Hansa Rostock, Hansa Rostock; denke ich an diese Mannschaft,
so fällt mir persönlich sofort wieder das Auswärtsspiel ein, welches das
Rückspiel in der Saison 2009 / 2010 zwischen dem 1.FC Union und eben den
Hanse-Städtern war. Eigentlich sollte es im Januar 2010 stattfinden. Der Weg über die tiefverschneite Autobahn
damals war schon ein Abenteuer und als man sich bis kurz vor Güstrow gekämpft
hatte, erfuhr man von der Absage auf Grund von zugeschneiten Zufahrtsstraßen
und einem Fußballplatz im Ostsee-Stadion, welcher beim besten Willen nicht
bespielbar war. Mit 50 km/h schlich man zusammen mit der Schneepflug-Armada, die einem den Weg nach Berlin freiräumte, über die Bundesautobahn 19. So kam es das man erst später am Nachmittag bzw. Abend wieder in der Hauptstadt aufschlug, ohne, dass der Ball auch nur eine Sekunde gerollt wäre. Neben der Autobahn konnte man meterhohe Schneeverwehungen entdecken. Es war eine absolut skurille Situation - selbst in der Nachbetrachtung.
Das Rückspiel an einem Mittwoch im Februar 2010 tat man sich
dann trotzdem an; für Glanzpunkte konnte der glorreiche FCU an der Ostsee
damals zumindest nicht sorgen.
Nun schrieben wir den 25. November 2011 und es stand mal
wieder ein Auswärtsspiel bei Hansa Rostock an, welches ich mir nicht entgehen
lassen wollte. Zusammen mit einem weiteren Fußball- bzw. Union-Freund machte
sich die kleine Reisegruppe ab Gatower-Straße um kurz nach 12 Uhr auf den Weg
gen Rostock. Und eben dieser Fußballfreund ist mit Christopher Quiring in die
Grundschule gegangen, und diesmal, so hofften wir, würden wir – ganz im
Gegensatz zur Reise nach Duisburg – Chrissi in Aktion erleben. Auf der Fahrt an
die Ostsee ließen wir noch mal langsam die Woche Revue passieren und ich wurde
weiter mit Infos über unseren Wirbelwind aus der einen Jugend gefüttert. Dieses Mal kamen wir allerdings ohne in einen
Schneesturm zu geraten bis nach Güstrow, um uns auf dem dortigen Rastplatz kurz
aufzuhalten. Nach der kleinen Rast
machte man sich wieder auf den Weg, um am Kreuz Rostock auf die A20 zu biegen,
bis man zur Abfahrt Rostock Südstadt erreicht hatte.
Am Parkplatz vor dem Hauptbahnhof traf man auf die bekannten
Farben und diverse Berliner Kennzeichen. Auf der Suche nach einer Lokalität, in
der man sich kulinarisch bedienen kann, wurde der Berliner Fan bei einer
Würstchenbude (improvisiert?!) vor dem Portal fündig. Eine neue Erkenntnis
nahmen wir dabei auch in die Hauptstadt mit: die Currywurst in Rostock, genauer
gesagt in der Bude am Hauptbahnhof, ist ess- und bezahlbar. Beruhigend.
Was mich weniger beruhigte, war die Antwort des kleinen
gelben Männchens, welches den Parkaufseher gab. Als Antwort auf meine Frage,
wer den Parkplatz denn bewacht, wenn sämtliche Hundertschaften Richtung Stadion
gefahren sind, entgegnete mir der 1,60-Hüne: „Also eine Funkstreife bleibt auf
jeden Fall hier.“ Klasse, also wenn der Mob denn willens, dann hat er wenig
Gegenwehr zu befürchten.
Um 16 Uhr dann lief der „Sonderzug“ zum Bahnhof Parkstraße
im Hauptbahnhof ein. Eine Station fuhr man dann bis zur Parkstraße und dort
wartete schon der Polizeikessel, um einen auf den letzten 2 Kilometern zum
Stadion zu Fuß zu begleiten.
Die Einlasssituation hatte sich im Vergleich zum Februar 2010 überhaupt nicht
verändert. Die 2.200 Gäste-Fans wurden strategisch äußerst klug durch ein
kleines Eisentor mit einem Durchmesser von vielleicht einem Meter geschleust.
Dies führte unweigerlich dazu, dass die
Menschenmassen vor eben diesem Tor anschwollen,
da eben jenes Tor praktisch alle 10 Sekunden für 5 Minuten geschlossen wurde.
Der Unmut und auch der Druck wuchs. Der Effekt war, dass geschoben wurde, und
so leider auch kleinere, speziell Frauen, Probleme beim immer enger werdenden
Raum bekamen. Der Anpfiff wurde schließlich 15 Minuten verlegt, allerdings
reichte auch das nicht, um allen Unionern zu ermöglichen, pünktlich zum Anpfiff
im Gäste-Block zu sein.
Das Spiel selbst, um nun zum sportlichen Part des Abends zu
kommen, wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Schon in den ersten 45
Minuten war Union das spielbestimmende, drückendüberlegene und reifere
Team. Das Team musste vor dem Gastspiel
in Rostock umgestellt werden; für den gelbgesperrten Markus Karl rückte Michael
Parensen aus dem linken Mittelfeld auf die „Sechs“ als defensiver
Mittefeldspieler und für ihn wiederum rückte Chinedu Ede auf links.
Und diese mehr oder weniger unfreiwilligen Umstellungen
erwiesen sich als Segen. Denn Parensen war über die vollen 90 Minuten der Mann,
der Strippen zog, der das Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff war. Schon
nach den ersten 45 Minuten hätte man zwei, drei Treffer machen müssen (Silvio,
Quiring). Das hat sich die Mannschaft aber für die zweite Halbzeit aufgehoben,
in der sie Rostock phasenweise gut laufen ließ. Innerhalb von 10 Minuten wurden
drei Treffer erzielt und auch nach dem Anschluss durch Albrecht ließ sich das
Team nicht aus der Ruhe bringen und erstickte das zarte Flämmchen Hoffnung der
Rostocker im Keim. Innerhalb weniger Minuten in der zweiten Halbzeit stand es
3:0 für die Guten. Vor allem das erste Tor war schulbuchmäßig raus gespielt
worden.
Silvio behauptete einen Ball bravourös, bediente Ede in der
Zentrale, und dieser sah den rechts einlaufenden Pfertzel (meine Worte:
„RECHTS, RECHTS, PFERTZEL!!!“). Und der Pass kommt tatsächlich. Pfertzel
vollendet dann wunderschön ins lange Eck – keine Chance für Müller im
Hansa-Karton! Dann wieder dieser Ede, der das 2:0 durch Chrissi vorbereitete. Und selbst als unser linker Verteidiger Kohlmann gegen Trapp ausgewechselt wurde, riss der Spielfaden nicht. Wieder rennt Parensen durch den gesamten Mittelblock der Hansa-Kogge, bedient auf links Trapp, der flach in den Strafraum spielt, wo Mosquera im Stile eines Spitzenstürmers (oh man, was für ein Duktus) zum 3:0 vollendet. Was für ein Pogo im Gästeblock! So richtig realisieren mussten wir die letzten 10 Minuten erstmal schon - 3 Tore in 10 Minuten für unseren FCU! Nach dem 1:3 war es Mosquera mit seinem 2. Tor des Abends nach feiner Vorarbeit des überragenden
Ede, der für klare Verhältnisse sorgte. Dieser wusel flinke Ede war überall zu
finden und nahm es mit der halben Rostocker Defensive auf. In der Schlussminute
war es dann wieder der nicht minder überragende Parensen auf der "Sechs", der einen Pass der
Rostocker abfing und mit Nachdruck mit dem Ball am Fuß einen Gegenspieler
abschüttelte, einen brillanten Pass in den Lauf des startenden Mosquera
spielte, und dieser bediente dann mustergültig den mitgelaufenen Zoundi, der
der Kogge den Rest gab.
5:2 aus Union-Sicht!
Auswärts! In Rostock! Seit 1972 hat Union in Rostock nicht mehr voll punkten
können bzw. ein Spiel zu den eigenen Gunsten entscheiden können.
Die Rückfahrt traten wir dann gegen 21.30 Uhr (?) an und
fuhren sogleich auch auf der A20 in den erst besten Stau. Selbst dieser Umstand
aber konnte die Stimmung nur wenig eintrüben. Gegen 23 Uhr besuchte man ein
Schnellrestaurant, welches gesäumt war von freudetrunkenen Rot-Weißen, die
ihren Hunger stillten.
Mein Fußballwochenende war um 1 Uhr in der Früh am Samstag mehr als
gerettet.
Politisch, sportlich, bissig, weltoffen, hartnäckig und obendrein auch noch unabhängig.
Sonntag, 11. Dezember 2011
Dienstag, 19. Juli 2011
Buch-Kritik
Der Roman von William Gay „Nächtliche Vorkommnisse“ (Originaltitel „Twilight“) kam mir letzten Sonntag unter die Augen und erweckte mein Interesse, da die Geschichte, die die Buchrücken und die ersten Seiten erzählten sehr verführerisch klangen. Ein Bestattungsunternehmer in einem kleinen Nest in Tennessee, der gerne unpopuläre Fotos mit den Toten schießt, die er eigentlich nur herrichten sollte, damit die Angehörigen dieser Menschen sich von Ihnen beim Begräbnis verabschieden können.
Diesen Bestattungsunternehmer kann man mit Fug und Recht als Perversen bezeichnen, der seine Neigungen an den Toten auslebt, sich auch gerne mal mit Ihnen vor den Kamin setzt und mit ihnen seiner Lieblingsmusik bzw. Seifenopern lauscht, die durch das Radio klingen. Interessant ist, dass die Geschwister Tyler (Kenneth und Corrie), die ebenfalls in dem Nest wohnen, in dem die Geschichte spielt, dem windigen Bestattungsunternehmer auf die Spur kommen. Sie heben das Grab ihres Vaters aus, weil sie den Verdacht hegen, dass auch er Opfer der Machenschaften von Breece (dem Bestattungsunternehmer) wurde. Und sie wurden leider nicht enttäuscht.
Kenneth stibitzt Breece eines Tages die Aktentasche, in dem er belastendes Material findet (Fotos, einen besudelten Schlüpfer). Nach dem er Kriegsrat mit seiner Schwester Corrie hält, beschließt diese mittels der Bilder Geld von Breece zu erpressen. Soweit, so gut. Breece fürchtet um seinen Leumund in der Stadt, obwohl er generell Menschen scheut.
Er heuert nach kurzer Überlegung einen anscheinend bei allen bekannten Psychopathen namens Sutter an, der Abhilfe schaffen bzw. die Bilder wiederbeschaffen soll. Breece bietet ihm den Betrag, um den er von den Tyler Geschwistern erpresst wird. 15.000 Dollar sollen fließen. Sutter, der selber schon mehr als einmal mit dem Gesetz in Konflikt kam und Menschenleben auf dem Gewissen hat, weiß, dass er mit seinem Wissen (warum Breece die Fotos fürchtet konnte er beim Gespräch halbwegs in Erfahrung bringen) Breece in der Hand hat und nach Möglichkeit ließe sich aus der Angelegenheit mehr Kapital schlagen.
Die Geschichte trotzt meiner Meinung nach nur so vor Potential, welches der Autor eben anfangs auch ausschöpft, gegen Mitte des Werks allerdings bleibt der Spannungsbogen allerdings lasch. Der Autor verrennt sich in halbseitige Metaphern und Vergleiche. Versucht krampfhaft die Natur, das Drumherum zu umschreiben. Dass das nach 20 bis 30 Seiten reichlich monoton rüberkommt, verwundert nicht. Interessant ist, dass Kenneth nach dem Tod seiner Schwester Corrie vor Sutter flieht, und die Bilder tief im Hinterland herumirrend in einer Art Vertiefung versteckt. Heraussticht, dass Sutter Kenneth durch die Tiefen des Waldes dem Anschein nach ohne optische Hinweise (Fußspuren etc.) verfolgen kann, obwohl er mehrere Stunden Rückstand hat. Außerdem wird dem Leser zu keiner Zeit im Buch näher erläutert, wie Sutter zu diesen Qualitäten kommt. Kenneth trifft auf religiöse Eiferer, die ihm Unterschlupf gewähren, begeht mit deren Tochter Intimitäten.
Und nach dem er diese Familie wieder verlässt, schlägt der Killer Sutter auf, der die gesamte Familie tötet.
Kenneth sucht nach einem Staatsanwalt, der gegen Sutter vor Jahren bereits ein Verfahren führte, welches sich aber verlief und an dessen Ende ein Freispruch für Sutter stand. Der Staatsanwalt wohnt und arbeitet in einer einige Kilometer entfernten Stadt, deswegen schlug sich Kenneth durch die Pampa. Am Ende wird alles gut, obwohl Sutter als Oma verkleidet, vor dem Gerichtsgebäude, in dem der Staatsanwalt arbeitet, auf Kenneth lauert und ihn versucht zu entführen und über Folter den Ort der Bilder zu erhalten.
Es bleibt dabei: der Anfang ist spannend und schnelllebig, der Mitteilteil elend lang und monoton. Erst gegen Ende nimmt das Werk wieder ordentlich Fahrt auf.
Diesen Bestattungsunternehmer kann man mit Fug und Recht als Perversen bezeichnen, der seine Neigungen an den Toten auslebt, sich auch gerne mal mit Ihnen vor den Kamin setzt und mit ihnen seiner Lieblingsmusik bzw. Seifenopern lauscht, die durch das Radio klingen. Interessant ist, dass die Geschwister Tyler (Kenneth und Corrie), die ebenfalls in dem Nest wohnen, in dem die Geschichte spielt, dem windigen Bestattungsunternehmer auf die Spur kommen. Sie heben das Grab ihres Vaters aus, weil sie den Verdacht hegen, dass auch er Opfer der Machenschaften von Breece (dem Bestattungsunternehmer) wurde. Und sie wurden leider nicht enttäuscht.
Kenneth stibitzt Breece eines Tages die Aktentasche, in dem er belastendes Material findet (Fotos, einen besudelten Schlüpfer). Nach dem er Kriegsrat mit seiner Schwester Corrie hält, beschließt diese mittels der Bilder Geld von Breece zu erpressen. Soweit, so gut. Breece fürchtet um seinen Leumund in der Stadt, obwohl er generell Menschen scheut.
Er heuert nach kurzer Überlegung einen anscheinend bei allen bekannten Psychopathen namens Sutter an, der Abhilfe schaffen bzw. die Bilder wiederbeschaffen soll. Breece bietet ihm den Betrag, um den er von den Tyler Geschwistern erpresst wird. 15.000 Dollar sollen fließen. Sutter, der selber schon mehr als einmal mit dem Gesetz in Konflikt kam und Menschenleben auf dem Gewissen hat, weiß, dass er mit seinem Wissen (warum Breece die Fotos fürchtet konnte er beim Gespräch halbwegs in Erfahrung bringen) Breece in der Hand hat und nach Möglichkeit ließe sich aus der Angelegenheit mehr Kapital schlagen.
Die Geschichte trotzt meiner Meinung nach nur so vor Potential, welches der Autor eben anfangs auch ausschöpft, gegen Mitte des Werks allerdings bleibt der Spannungsbogen allerdings lasch. Der Autor verrennt sich in halbseitige Metaphern und Vergleiche. Versucht krampfhaft die Natur, das Drumherum zu umschreiben. Dass das nach 20 bis 30 Seiten reichlich monoton rüberkommt, verwundert nicht. Interessant ist, dass Kenneth nach dem Tod seiner Schwester Corrie vor Sutter flieht, und die Bilder tief im Hinterland herumirrend in einer Art Vertiefung versteckt. Heraussticht, dass Sutter Kenneth durch die Tiefen des Waldes dem Anschein nach ohne optische Hinweise (Fußspuren etc.) verfolgen kann, obwohl er mehrere Stunden Rückstand hat. Außerdem wird dem Leser zu keiner Zeit im Buch näher erläutert, wie Sutter zu diesen Qualitäten kommt. Kenneth trifft auf religiöse Eiferer, die ihm Unterschlupf gewähren, begeht mit deren Tochter Intimitäten.
