Hartz IV-Regelsätze müssen nachberechnet werden, urteilten die Karlsruher Richter. Interessenverbände fordern nun, dass die Regelsätze (nicht nur für Kinder)in Folge des Urteils steigen sollten. Es entspann sich erneut eine öffentliche Debatte über die Hartz-IV-Regelsätze.
Und Guido Westerwelle legte den diplomatischen Terminus sofort ab und ging zum Frontalangriff über. Die Debatte orientiere sich zu sehr an den Beziehern staatlicher Leistungen und zu wenig an denen, die das alles erarbeiten würden. Westerwelle wörtlich: „Wir müssen auch auf die achten, die das alles erarbeiten. Wer arbeitet, muss mehr haben als derjenige, der nicht arbeitet. So etwas muss man in Deutschland sagen dürfen. Alles andere ist Sozialismus.“ In einem Interview mit einer Tageszeitung hatte der Vizekanzler die Diskussionen um Hartz-4-Empfägner als eine Auseinandersetzung mit „sozialistischen Zügen“ bezeichnet. Und weiter: „Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein.“ Ja, Guido wäre nicht Guido, wenn er nicht noch mal die ALG-II-Empfänger dafür kritisieren würde, die seiner Meinung nach im Wohlstand schwelgen würden und wohl rauschende Feste begehen – soweit zumindest die Theorie vom „starken Mann“ der FDP.
Was von hoher Relevanz ist: Kanzlerin Angela Merkel distanzierte sich von ihrem Stellvertreter. Sie sprang Westerwelle nicht bei, genauso wie Christine Haderthauer (CSU, Sozialministerin im Freistaat Bayern) und Ursula von der Leyen (CDU, Bundesarbeitsministerin). Die Bundesarbeitsministerin sprach davon, dass man sich nicht „in solche Debatten verbeißen“ sollte. Es ginge um das Existenzminimum des Menschen. „Hier geht es um die Würde des Menschen.“ Außerdem bot sogar Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) Westerwelle die Stirn und sagte, es handele sich bei Westerwelles Äußerungen um eine „pauschale Beschimpfung“ von Hartz-IV-Empfängern, die „nicht zu rechtfertigen ist.“ Die Opposition hatte Westerwelle teilweise scharf angegriffen. Sigmar Gabriel sieht in Westerwelle einen sozial politischen Brandstifter.
Die FDP hat in den letzten Wochen – zu Recht- viel Kritik einstecken müssen. Vielleicht mehr, als sie es erwartet hatte und vor allem gewöhnt war. Das Ganze in Kombination mit der neuerlichen Debatte um die Neuberechnung der Regelsätze (die die FDP wohl als Affront gegen das eigene Klientel und die Steuersenkungspläne sieht) und das Umfragetief vor der NRW-Landtagswahl, haben eventuell zur Reaktion von Westerwelle beigetragen. Die FDP hat den Weg der Offensive gewählt, und dieser wird durch Bank weg in der Partei unterstützt. Selbst der FDP-Vize Andreas Pinkwart sprach von einem „wichtigen Signal“ und davon, dass nur das ausgesprochen werde, „was Millionen von Menschen denken.“ In Wahrheit aber muss die FDP immer mehr eingestehen, dass sie inzwischen nicht mehr im Sinne eines Großteils des Volkes handelt, im Gegenteil. Sie treibt die Endsolidarisierung forsch voran. Allen voran Gesundheitsminister Phillip Rösler, eines der jüngsten Mitglieder im Kabinett, mit seiner Vision der Kopfpauschale, die natürlich wesentlicher sozialer daherkommt, als die Zusatzbeiträge, die( zugegeben noch ein Relikt der großen Koalition), Minister Rösler lauthals als „unsozial“ bezeichnet. Vor ein paar Tagen gab es in einem Magazin der ARD einen Bericht über überteuerte bzw. fehlerhafte Krankenhausrechnungen, die durch Nachforschungen der Kassen erst entlarvt werden.1 Milliarde Euro musste so von den Krankenhäusern bereits an die Kassen Zurücküberweiesen werden, weil beispielsweise Leistungen nicht korrekt abgerechnet bzw. gar nicht erst erbracht wurden. Das sieht der Gesundheitsminister gar nicht gerne, denn das Sparen liegt Phillip Rösler nicht so sehr am Herzen. Obwohl das Geld, was durch die Kontrollen wieder in die Kassen der Versicherungen fließt, den Beitragszahlern zu Gute kommt, meint Rösler: „Überprüfungen, wir halten die eindeutig für zu viel, denn jede Überprüfung muss beantwortet werden, das ist Zeit, die dem Patienten verlorengeht. Wir müssen den Menschen im System mehr vertrauen, anstatt auf Gesetze und Verordnungen zu setzen.“

