Ich sitze zwischen den Stühlen, wie man so schön sagt. Die 19. Fußballweltmeisterschaft ist seit 11. Juli Geschichte und die zweite Bundesliga startet erst wieder am 20. August. Was macht man also in der dieser Zeit, wie verkraftet man den harten Entzug? Ich jedenfalls fühle mich ein wenig ausgemergelt, lebe sozusagen enthaltsam – so zumindest fühlt es sich von Zeit zu Zeit an. Keine Bundesliga, kein Pokalwettbewerb, keine Nationalmannschaft.
Das Sparprogramm sozusagen, wie bei der Waschmaschine. Wenn die Wettbewerbe laufen, dann nerve ich meine Freundin oft mit Lappalien. Ich texte sie ohne Punkt und Komma über die Details des Spieltags zu, ich arbeite nochmals alle kritischen Szenen auf und sie ist man unfreiwilliger Co-Moderator. Die Sportschau gehört zum ganz normalen Ritual. Alle Spiele (1. Bundesliga) werden jeweils in einem 10 Minutenblock analysiert, Interviews gezeigt. Für meine Freundin ist es eine Tortur. Ich bürde ihr das alles auf und sie nimmt es (fast) ohne Murren auf sich. Nun könnte man meine, die fußballfreie Zeit ist für einen wie mich, der sonst den größten Teil des Jahres unter Storm steht, ein willkommener Anlass den Pegel ein bisschen runterzufahren, der irrt. Ich ertappe mich in diesen Zeiten selbst dabei, wie ich zwanghaft nach Halt suche. Also fix Transfermarkt.de aufgesucht, in der Hoffnung, dass sich etwas ergeben hat, ein Spielerwechsel, ein wildes (möglichst spektakuläres) Gerücht, Sensationen eben. Ja, im Sommerloch wird man (n) schlicht weg sensationsgeil. Das merkt man schon anhand der Gerüchte, die immer zur wärmsten Zeit des Jahres am köcheln sind (manche drohen überzulaufen). Wichniarek zu Union? Alleine schon die Verbindung – köstlich. Hm, schaden kann es nicht, also tauchen wir doch mal in den Thread ein.
Einen Tag, ohne die neusten Meldungen zu prüfen? Existiert nicht! Ich dürste nach Informationen, gerade jetzt. Und der Hunger kann nur schwer gestillt werden. Auch auf der offiziellen Internetpräsenz des 1.FC Union tat sich wochenlang wenig. Spieler und Trainer waren im Urlaub, entspannten. Nur ich, ich habe mich als Jäger und Sammler betätigt. Und das Internet wird zur Hauptnahrungs- und Futterquelle, um den eben beschriebenen Hunger zu stillen.
Auch heute habe ich wieder gewildert: „Piotr Trochowski zu Hannover 96“, steht da ein großen Lettern. Ein Stoff, der das Sommerloch zumindest wieder ein bisschen mehr verschließt. Ein Deal zwischen dem FC Liverpool und dem HSV? Marcell Jansen ist das Objekt der Begierde. Ja! Sowas wollen wir sehen. Yes, nun fühle ich mich wieder ein bisschen wohler.
Manchmal fragt man sich, wie es frühere Generationen geschafft haben, diese Zeit zu überbrücken. Die Antworten liegen allerdings auf der Hand: Man hat sich das Spielgerät geschnappt und es ist raus auf den Platz gegangen. Dieses Phänomen trifft man heute seltener an. Das Internet verleitet einen ehr, die Schuhe im Schrank zu belassen und sich stattdessen mit einem guten Bierchen die News auf Sport1 anzusehen.
Doch nicht die Fans leiden bewegungstechnisch unter der Sommerpause. Auch die Profis der Vereine. So gab vor einem Jahr ein gewisser Holger Stromberg, seines Zeichens Meisterkoch und verantwortlich für das, was bei der Nationalmannschaft auf den Teller kommt, intime Einblicke in die Essenskultur der Berufsfußballer. Und diese leidet seiner Ansicht nach gerade im Urlaub erheblich. Ich persönlich halte diesen „Ernährungswächter“ für ein klein wenig übereifrig. Grundsätzlich aber hat er interessante Aspekte herausgearbeitet, die zeigen, dass auch die Profis sich mit der Sommerpause schwer tun.
Ich werde weiterhin ab und an sündigen, mich an die Neuheiten klammern und dabei einen kleinen aber feinen Kakao schlürfen.
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