Und nach dem er diese Familie wieder verlässt, schlägt der Killer Sutter auf, der die gesamte Familie tötet.
Kenneth sucht nach einem Staatsanwalt, der gegen Sutter vor Jahren bereits ein Verfahren führte, welches sich aber verlief und an dessen Ende ein Freispruch für Sutter stand. Der Staatsanwalt wohnt und arbeitet in einer einige Kilometer entfernten Stadt, deswegen schlug sich Kenneth durch die Pampa. Am Ende wird alles gut, obwohl Sutter als Oma verkleidet, vor dem Gerichtsgebäude, in dem der Staatsanwalt arbeitet, auf Kenneth lauert und ihn versucht zu entführen und über Folter den Ort der Bilder zu erhalten.
Es bleibt dabei: der Anfang ist spannend und schnelllebig, der Mitteilteil elend lang und monoton. Erst gegen Ende nimmt das Werk wieder ordentlich Fahrt auf.
Sonntag, 5. Juni 2011
Neue Neuausrichtung
Dem 1.FC Union standen in den letzten Tagen viele Veränderungen ins Haus, vor allem, was den Kader für die neue Saison 2011/2012 angeht.
Aber nicht nur die Mannschaft auf dem Platz wird in der neuen Saison ein verändertes Gesicht zeigen, auch eine Person, die hinter der Mannschaft stand – im wahrsten Sinne des Wortes -, die dieses Team mit aufgebaut hat, wird eine Veränderung wahrnehmen. Christian Beeck, Sportlicher Leiter, ist seine Funktion los. Beeck, der selbst als Spieler eine reiche Vergangenheit beim 1.FC Union vorweisen kann, begann 1980 beim 1.FC Union mit dem Fußballspielen, und selbst, wenn er dann das Leibchen eines anderen Vereins überstreifte, wies er auf seinen Verein hin, bei dem er das Spiel erlernt hatte. Später sollte er unter Eduard Geyer bei Energie Cottbus sogar in der Bundesliga zum unumstrittenen Abwehrchef beim Energie Cottbus werden.
Im Jahr 2005, kurz nach dem Absturz des Vereins in die Oberliga Nord Ost, wurde Beeck im Oktober desselben Jahres als neuer Teammanager präsentiert. Während er zwischendurch sogar als Chef-Scout und A-Jungendtrainer arbeitete, wurde er später Sportdirektor im Verein und gestaltete eine nicht minder erfolgreiche Epoche des Vereins mit – sozusagen den Wiederaufstieg in bekannte Gefilde. In seine Zeit bei Union fallen die Verpflichtungen von u. a. Daniel Göhlert, Patrick Kohlmann und auch Michael Parensen. All diese Verpflichtungen waren für den sportlichen Erfolg richtungsweisend. Er erlebte den Aufstieg aus der Oberliga –damals noch viertklassig – in die Regionalliga Nord mit, dort dann nach zwei Jahren die Qualifikation für die eingleisige dritte Liga. Gleich im ersten Jahr konnte die Mannschaft unangefochten Premierenmeister der neu eingeführten Spielklasse werden und fünf Jahre nach dem man sich aus der 2. Bundesliga verabschieden musste, was 2004 geschah.
Im Sommer 2010 wurde eine Lizenzspielerabteilung geschaffen, welche Beeck als dann Teammanager gleichberechtigt mit Trainer Neuhaus betreuen sollte.
Zingler sagte im April 2010 dem Tagesspiel zur Vertragsverlängerung von Christian Beeck: „Wir wollen Strukturen schaffen, mit denen wir unsere mittelfristigen Ziele, die Etablierung im Lizenzfußball, verwirklichen können. (…) Das macht auch Entscheidungen im Sportlichen notwendig.“ Das klingt für den normalen Menschen erst mal positiv. Zumal Beeck – wie angesprochen – seit 2005 in verschiedenen Funktionen im Verein tätig war. Sichtbare Differenzen gab es nach der Vertragsverlängerung 2010 erst im Jahre 2011, als Christian Beeck ein Testspiel gegen Rasenballsport Leipzig im Stadion an der Alten Försterei ansetzte. In einer offiziellen Pressemitteilung hieß es dann wie folgt: „Nicht alles, was aus sportlicher Sicht sinnvoll erscheint, passt zu Union. Das Präsidium steht in der Gesamtverantwortung für den Verein und muss mehr berücksichtigen, als die Bedürfnisse einzelner Abteilungen“, so Präsident Zingler. Das Präsidium hat zuvor entschieden, dass das Testspiel nicht stattfinden sollte und ist somit den Sportdirektor in den Rücken gefallen.
So zumindest habe ich damals das Statement empfunden. Jeder kennte die Geschichte von RB Leipzig, aber hier dürfen Sentimentalitäten eigentlich keine übergeordnete Rolle spielen. Es handelte sich um ein Spiel, welches aus sportlicher Sicht mehr als sinnvoll gewesen wäre. Jedoch muss auch ich zugeben, dass meine Sympathien für den Verein aus Leipzig gen Null tendieren. Es ging vor allem um Grundsätzliches, fast eine Art Glaubenskrieg. Für Christian Beeck war die emotionale Komponente nicht ausschlaggebend bei der Vereinbarung des Spiels.
Auch hinter den Kulissen soll es zu Konflikten zwischen Teammanager Beeck und Trainer Neuhaus gekommen sein. Dass man sich nicht in inniger Zuneigung zugetan war, das ist kein Geheimnis. Vielen galt der Rauschmiss (so möchte ich es mal bezeichnen) von Beeck und das Installieren von Nico Schäfer, der zuvor lange Jahre bei RW Essen tätig war, als Rotes Tuch. Denn es besteht zwischen Neuhaus und Schäfer eine Parallele. Neuhaus war zwischen April 2005 und November 2006 als Trainer in Essen tätig. Auf mich macht das – vor dem Hintergrund des Vertrags für Beeck aus dem letzten Sommer – einen merkwürdigen Eindruck.
Dazu passen auch die bisherigen Verpflichtungen des Vereins, die alle samt nicht aus der Region stammen und teilweise sogar Nationalmannschaftserfahrung vorweisen können (z. B. Patrick Zoundi). Spieler, deren Unterschrift unter ein Arbeitspapier beim 1.FC Union och vor einem Jahr als utopisch hätten bezeichnet werden können. Hier darf man aber ebenfalls Fragezeichen setzen, ob alle Verpflichtungen mit auf die Kappe eines Nico Schäfer gehen. Nicht nur Nico Schäfer steht für „die Neuausrichtung“ im Verein. Auch die Tatsache, dass Theo Gries, der die zweite Mannschaft des 1.FC Union in der Oberliga in der abgelaufenen Saison vorzüglich betreut hat, den Verein verlassen muss, lässt ein bisschen tiefer blicken.
Ich für meinen Teil habe trotzdem wieder 165 Euro in eine Dauerkarte investiert, denn ich möchte selbst beurteilen, wie sich die neue strategische Ausrichtung sportlich auf dem Platz niederschlägt. Mit der Begründung, die der Öffentlichkeit nach der Entlassung von Christian Beeck vorgesetzt wurde, konnte ich persönlich wenig anfangen. Chrstian Beeck lebt diesen Verein – so schätzte ich ihn ein. Er ist fußballerisch in Köpenick groß geworden und mit dem Verein auf diese Weise verwurzelt. Er hat Stallgeruch und war nah an der Mannschaft. Analysiert man das Profil von Nico Schäfer, so wird klar, dass vor allem der Teil mit der Nähe zur Mannschaft, zu den sportlichen Belangen abhandenkommen wird.
Man sollte die Entwicklungen sehr genau im Auge behalten.
Aber nicht nur die Mannschaft auf dem Platz wird in der neuen Saison ein verändertes Gesicht zeigen, auch eine Person, die hinter der Mannschaft stand – im wahrsten Sinne des Wortes -, die dieses Team mit aufgebaut hat, wird eine Veränderung wahrnehmen. Christian Beeck, Sportlicher Leiter, ist seine Funktion los. Beeck, der selbst als Spieler eine reiche Vergangenheit beim 1.FC Union vorweisen kann, begann 1980 beim 1.FC Union mit dem Fußballspielen, und selbst, wenn er dann das Leibchen eines anderen Vereins überstreifte, wies er auf seinen Verein hin, bei dem er das Spiel erlernt hatte. Später sollte er unter Eduard Geyer bei Energie Cottbus sogar in der Bundesliga zum unumstrittenen Abwehrchef beim Energie Cottbus werden.
Im Jahr 2005, kurz nach dem Absturz des Vereins in die Oberliga Nord Ost, wurde Beeck im Oktober desselben Jahres als neuer Teammanager präsentiert. Während er zwischendurch sogar als Chef-Scout und A-Jungendtrainer arbeitete, wurde er später Sportdirektor im Verein und gestaltete eine nicht minder erfolgreiche Epoche des Vereins mit – sozusagen den Wiederaufstieg in bekannte Gefilde. In seine Zeit bei Union fallen die Verpflichtungen von u. a. Daniel Göhlert, Patrick Kohlmann und auch Michael Parensen. All diese Verpflichtungen waren für den sportlichen Erfolg richtungsweisend. Er erlebte den Aufstieg aus der Oberliga –damals noch viertklassig – in die Regionalliga Nord mit, dort dann nach zwei Jahren die Qualifikation für die eingleisige dritte Liga. Gleich im ersten Jahr konnte die Mannschaft unangefochten Premierenmeister der neu eingeführten Spielklasse werden und fünf Jahre nach dem man sich aus der 2. Bundesliga verabschieden musste, was 2004 geschah.
Im Sommer 2010 wurde eine Lizenzspielerabteilung geschaffen, welche Beeck als dann Teammanager gleichberechtigt mit Trainer Neuhaus betreuen sollte.
Zingler sagte im April 2010 dem Tagesspiel zur Vertragsverlängerung von Christian Beeck: „Wir wollen Strukturen schaffen, mit denen wir unsere mittelfristigen Ziele, die Etablierung im Lizenzfußball, verwirklichen können. (…) Das macht auch Entscheidungen im Sportlichen notwendig.“ Das klingt für den normalen Menschen erst mal positiv. Zumal Beeck – wie angesprochen – seit 2005 in verschiedenen Funktionen im Verein tätig war. Sichtbare Differenzen gab es nach der Vertragsverlängerung 2010 erst im Jahre 2011, als Christian Beeck ein Testspiel gegen Rasenballsport Leipzig im Stadion an der Alten Försterei ansetzte. In einer offiziellen Pressemitteilung hieß es dann wie folgt: „Nicht alles, was aus sportlicher Sicht sinnvoll erscheint, passt zu Union. Das Präsidium steht in der Gesamtverantwortung für den Verein und muss mehr berücksichtigen, als die Bedürfnisse einzelner Abteilungen“, so Präsident Zingler. Das Präsidium hat zuvor entschieden, dass das Testspiel nicht stattfinden sollte und ist somit den Sportdirektor in den Rücken gefallen.
So zumindest habe ich damals das Statement empfunden. Jeder kennte die Geschichte von RB Leipzig, aber hier dürfen Sentimentalitäten eigentlich keine übergeordnete Rolle spielen. Es handelte sich um ein Spiel, welches aus sportlicher Sicht mehr als sinnvoll gewesen wäre. Jedoch muss auch ich zugeben, dass meine Sympathien für den Verein aus Leipzig gen Null tendieren. Es ging vor allem um Grundsätzliches, fast eine Art Glaubenskrieg. Für Christian Beeck war die emotionale Komponente nicht ausschlaggebend bei der Vereinbarung des Spiels.
Auch hinter den Kulissen soll es zu Konflikten zwischen Teammanager Beeck und Trainer Neuhaus gekommen sein. Dass man sich nicht in inniger Zuneigung zugetan war, das ist kein Geheimnis. Vielen galt der Rauschmiss (so möchte ich es mal bezeichnen) von Beeck und das Installieren von Nico Schäfer, der zuvor lange Jahre bei RW Essen tätig war, als Rotes Tuch. Denn es besteht zwischen Neuhaus und Schäfer eine Parallele. Neuhaus war zwischen April 2005 und November 2006 als Trainer in Essen tätig. Auf mich macht das – vor dem Hintergrund des Vertrags für Beeck aus dem letzten Sommer – einen merkwürdigen Eindruck.
Dazu passen auch die bisherigen Verpflichtungen des Vereins, die alle samt nicht aus der Region stammen und teilweise sogar Nationalmannschaftserfahrung vorweisen können (z. B. Patrick Zoundi). Spieler, deren Unterschrift unter ein Arbeitspapier beim 1.FC Union och vor einem Jahr als utopisch hätten bezeichnet werden können. Hier darf man aber ebenfalls Fragezeichen setzen, ob alle Verpflichtungen mit auf die Kappe eines Nico Schäfer gehen. Nicht nur Nico Schäfer steht für „die Neuausrichtung“ im Verein. Auch die Tatsache, dass Theo Gries, der die zweite Mannschaft des 1.FC Union in der Oberliga in der abgelaufenen Saison vorzüglich betreut hat, den Verein verlassen muss, lässt ein bisschen tiefer blicken.
Ich für meinen Teil habe trotzdem wieder 165 Euro in eine Dauerkarte investiert, denn ich möchte selbst beurteilen, wie sich die neue strategische Ausrichtung sportlich auf dem Platz niederschlägt. Mit der Begründung, die der Öffentlichkeit nach der Entlassung von Christian Beeck vorgesetzt wurde, konnte ich persönlich wenig anfangen. Chrstian Beeck lebt diesen Verein – so schätzte ich ihn ein. Er ist fußballerisch in Köpenick groß geworden und mit dem Verein auf diese Weise verwurzelt. Er hat Stallgeruch und war nah an der Mannschaft. Analysiert man das Profil von Nico Schäfer, so wird klar, dass vor allem der Teil mit der Nähe zur Mannschaft, zu den sportlichen Belangen abhandenkommen wird.
Man sollte die Entwicklungen sehr genau im Auge behalten.
Dienstag, 17. Mai 2011
Der gefühlte Neuanfang
Der Kapitän geht von Bord, das ist die zentrale Aussage des FDP-Bundesparteitags aus Rostock. Die Partei, die seit 2009 praktisch als „Ein-Themen-Partei“ durch die Lande tingelt und dabei frisch fröhlich von einer Wahlschlappe zur nächsten wankt, hat sich zumindest partiell versucht, neu aufzustellen. Was bereits im Vorfeld in die Wege geleitet wurde, wurde beim Parteitag turnusgemäß beschlossen. Rainer Brüderle, der alt FDPler, verlässt das Wirtschaftsressort, ein sehr begehrter Posten, und wird neuer Fraktionschef der Freien Demokraten im Bundestag.
Diesen Posten muss die als blass und rhetorisch unbeholfen geltende Birgit Homburger räumen. Phillip Rösler, bisher Gesundheitsminister, wird FDP-Bundesvorsitzender, und ihm zur Seite steht als Co-Vorsitzende die ehemalige Fraktionschefin Birgit Homburger. Für die Landesvorsitzende der FDP in Baden-Württemberg, dem einstigen Liberalen Stammland, in dem sich die FDP nicht selten über zweistellige Ergebnisse freuen durfte, kommt damit mit einer deftigen Rüge davon. Rösler, der nun also neuer Bundesparteichef ist, sprach auf dem Podium davon, dass „die FDP nun liefern werden“, und man die Angebotspalette der Liberalen erweitern müsse. Und an diesem Punkt kommen wir wieder auf den ehemaligen Kapitän des Dampf- und Segelboots FDP: Guido Westerwelle, der die Partei 10 Jahre lang an der Spitze führte.
Lange hatte er auf den Moment im September 2009 hingearbeitet, harte Jahre in der Opposition hinter sich gelassen. Doch seit der Stunde des größten Erfolges, den sich Westerwelle ungeniert auch selbst ans Revers heftete, sank sein Stern dramatisch ab. Im Vorfeld der Bundestagswahlen 2009 fiel die FDP vor allem dadurch auf, dass sie den Wählerinnen und Wählern große Steuerpräsente in Aussicht stellte. Man werde sich auf jeden Fall durchsetzten, und keinen Koalitionsvertrag unterschreiben, in dem dieser Punkt nicht fixiert sei, so Westerwelle damals kämpferisch und siegesgewiss. Schnell kristallisierte sich heraus, dass das Husarenstück dreistufiger Steuertarif, das Lieblingskind Westerwelles, in den Koalitionsverhandlungen mit der CDU schwer durchzupeitschen sein würde. Zum zweiten gab es da die Ankündigungen, das Entwicklungsministerium zusammenschrumpfen zu lassen – Resultat war, dass man Dirk Niebel, dem damaligen Generalsekretär der FDP, das Ressort zuwies. Wieder war die FDP in Erklärungsnot.