Die FDP zieht ihre Linie weiter durch, Rösler und Westerwelle sind nur Beispiele. Sie glauben, der neoliberale Weg führe direkt ins Paradies, so der Eindruck. Jedoch arbeiten sie mit ihren Konzepten bereits gegen den Willen des Großteils der Menschen in der Bundesrepublik Deutschland.

Dienstag, 9. Februar 2010

Verzettelt

Ewald Linien, 56 Jahre, Fußballtrainer und seit Sommer beim TSV 1860 München als Cheftrainer angestellt, fällt normalerweise während der Spiele der von ihm trainierten Mannschaft dadurch auf, dass er akribisch auf einem Notizblock sämtliche Spielszenen und Chancen festhält. Wer ihn bei den Spielen beobachtet, weiß aber auch, dass der Mann einer ist, der sich – wenn es realisierbar wäre – wohl am liebsten selbst einwechseln würde. Oft pustet er die Backen auf und leidet so ein bisschen mit seinen Mannen auf dem Spielfeld mit. Gerne teilt der ehemalige Profi seiner Mannschaft während des Spiels akustisch mit, was er als nächstes vor hat bzw. wo seiner Meinung nach umgestellt werden muss. Im Gedächtnis haben viele noch die tiefe Fleischwunde, die sich der aktive Fußballer Lienen in einem Spiel gegen Werder Bremen nach einem Foul seines Gegenspielers Norbert Siegmann zuzog. 25 Zentimeter maß die Wunde und Lienen lief damals scheinbar unter Schock stehend zum Trainer des Kontrahenten, Otto Rehhagel, im Glauben, dieser hätte Siegmann zum Foul „angestiftet“. Interessante Anekdote: Ein Déjà-vu erlebte er als Trainer des 1.FC Köln in der Saison 2000/2001, als Steffan Effenberg von einem Kölner Spieler vor der Bank von Lienen regelwidrig von hinten von den Beinen geholt wurde und er danach schnurstracks auf Lienen zu ging und es fast zum Handgemenge kam. Effenberg glaubte, dass Lienen den Spieler mit dem Satz „Hau ihn weg“ dazu aufgefordert haben, ihm von hinten in die Beine zu grätschen. Geklärt hat sich die Szene erst in den Katakomben des Olympiastadions nach dem Spiel. Nach seinem Engagement beim FC folgte ein Ausflug nach Spanien zu CD Teneriffa.

