Donnerstag, 29. April 2010

Werbung in eigener Sache

Es war am 21. April, als Roberto Rosetti aus Italien, Frank Ribery nach einem harten Einstteigen gegen Lisandro Lopez bereits in der ersten Halbzeit unter die Dusche schickte. Es war das Hinspiel des Champions-League-Halbfinals zwischen dem FC Bayern München und Olympique Lyon. Für den FC Bayern bedeutete es, dass man im Rückspiel definitiv wieder auf Hamit Altintop zurückgreifen musste, um die linke Außenbahn besetzen zu können. Andernfalls hätte Louis van Gaal wohl seine Taktik umstellen müssen. Doch hier kann er sich ganz auf den Türken verlassen, der bereits im Hinspiel gegen Manchester United ausgeholfen hatte. Wobei das Prädikat „aushelfen“ den beiden Auftritten von Altintop in keinster Weise gerecht wird. Wenn man die Spielpraxis von Altintop in Relation zu seinen Auftritten sieht, dann sind diese sehr wohl mit dem Prädikat „sehr gut“ auszuzeichnen. Seine Leistung ging in der (auch berechtigten) Olic-Jubelei leider etwas unter.
Ich meine nicht nur seine gelungenen Dribblings, wenn ich von einem Musterauftritt des 27-Jährigen spreche. Auch das Umschalten und die gute Ballkontrolle waren gestern Federn, mit denen er sich schmücken durfte. Erschwerend kam für ihn hinzu, dass die linke Außenbahn eigentlich nicht sein Jagdrevier ist. Doch gegen den ehemaligen französischen Serienmeister konnte man keine Probleme bei der Umstellung ausmachen. In der Bundesliga ist Hamit Altintop z.Z. Einwechselspieler, gehört nicht zur Startelf. In der Champions League bekam er im Viertelfinale gegen Manchester United im Hinspiel – ebenfalls in der Allianz Arena – eine Chance vom niederländischen Trainer und unterstrich, dass es richtig war, das Vertrauen in ihn zu setzten. Selbst den direkten Torabschluss traute er sich zu und erzielte so beinahe sogar einen Treffer in der Königsklasse des europäischen Klubfußballs. Gleichzeitig betreibt er mit seinen guten Darbietungen im Trikot des Rekordmeisters auch Werbung in eigener Sache.
Nicht zuletzt mit seinem engagierten und beinahe abgebrühten Auftritt in Lyon. Hamit Altintop allerdings macht sich wenige Wochen vor offiziellem Vertragsende beim FC Bayern Gedanken über den weiteren Werdegang der eigenen Karriere. Als 15-Jähriger wechselte er zur SG Wattenscheid, hier sammelte er auch seine erste höher klassige Erfahrung in der Regionalliga. Später wechselte er zum FC Schalke. Dazu mehr im unteren Abschnitt. Im Jahr 2007 wechselte er vom FC Schalke 04 zum deutschen Rekordmeister – auch damals floss keine Ablösesumme.
Im ersten Jahr unter Trainer Ottmar Hitzfeld konnte er noch auf 14 Spiele über die volle Distanz in der Bundesliga zurückblicken.
Unter Trainer Jürgen Klinsmann konnte er sich zunächst nicht mal anbieten, da er sich den Mittelfuß brach und somit aus dem Fokus verschwand. Am 31. Spieltag bestritt Altintop das einzige Spiel in der Saison 08 / 09 über 90 Minuten.
In diesen Tagen wird er mit folgenden Worten zitiert: "Ich fühle mich wohl in München, aber ich mache mir intensive Gedanken, wie es danach weiter geht."

Die Gerüchteküche läuft auf Hochtouren und so kommt fast zwangsläufig der Verein aus Gelsenkirchen als erster Favorit der Medien auf, zu dem Altintop im Sommer 2003 als 20-Jähriger von der SG Wattescheid gewechselt war. In der Bundesliga absolvierte er 113 Spiele für die Knappen. Viele Sprechen bereits vom Anforderungsprofil des Schalke-Trainers Felix Magath, in das Altintop perfekt hineinpasse. Ob er München den Rücken kehren wird, ließ er allerdings vollkommen offen. Allerdings ist es heute so, dass ein kleiner Satz bereits aus einem Schneeball eine Lawine erwachsen lassen kann.
Vieles wird im Fall Altintop sicherlich auch von der Zukunftsplanung des Frank Ribery anhängen. Zunächst aber steht für den gebürtigen Gelsenkirchener ein persönliches – wenn nicht das ultimative – Highlight auf dem Plan: Am 22. Mai 2010 wird er sein erstes Champions League Finale bestreiten. Im Estadio Santiago Bernabéu zu Madrid wird er vor weit über 70.000 die Farben des FC Bayern mit vertreten und in der Startelf stehen. Der Widersacher um die europäische Krone heißt Inter Mailand. Die Italiener warfen im Halbfinale die aktuell wohl beste Klubmannschaft der Welt aus dem Wettbewerb: Den FC Barcelona.

So oder so spricht nicht sehr viel für einen Verbleib des Türken bei seinem aktuellen Arbeitgeber, da der FC Bayern im Moment keine Anstalten um die Person Ribery macht. Die Münchner, wurde Karl-Heinz Rummenigge nicht selten müde zu betonen, wollen den Franzosen unter normalen Umständen nicht ziehen lassen.