Dann kam die Steuersenkung für Übernachtungen (wohl gemerkt, nur für Übernachtungen) in Hotels hinzu. Es wurde fortan nur noch der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 % für Übernachtungen angesetzt, für das Frühstück hingegen galt immer noch der volle Satz von 19 %. Auch hier konnte von Vereinfachung keine Rede sein. Die FDP baute ins ohnehin schon undurchsichtige System eine weitere Stellschraube ein und verkomplizierte weiter.
Nun also ist Phillip Rösler der starke Mann bei der FDP und selbst solch ruppige Parteimitglieder wie Wolfgang Kubicki, der Fraktionsvorsitzende der Liberalen in Schleswig-Holstein, geben sich nach dem Parteitag in Rostock besänftigt. Zumindest symbolisch hat die FDP einen Neuanfang gewagt, obwohl keine neuen Köpfe zu sehen sind. Für Rösler rückte sein Staatssekretär Daniel Bahr ins Gesundheitsressort. Auch dieser Name ist im politischen Berlin kein neuer. Viel essentieller wird sein, wie sich die FDP künftig politisch ausrichtet. Mit neoliberaler Politik wird in Deutschland für die Freien Demokraten nicht mehr viel zu holen sein, denn die Menschen haben verstanden. Die FDP ist auf ihre Normalgröße zusammengesackt und wird dort auch in Zukunft verweilen. Diesem Umstand muss man sich bei den Herrn Rösler, Brüderle und Kubicki bewusst sein. Selbst wenn das Thementablo weiter auffächert, geht das nicht mit einer höheren Akzeptanz beim Wähler einher. Die FDP muss ihre Ausrichtung grundlegend überdenken und korrigieren.
Christina Lindner, der Generalsekretär der FDP, scheint vom Parteitag in Rostock, von der angeblich neuen FDP, so berauscht, dass er sich sofort ans Werk machte, und vorschlug, das Elterngeld in Gänze zu streichen. Dies brachte ihm weder Lorbeeren noch Lobeshymnen ein. Doch, ob das sein Ziel war, bleibt im Ungewissen. Vielmehr wird es der „smarte“ Lindner darauf angelegt haben, die FDP auch nach diesem Wochenende auf den Titelseiten zu platzieren. Im Vergleich zu der Endzeitstimmung in der Partei vor einem halben Jahr, hat man zumindest intern die Stimmung heben können – vorerst.
Nun ist man in der FDP bemüht den innerparteilichen Schwung vom Parteitag an der Ostsee auch in den grauen Alltag hinüberzutragen. Faktisch ist die Personalrochade von Rostock natürlich kein Neuanfang, was gerade auch an der Personalie Brüderle deutlich wird. Dieser wehrt sich gegen solche Feststellungen mit der Erklärung, dass „es in der FDP selbstverständlich keinen Altersrassismus gibt.“ Parteichef Rösler steht faktisch für die Kopfpauschale durch die Hintertür, die Erhöhung des Beitrags für die Krankenversicherung auf das Niveau vor dem Konjunkturpaket und das Deckeln des Beitrags für Arbeitgeber für zukünftige Mehrkosten.
Dies ist, so oft man es dreht und wendet, eine einseitige Belastung des Arbeitnehmers und eine Bevorteilung des Arbeitgebers. Dies alles stellt keine Neuanfang dar. Fakt ist aber, dass sich die Boygroup mit allen Mitteln versucht von der schwerwiegenden Altlast namens Guido Westerwelle abzugrenzen. Rösler selbst setzte rhetorische Reizpunkte in seiner Rede an die Delegierten, er erklärte darüber hinaus die Personaldiskussion innerhalb der FDP für beendet.
Westerwelle seinerseits kann sich nun vollkommen auf den Posten des Außenministers fixieren und hat nicht den Druck, die Partei innenpolitisch repräsentieren zu müssen, wie es Wolfgang Kubicki formulierte. In den Sternen steht, ob die neue Führungsriege es tatsächlich realisieren kann, die Partei aus dem Umfragetief zu hieven. Die politischen Lösungen, die die FDP anbietet, sind nur für einen kleinen Kreis der Menschen in Deutschland interessant, geschweige denn eine wählbare Alternative. Da kann man das Personalkarussell noch viel schneller drehen – das Ergebnis wird nicht besser aussehen. Nicht wenige zweifeln aufgrund dessen an der Nachhaltigkeit des Parteitags in Rostock.
Diesen Posten muss die als blass und rhetorisch unbeholfen geltende Birgit Homburger räumen. Phillip Rösler, bisher Gesundheitsminister, wird FDP-Bundesvorsitzender, und ihm zur Seite steht als Co-Vorsitzende die ehemalige Fraktionschefin Birgit Homburger. Für die Landesvorsitzende der FDP in Baden-Württemberg, dem einstigen Liberalen Stammland, in dem sich die FDP nicht selten über zweistellige Ergebnisse freuen durfte, kommt damit mit einer deftigen Rüge davon. Rösler, der nun also neuer Bundesparteichef ist, sprach auf dem Podium davon, dass „die FDP nun liefern werden“, und man die Angebotspalette der Liberalen erweitern müsse. Und an diesem Punkt kommen wir wieder auf den ehemaligen Kapitän des Dampf- und Segelboots FDP: Guido Westerwelle, der die Partei 10 Jahre lang an der Spitze führte.
Lange hatte er auf den Moment im September 2009 hingearbeitet, harte Jahre in der Opposition hinter sich gelassen. Doch seit der Stunde des größten Erfolges, den sich Westerwelle ungeniert auch selbst ans Revers heftete, sank sein Stern dramatisch ab. Im Vorfeld der Bundestagswahlen 2009 fiel die FDP vor allem dadurch auf, dass sie den Wählerinnen und Wählern große Steuerpräsente in Aussicht stellte. Man werde sich auf jeden Fall durchsetzten, und keinen Koalitionsvertrag unterschreiben, in dem dieser Punkt nicht fixiert sei, so Westerwelle damals kämpferisch und siegesgewiss. Schnell kristallisierte sich heraus, dass das Husarenstück dreistufiger Steuertarif, das Lieblingskind Westerwelles, in den Koalitionsverhandlungen mit der CDU schwer durchzupeitschen sein würde. Zum zweiten gab es da die Ankündigungen, das Entwicklungsministerium zusammenschrumpfen zu lassen – Resultat war, dass man Dirk Niebel, dem damaligen Generalsekretär der FDP, das Ressort zuwies. Wieder war die FDP in Erklärungsnot.
Dann kam die Steuersenkung für Übernachtungen (wohl gemerkt, nur für Übernachtungen) in Hotels hinzu. Es wurde fortan nur noch der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 % für Übernachtungen angesetzt, für das Frühstück hingegen galt immer noch der volle Satz von 19 %. Auch hier konnte von Vereinfachung keine Rede sein. Die FDP baute ins ohnehin schon undurchsichtige System eine weitere Stellschraube ein und verkomplizierte weiter.
Nun also ist Phillip Rösler der starke Mann bei der FDP und selbst solch ruppige Parteimitglieder wie Wolfgang Kubicki, der Fraktionsvorsitzende der Liberalen in Schleswig-Holstein, geben sich nach dem Parteitag in Rostock besänftigt. Zumindest symbolisch hat die FDP einen Neuanfang gewagt, obwohl keine neuen Köpfe zu sehen sind. Für Rösler rückte sein Staatssekretär Daniel Bahr ins Gesundheitsressort. Auch dieser Name ist im politischen Berlin kein neuer. Viel essentieller wird sein, wie sich die FDP künftig politisch ausrichtet. Mit neoliberaler Politik wird in Deutschland für die Freien Demokraten nicht mehr viel zu holen sein, denn die Menschen haben verstanden. Die FDP ist auf ihre Normalgröße zusammengesackt und wird dort auch in Zukunft verweilen. Diesem Umstand muss man sich bei den Herrn Rösler, Brüderle und Kubicki bewusst sein. Selbst wenn das Thementablo weiter auffächert, geht das nicht mit einer höheren Akzeptanz beim Wähler einher. Die FDP muss ihre Ausrichtung grundlegend überdenken und korrigieren.
Christina Lindner, der Generalsekretär der FDP, scheint vom Parteitag in Rostock, von der angeblich neuen FDP, so berauscht, dass er sich sofort ans Werk machte, und vorschlug, das Elterngeld in Gänze zu streichen. Dies brachte ihm weder Lorbeeren noch Lobeshymnen ein. Doch, ob das sein Ziel war, bleibt im Ungewissen. Vielmehr wird es der „smarte“ Lindner darauf angelegt haben, die FDP auch nach diesem Wochenende auf den Titelseiten zu platzieren. Im Vergleich zu der Endzeitstimmung in der Partei vor einem halben Jahr, hat man zumindest intern die Stimmung heben können – vorerst.
Nun ist man in der FDP bemüht den innerparteilichen Schwung vom Parteitag an der Ostsee auch in den grauen Alltag hinüberzutragen. Faktisch ist die Personalrochade von Rostock natürlich kein Neuanfang, was gerade auch an der Personalie Brüderle deutlich wird. Dieser wehrt sich gegen solche Feststellungen mit der Erklärung, dass „es in der FDP selbstverständlich keinen Altersrassismus gibt.“ Parteichef Rösler steht faktisch für die Kopfpauschale durch die Hintertür, die Erhöhung des Beitrags für die Krankenversicherung auf das Niveau vor dem Konjunkturpaket und das Deckeln des Beitrags für Arbeitgeber für zukünftige Mehrkosten.
Dies ist, so oft man es dreht und wendet, eine einseitige Belastung des Arbeitnehmers und eine Bevorteilung des Arbeitgebers. Dies alles stellt keine Neuanfang dar. Fakt ist aber, dass sich die Boygroup mit allen Mitteln versucht von der schwerwiegenden Altlast namens Guido Westerwelle abzugrenzen. Rösler selbst setzte rhetorische Reizpunkte in seiner Rede an die Delegierten, er erklärte darüber hinaus die Personaldiskussion innerhalb der FDP für beendet.
Westerwelle seinerseits kann sich nun vollkommen auf den Posten des Außenministers fixieren und hat nicht den Druck, die Partei innenpolitisch repräsentieren zu müssen, wie es Wolfgang Kubicki formulierte. In den Sternen steht, ob die neue Führungsriege es tatsächlich realisieren kann, die Partei aus dem Umfragetief zu hieven. Die politischen Lösungen, die die FDP anbietet, sind nur für einen kleinen Kreis der Menschen in Deutschland interessant, geschweige denn eine wählbare Alternative. Da kann man das Personalkarussell noch viel schneller drehen – das Ergebnis wird nicht besser aussehen. Nicht wenige zweifeln aufgrund dessen an der Nachhaltigkeit des Parteitags in Rostock.
Montag, 9. Mai 2011
Koaltionsverträge und eine krislende CDU
Die Sozialdemokraten in Baden-Württemberg und das Verkehrsprojekt Stuttgart 21 – eine never ending Story. Diese droht nun zum Stolperstein für die designierte grün-rote Koalition in Stuttgart zu werden, denn an der Basis der SPD im Ländle regt sich Widerstand, der inzwischen immer lauter eine Mitgliederbefragung anregt. Diese allerdings wird vom SPD-Vorstand bzw. von der Landes-SPD bisher strikt abgelehnt, da sie, so Niels Schmid, rechtlich keine relevanten Auswirkungen auf das Bauvorhaben hätte. Viel mehr setzte die SPD auf eine Volksbefragung, für die ein Termin im Oktober dieses Jahres vorgesehen sein soll.
Die Sozialdemokraten befinden sich in einer Zwickmühle, aus der sie im Moment keinen Ausgang finden. Während man die Grünen mit der Ablehnung des Großprojekts assoziiert, so wissen viele Menschen in Baden-Württemberg mit der SPD politisch wenig anzufangen.
Nun ist die SPD wie die Jungfrau zum Kinde an die Macht gekommen und weiß damit so recht nichts anzufangen. Nun hat man eine Hand am Zepter, aber strauchelt über die eigene Position zu Stuttgart 21. Denn auf vielen regionalen Parteitagen wurde das Projekt angenommen. Mehrfach sprachen sich die Delegierten mehrheitlich dafür aus, dass der Stuttgarter Hauptbahnhof unter die Erde verlegt und zum einem Durchgangsbahnhof umstrukturiert wird. Die Koalitionsverhandlungen, die in den letzten Tag zäh dahinflossen, brachten nun ein Resultat: Die Volksbefragung. Hier nun droht das nächste Ungemach: Die Verfassung des Landes Baden-Württemberg stellt an eine Volksbefragung hohe Ansprüche und errichtet auf dem Weg zu einer „erfolgreichen Befragung“ Mauern und Fangzäune.
Einer dieser Fangzäune ist das Quorum, welches da sagt, dass „mindestens ein Drittel der Stimmberechtigten zustimmen muss“, damit ein Volksentscheid tatsächlich juristisch bindend sein könnte. 7,6 Millionen Wahlberechtigte gibt es in Baden-Württemberg, von diesen müssten also knapp über 2,5 Millionen ihre Zustimmung geben. Allerdings hat die Koalition fast 200.000 Stimmen weniger bei den Landtagswahlen erhalten. Es ist also eine „Mission Impossible“ für Kretschmann und Schmid. Die Wahrscheinlichkeit, dass nun wieder die große Stunde der Christdemokraten schlägt, rückt in greifbare Nähe. Gerade erst nach über 50 abgestraft, geprügelt vom Hof gejagt, das Zepter vom Volk entrissen bekommen, nun wieder das Zünglein an der Waage, an den Schalthebeln der Macht, da wo man sich Jahre lang einquartiert hatte?
Doch nicht nur die Sozialdemokraten haben zu kämpfen, auch die CDU scheint inzwischen in einem Kampf zu sein, der allerdings wesentlich weniger Nebengeräusche verursacht. Die Berliner Zeitung brachte in ihrer Samstagsausgabe einen Bericht über den innerparteilichen Zwist in der Union. Sie zitierte herbei einen CDU-Politiker, der den „gebündelten Missmut“ in der Partei darstelle, und der Angela Merkel theoretisch sogar nicht viel vorwerfen könne. Trotzdem fichtt ihn das alles nicht an und er gibt zu Protokoll, dass „Angela Merkel weg müsse.“ Desweiterin dokumentierte die Zeitung den Dissens zwischen Parteibasis und der Bundesparteispitze.
Zwischen Berlin und Hessen liegen eben nicht nur geografisch Welten. Vielen in der Partei ist der Kurs, den die Kanzlerin fährt, spätestens seit Fukushima nicht mehr tragbar und ein Dorn im Auge. Vor allem der Wirtschaftsflügel der CDU, repräsentiert durch Michael Fuchs, Vorsitzender des Parlamentskreises Mittelstand (PKM) der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, rumort. Fuchs selbst stört der neue Energiekurs der CDU, vor allem was die Finanzierung angeht, sieht Fuchs keine Lösungsansetzte.
Gleichzeitig möchte Fuchs, dass Subventionsabbau bei regenerativen Energieträgern betrieben wird. Jeder müsse damit rechnen, dass der Preis bei einem beschleunigten Atomausstieg ansteigen werde. Diese These wurde durch die Nachrichten der letzten Tage schon ad absurdum geführt. Keine 10 AKWs waren mehr am Netz und trotzdem gab es keine außerordentlichen Schwankungen am Energiemarkt, die nicht auch i.d.R. vorkommen. Desweiteren kritisierte Fuchs das Moratorium der Bundesregierung, da den Energiekonzernen der Geschäftsgrundlage genommen worden wäre, in dem sie die ältesten Meiler hatten stilllegen müssen.