Akribisch kommt er rüber, immer engagiert, immer fokussiert auf das Geschehen, aber auch teilweise mit Kommentaren, die einen fragend zurücklassen. Einer, der früher selbst bei Mönchengladbach, dem MSV Duisburg und Arminia Bielefeld aktiv war, der das Fußballgeschäft und seine vielen Facetten gut kennt, der verlor beim gestrigen Heimspiel seines Vereins, den 60ern, völlig den Blick für die Realität. Nach dm RW Ahlen, der Tabellenletzte noch in der ersten Halbzeit, mit 1:0 in Führung gegangen war, unterstellte Linien dem Gästetorwart Kirschstein, Provokationen in Richtung der Fans begangen zu haben. Dies war insofern pikant, als dass dieser Torwart in der zweiten Hälfte mit mehreren Feuerzeugen beschmissen wurde – eines davon traf ihn am Kopf. Das Schwerwiegende war schlicht, dass wohl jede Mannschaft, die so tief im Sumpf feststeckt beim Abstoß und bei Standards etwas mehr Zeit hätte verstreichen lassen. So etwas passiert an jedem Spieltag. Darauf kann der auf das Spiel angesetzte Schiedsrichter mit entsprechender Nachspielzeit reagieren. Für meinen Geschmack bewegte sich Kirschstein im Rahmen des Erlaubten, weshalb ich nicht verstand, weshalb auch noch der Stadionsprecher die Situation weiter anheizen musste. „Lasst euch nicht vom Torwart provozieren.“ Eine Frechheit sondergleichen. Provokationen gingen - und ich bin wahrlich kein Ahlen-Fan – vom Gästetorwart nämlich keine aus. Ich habe das Spiel verfolgt und musste leider feststellen, dass der Verein TSV 1860 München anscheinend aktuell mit großen Komplexen zu kämpfen hat. Nicht zuletzt, weil man sportlich enorm unter Druck steht.

Das betrifft wieder Lienen, der auch in der Pressekonferenz seinem Frust freien Lauf ließ. „Natürlich waren wir nicht zufrieden mit der Nachspielzeit“, stellte der Coach der Münchner klar, außerdem sei „das Verhalten einiger Spieler von RW Ahlen unerfreulich.“ Weiter hin sah Lienen sich in der Pflicht darauf hinzuweisen, dass „bei allem Respekt Christian (gemeint war der Ahlener Trainer C. Hock), der Torwart sich in höchsten Maße unsportlich verhalten hat.“ Kurz darauf sprach er von Verständnis für die Situation, in der Ahlen stecke, er jedoch sei es sehr unerfreulich, wenn „ein Torwart über 90 Minuten bei jedem Abschlag Zeit verliert“. Manchmal frage ich mich, in welche Welt dieser Ewald Linien nach dem Spiel abgetaucht war. In jedem (!) Spiel verliert ein Torwart beim Abstoß Zeit. Und ich habe schon etliche Spiele gesehen, in denen Torwarte, ja eine ganze Mannschaft, nur auf Zeit schinden aus sind. Aber sah bei Ahlen – gerade in Halbzeit eins – nicht so aus, wie es der Trainer der „Löwen“ in der PK schilderte. In diesen Äußerungen spiegelte sich aber vielleicht auch einfach nur der Frust des Übungsleiters wieder, der (wenn er ehrlich war) eine grandiose Leistung des Ahlener Schlussmannes Sascha Kirschstein in den zweiten 45 Minuten gesehen hatte. Gleichzeitig musste er einräumen, dass seiner Mannschaft gerade im ersten Abschnitt viel zu wenig einfiel, gemessen an diem spielerischem Potential, was in der Mannschaft schlummert. Das eigene Versagen war für Lienen als kein Grund Selbstkritik zu üben. Viel lieber schoss er sich auf den Referee ein, der das angebliche Zeitspiel geduldet habe.

Eigentlich hatte ich schon so ein bisschen Sympathien für Lienen, nicht zuletzt wegen seiner unübertroffenen Zettelwirtschaft, die aber auch Ausdruck für seine Vernarrtheit in den Trainerjob ist. Aber irgendwie hat das gestern erheblichen Schaden genommen, auch wenn es nicht das erste Mal war, dass Lienen mir nicht positiv auffällt. Manchmal sollte man noch solch hitzigen und emotionsgetränkten Partien zunächst mal die Gemüter abkühlen lassen, bevor man in das erste Mikrofon, dass sich einem bietet, seine Sicht der Dinge zu präsentieren.

Montag, 1. Februar 2010

Imperssionen: Auf dem Weg nach Rostock

Damit man einen Eindruck bekommt, wie es auf der Bundesautobahn an diesem Tag ausgesehen hat, habe ich ein bisschen was hochgeladen.
Fahrerfreundlich waren die Rahmenbedingungen nicht zu bezeichnen, wie ich bereits schrieb. Immerhin war es zum Teil ein Augenschmaus.






