Eine Reise in die Vergangenheit habe ich am Wochenende absolviert. Im Ziegeleipark Mildenberg im Landkreis Oberhavel ließen ich und mein Vater uns die Fortschritte im Industriemuseum zeigen und erklären. Vor 10 Jahren waren wir zuletzt im Ziegeleipark in der Nähe von Zehdenick, der im Jahr 1997 eröffnet wurde, damals aber einen provisorischen Charakter hatte.
Zwei Ringöfen sind zum großen Teil erhalten geblieben, und der Erste, den man antrifft, wenn man auf das Gelände kommt, wurde vollständig restauriert und in der oberen Etage mit einem Tagungszentrum ausgestattet. Der Schornstein, der vor 10 Jahren noch wesentlich höher war, wurde um fast die Hälfte gekürzt und die oberen Stahlgürtel entfernt. Das Gebiet wurde zum Großteil eingezäunt. Wie wir bei der Führung erfuhren, auf Grund von Vandalismus. Wir besichtigten die alten Werkstädten auf dem Gelände und machten uns ein Bild vom dem Fortschritt der Aufräumarbeiten und sahen uns auch den neuen Museumstrakt an, dessen Höhepunkt der Ringofen eins ist, den man mit einem Stein durchqueren kann, der die verschiedenen Temperaturen farblich anzeigt, die ein Ziegel beim Brennprozess durchläuft.
Auch die Museumsbahn, die damals dazu konzipiert wurde, die Loren von den Tonstichen zur Ziegelei zu transportieren, existiert noch. Heute hat man die Loren zu Personenwagen umgebaut, in denen bis zu sechs Leute Platz finden. Man kann sich den Ziegeleipark anschauen oder aber eine Tour nach außerhalb wählen und sich die ehemaligen Tonstiche ansehen. Über das gesamte Gelände ziehen sich die Schienen und lassen erahnen, wie es vor über 20 Jahren in der Tonförderung und Ziegeleiproduktion zuging.
Ebenfalls immer noch in Betrieb (für die Touristen) ist die große Dampfmaschine, welche zu Zeiten der Produktion nicht nur die Ziegelei, sondern auch Mildenberg zweitweise mit Strom versorgte.
Kollektiv hat sich die Gegend enorm verändert. Das Gasthaus „Alter Hafen“ ist immer noch präsent und auch die Soljanka kann der Besucher hier, wie vor 10 Jahren bereits, in unmittelbarer Nähe zur Havel immer noch genießen. Hinter dem Restaurant befindet sich inzwischen auf einer Rasenfläche ein mit Strombuchsen ausgestatteter Campingplatz.
Der Weg nach Gransee über die B 96 ist immer noch analog zu dem vor zehn Jahren, allerdings ist es inzwischen wesentlich ungefährlicher geworden, weil die B 96 nicht mehr die einzige Verbindung nach Stralsund ist, was damals zu dem Umstand führte, dass eine zweispurige Bundesstraße von diversen LKWs und PKWs frequentiert wurde.
Nun, das Wetter war uns hold und so konnten wir das gesamte Gebiet in Augenschein nehmen. Die Tonstiche haben wir uns an diesem Tag nicht angeschaut, da die Zeit am Ende mal wieder rannte und die Dunkelheit langsam Einzug hielt.
Festzuhalten ist, dass der Ziegeleipark immer noch eine Reise wert ist.
Politisch, sportlich, bissig, weltoffen, hartnäckig und obendrein auch noch unabhängig.
Donnerstag, 28. Oktober 2010
Mittwoch, 13. Oktober 2010
Der Stein des Anstoßes
In der Sache „Stuttgart 21“ gab es in den letzten Wochen ja eine Menge Vorkommnisse, die leider ihren negativen Höhepunkt am 30.
September im Schlossgarten zu Stuttgart fanden, in dem über 20 Bäume dem Großprojekt weichen mussten. Seit Wochen standen Gegner des Projekts auf der Straße, forderten einen Baustopp für das Unterfangen und wollten Gespräche über die Gestaltung des Umbaus und dessen Art und Weise. Lange wurde dieser Wille von der Politik ignoriert – bis zu diesem Tag X, nach dem sich die Situation gänzlich anders darstellen sollte.