Zeigen tut dies, dass die Gefahr, eine Partei rechts der CDU in Zukunft auf dem Wahlzettel zu finden, ansteigt. Vielen in der CDU scheint Angela Merkel inzwischen zu wenig „konservativ zu agieren“. Auch hier also muss
Die Sozialdemokraten befinden sich in einer Zwickmühle, aus der sie im Moment keinen Ausgang finden. Während man die Grünen mit der Ablehnung des Großprojekts assoziiert, so wissen viele Menschen in Baden-Württemberg mit der SPD politisch wenig anzufangen.
Nun ist die SPD wie die Jungfrau zum Kinde an die Macht gekommen und weiß damit so recht nichts anzufangen. Nun hat man eine Hand am Zepter, aber strauchelt über die eigene Position zu Stuttgart 21. Denn auf vielen regionalen Parteitagen wurde das Projekt angenommen. Mehrfach sprachen sich die Delegierten mehrheitlich dafür aus, dass der Stuttgarter Hauptbahnhof unter die Erde verlegt und zum einem Durchgangsbahnhof umstrukturiert wird. Die Koalitionsverhandlungen, die in den letzten Tag zäh dahinflossen, brachten nun ein Resultat: Die Volksbefragung. Hier nun droht das nächste Ungemach: Die Verfassung des Landes Baden-Württemberg stellt an eine Volksbefragung hohe Ansprüche und errichtet auf dem Weg zu einer „erfolgreichen Befragung“ Mauern und Fangzäune.
Einer dieser Fangzäune ist das Quorum, welches da sagt, dass „mindestens ein Drittel der Stimmberechtigten zustimmen muss“, damit ein Volksentscheid tatsächlich juristisch bindend sein könnte. 7,6 Millionen Wahlberechtigte gibt es in Baden-Württemberg, von diesen müssten also knapp über 2,5 Millionen ihre Zustimmung geben. Allerdings hat die Koalition fast 200.000 Stimmen weniger bei den Landtagswahlen erhalten. Es ist also eine „Mission Impossible“ für Kretschmann und Schmid. Die Wahrscheinlichkeit, dass nun wieder die große Stunde der Christdemokraten schlägt, rückt in greifbare Nähe. Gerade erst nach über 50 abgestraft, geprügelt vom Hof gejagt, das Zepter vom Volk entrissen bekommen, nun wieder das Zünglein an der Waage, an den Schalthebeln der Macht, da wo man sich Jahre lang einquartiert hatte?
Doch nicht nur die Sozialdemokraten haben zu kämpfen, auch die CDU scheint inzwischen in einem Kampf zu sein, der allerdings wesentlich weniger Nebengeräusche verursacht. Die Berliner Zeitung brachte in ihrer Samstagsausgabe einen Bericht über den innerparteilichen Zwist in der Union. Sie zitierte herbei einen CDU-Politiker, der den „gebündelten Missmut“ in der Partei darstelle, und der Angela Merkel theoretisch sogar nicht viel vorwerfen könne. Trotzdem fichtt ihn das alles nicht an und er gibt zu Protokoll, dass „Angela Merkel weg müsse.“ Desweiterin dokumentierte die Zeitung den Dissens zwischen Parteibasis und der Bundesparteispitze.
Zwischen Berlin und Hessen liegen eben nicht nur geografisch Welten. Vielen in der Partei ist der Kurs, den die Kanzlerin fährt, spätestens seit Fukushima nicht mehr tragbar und ein Dorn im Auge. Vor allem der Wirtschaftsflügel der CDU, repräsentiert durch Michael Fuchs, Vorsitzender des Parlamentskreises Mittelstand (PKM) der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, rumort. Fuchs selbst stört der neue Energiekurs der CDU, vor allem was die Finanzierung angeht, sieht Fuchs keine Lösungsansetzte.
Gleichzeitig möchte Fuchs, dass Subventionsabbau bei regenerativen Energieträgern betrieben wird. Jeder müsse damit rechnen, dass der Preis bei einem beschleunigten Atomausstieg ansteigen werde. Diese These wurde durch die Nachrichten der letzten Tage schon ad absurdum geführt. Keine 10 AKWs waren mehr am Netz und trotzdem gab es keine außerordentlichen Schwankungen am Energiemarkt, die nicht auch i.d.R. vorkommen. Desweiteren kritisierte Fuchs das Moratorium der Bundesregierung, da den Energiekonzernen der Geschäftsgrundlage genommen worden wäre, in dem sie die ältesten Meiler hatten stilllegen müssen.
Zeigen tut dies, dass die Gefahr, eine Partei rechts der CDU in Zukunft auf dem Wahlzettel zu finden, ansteigt. Vielen in der CDU scheint Angela Merkel inzwischen zu wenig „konservativ zu agieren“. Auch hier also muss
Sonntag, 17. April 2011
Eindrücke
Heute war es für mich nach 3 Jahren mal wieder soweit: Ich habe mein Schwinn-Fastback Rennrad klar gemacht, mich auf den Drahtesel geschwungen, mein Astana-Team-Dress angelegt und mich auf den Weg nach Potsdam gemacht.
Wieder bin ich über die Bundesstraße 1 Richtung Potsdam gefahren, habe den Schäferberg in die Knie gezwungen (sehr stolz) und fuhr in eine Sperrzone des 1/3-Marathons, der gerade zu Ende gegangen war, wie ich später im TV nachrecherchieren konnte. Viel hatte sich verändert, als ich dann später Krampnitz passierte: Das alte Kasernengelände wurde im Jahr 2007 bereits verkauft, was für reichlich Wirbel in der Landespolitik sorgte, und der Investor hat bereits gewütet und eine Luxusanlage errichtet.
Gehobene Wohnlage. Abgeschottet durch die alten Gemäuer der Kaserne, die man den Pflanzen überlassen hat, die es nun einnehmen. Auch ein oder zwei Kilometer weiter standen bis vor drei Jahren verlassene Kasernen, auch hier wurde inzwischen investiert und ein „Baumarkt“ (gehobene Kundschaft) in die Landschaft gepflanzt, der ausschließlich Blumen und Skulpturen anbietet. Aber die Gegend insgesamt ist vergleichsweise unberührt geblieben. Außer eben Krampnitz bzw. das Kasernengelände. Dies führte, wie ich in Augenschein nehmen konnte, zu einer Zunahme des Verkehrs.
Und doch ist die Gegend am Krampnitz-See unglaublich idyllisch. Für eine lange Tour auf dem Rennrad genau das Richtige. Das Wetter war angenehm, der Wind nicht zu intensiv und gegen Nachmittag passierte die Sonne das Tor, welches die Wolkendecke öffnete. In Potsdam waren an diesem Tag viele Menschen auf zwei Rädern und / oder zwei Beinen mobil. Es schien, als hätten sich am heutigen Sonntag einige animiert gefühlt, bei herrlichstem Frühlingswetter unter freiem Himmel den Tag zu genießen. An der Heerstraße dann traf man auf Gleichgesinnte, die im zügigen Tempo Richtung Eichkamp unterwegs waren. Hier hingegen war alles noch beim Alten. Auch sehr angenehm. Jedenfalls haben sich die zwei Stunden wirklich gelohnt.
Viel Neues hat man gesehen und ich konnte meinen Fitnessstand mal unter Realbedingungen prüfen.
Angekommen am Messegelände ging es parallel zur Avus dann gen Zuhause und auf dem Weg dorthin verbrauchte man dann auch die letzten Körner. Somit kann man diesen Sonntag ausgelungen bezeichnen, zu mal, ich erwähne es gerne, das Wetter super mitgespielt hat. Zwischendurch, so muss ich gesehen, habe ich mit dem Gedanken gespielt, eventuell von Potsdam aus die Route über den Süden zu befahren, also nach Babelsberg und von dort nach Stahnsdorf bzw. Teltow. Aber die Lust, mal wieder die „große Schleife“ in Angriff zu nehmen, überwog dann und so kam es dazu, dass ich auch in Krampnitz an diesen Tag ein kleines Stelldichein hatte.
Wieder bin ich über die Bundesstraße 1 Richtung Potsdam gefahren, habe den Schäferberg in die Knie gezwungen (sehr stolz) und fuhr in eine Sperrzone des 1/3-Marathons, der gerade zu Ende gegangen war, wie ich später im TV nachrecherchieren konnte. Viel hatte sich verändert, als ich dann später Krampnitz passierte: Das alte Kasernengelände wurde im Jahr 2007 bereits verkauft, was für reichlich Wirbel in der Landespolitik sorgte, und der Investor hat bereits gewütet und eine Luxusanlage errichtet.
Gehobene Wohnlage. Abgeschottet durch die alten Gemäuer der Kaserne, die man den Pflanzen überlassen hat, die es nun einnehmen. Auch ein oder zwei Kilometer weiter standen bis vor drei Jahren verlassene Kasernen, auch hier wurde inzwischen investiert und ein „Baumarkt“ (gehobene Kundschaft) in die Landschaft gepflanzt, der ausschließlich Blumen und Skulpturen anbietet. Aber die Gegend insgesamt ist vergleichsweise unberührt geblieben. Außer eben Krampnitz bzw. das Kasernengelände. Dies führte, wie ich in Augenschein nehmen konnte, zu einer Zunahme des Verkehrs.
Und doch ist die Gegend am Krampnitz-See unglaublich idyllisch. Für eine lange Tour auf dem Rennrad genau das Richtige. Das Wetter war angenehm, der Wind nicht zu intensiv und gegen Nachmittag passierte die Sonne das Tor, welches die Wolkendecke öffnete. In Potsdam waren an diesem Tag viele Menschen auf zwei Rädern und / oder zwei Beinen mobil. Es schien, als hätten sich am heutigen Sonntag einige animiert gefühlt, bei herrlichstem Frühlingswetter unter freiem Himmel den Tag zu genießen. An der Heerstraße dann traf man auf Gleichgesinnte, die im zügigen Tempo Richtung Eichkamp unterwegs waren. Hier hingegen war alles noch beim Alten. Auch sehr angenehm. Jedenfalls haben sich die zwei Stunden wirklich gelohnt.
Viel Neues hat man gesehen und ich konnte meinen Fitnessstand mal unter Realbedingungen prüfen.
Angekommen am Messegelände ging es parallel zur Avus dann gen Zuhause und auf dem Weg dorthin verbrauchte man dann auch die letzten Körner. Somit kann man diesen Sonntag ausgelungen bezeichnen, zu mal, ich erwähne es gerne, das Wetter super mitgespielt hat. Zwischendurch, so muss ich gesehen, habe ich mit dem Gedanken gespielt, eventuell von Potsdam aus die Route über den Süden zu befahren, also nach Babelsberg und von dort nach Stahnsdorf bzw. Teltow. Aber die Lust, mal wieder die „große Schleife“ in Angriff zu nehmen, überwog dann und so kam es dazu, dass ich auch in Krampnitz an diesen Tag ein kleines Stelldichein hatte.
Dienstag, 5. April 2011
Die 180-Grad-Wende der Bundesregierung bei der Kernkraft
Vor dem Hintergrund der Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke im Herbst entbrannte eine Debatte über den Sinn und Unsinn dieses Schachzugs. Und außer der Union, ihrem Koalitionspartner und natürlich einigen Arbeitgeberverbänden, waren sich die Menschen einig darüber, dass das Signal, das von dieser Entscheidung ausging, verheerende Auswirkungen haben würde und die Richtung die falsche ist.
Noch Ende Oktober 2010 verteidigte Norbert Röttgen, der Bundesumweltminister, den Laufzeitzuschlag vehement und behauptete, dass die Opposition das Thema „also politisches Kampfthema“ missbrauchen würde und sprach von einem „albernen Gestus“, den man im Parlament und in den Ausschüssen an den Tag legen würde. Dies würde entgegen den Interessen „unseres Landes“ wirken. Viel Pathos in den Worten des Mannes aus Nordrhein-Westfalen. Man würde „Partei-Interessen vor die Interessen der Zukunft dieses Landes“ stellen. Sie glauben nicht, dass Herr Röttgen das zu Protokoll gab?
Dann sollte man sich die Aufzeichnungen vom 28. Oktober 2010 aus dem Bundestag zu Gemüte führen. Dort wird man einen angriffslustigen Norbert Röttgen sehen, der keinen Zweifel daran lässt, dass eine Laufzeitverlängerung für auch marode Meiler durchaus als Fingerzeig in die Zukunft verstanden werden kann. Außerdem schüre man mit dieser Diskussion in der Bevölkerung Ängste – und das sei der einzige Grund für das Hinterfragen der Energiepolitik der Regierung Merkel. Man wolle lediglich auf Stimmenfang gehen, so Röttgen.
Gleichzeitig verkaufte er die neue Marschrichtung als relevanten Baustein für den Eintritt ins „Zeitalter der erneuerbaren Energien“.
Auch das Wort „Brückentechnologie“ wurde in diesem Zusammenhang immer wieder genannt. Röttgen war an diesem Tag Ende Oktober überaus freudig erregt und offensiv, so diffamierte er die Opposition als „energiepolitische Blindgänger“.
Was der verblendete Minister nicht zur Kenntnis nahm, war, dass die Regierung, der er angehört, das Thema selbst wieder an die Oberfläche beförderte. Nun gab es einen roten Faden, es gab ein Ausstiegsszenario, welches Schwarz-Gelb wieder kappte. Dies führte soweit, dass man in der Regierungsfraktion anfing zu behaupten (sinngemäß), dass man praktisch gar nicht anders hätte gekonnt, da auch der Ausstiegsplan von Rot-Grün nicht dafür gesorgt hätte, dass im Jahr 2010 alle acht ältesten Mailer hätten still gelegt werden können. Mit anderen Worten: Ihr habt uns praktischen den tödlichen Pass zugespielt, den wir nun einschieben.
Am Ende wurde das Parlament nur noch proforma beteiligt, was den Beschluss anging, im Schweinsgalopp wurde die Verlängerung durchgepeitscht.
Wieso nun also die plötzliche Kehrtwende? Vom „Ausstieg mit Augenmaß“ stößt man nun in grüne Gefilde vor. Mit dem letzten Sonntag um 18 Uhr ist bei den Christdemokraten eine Welt zusammengebrochen – Baden-Württemberg ist sozusagen gefallen, die CDU-Hochburg, wo es ein Naturgesetzt zu sein schien, dass die CDU am Steuer Platz nahm. Die Bundes-FDP reagiert noch krasser als es die CDU-Größen ohnehin schon taten: Generalsekretär Christian Lindner machte sich dafür stark, dass alle Meiler, die von dem Moratorium betroffen sind überhaupt nicht mehr ans Netz gehen – unabhängig vom Stresstest. Dies führte zu allerlei Irritationen beim Koalitionspartner und auch in der Atomindustrie (RWE, EnBw, E.ON etc.), und in der wäscht nun die Nervosität.
Bei RWE ist man nun den Schritt ins Juristische gegangen und geht gegen die (ursprünglich temporäre) Abschaltung von Biblis A vor dem hessischen Verwaltungsgerichtshof vor. Somit ist auch klar, weshalb die Atomkonzerne nach Ankündigung des Aufschubs die Füße still hielten: Es war der Deal, dass die Meiler nach dieser Frist – oder auch Denkpause – wieder ans Netz gehen. Andernfalls wäre die Reaktion in den bekannten Häusern deftiger ausgefallen, so wie es gegenwärtig der Fall ist.
Die Kehrtwende der Koalition Merkel-Westerwelle überraschte wohl – neben den Koalitionsanhängern selbst – die Opposition am meisten. Vor 6 Wochen ein Moratorium, mit Ausstiegsgarantie? Oder überhaupt ein Überdenken der getroffenen Entscheidungen? Undenkbar! Die Kursänderung, so abrupt, das ist das, was den linkskonservativen Wähler (ja, so eine Gattung gibt es tatsächlich!) verängstigt.