Schneespiele

Nun bin ich aber in Erklärungsnot geraten, denn eigentlich sollte an dieser Stelle ein Erlebnisbericht über das Punktspiel des 1.FC Union in der Hansestadt Rostock auftauchen. Leider machte das Klima uns einen Strich durch diese Rechnung. Bereits um acht Uhr setzte sich die kleine Reisegruppe in Bewegung und musste leider schon bei Oranienburg feststellen, dass das Wetter einem nicht wohl gesonnen war. Ein weißer Film hatte die Fahrbahn die bereits überzogen und es machte auch nicht den Anschein, als würde es bald aufhören zu schneien. Wenn es nur der Schnee gewesen wäre. Im Verlauf der Fahrt kamen ordentliche Windböen dazu, die für wunderbare Schneeverwehungen sorgten.
Vor Wittstock noch machten wir Halt, um uns zu stärken. Nach dem Dreieck Wittstock/Dosse verschlechterte sich die Sicht erheblich und die Geschwindigkeit musste gedrosselt werden. Erschwerend kam hinzu, dass nur noch eine Spur wirklich befahrbar war (ohne Schneeketten oder Spikes).
Irgendwann kam uns bei Linstow eine auffällige große Menge an „Wannen“ entgegen und wir schöpften einen bösen Verdacht. Umkehren wollten wir zwar nicht, aber mit dem Gedanken spielt man trotzdem, noch dazu bei solchen Verhältnissen. Wir machten uns im WWW schlau und erfuhren so von der Spielabsage. Inzwischen kam man nur noch mit 80 (max.) voran.
Die nächste Abfahrt konnten wir nicht nutzen, weil man beim Versuch die Autobahn zu verlassen mit hoher Wahrscheinlichkeit in den Schneebergen stecken geblieben wäre, außer man fährt einen Panzer.

So mussten wir also die nächste Ausfahrt, in diesem Fall Güstrow, nutzen, um umzukehren.
Die Rückfahrt zog sich auf Grund der Schneemassen erheblich die Länge. Es hörte nicht nur nicht auf, auch die Räumdienste kamen nicht hinterher. Und wenn mal geräumt wurde, dann war 10 Minuten später die Piste wieder dicht, weil der Wind das Duell für sich entschied.
Ich bin ja nun noch keine 30 und vom Winter 1979 habe ich nur aus Erzählungen erfahren, aber das, was da am Samstag vom Himmel kam – kombiniert mit dem orkanartigen Wind – lässt junges Gemüse wie mich erahnen, wie es damals zugegangen sein muss.
Das Radio lieferte minütlich Statusberichte über die Wetterlage und ließ verlauten, dass in Rostock der öffentliche Nahverkehr komplett eingestellt wurde.

Da waren wir aber schon lange auf dem Heimweg. Bis zur Brandenburger Grenze fuhren wir zusammen mit vielen hundert anderen Pkws hinter bis zu vier Räumfahrzeugen her. Die Autobahnmeisterei hatte wohl zum Generalangriff auf den Schnee geblasen. Mit gemütlichen 40 Kilometer in der Stunde ging es also gen Berlin.

Ein bisschen Frust konnte ich mir zwar nicht verkneifen, aber was will man machen, wenn man morgens zum Stadionrundgang ansetzt und auf einmal 30 Zentimeter mehr Schnee gefallen ist. Eine Austragung des Spiels war praktisch unmöglich, denn die Bilder, die einen von der Ostseeküste erreichten, sprachen Bände.

Was sich dann allerdings eine Gruppe von Personen dann für den Rest des Samstags vorgenommen hat, entbehrt jeder Rechtfertigung. Der Gelackmeierte ist im Endeffekt wieder mal der Verein 1.FC Union Berlin, dessen Name wieder in unschöner Verbindung mit Gewaltdelikten auftaucht.
Wir für unseren Teil ließen den Samstag bei Speis und Trank beim Griechen ausklingen.

Update: Am 24. Februar um 18.30 Uhr wird das Spiel nachgeholt.