Noch vor den Bildern aus dem Schlosspark sprach sich die Kanzlerin im Plenum des Bundestags klar und deutlich für das Projekt aus und hatte die Wahl in Baden-Württemberg am 27. März 2011 zum Volksentscheid über Stuttgart 21 auserkoren. Worum ist bei diesem Vorhaben geht, ist durch die Medienpräsenz und Berichterstattung der letzten Wochen und Monate sehr deutlich geworden, weshalb ich in den folgenden Sätzen nicht mehr im Detail auf diese Frage eingehen werde.
Aus dem Stuttgarter Kopfbahnhof soll ein Durchgangsbahnhof im Untergrund werden. Interessant hierbei ist die Position der SPD, die anscheinend irgendwie im Grauen fischt. Die SPD sprach sich jahrelang energisch für das Projekt Stuttgart 21 aus und bezeichnete es als „nicht billig, aber seinen Preis wert.“ Hierbei handelt es sich um verschiedene Beschlüsse zur Sache, die die SPD am 4. Januar 1990 publik machte. Ein Punkt, der noch weit wichtiger und weitrechender ist lautet „Stuttgart 21 ist alternativlos“. Wenn man sich die Punkte noch mal genüsslich auf der Zunge zergehen lässt, dann ist auch die Position der SPD in der momentanen Debatte besser nachvollziehbar. Niemand möchte im Kreuzfeuer stehen. Zu mal, wie ich bereits andeutete, in ein paar Monaten Landtagswahlen vor der Tür stehen, und die CDU nach über 50 Jahren in einer Regierung „Ländle“ vor einer historischen Niederlage stehen könnte.
Doch geht es überhaupt noch primär um den Bahnhof oder haben wir es nicht schon viel mehr mit einer unüberhörbaren Kritik der Bürger am Demokratieverständnis der „Herrschenden“ zu tun? Ja, Stuttgart 21 war bereits in den 1990er Jahren publik und es gab die Möglichkeit, sich als Bürger einzubringen. Aber eben nur limitiert. Man registriert einen, wie Gregor Gysi sagte „rebellischen Geist“ in der Bevölkerung. Man könnte fast den Eindruck erlangen, die Menschen haben sich von der Politik ein wenig emanzipiert. Juristisch mag Stuttgart 21 ein wasserdichtes Unterfangen sein, doch ist es das auch gesellschaftlich?
Besteht Konsens über die Frage, wie dieses Projekt umgesetzt wird? Diese Fragen scheinen in den Regierungsfraktionen von CDU und FDP nur eine Nebenrolle zu spielen. Vielmehr ist man darauf bedacht, die Bauarbeiten nicht weiter in Verzug geraten zu lassen, sondern zügig fortzufahren.
Allerdings muss man auch kritisch gegenüber den Demonstranten sein: Die Schülerdemo mag angemeldet gewesen sein, verließ die Route allerdings in Richtung Schlossgarten. Und hier tragen die Pädagogen die Verantwortung.
Ich persönlich halte es für mehr als fragwürdig Jugendlich bewusst der Polizei entgegenzustellen und diesen zu erlauben (oder zumindest nicht untersagt zu haben) Polizeifahrzeuge zu besetzten. Auf Videos, die ganz offensichtlich von Demonstranten welcher Couleur auch immer, ins Netz gestellt wurden, sind Mitstreiter zu sehen, die es mit dem friedlichen demonstrieren nicht mehr ganz so ernst nehmen. Mir fehlt – auf beiden Seiten – die selbstkritische Auseinandersetzung speziell mit den Auseinandersetzungen am 30. September.
Eine lebendige Demokratie lebt vom Dialog, auch das ist ein Teil der Wahrheit. Und doch müssten eigentlich beide Seiten den Gang nach Canossa antreten. Den Menschen jedoch grundsätzlich das Recht auf Demonstration gegen das Projekt abzusprechen, so wie es Bahnchef Grube jüngst publik gemacht hat, ist wahrhaftig eine Untergrabung unserer Demokratie.
September im Schlossgarten zu Stuttgart fanden, in dem über 20 Bäume dem Großprojekt weichen mussten. Seit Wochen standen Gegner des Projekts auf der Straße, forderten einen Baustopp für das Unterfangen und wollten Gespräche über die Gestaltung des Umbaus und dessen Art und Weise. Lange wurde dieser Wille von der Politik ignoriert – bis zu diesem Tag X, nach dem sich die Situation gänzlich anders darstellen sollte.