Inzwischen geht Frau Merkel, sehr einfühlsam, auf die Empfindungen der Menschen ein, so die Tagesschau, die davon spricht, dass Frau Merkel einen „gesellschaftlichen Konsens“ in der Energiepolitik anstrebe. Norbert Röttgen geht sogar noch einen Schritt weiter und schmiegt sich an Sozialdemokraten und Grüne (energiepolitische Blindgänger, wie er sagte). Er hoffe auf einen „gemeinsamen Kurs mit SPD und Grünen“, so der Umweltminister. Desweiterin wolle die Bundesregierung auch international für ihren krenkraftkritischen Kurs Werbung betreiben. Man kann behaupten, es ist vor allem Röttgen gewesen, der der Kanzlerin in den ersten Tagen nach den Landtagswahlen im Süden und Westen der Republik in den Rücken gefallen ist. Seine Chefin, Angela Merkel, lässt derweil keinen Moment aus, um in den Fokus zu stellen, wie sehr das Reaktorunglück in Fukushima ihre Einschätzung der Kernenergie verändert hat. Auch der Energiekonzern EnBW reagierte im Jahr 2010 auf die Laufzeitverlängerung, wie fast alle Teile der Wirtschaft, sehr positiv. In der Zeit hört sich das wie folgt an: Die Bundesregierung trage der Tatsache Rechnung, dass "die Kernenergie eine große Bedeutung für eine wirtschaftliche und klimaschonende Stromversorgung bei gleichzeitig hoher Versorgungssicherheit.
In den Vorstandsetagen der Konzerne knallten also die Korken, während viele Menschen verloren haben.
Doch nicht nur Röttgen fiel der Kanzlerin ins Kreuz, sondern auch die stellvertretende Bundesvorsitzende und Bundesarbeitsministerin im Kabinett von Angela Merkel, Ursula von der Leyen, überraschte mit dem Bekenntnis, dass ihrer Ansicht nach „die CDU die Dringlichkeit der Energiewende verschlafen hat.“ Von allen Seiten kassiert die Kanzlerin also Watschen – doch die, die richtig wehtun sind die, die sie aus den eigenen Reihen abbekommt. Denn – machen wir uns nichts vor – nach den Landtagswahlen ist die Position der „Mutti der Nation“ geschwächter denn je. Ob’s noch einen Schub nach vorne geben wird? Zu hoffen ist, dass das nicht passieren wird.
Noch Ende Oktober 2010 verteidigte Norbert Röttgen, der Bundesumweltminister, den Laufzeitzuschlag vehement und behauptete, dass die Opposition das Thema „also politisches Kampfthema“ missbrauchen würde und sprach von einem „albernen Gestus“, den man im Parlament und in den Ausschüssen an den Tag legen würde. Dies würde entgegen den Interessen „unseres Landes“ wirken. Viel Pathos in den Worten des Mannes aus Nordrhein-Westfalen. Man würde „Partei-Interessen vor die Interessen der Zukunft dieses Landes“ stellen. Sie glauben nicht, dass Herr Röttgen das zu Protokoll gab?
Dann sollte man sich die Aufzeichnungen vom 28. Oktober 2010 aus dem Bundestag zu Gemüte führen. Dort wird man einen angriffslustigen Norbert Röttgen sehen, der keinen Zweifel daran lässt, dass eine Laufzeitverlängerung für auch marode Meiler durchaus als Fingerzeig in die Zukunft verstanden werden kann. Außerdem schüre man mit dieser Diskussion in der Bevölkerung Ängste – und das sei der einzige Grund für das Hinterfragen der Energiepolitik der Regierung Merkel. Man wolle lediglich auf Stimmenfang gehen, so Röttgen.
Gleichzeitig verkaufte er die neue Marschrichtung als relevanten Baustein für den Eintritt ins „Zeitalter der erneuerbaren Energien“.
Auch das Wort „Brückentechnologie“ wurde in diesem Zusammenhang immer wieder genannt. Röttgen war an diesem Tag Ende Oktober überaus freudig erregt und offensiv, so diffamierte er die Opposition als „energiepolitische Blindgänger“.
Was der verblendete Minister nicht zur Kenntnis nahm, war, dass die Regierung, der er angehört, das Thema selbst wieder an die Oberfläche beförderte. Nun gab es einen roten Faden, es gab ein Ausstiegsszenario, welches Schwarz-Gelb wieder kappte. Dies führte soweit, dass man in der Regierungsfraktion anfing zu behaupten (sinngemäß), dass man praktisch gar nicht anders hätte gekonnt, da auch der Ausstiegsplan von Rot-Grün nicht dafür gesorgt hätte, dass im Jahr 2010 alle acht ältesten Mailer hätten still gelegt werden können. Mit anderen Worten: Ihr habt uns praktischen den tödlichen Pass zugespielt, den wir nun einschieben.
Am Ende wurde das Parlament nur noch proforma beteiligt, was den Beschluss anging, im Schweinsgalopp wurde die Verlängerung durchgepeitscht.
Wieso nun also die plötzliche Kehrtwende? Vom „Ausstieg mit Augenmaß“ stößt man nun in grüne Gefilde vor. Mit dem letzten Sonntag um 18 Uhr ist bei den Christdemokraten eine Welt zusammengebrochen – Baden-Württemberg ist sozusagen gefallen, die CDU-Hochburg, wo es ein Naturgesetzt zu sein schien, dass die CDU am Steuer Platz nahm. Die Bundes-FDP reagiert noch krasser als es die CDU-Größen ohnehin schon taten: Generalsekretär Christian Lindner machte sich dafür stark, dass alle Meiler, die von dem Moratorium betroffen sind überhaupt nicht mehr ans Netz gehen – unabhängig vom Stresstest. Dies führte zu allerlei Irritationen beim Koalitionspartner und auch in der Atomindustrie (RWE, EnBw, E.ON etc.), und in der wäscht nun die Nervosität.
Bei RWE ist man nun den Schritt ins Juristische gegangen und geht gegen die (ursprünglich temporäre) Abschaltung von Biblis A vor dem hessischen Verwaltungsgerichtshof vor. Somit ist auch klar, weshalb die Atomkonzerne nach Ankündigung des Aufschubs die Füße still hielten: Es war der Deal, dass die Meiler nach dieser Frist – oder auch Denkpause – wieder ans Netz gehen. Andernfalls wäre die Reaktion in den bekannten Häusern deftiger ausgefallen, so wie es gegenwärtig der Fall ist.
Die Kehrtwende der Koalition Merkel-Westerwelle überraschte wohl – neben den Koalitionsanhängern selbst – die Opposition am meisten. Vor 6 Wochen ein Moratorium, mit Ausstiegsgarantie? Oder überhaupt ein Überdenken der getroffenen Entscheidungen? Undenkbar! Die Kursänderung, so abrupt, das ist das, was den linkskonservativen Wähler (ja, so eine Gattung gibt es tatsächlich!) verängstigt.
Inzwischen geht Frau Merkel, sehr einfühlsam, auf die Empfindungen der Menschen ein, so die Tagesschau, die davon spricht, dass Frau Merkel einen „gesellschaftlichen Konsens“ in der Energiepolitik anstrebe. Norbert Röttgen geht sogar noch einen Schritt weiter und schmiegt sich an Sozialdemokraten und Grüne (energiepolitische Blindgänger, wie er sagte). Er hoffe auf einen „gemeinsamen Kurs mit SPD und Grünen“, so der Umweltminister. Desweiterin wolle die Bundesregierung auch international für ihren krenkraftkritischen Kurs Werbung betreiben. Man kann behaupten, es ist vor allem Röttgen gewesen, der der Kanzlerin in den ersten Tagen nach den Landtagswahlen im Süden und Westen der Republik in den Rücken gefallen ist. Seine Chefin, Angela Merkel, lässt derweil keinen Moment aus, um in den Fokus zu stellen, wie sehr das Reaktorunglück in Fukushima ihre Einschätzung der Kernenergie verändert hat. Auch der Energiekonzern EnBW reagierte im Jahr 2010 auf die Laufzeitverlängerung, wie fast alle Teile der Wirtschaft, sehr positiv. In der Zeit hört sich das wie folgt an: Die Bundesregierung trage der Tatsache Rechnung, dass "die Kernenergie eine große Bedeutung für eine wirtschaftliche und klimaschonende Stromversorgung bei gleichzeitig hoher Versorgungssicherheit.
In den Vorstandsetagen der Konzerne knallten also die Korken, während viele Menschen verloren haben.
Doch nicht nur Röttgen fiel der Kanzlerin ins Kreuz, sondern auch die stellvertretende Bundesvorsitzende und Bundesarbeitsministerin im Kabinett von Angela Merkel, Ursula von der Leyen, überraschte mit dem Bekenntnis, dass ihrer Ansicht nach „die CDU die Dringlichkeit der Energiewende verschlafen hat.“ Von allen Seiten kassiert die Kanzlerin also Watschen – doch die, die richtig wehtun sind die, die sie aus den eigenen Reihen abbekommt. Denn – machen wir uns nichts vor – nach den Landtagswahlen ist die Position der „Mutti der Nation“ geschwächter denn je. Ob’s noch einen Schub nach vorne geben wird? Zu hoffen ist, dass das nicht passieren wird.
Montag, 21. März 2011
Politisches Erdbeben.
Ein Erdbeben und seine Folgen in Japan – das war das beherrschende Thema. Soweit so gut bzw. nicht gut. Das Leid, welches sich am Windschatten des Tsunamis und des Bebens, das ihn ausgelöst hat, ausbereitete spottet jeder Beschreibung. Tausende sind tot und vielfach so viele obdachlos und hinzu kommt, dass es aus dem AKW Fukushima in den letzten Tagen beunruhigende Nachrichten gab. Die Kühlsysteme (Wärmetauschsystem) versagten, weil der Notstrom nicht funktioniert und so begannen die Brennstäbe nach ein paar Stunden zu glühen, was man nicht mehr in den Griff bekam. Die Folge waren Explosionen an den Reaktorblöcken, die aber nur die Außenhülle betrafen, so offizielle Begründungen.
Die inneren Reaktorhüllen wären intakt, so die japanische Regierung, die die Angelegenheit zur Chefsache gemacht hat. Rund um das AKW Fukushima stieg vor zwei Tagen die Radioaktivität stark an, worauf hin man den Evakuierungsraum rund um das AKW auf 30 Kilometer erhöhte. Die Anlage befindet sich keine 300 Kilometer entfernt von Tokio, was auch in der Millionenmetropole dafür sorgte, dass an einen geregelten Tagesablauf nicht mehr zu denken ist. Viele deutsche Firmen haben ihre Büros in Tokio geräumt und inzwischen wurden die Japaner von Seiten der Regierung darauf eingestellt, dass es in Zukunft Rationierungsmaßnahmen beim Strom geben wird – zur Sicherheit.
Die Reaktion der deutschen Regierung um Kanzlerin Merkel und ihren Co. Westerwelle allerdings ist wahnwitzig. Die erst im Herbst im Bundestag (mit vermutlich unlauteren Mitteln) durchgeboxte Verlängerung der Laufzeiten (siehe mein Blogeintrag aus dem vergangenen Herbst) soll durch ein Moratorium vorerst auf Eis gelegt werden – wohl gemerkt vorerst. Doch wie kam es dazu, dass Personen wie der EU-Energiekommissar Günther Oettinger – eigentlich Befürworter der Laufzeitverlängerung – auf einmal davon sprechen, dass der Ausstieg energischer vorangetrieben werden müsse?
Und warum bekommen einige in der Union auf einmal ihre persönliche Erleuchtung und wollen dem Atomstrom abschwören? Die Antwort ist simpel. Die Stimmung in der Bevölkerung ist im Zuge der Vorkommnisse im AKW Fukushima für die Christlich-Liberale Koalition immer kontraproduktiver geworden. Nach dem die Stimmung in Folge der Beschlüsse der Verlängerungen abkochte, muss man sich nun einer wiederaufflammenden Debatte stellen. Bilder sagen mehr als tausend Worte, so ein Sprichwort – und die Bilder aus Japan lösen auch bei den Menschen hierzulande unangenehme Déjà-vu-Erlebnisse aus. Tschernobyl – immer wieder taucht dieser Name in den aufgeheizten Auseinandersetzungen zwischen den Menschen und den Befürwortern der Atomenergie – und diese Formulierung ist wohl gewählt – auf. 1986 ereignete sich im Kernkraftwerk Tschernobyl nahe der Stadt Prypjat, die eigens wegen des AKWs hochgezogen wurde, eine Reaktorexplosion.
Die Folgen dauern bis heute an, nur wenige Menschen sind in das kontaminierte Sperrgebiet zurückgekehrt. Meist sind es ältere Menschen, viele von ihnen leben heute nicht mehr. Die Gefahr bzw. das Risiko der Kernkraft sind in vielen Fällen, wie auch dem aus dem Jahr 1986 in Tschernobyl, vernichtend deutlich dokumentiert worden. Doch der Mensch selbst dürstet nach Energie.
Die Art und Weise, wie er an sie herankommt, ist in dieser Frage erst mal zweitrangig. Dass die Katastrophe die Debatte aus dem Herbst wieder befeuert, kann trotzdem, so paradox es klingen mag, etwas Positives haben. Die Menschen diskutieren wieder lebhaft über die Atomkraft und deren Nebenwirkungen. Dass die CDU nun sprunghaft reagiert, zeigt, dass man das Wählerpotential von links nicht missen möchte. Gerade aus dem grünen Lager möchte man sich keine alle zu widerspenstigen Feinde formen, weshalb man nun den Aufschub verkündete. Dies illustriert, dass sich die Christlich demokratische Union weiterhin eine Option Richtung der Bündens Grünen offen halten möchte.
Die inneren Reaktorhüllen wären intakt, so die japanische Regierung, die die Angelegenheit zur Chefsache gemacht hat. Rund um das AKW Fukushima stieg vor zwei Tagen die Radioaktivität stark an, worauf hin man den Evakuierungsraum rund um das AKW auf 30 Kilometer erhöhte. Die Anlage befindet sich keine 300 Kilometer entfernt von Tokio, was auch in der Millionenmetropole dafür sorgte, dass an einen geregelten Tagesablauf nicht mehr zu denken ist. Viele deutsche Firmen haben ihre Büros in Tokio geräumt und inzwischen wurden die Japaner von Seiten der Regierung darauf eingestellt, dass es in Zukunft Rationierungsmaßnahmen beim Strom geben wird – zur Sicherheit.
Die Reaktion der deutschen Regierung um Kanzlerin Merkel und ihren Co. Westerwelle allerdings ist wahnwitzig. Die erst im Herbst im Bundestag (mit vermutlich unlauteren Mitteln) durchgeboxte Verlängerung der Laufzeiten (siehe mein Blogeintrag aus dem vergangenen Herbst) soll durch ein Moratorium vorerst auf Eis gelegt werden – wohl gemerkt vorerst. Doch wie kam es dazu, dass Personen wie der EU-Energiekommissar Günther Oettinger – eigentlich Befürworter der Laufzeitverlängerung – auf einmal davon sprechen, dass der Ausstieg energischer vorangetrieben werden müsse?
Und warum bekommen einige in der Union auf einmal ihre persönliche Erleuchtung und wollen dem Atomstrom abschwören? Die Antwort ist simpel. Die Stimmung in der Bevölkerung ist im Zuge der Vorkommnisse im AKW Fukushima für die Christlich-Liberale Koalition immer kontraproduktiver geworden. Nach dem die Stimmung in Folge der Beschlüsse der Verlängerungen abkochte, muss man sich nun einer wiederaufflammenden Debatte stellen. Bilder sagen mehr als tausend Worte, so ein Sprichwort – und die Bilder aus Japan lösen auch bei den Menschen hierzulande unangenehme Déjà-vu-Erlebnisse aus. Tschernobyl – immer wieder taucht dieser Name in den aufgeheizten Auseinandersetzungen zwischen den Menschen und den Befürwortern der Atomenergie – und diese Formulierung ist wohl gewählt – auf. 1986 ereignete sich im Kernkraftwerk Tschernobyl nahe der Stadt Prypjat, die eigens wegen des AKWs hochgezogen wurde, eine Reaktorexplosion.
Die Folgen dauern bis heute an, nur wenige Menschen sind in das kontaminierte Sperrgebiet zurückgekehrt. Meist sind es ältere Menschen, viele von ihnen leben heute nicht mehr. Die Gefahr bzw. das Risiko der Kernkraft sind in vielen Fällen, wie auch dem aus dem Jahr 1986 in Tschernobyl, vernichtend deutlich dokumentiert worden. Doch der Mensch selbst dürstet nach Energie.
Die Art und Weise, wie er an sie herankommt, ist in dieser Frage erst mal zweitrangig. Dass die Katastrophe die Debatte aus dem Herbst wieder befeuert, kann trotzdem, so paradox es klingen mag, etwas Positives haben. Die Menschen diskutieren wieder lebhaft über die Atomkraft und deren Nebenwirkungen. Dass die CDU nun sprunghaft reagiert, zeigt, dass man das Wählerpotential von links nicht missen möchte. Gerade aus dem grünen Lager möchte man sich keine alle zu widerspenstigen Feinde formen, weshalb man nun den Aufschub verkündete. Dies illustriert, dass sich die Christlich demokratische Union weiterhin eine Option Richtung der Bündens Grünen offen halten möchte.
Donnerstag, 10. März 2011
Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert
Die letzte politische Woche war turbulent und gekennzeichnet durch die Fragestunde im Bundestag, die sich mit der zu großen Teilen abgekupferten Doktor-Arbeit von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg beschäftigte. In dieser Fragstunde war ein Verteidigungsminister zu bestaunen, der geläutert schien, der aber unterstrich, dass kein Täuschungsvorsatz vorlag – selbstverständlich.
Die Lichtgestalt der Regierungsfraktionen, die Gallionsfigur der CSU, der Mann mit dem Nimbus des Unantastbaren, der moralischen Instanz in Deutschland, der niemand etwas anhaben kann. Einer, der es schafft das eigene Vergehen als Lappalie, ja als Bagatelle darzustellen und seine eigene Taktik der letzten Tage, die ganz klar auf Informationsstopp aus gelegt war, als Gang nach Kanossa verkauft hat.
Der Mann, auf dessen Seite eine der mächtigsten PR-Maschinen Europas steht: Der Springer-Konzern. Den genauen Sachverhalt kennen die meisten wahrscheinlich. Interessant in den letzten Tagen aber war die Strategie, die die Regierung und die Bild-Zeitung gefahren haben, um den Minister der „Selbstverteidigung“ (O-Ton Dietmar Bartsch) aus dem Fokus zu ziehen. Frau Merkel selbst sagte, nach dem die Vorwürfe erdrückend wurden, sie habe keinen wissenschaftlichen Mitarbeiter in ihr Kabinett berufen, sondern einen Minister. Bagatellisieren, kaschieren, wegwischen. Dieselbe Schiene fährt die Bild-Zeitung, die praktisch an zu Guttenbergs Seite schreibt.
Am 24. Februar ging es im Plenum des Bundestags um die Bundeswehrreform (Aussetzung der Wehrpflicht etc.) – es fand eine Aussprache statt. Die Bild-Zeitung titelte nach dieser Aussprache wie folgt: „"Dann spricht SPD-Chef Sigmar Gabriel (51)! Er will nicht über die Wehrpflicht reden." Anhand dieses Satzes wird deutlich, dass dieses Blatt bewusst Fehlinformationen streut bzw. andere ganz unter den Tisch fallen lässt, um zu Guttenberg als Opfer zu stilisieren.
Die Realität sah anders aus: Gabriel sprach 11 Minuten zum Tagesordnungspunkt und kam danach auf die „Causa Guttenberg“ zu sprechen. Die PR-Walze von Herrn zu Guttenberg läuft also, wie eben beschrieben, auf vollen Touren. Unterfüttert wird die Verteidigungsstrategie mit Umfragen in der Bild-Zeitung, die dem Minister weiterhin gute Sympathiewerte bescheinigen sollen. Ist doch jedem schon mal passiert, und überhaupt, wenn sich alles so ehrenhaft wie zu Guttenberg verhalten würden, dann sähe die wissenschaftliche Welt ganz anders aus…so die Anhänger des Betrügers, um mal mit den Worten von Staatsrechtler Prof. Lepsius (Universität Bayreuth) zu sprechen. Das Plagiat, welches zu Guttenberg angefertigt hat ist mit Nichten eine Lappalie, sondern sie ist von zentraler Bedeutung.
Ein Minister, der aller höchste Maßstäbe ansetzt, für den Ehrlichkeit und Fleiß zu den Grundtugenden zählen, der kann Fehler begehen – wie wahr. Nur wenn er das tut, dann tut er gut daran, sofort reinen Wein einzuschenken und das Vergehen einzugestehen. Das Gegenteil dessen tat der Minister.
Zuerst hieß es, „der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus…(…) Die Anfertigung dieser Arbeit war meine eigene Leistung.“ In der Fragestunde des Bundestags am 23. Februar hörte sich das dann schon ganz anders an. Es war ein Teileingeständnis eines Trotzigen, eines Mannes, der als Mr. Perfect gelten möchte. Man merkte dem Mann an, dass ihm die Fragestunde überhaupt nicht genehm war. Zwar habe er ein „schlechtes Signal“ in die Wissenschaftsgesellschaft gesendet, doch auch jetzt noch setzte er sich selbst den Anspruch, Vorbild für andere zu sein.
Auf seinem Internetauftritt wird man u. a. mit dem Satz konfrontiert: „Auch unbequemen Fragen nicht aus dem Weg gehen.“ Aber genau das tat Guttenberg, er wählte die allseits beliebte Salamitaktik und verriet nur so viel, wie gerade nötig war, um sein Gesicht zu wahren. „Politik braucht klare Werte“, so zu Guttenberg auf seiner Website. Der ganze Internettauftritt von Herrn zu Guttenberg wirkt für alle, die einen Doktor-Titel ehrlich erworben haben, wie eine einzige Farce! Das ist Real-Satire. Sämtliche Grundsätze, die er angeblich vertritt, trat er in den letzten Tagen mit Füßen, ließ sie links liegen. Wasser predigen und Wein trinken.
Die „Pro Guttenberg“ Demos sollen meiner Meinung nach nicht verteufelt werden, schließlich leben wir in einer Demokratie.
Allerdings müssen diese Leute dann erklären, weshalb für einen Minister wie zu Guttenberg andere Maßstäbe gelten sollen, als z. b. für einen Oskar Lafontaine oder Guido Westerwelle.
Ich wäre sehr gespannt darauf, wie die Bild-Zeitung und auch Abgeordnete aus der Unions-Fraktion darauf reagiert hätten. Das sich ein Sturm der Entrüstung durchs Land gefressen hätte, ist verständlich – wieso also nicht auch beim Baron? Beim Lügen-Baron. Doch wieder scheint das Märtyrer-Bild eines zu sein, welches die Menschen anspornt auf die Straße zu gehen.
Für mich persönlich war zu Guttenberg immer ein aalglatter Politiker, der einen extrem amerikanisierten Wahlkampf bestritten hat. Einer, der mal der Dress-Man war, der die gesamte Welt hätte umarmen können, auf dem Times-Square. Ein Mann von Welt. Dann wieder „Mr. Top Gun“ in schusssicherer Weste im Hubschrauber über Kabul. Und bei all diesen Auftritten schwebt das Pathos des Mannes, der gleichzeitig die urbürgerlichen Werte vertritt. All das in einer Person.
Wir haben jemand erlebt, der die Menschen geblendet hat – in Union mit einer riesigen Werbemaschine, die ihn gepusht hat.
Die Lichtgestalt der Regierungsfraktionen, die Gallionsfigur der CSU, der Mann mit dem Nimbus des Unantastbaren, der moralischen Instanz in Deutschland, der niemand etwas anhaben kann. Einer, der es schafft das eigene Vergehen als Lappalie, ja als Bagatelle darzustellen und seine eigene Taktik der letzten Tage, die ganz klar auf Informationsstopp aus gelegt war, als Gang nach Kanossa verkauft hat.
Der Mann, auf dessen Seite eine der mächtigsten PR-Maschinen Europas steht: Der Springer-Konzern. Den genauen Sachverhalt kennen die meisten wahrscheinlich. Interessant in den letzten Tagen aber war die Strategie, die die Regierung und die Bild-Zeitung gefahren haben, um den Minister der „Selbstverteidigung“ (O-Ton Dietmar Bartsch) aus dem Fokus zu ziehen. Frau Merkel selbst sagte, nach dem die Vorwürfe erdrückend wurden, sie habe keinen wissenschaftlichen Mitarbeiter in ihr Kabinett berufen, sondern einen Minister. Bagatellisieren, kaschieren, wegwischen. Dieselbe Schiene fährt die Bild-Zeitung, die praktisch an zu Guttenbergs Seite schreibt.
Am 24. Februar ging es im Plenum des Bundestags um die Bundeswehrreform (Aussetzung der Wehrpflicht etc.) – es fand eine Aussprache statt. Die Bild-Zeitung titelte nach dieser Aussprache wie folgt: „"Dann spricht SPD-Chef Sigmar Gabriel (51)! Er will nicht über die Wehrpflicht reden." Anhand dieses Satzes wird deutlich, dass dieses Blatt bewusst Fehlinformationen streut bzw. andere ganz unter den Tisch fallen lässt, um zu Guttenberg als Opfer zu stilisieren.
Die Realität sah anders aus: Gabriel sprach 11 Minuten zum Tagesordnungspunkt und kam danach auf die „Causa Guttenberg“ zu sprechen. Die PR-Walze von Herrn zu Guttenberg läuft also, wie eben beschrieben, auf vollen Touren. Unterfüttert wird die Verteidigungsstrategie mit Umfragen in der Bild-Zeitung, die dem Minister weiterhin gute Sympathiewerte bescheinigen sollen. Ist doch jedem schon mal passiert, und überhaupt, wenn sich alles so ehrenhaft wie zu Guttenberg verhalten würden, dann sähe die wissenschaftliche Welt ganz anders aus…so die Anhänger des Betrügers, um mal mit den Worten von Staatsrechtler Prof. Lepsius (Universität Bayreuth) zu sprechen. Das Plagiat, welches zu Guttenberg angefertigt hat ist mit Nichten eine Lappalie, sondern sie ist von zentraler Bedeutung.
Ein Minister, der aller höchste Maßstäbe ansetzt, für den Ehrlichkeit und Fleiß zu den Grundtugenden zählen, der kann Fehler begehen – wie wahr. Nur wenn er das tut, dann tut er gut daran, sofort reinen Wein einzuschenken und das Vergehen einzugestehen. Das Gegenteil dessen tat der Minister.
Zuerst hieß es, „der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus…(…) Die Anfertigung dieser Arbeit war meine eigene Leistung.“ In der Fragestunde des Bundestags am 23. Februar hörte sich das dann schon ganz anders an. Es war ein Teileingeständnis eines Trotzigen, eines Mannes, der als Mr. Perfect gelten möchte. Man merkte dem Mann an, dass ihm die Fragestunde überhaupt nicht genehm war. Zwar habe er ein „schlechtes Signal“ in die Wissenschaftsgesellschaft gesendet, doch auch jetzt noch setzte er sich selbst den Anspruch, Vorbild für andere zu sein.
Auf seinem Internetauftritt wird man u. a. mit dem Satz konfrontiert: „Auch unbequemen Fragen nicht aus dem Weg gehen.“ Aber genau das tat Guttenberg, er wählte die allseits beliebte Salamitaktik und verriet nur so viel, wie gerade nötig war, um sein Gesicht zu wahren. „Politik braucht klare Werte“, so zu Guttenberg auf seiner Website. Der ganze Internettauftritt von Herrn zu Guttenberg wirkt für alle, die einen Doktor-Titel ehrlich erworben haben, wie eine einzige Farce! Das ist Real-Satire. Sämtliche Grundsätze, die er angeblich vertritt, trat er in den letzten Tagen mit Füßen, ließ sie links liegen. Wasser predigen und Wein trinken.
Die „Pro Guttenberg“ Demos sollen meiner Meinung nach nicht verteufelt werden, schließlich leben wir in einer Demokratie.
Allerdings müssen diese Leute dann erklären, weshalb für einen Minister wie zu Guttenberg andere Maßstäbe gelten sollen, als z. b. für einen Oskar Lafontaine oder Guido Westerwelle.
Ich wäre sehr gespannt darauf, wie die Bild-Zeitung und auch Abgeordnete aus der Unions-Fraktion darauf reagiert hätten. Das sich ein Sturm der Entrüstung durchs Land gefressen hätte, ist verständlich – wieso also nicht auch beim Baron? Beim Lügen-Baron. Doch wieder scheint das Märtyrer-Bild eines zu sein, welches die Menschen anspornt auf die Straße zu gehen.
Für mich persönlich war zu Guttenberg immer ein aalglatter Politiker, der einen extrem amerikanisierten Wahlkampf bestritten hat. Einer, der mal der Dress-Man war, der die gesamte Welt hätte umarmen können, auf dem Times-Square. Ein Mann von Welt. Dann wieder „Mr. Top Gun“ in schusssicherer Weste im Hubschrauber über Kabul. Und bei all diesen Auftritten schwebt das Pathos des Mannes, der gleichzeitig die urbürgerlichen Werte vertritt. All das in einer Person.
Wir haben jemand erlebt, der die Menschen geblendet hat – in Union mit einer riesigen Werbemaschine, die ihn gepusht hat.
Donnerstag, 24. Februar 2011
Es ist Freitag – und das bedeutet fußballlastige Zeit.
Um 17.30 Uhr betrete ich die Traversen im Stadion an der Alten Försterei, Gebrabbel kriecht in meine Ohren.
Der Duft von Bratwurst legt sich über die Zuschauer und aus den Boxen ertönt Rockmusik. Später dann sagt Stadionsprecher Christian Arbeit die Aufstellung der Mannschaft an, die am heutigen Abend den Rasen umpflügen wird. Danach wird zusammen die Hymne intoniert: 14.000 Kehlen verwandeln das Stadion in einen Hexenkessel. Ich bin beim 1.FC Union.
Stehe unweit der Stelle, an der ich im Oktober 2003 meine Premiere gefeiert habe. Zigarettenrauch steigt über den Blöcken auf, sammelt sich unter dem Dach, um langsam an den Seiten zu entweichen. Die Ränge sind in rot und weiß getaucht, die Augen fixieren das Spielgerät, welches von den Akteuren auf dem morastigen Boden unaufhörlich malträtiert wird.
Wahrlich, der Untergrund hatte die Bezeichnung Rasen nicht verdient und machte den Spielern das Spielen unmöglich. Der VfL Osnabrück hatte seine Zelte aufgeschlagen und trug seinerseits zu einem turbulenten und torreichen Spiel bei. Nur man selbst spürte die grauen Haare sprießen, die von Minute zu Minute die Überhand auf dem Kopf zu übernehmen schienen. Ich klammerte mich an meinen Rucksack und entspannte mich durch das rhythmische Kauen auf meinen Fingernägeln. Reue? Keine roten Backen? Nein, zu subversiv verhielt sich der Gegner, zu erfolgreich war er dabei.
Und so reiht sich dieses Spiel in die vielen Begegnungen des 1.FC Union in den letzten Jahren ein. Nicht selten schwang der Gegner die feinere Klinge, doch besannen sich die Kicker auf ihre Grundtugenden, dann konnte man auch dem technisch beschlagenen Gegner einen großen Fight liefern. Das war vor sieben Jahren. Inzwischen hat der Verein aus Köpenick seinen Kader reifen lassen, ihn punktuell verstärkt, das Vertrauen in den eigenen, individuellen Weg nie Preis gegeben.
Doch auch die ganz normalen Mechanismen lassen sich lokalisieren. Seit dem Juni 2009 nimmt der 1.FC Union am Spielbetrieb der 2. Bundesliga wieder teil. Zuvor wirkte man von 2001 bis 2003 in der zweithöchsten deutschen Spielklasse mit.
Seit Sommer 2007 (Regionalliga Nord) hat Uwe Neuhaus an der Seitenlinie das Steuer übernommen. Noch nie war die Kritik am Übungsleiter – mit Ausnahme der ersten Wochen seiner Amtszeit – so hörbar, wie aktuell. Die Spiele mit dem „Graue-Haare-Zuwachs-Faktor“ häuften sich in letzter Zeit und zu oft stand der 1.FC Union am Ende dieser auf des Messerschneide stehenden Spiele, auf der Verliererseite der Medaille. Nun ist das die Last, die ein Trainer mit sich trägt, immer damit rechnen zu müssen, hinterfragt zu werden, das eigene Handeln unter Beobachtung Externer zu wissen.