Noch vor den Bildern aus dem Schlosspark sprach sich die Kanzlerin im Plenum des Bundestags klar und deutlich für das Projekt aus und hatte die Wahl in Baden-Württemberg am 27. März 2011 zum Volksentscheid über Stuttgart 21 auserkoren. Worum ist bei diesem Vorhaben geht, ist durch die Medienpräsenz und Berichterstattung der letzten Wochen und Monate sehr deutlich geworden, weshalb ich in den folgenden Sätzen nicht mehr im Detail auf diese Frage eingehen werde.
Aus dem Stuttgarter Kopfbahnhof soll ein Durchgangsbahnhof im Untergrund werden. Interessant hierbei ist die Position der SPD, die anscheinend irgendwie im Grauen fischt. Die SPD sprach sich jahrelang energisch für das Projekt Stuttgart 21 aus und bezeichnete es als „nicht billig, aber seinen Preis wert.“ Hierbei handelt es sich um verschiedene Beschlüsse zur Sache, die die SPD am 4. Januar 1990 publik machte. Ein Punkt, der noch weit wichtiger und weitrechender ist lautet „Stuttgart 21 ist alternativlos“. Wenn man sich die Punkte noch mal genüsslich auf der Zunge zergehen lässt, dann ist auch die Position der SPD in der momentanen Debatte besser nachvollziehbar. Niemand möchte im Kreuzfeuer stehen. Zu mal, wie ich bereits andeutete, in ein paar Monaten Landtagswahlen vor der Tür stehen, und die CDU nach über 50 Jahren in einer Regierung „Ländle“ vor einer historischen Niederlage stehen könnte.
Doch geht es überhaupt noch primär um den Bahnhof oder haben wir es nicht schon viel mehr mit einer unüberhörbaren Kritik der Bürger am Demokratieverständnis der „Herrschenden“ zu tun? Ja, Stuttgart 21 war bereits in den 1990er Jahren publik und es gab die Möglichkeit, sich als Bürger einzubringen. Aber eben nur limitiert. Man registriert einen, wie Gregor Gysi sagte „rebellischen Geist“ in der Bevölkerung. Man könnte fast den Eindruck erlangen, die Menschen haben sich von der Politik ein wenig emanzipiert. Juristisch mag Stuttgart 21 ein wasserdichtes Unterfangen sein, doch ist es das auch gesellschaftlich?
Besteht Konsens über die Frage, wie dieses Projekt umgesetzt wird? Diese Fragen scheinen in den Regierungsfraktionen von CDU und FDP nur eine Nebenrolle zu spielen. Vielmehr ist man darauf bedacht, die Bauarbeiten nicht weiter in Verzug geraten zu lassen, sondern zügig fortzufahren.
Allerdings muss man auch kritisch gegenüber den Demonstranten sein: Die Schülerdemo mag angemeldet gewesen sein, verließ die Route allerdings in Richtung Schlossgarten. Und hier tragen die Pädagogen die Verantwortung.
Ich persönlich halte es für mehr als fragwürdig Jugendlich bewusst der Polizei entgegenzustellen und diesen zu erlauben (oder zumindest nicht untersagt zu haben) Polizeifahrzeuge zu besetzten. Auf Videos, die ganz offensichtlich von Demonstranten welcher Couleur auch immer, ins Netz gestellt wurden, sind Mitstreiter zu sehen, die es mit dem friedlichen demonstrieren nicht mehr ganz so ernst nehmen. Mir fehlt – auf beiden Seiten – die selbstkritische Auseinandersetzung speziell mit den Auseinandersetzungen am 30. September.
Eine lebendige Demokratie lebt vom Dialog, auch das ist ein Teil der Wahrheit. Und doch müssten eigentlich beide Seiten den Gang nach Canossa antreten. Den Menschen jedoch grundsätzlich das Recht auf Demonstration gegen das Projekt abzusprechen, so wie es Bahnchef Grube jüngst publik gemacht hat, ist wahrhaftig eine Untergrabung unserer Demokratie.
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