Schaut man auf die Vergangenheit wirkt das alles wie eine große Bagatelle. Noch im Sommer 2004 stand der 1. FC Union nach dem Abstieg aus der zweiten Bundesliga vor dem sportlichen und wirtschaftlichen Kollaps. Flankiert vom martialisch anmutenden Spendenaufruf „Bluten für Union“ (und einigen Prominenten wie z. B. Uwe Seeler), kratzte man die vom DFB geforderte Liquiditätsreserve von 1,46 Millionen Euro zusammen, um sie auf einem Treuhandkonnte hinterlegen zu können.
Diese berechtigten zur Lizenz, die sozusagen das Startrecht für die damalige Regionalliga darstellte. Nun musste man im Anschluss den knapp bemessenen Rest an finanziellen Mitteln zusammenfegen, von dem man eine junge, hungrige und vor allem preiswerte Truppe zusammenschusterte. Auch ein neuer, preiswerter Übungsleister wurde verpflichtet, einer der unkonventionelle Methoden vorsieht und auch mit einer aus der Not heraus geborenen Mannschaft Ertrag scheffeln kann. Soweit die Theorie. In der Praxis ließ es sich äußerst unangenehm und ertragsarm an. Schon im September, nach nur drei Monaten, am Anschluss an die längste Durststrecke des Vereins (6. Niederlagen am Strück), musste Frank Wormuth – der neue, preiswerte und „zu weiche“ Trainer – seine Zelte in Berlin abbrechen und „wurde gegangen“.
Auch sein Nachfolger, eine vereinsinterne Lösung, entpuppte sich als kurzes Intermezzo. Werner „Pico“ Voigt realisierte vergleichsweise Zügig, dass das Konzept „jung und hungrig“ keine Zukunft hatte und so strich er bereits im November nach dem Aus im Paul-Rusch-Pokal bei Tennis Borussia (im September hatte er das Ruder übernommen) aus eigenen Stücken die Segel, verließ die Kommandobrücke. In den Herbst / Winter fielen zu allem Überfluss auch noch Nachrichten über Deckungslücken im Etat. Das erste Spiel der Rückrunde 2004 / 2005 (fand auf Grund des Spielplans noch im Jahr 2004 statt) in Wuppertal fand unter der Leitung von Lothar Hamann statt. Es sollte sein einziges bleiben.
Ersetzt wurde er durch Frank Lieberam, der noch aus DDR-Zeiten bekannt war. Zwischen 1986 und 1991 spielte Lieberam für Dynamo Dresden. Hinzu wurden mit Sebastian Bönig, David Bergner und Marcel Rath drei Spieler verpflichtet, mit denen man, im Januar 2005, tief im Tabellenkeller, auf die Wende hoffte. Immerhin, Sebastian Bönig und Bergner sollten Spieler werden, die nach dem Neuanfang im Sommer 2005 zwei Jahre das Gesicht der Mannschaft prägten. Marcel Rath hingegen verließ den Verein nach einem halben Jahr wieder. Das Unternehmen „mit aller Gewalt Klassenerhalt“ wurde Anfang April 2005, vor dem Heimspiel gegen Bielefeld II, offiziell begraben. Die Planungen für die Oberliga – die erste Saison, in der der 1.FC Union viertklassig spielte, begannen. Zuvor fiel der Jahresheimauftakt gegen Holstein Kiel zum Winter zum Opfer. So musste man im Februar 2005 im Köln gegen die Amateure des „FC“ antreten und verlor sang- und klanglos 0:2. Am Ende stand eine katastrohpale Saison, in deren Verlauf man sich bereits von vielen Spielern trennte und in deren Endphase man jungen Spielern aus der zweiten Mannschaft ein paar Einsatzminuten gönnte.
Nach 36 Spielen standen mickrige 27 Punkte – zum Klassenerhalt fehlten 13 Punkte.
Das alles ist auch Union.
Es ging hoch und runter – und das wird auch in Zukunft passieren. Nur so tief, wie damals, soll es nie wieder gehen. Aber selbst wenn, dann werden den 1.FC Union immer noch tausende begleiten – beim erneuten Austieg.
Der Duft von Bratwurst legt sich über die Zuschauer und aus den Boxen ertönt Rockmusik. Später dann sagt Stadionsprecher Christian Arbeit die Aufstellung der Mannschaft an, die am heutigen Abend den Rasen umpflügen wird. Danach wird zusammen die Hymne intoniert: 14.000 Kehlen verwandeln das Stadion in einen Hexenkessel. Ich bin beim 1.FC Union.
Stehe unweit der Stelle, an der ich im Oktober 2003 meine Premiere gefeiert habe. Zigarettenrauch steigt über den Blöcken auf, sammelt sich unter dem Dach, um langsam an den Seiten zu entweichen. Die Ränge sind in rot und weiß getaucht, die Augen fixieren das Spielgerät, welches von den Akteuren auf dem morastigen Boden unaufhörlich malträtiert wird.
Wahrlich, der Untergrund hatte die Bezeichnung Rasen nicht verdient und machte den Spielern das Spielen unmöglich. Der VfL Osnabrück hatte seine Zelte aufgeschlagen und trug seinerseits zu einem turbulenten und torreichen Spiel bei. Nur man selbst spürte die grauen Haare sprießen, die von Minute zu Minute die Überhand auf dem Kopf zu übernehmen schienen. Ich klammerte mich an meinen Rucksack und entspannte mich durch das rhythmische Kauen auf meinen Fingernägeln. Reue? Keine roten Backen? Nein, zu subversiv verhielt sich der Gegner, zu erfolgreich war er dabei.
Und so reiht sich dieses Spiel in die vielen Begegnungen des 1.FC Union in den letzten Jahren ein. Nicht selten schwang der Gegner die feinere Klinge, doch besannen sich die Kicker auf ihre Grundtugenden, dann konnte man auch dem technisch beschlagenen Gegner einen großen Fight liefern. Das war vor sieben Jahren. Inzwischen hat der Verein aus Köpenick seinen Kader reifen lassen, ihn punktuell verstärkt, das Vertrauen in den eigenen, individuellen Weg nie Preis gegeben.
Doch auch die ganz normalen Mechanismen lassen sich lokalisieren. Seit dem Juni 2009 nimmt der 1.FC Union am Spielbetrieb der 2. Bundesliga wieder teil. Zuvor wirkte man von 2001 bis 2003 in der zweithöchsten deutschen Spielklasse mit.
Seit Sommer 2007 (Regionalliga Nord) hat Uwe Neuhaus an der Seitenlinie das Steuer übernommen. Noch nie war die Kritik am Übungsleiter – mit Ausnahme der ersten Wochen seiner Amtszeit – so hörbar, wie aktuell. Die Spiele mit dem „Graue-Haare-Zuwachs-Faktor“ häuften sich in letzter Zeit und zu oft stand der 1.FC Union am Ende dieser auf des Messerschneide stehenden Spiele, auf der Verliererseite der Medaille. Nun ist das die Last, die ein Trainer mit sich trägt, immer damit rechnen zu müssen, hinterfragt zu werden, das eigene Handeln unter Beobachtung Externer zu wissen.
Schaut man auf die Vergangenheit wirkt das alles wie eine große Bagatelle. Noch im Sommer 2004 stand der 1. FC Union nach dem Abstieg aus der zweiten Bundesliga vor dem sportlichen und wirtschaftlichen Kollaps. Flankiert vom martialisch anmutenden Spendenaufruf „Bluten für Union“ (und einigen Prominenten wie z. B. Uwe Seeler), kratzte man die vom DFB geforderte Liquiditätsreserve von 1,46 Millionen Euro zusammen, um sie auf einem Treuhandkonnte hinterlegen zu können.
Diese berechtigten zur Lizenz, die sozusagen das Startrecht für die damalige Regionalliga darstellte. Nun musste man im Anschluss den knapp bemessenen Rest an finanziellen Mitteln zusammenfegen, von dem man eine junge, hungrige und vor allem preiswerte Truppe zusammenschusterte. Auch ein neuer, preiswerter Übungsleister wurde verpflichtet, einer der unkonventionelle Methoden vorsieht und auch mit einer aus der Not heraus geborenen Mannschaft Ertrag scheffeln kann. Soweit die Theorie. In der Praxis ließ es sich äußerst unangenehm und ertragsarm an. Schon im September, nach nur drei Monaten, am Anschluss an die längste Durststrecke des Vereins (6. Niederlagen am Strück), musste Frank Wormuth – der neue, preiswerte und „zu weiche“ Trainer – seine Zelte in Berlin abbrechen und „wurde gegangen“.
Auch sein Nachfolger, eine vereinsinterne Lösung, entpuppte sich als kurzes Intermezzo. Werner „Pico“ Voigt realisierte vergleichsweise Zügig, dass das Konzept „jung und hungrig“ keine Zukunft hatte und so strich er bereits im November nach dem Aus im Paul-Rusch-Pokal bei Tennis Borussia (im September hatte er das Ruder übernommen) aus eigenen Stücken die Segel, verließ die Kommandobrücke. In den Herbst / Winter fielen zu allem Überfluss auch noch Nachrichten über Deckungslücken im Etat. Das erste Spiel der Rückrunde 2004 / 2005 (fand auf Grund des Spielplans noch im Jahr 2004 statt) in Wuppertal fand unter der Leitung von Lothar Hamann statt. Es sollte sein einziges bleiben.
Ersetzt wurde er durch Frank Lieberam, der noch aus DDR-Zeiten bekannt war. Zwischen 1986 und 1991 spielte Lieberam für Dynamo Dresden. Hinzu wurden mit Sebastian Bönig, David Bergner und Marcel Rath drei Spieler verpflichtet, mit denen man, im Januar 2005, tief im Tabellenkeller, auf die Wende hoffte. Immerhin, Sebastian Bönig und Bergner sollten Spieler werden, die nach dem Neuanfang im Sommer 2005 zwei Jahre das Gesicht der Mannschaft prägten. Marcel Rath hingegen verließ den Verein nach einem halben Jahr wieder. Das Unternehmen „mit aller Gewalt Klassenerhalt“ wurde Anfang April 2005, vor dem Heimspiel gegen Bielefeld II, offiziell begraben. Die Planungen für die Oberliga – die erste Saison, in der der 1.FC Union viertklassig spielte, begannen. Zuvor fiel der Jahresheimauftakt gegen Holstein Kiel zum Winter zum Opfer. So musste man im Februar 2005 im Köln gegen die Amateure des „FC“ antreten und verlor sang- und klanglos 0:2. Am Ende stand eine katastrohpale Saison, in deren Verlauf man sich bereits von vielen Spielern trennte und in deren Endphase man jungen Spielern aus der zweiten Mannschaft ein paar Einsatzminuten gönnte.
Nach 36 Spielen standen mickrige 27 Punkte – zum Klassenerhalt fehlten 13 Punkte.
Das alles ist auch Union.
Es ging hoch und runter – und das wird auch in Zukunft passieren. Nur so tief, wie damals, soll es nie wieder gehen. Aber selbst wenn, dann werden den 1.FC Union immer noch tausende begleiten – beim erneuten Austieg.
Dienstag, 25. Januar 2011
Die Pädagogin mit Sonderrechten und Patentrezepten ;)
Der Focus sorgt mal wieder mit Propaganda für Aufmerksamkeit: Diesmal sieht man sich beim Springblatt dazu aufgerufen, der armen, mittellosen Ursula Sarrazin beizuspringen, die sich gerade in Berlin selbst in Verruf gebracht hat.
Vielmehr wird Madame Sarrazin als Wächterin der Qualitätssicherung in den Schulen präsentiert. Auch die Bild-Zeitung stützt Frau Sarrazin, in dem sie als edle Kämpferin für „Disziplin und Ordnung“ dargestellt wird, deren Bemühungen man nur falsch verstehe. Thilo Sarrazin, der Ehegatte, vermutete gar, dass seine Thesen Auslöser für die Debatte um seine Frau sein würden.
Dabei scheint die gesamte Springerarmada, wie auch Thilo Sarrazin, zu vergessen, dass die Kritik an seiner Frau überhaupt nichts mit seinen literarischen Ergüssen zu tun hat. Vielmehr wird der Art und Weise der Unterrichtsführung von Frau Sarrazin kritisiert. Interessant ist, dass nicht der Dialog folgt, sondern die pikierte Dame ihre Kontakte ins politische Establishment spielen lässt und somit einer Versetzung zuvor kam. Das ist insofern bemerkenswert, als dass ihr Mann sich noch im letzten Jahr über eben diese Politiker harsch beklagte, da sie ihn mundtot hätten machen wollen. Wenn einem die Kontakte also nicht gewogen sind, besucht man jede nur denkbare Talkshow, um den Opferstatus weiter auszubauen, andersherum übt man den Schulterschluss.
Wobei man hier klar zwischen Sarrzin und seiner Gattin differenzieren muss. Zunächst einmal gilt, dass ein solcher Vorfall untersucht und aufgeklärt werden muss. Denn es handelt sich nicht um Lappalien, die im Raum stehen. Statt objektiven Journalismus, bieten die Springer-Gazetten die übliche Sülze. Man stilisiert die Pädagogin als Opfer einer Hetzkampagne und vermutet hinter den Anschuldigungen – wie Sarrazin selbst – das Buch, welches im Sommer erschienen ist. Nicht nur Berichte, nein, auch ein Exklusiv-Interview gab die 59-Jährige der Bild-Zeitung, in der sie den Versuch unternahm, sich für Entgleisungen (die sie nicht komplett grundsätzliche abstreitet) zu rechtfertigen. Sie vermutete – wie kann es anders sein – türkische Eltern hinter den, aus ihrer Sicht, unhaltbaren Vorwürfen.
Die Blöd-Zeitung war sich auch nicht zu fein von Vorwürfen zu sprechen, die gerade jetzt „aus der Mottenkiste“ geholt würden. Und wieder bringt die Zeitung mit den vier Buchstaben Thilo Sarrazin ins Spiel (neben den diversen Hinweisen auf sein Buch, die mehrfach auftauchen), der „Berlins Finanzen mit hartem Sparkurs in Ordnung gebracht“ hätte. Auch hier wieder Augenwischerei vom Feinsten. Vor allem, weil Sarrazin mit seiner Finanzpolitik mehr Löcher aufgerissen als geschlossen hat.
Im Endeffekt bedient Ursula Sarrazin die ewig Gestrigen, die antiquierten Sichtweisen und scheint sich in der Rolle gut zu gefallen. Nun wird sie auch an einer Talkrunde im Ersten teilnehmen, um sich im neugewonnenen Ruhm zu sonnen oder so ähnlich. Oder aber ihren Opferkult weiter auszubauen. Denn auch diese Option besteht. Nun, am 23. Januar, gehen Berichte um, die melden, dass Frau Sarrazin es ihrem Mann gleich tun möchte und ein Buch „über Bildungsfragen“ verfassen will.
Etwas ganz putziges habe ich heute bei der Recherche entdeckt: Eine Pro-Sarrazin-Seite, die das Thema mit Begierde aufgegriffen hat, passt es schließlich doch perfekt in das eigene Weltbild. Auch hier ist wieder von Redeverboten zu lesen, von nicht vorhandener Meinungsfreiheit. Die Kritiker von Ursula Sarrazin werden als „Multikulturalisten“ (interessant Wortschöpfung) bezeichnet, in deren Köpfe es nicht reingehe, dass pädagogisch wertvoll nur Disziplin und Ordnung sei.
Man huldigt Frau Sarrazin, stellt sie – ähnlich wie ihren Mann - als Märtyrin der guten Sache hin. Dass hier wohl Kinder von der Dame eigenmächtig zurückgestuft wurden (ohne Beschluss der Klassenkonferenz), ist überhaupt nicht mehr von Interesse. Aber die Disziplin, die Frau Sarrazin ihren Schülern predigt, der scheint sie selbst, wie der Fall aus dem Jahr 2008 zeigt, nicht sehr zugeneigt zu sein. Das Totschlagargument der fehlenden Meinungsfreiheit muss endlich in der – Achtung – Mottenkiste verschwinden. Frau Sarrazin darf sich zu der Situation erklären, wo sie möchte.
Nun auch noch bei Maischberger. Ob und inwiefern das Sinn macht, sei dahingestellt. Viel gefährlicher ist, dass viele Menschen der Inhalt der ganzen Geschichte gar nicht mehr primär interessiert, sondern sie dem „Mythos Sarrazin“ föhnen wollen. Was hat der noch mal gesagt? Ach, vollkommen irrelevant, Hauptsache, er hat was gesagt. Dieses Motto scheinen einige der Untertanen bereits verinnerlicht zu haben.
Hier geht es überhaupt nicht mehr um eine Pädagogin, die im Dienst vermeintlich Fehler gemacht hat, sondern wieder mal nur um eine Märtyrerin. Das ärgert einen insoweit, als, dass es so sehr wohl realistisch gewesen wäre, Sachlichkeit walten zu lassen.
Frau Sarrazin geht es ähnlich wie ihrem Mann: Sie fühlt sich unverstanden und gebrandmarkt. Dabei hat sie das Patentrezept bei der Hand, so zumindest die eigene Einschätzung.
Jedenfalls darf man sich in den nächsten Tag noch auf die ein oder andere skurrile Nachricht gefasst machen.
Vielmehr wird Madame Sarrazin als Wächterin der Qualitätssicherung in den Schulen präsentiert. Auch die Bild-Zeitung stützt Frau Sarrazin, in dem sie als edle Kämpferin für „Disziplin und Ordnung“ dargestellt wird, deren Bemühungen man nur falsch verstehe. Thilo Sarrazin, der Ehegatte, vermutete gar, dass seine Thesen Auslöser für die Debatte um seine Frau sein würden.
Dabei scheint die gesamte Springerarmada, wie auch Thilo Sarrazin, zu vergessen, dass die Kritik an seiner Frau überhaupt nichts mit seinen literarischen Ergüssen zu tun hat. Vielmehr wird der Art und Weise der Unterrichtsführung von Frau Sarrazin kritisiert. Interessant ist, dass nicht der Dialog folgt, sondern die pikierte Dame ihre Kontakte ins politische Establishment spielen lässt und somit einer Versetzung zuvor kam. Das ist insofern bemerkenswert, als dass ihr Mann sich noch im letzten Jahr über eben diese Politiker harsch beklagte, da sie ihn mundtot hätten machen wollen. Wenn einem die Kontakte also nicht gewogen sind, besucht man jede nur denkbare Talkshow, um den Opferstatus weiter auszubauen, andersherum übt man den Schulterschluss.
Wobei man hier klar zwischen Sarrzin und seiner Gattin differenzieren muss. Zunächst einmal gilt, dass ein solcher Vorfall untersucht und aufgeklärt werden muss. Denn es handelt sich nicht um Lappalien, die im Raum stehen. Statt objektiven Journalismus, bieten die Springer-Gazetten die übliche Sülze. Man stilisiert die Pädagogin als Opfer einer Hetzkampagne und vermutet hinter den Anschuldigungen – wie Sarrazin selbst – das Buch, welches im Sommer erschienen ist. Nicht nur Berichte, nein, auch ein Exklusiv-Interview gab die 59-Jährige der Bild-Zeitung, in der sie den Versuch unternahm, sich für Entgleisungen (die sie nicht komplett grundsätzliche abstreitet) zu rechtfertigen. Sie vermutete – wie kann es anders sein – türkische Eltern hinter den, aus ihrer Sicht, unhaltbaren Vorwürfen.
Die Blöd-Zeitung war sich auch nicht zu fein von Vorwürfen zu sprechen, die gerade jetzt „aus der Mottenkiste“ geholt würden. Und wieder bringt die Zeitung mit den vier Buchstaben Thilo Sarrazin ins Spiel (neben den diversen Hinweisen auf sein Buch, die mehrfach auftauchen), der „Berlins Finanzen mit hartem Sparkurs in Ordnung gebracht“ hätte. Auch hier wieder Augenwischerei vom Feinsten. Vor allem, weil Sarrazin mit seiner Finanzpolitik mehr Löcher aufgerissen als geschlossen hat.
Im Endeffekt bedient Ursula Sarrazin die ewig Gestrigen, die antiquierten Sichtweisen und scheint sich in der Rolle gut zu gefallen. Nun wird sie auch an einer Talkrunde im Ersten teilnehmen, um sich im neugewonnenen Ruhm zu sonnen oder so ähnlich. Oder aber ihren Opferkult weiter auszubauen. Denn auch diese Option besteht. Nun, am 23. Januar, gehen Berichte um, die melden, dass Frau Sarrazin es ihrem Mann gleich tun möchte und ein Buch „über Bildungsfragen“ verfassen will.
Etwas ganz putziges habe ich heute bei der Recherche entdeckt: Eine Pro-Sarrazin-Seite, die das Thema mit Begierde aufgegriffen hat, passt es schließlich doch perfekt in das eigene Weltbild. Auch hier ist wieder von Redeverboten zu lesen, von nicht vorhandener Meinungsfreiheit. Die Kritiker von Ursula Sarrazin werden als „Multikulturalisten“ (interessant Wortschöpfung) bezeichnet, in deren Köpfe es nicht reingehe, dass pädagogisch wertvoll nur Disziplin und Ordnung sei.
Man huldigt Frau Sarrazin, stellt sie – ähnlich wie ihren Mann - als Märtyrin der guten Sache hin. Dass hier wohl Kinder von der Dame eigenmächtig zurückgestuft wurden (ohne Beschluss der Klassenkonferenz), ist überhaupt nicht mehr von Interesse. Aber die Disziplin, die Frau Sarrazin ihren Schülern predigt, der scheint sie selbst, wie der Fall aus dem Jahr 2008 zeigt, nicht sehr zugeneigt zu sein. Das Totschlagargument der fehlenden Meinungsfreiheit muss endlich in der – Achtung – Mottenkiste verschwinden. Frau Sarrazin darf sich zu der Situation erklären, wo sie möchte.
Nun auch noch bei Maischberger. Ob und inwiefern das Sinn macht, sei dahingestellt. Viel gefährlicher ist, dass viele Menschen der Inhalt der ganzen Geschichte gar nicht mehr primär interessiert, sondern sie dem „Mythos Sarrazin“ föhnen wollen. Was hat der noch mal gesagt? Ach, vollkommen irrelevant, Hauptsache, er hat was gesagt. Dieses Motto scheinen einige der Untertanen bereits verinnerlicht zu haben.
Hier geht es überhaupt nicht mehr um eine Pädagogin, die im Dienst vermeintlich Fehler gemacht hat, sondern wieder mal nur um eine Märtyrerin. Das ärgert einen insoweit, als, dass es so sehr wohl realistisch gewesen wäre, Sachlichkeit walten zu lassen.
Frau Sarrazin geht es ähnlich wie ihrem Mann: Sie fühlt sich unverstanden und gebrandmarkt. Dabei hat sie das Patentrezept bei der Hand, so zumindest die eigene Einschätzung.
Jedenfalls darf man sich in den nächsten Tag noch auf die ein oder andere skurrile Nachricht gefasst machen.
Mittwoch, 19. Januar 2011
1.FC Union - Aachen: Eindrücke
Eigentlich sollte die Tatsache, dass eine Frau ein Spiel im Männerfußball leitet, kein Tabu mehr sein, welches dazu führt, dass dieser Einsatz am nächsten Tag auf allem Titelseiten zu lesen ist. Aber bei Bibiana Steinhaus ist es durchaus angebracht, etwas genauer hinzuschauen.
Denn sie ist die einzige Frau, die Spiele im DFL-Bereich leitet. So auch am Freitag das Spiel des 1.FC Union Berlin gegen Aachen. Auch hier wurde wieder dokumentiert, wie wertvoll es doch sein kann, wenn man Selbstdarsteller (viele ihrer männlichen Kollegen sind solche) an der Pfeife arbeitet.
Die Ruhe, die Frau Steinhaus ausgestrahlt hat, färbt nämlich ganz offensichtlich auch auf den einen oder anderen Spieler ab. Fakt ist, dass die Dame nicht verkrampft wirkt und doch sehr diszipliniert das Spiel leitet. Auch eine natürliche Autorität scheint vorhanden zu sein, denn auch das ein oder andere energischere Wort fiel an diesem Freitagabend im Beisein der Spieler. Es war der dritte Einsatz der Dame aus dem Harz, den ich live im Stadion an der Alten Försterei mit verfolgen konnte. Und sie hat sich von Mal zu Mal gesteigert. Der erste Auftritt, die verunglückte Premiere anno 2004, war einer aus dem Gruselkabinett. Eine sehr junge, verunsicherte Frau, die der Unmut, der von den Rängen kam, so mitnahm, dass sie kuriose Situationen pro Union entschied. Da war man nah an dem Knackpunkt zu sagen, Frau, lass es doch besser ganz bleiben! Mit anderen Worten, man war der Verzweiflung sehr, sehr nah.
Im Herbst 2006 trat sie wieder an selber Stelle auf, diesmal im Spiel gegen die Dortmunder Amateure. Inzwischen schien sie sich auf aufgeheizte Situationen eingestellt zu haben und hatte in den zwei Jahren wohl auch die eine oder andere Anekdote erlebt, die sie nun als Erfahrung ins Feld führen konnte. Jedenfalls war ihr Part nun sehr unauffällig, was bei einem (oder auch einer) Unparteiischen als positiv zu werten ist.
Und nun der Auftritt vom vergangenen Freitag. Noch optimaler. Immer das richtige Wort zur richtigen Zeit, keine unnötigen, sondern wohl dosierte Verwarnungen. Auch die Assistenten wollten sich da nicht lumpen lassen und fügten sich in das enge Leistungsspektrum nahtlos ein.
Ich vergaß: Der Ergebnis des Abends stimmt ebenfalls. Ein 2:1-Sieg stand am Ende zu Buche, mit dem man beim 1.FC Union sicherlich mehr als nur leben kann. Der zweite Heimsieg in Folge (Siege feiert man sowieso fast ausschließlich in der Wuhlheide) schraubte das Punktekonto der Neuhaus-Elf auf 22. Nach den Schlappen von Mannschaften wie Ingolstadt und Osnabrück, werden solche Punkte nicht im Wert verfallen.
Die Berliner Qualitätspresse schreibt derweil die Spieler bereits zu „Stars“ hoch, die nach dem Sieg gegen Aachen auf einmal sprunghaft im Wert steigen würden und damit auch die Gehaltsansprüche nach oben schrauben. Hierzu sei zu sagen: Eine Flocke macht noch lange keinen Winter. Die vergangenen Heimspiele konnten gewonnen werden, aber auswärts drückt der Schuh tatsächlich.
Hier herrscht seit über einem halben Jahr quälende Dürre, die nur durch einen Sieg bei Arminia Bielefeld (den Ersten, wenn mich nicht alles täuscht) unterbrochen wurde. Auch was eine Personalauffrischung angeht, backt man in Köpenick kleine Brötchen. Kein Neuzugang wurde vermeldet, viel mehr beruft man sich auf die vielen Verletzten, die nun wieder in den Kader gerückt sind und dem Spiel ihren Stempel aufdrückten (u.a. der Kapitän Mattuschka). Siege sind gewiss das durchschlagendste Argument, allerdings ist das Problem des statischen Spiels nicht ausgestanden. Ein großes Loch klafft auf der Stürmerposition. Mosquera ist ein offensiver Mittelfeldmann (auch wenn er gegen Aachen getroffen hat), zumindest gefällt er auf diesem Part. Er kann sich Bälle erobern und diese dann auch geschickt verteidigen bzw. verteilen. Mit Savran stellte man ihm nun einen Wühler, einen Wadenbeißer zur Seite, der auch gegen Aachen die bewährten „Union-Tugenden“ auf dem Platz auslebte, und zu dem auch technisch das ein oder andere einstreut.
Denn sie ist die einzige Frau, die Spiele im DFL-Bereich leitet. So auch am Freitag das Spiel des 1.FC Union Berlin gegen Aachen. Auch hier wurde wieder dokumentiert, wie wertvoll es doch sein kann, wenn man Selbstdarsteller (viele ihrer männlichen Kollegen sind solche) an der Pfeife arbeitet.
Die Ruhe, die Frau Steinhaus ausgestrahlt hat, färbt nämlich ganz offensichtlich auch auf den einen oder anderen Spieler ab. Fakt ist, dass die Dame nicht verkrampft wirkt und doch sehr diszipliniert das Spiel leitet. Auch eine natürliche Autorität scheint vorhanden zu sein, denn auch das ein oder andere energischere Wort fiel an diesem Freitagabend im Beisein der Spieler. Es war der dritte Einsatz der Dame aus dem Harz, den ich live im Stadion an der Alten Försterei mit verfolgen konnte. Und sie hat sich von Mal zu Mal gesteigert. Der erste Auftritt, die verunglückte Premiere anno 2004, war einer aus dem Gruselkabinett. Eine sehr junge, verunsicherte Frau, die der Unmut, der von den Rängen kam, so mitnahm, dass sie kuriose Situationen pro Union entschied. Da war man nah an dem Knackpunkt zu sagen, Frau, lass es doch besser ganz bleiben! Mit anderen Worten, man war der Verzweiflung sehr, sehr nah.
Im Herbst 2006 trat sie wieder an selber Stelle auf, diesmal im Spiel gegen die Dortmunder Amateure. Inzwischen schien sie sich auf aufgeheizte Situationen eingestellt zu haben und hatte in den zwei Jahren wohl auch die eine oder andere Anekdote erlebt, die sie nun als Erfahrung ins Feld führen konnte. Jedenfalls war ihr Part nun sehr unauffällig, was bei einem (oder auch einer) Unparteiischen als positiv zu werten ist.
Und nun der Auftritt vom vergangenen Freitag. Noch optimaler. Immer das richtige Wort zur richtigen Zeit, keine unnötigen, sondern wohl dosierte Verwarnungen. Auch die Assistenten wollten sich da nicht lumpen lassen und fügten sich in das enge Leistungsspektrum nahtlos ein.
Ich vergaß: Der Ergebnis des Abends stimmt ebenfalls. Ein 2:1-Sieg stand am Ende zu Buche, mit dem man beim 1.FC Union sicherlich mehr als nur leben kann. Der zweite Heimsieg in Folge (Siege feiert man sowieso fast ausschließlich in der Wuhlheide) schraubte das Punktekonto der Neuhaus-Elf auf 22. Nach den Schlappen von Mannschaften wie Ingolstadt und Osnabrück, werden solche Punkte nicht im Wert verfallen.
Die Berliner Qualitätspresse schreibt derweil die Spieler bereits zu „Stars“ hoch, die nach dem Sieg gegen Aachen auf einmal sprunghaft im Wert steigen würden und damit auch die Gehaltsansprüche nach oben schrauben. Hierzu sei zu sagen: Eine Flocke macht noch lange keinen Winter. Die vergangenen Heimspiele konnten gewonnen werden, aber auswärts drückt der Schuh tatsächlich.
Hier herrscht seit über einem halben Jahr quälende Dürre, die nur durch einen Sieg bei Arminia Bielefeld (den Ersten, wenn mich nicht alles täuscht) unterbrochen wurde. Auch was eine Personalauffrischung angeht, backt man in Köpenick kleine Brötchen. Kein Neuzugang wurde vermeldet, viel mehr beruft man sich auf die vielen Verletzten, die nun wieder in den Kader gerückt sind und dem Spiel ihren Stempel aufdrückten (u.a. der Kapitän Mattuschka). Siege sind gewiss das durchschlagendste Argument, allerdings ist das Problem des statischen Spiels nicht ausgestanden. Ein großes Loch klafft auf der Stürmerposition. Mosquera ist ein offensiver Mittelfeldmann (auch wenn er gegen Aachen getroffen hat), zumindest gefällt er auf diesem Part. Er kann sich Bälle erobern und diese dann auch geschickt verteidigen bzw. verteilen. Mit Savran stellte man ihm nun einen Wühler, einen Wadenbeißer zur Seite, der auch gegen Aachen die bewährten „Union-Tugenden“ auf dem Platz auslebte, und zu dem auch technisch das ein oder andere einstreut.
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