Der Focus sorgt mal wieder mit Propaganda für Aufmerksamkeit: Diesmal sieht man sich beim Springblatt dazu aufgerufen, der armen, mittellosen Ursula Sarrazin beizuspringen, die sich gerade in Berlin selbst in Verruf gebracht hat.
Vielmehr wird Madame Sarrazin als Wächterin der Qualitätssicherung in den Schulen präsentiert. Auch die Bild-Zeitung stützt Frau Sarrazin, in dem sie als edle Kämpferin für „Disziplin und Ordnung“ dargestellt wird, deren Bemühungen man nur falsch verstehe. Thilo Sarrazin, der Ehegatte, vermutete gar, dass seine Thesen Auslöser für die Debatte um seine Frau sein würden.
Dabei scheint die gesamte Springerarmada, wie auch Thilo Sarrazin, zu vergessen, dass die Kritik an seiner Frau überhaupt nichts mit seinen literarischen Ergüssen zu tun hat. Vielmehr wird der Art und Weise der Unterrichtsführung von Frau Sarrazin kritisiert. Interessant ist, dass nicht der Dialog folgt, sondern die pikierte Dame ihre Kontakte ins politische Establishment spielen lässt und somit einer Versetzung zuvor kam. Das ist insofern bemerkenswert, als dass ihr Mann sich noch im letzten Jahr über eben diese Politiker harsch beklagte, da sie ihn mundtot hätten machen wollen. Wenn einem die Kontakte also nicht gewogen sind, besucht man jede nur denkbare Talkshow, um den Opferstatus weiter auszubauen, andersherum übt man den Schulterschluss.
Wobei man hier klar zwischen Sarrzin und seiner Gattin differenzieren muss. Zunächst einmal gilt, dass ein solcher Vorfall untersucht und aufgeklärt werden muss. Denn es handelt sich nicht um Lappalien, die im Raum stehen. Statt objektiven Journalismus, bieten die Springer-Gazetten die übliche Sülze. Man stilisiert die Pädagogin als Opfer einer Hetzkampagne und vermutet hinter den Anschuldigungen – wie Sarrazin selbst – das Buch, welches im Sommer erschienen ist. Nicht nur Berichte, nein, auch ein Exklusiv-Interview gab die 59-Jährige der Bild-Zeitung, in der sie den Versuch unternahm, sich für Entgleisungen (die sie nicht komplett grundsätzliche abstreitet) zu rechtfertigen. Sie vermutete – wie kann es anders sein – türkische Eltern hinter den, aus ihrer Sicht, unhaltbaren Vorwürfen.
Die Blöd-Zeitung war sich auch nicht zu fein von Vorwürfen zu sprechen, die gerade jetzt „aus der Mottenkiste“ geholt würden. Und wieder bringt die Zeitung mit den vier Buchstaben Thilo Sarrazin ins Spiel (neben den diversen Hinweisen auf sein Buch, die mehrfach auftauchen), der „Berlins Finanzen mit hartem Sparkurs in Ordnung gebracht“ hätte. Auch hier wieder Augenwischerei vom Feinsten. Vor allem, weil Sarrazin mit seiner Finanzpolitik mehr Löcher aufgerissen als geschlossen hat.
Im Endeffekt bedient Ursula Sarrazin die ewig Gestrigen, die antiquierten Sichtweisen und scheint sich in der Rolle gut zu gefallen. Nun wird sie auch an einer Talkrunde im Ersten teilnehmen, um sich im neugewonnenen Ruhm zu sonnen oder so ähnlich. Oder aber ihren Opferkult weiter auszubauen. Denn auch diese Option besteht. Nun, am 23. Januar, gehen Berichte um, die melden, dass Frau Sarrazin es ihrem Mann gleich tun möchte und ein Buch „über Bildungsfragen“ verfassen will.
Etwas ganz putziges habe ich heute bei der Recherche entdeckt: Eine Pro-Sarrazin-Seite, die das Thema mit Begierde aufgegriffen hat, passt es schließlich doch perfekt in das eigene Weltbild. Auch hier ist wieder von Redeverboten zu lesen, von nicht vorhandener Meinungsfreiheit. Die Kritiker von Ursula Sarrazin werden als „Multikulturalisten“ (interessant Wortschöpfung) bezeichnet, in deren Köpfe es nicht reingehe, dass pädagogisch wertvoll nur Disziplin und Ordnung sei.
Man huldigt Frau Sarrazin, stellt sie – ähnlich wie ihren Mann - als Märtyrin der guten Sache hin. Dass hier wohl Kinder von der Dame eigenmächtig zurückgestuft wurden (ohne Beschluss der Klassenkonferenz), ist überhaupt nicht mehr von Interesse. Aber die Disziplin, die Frau Sarrazin ihren Schülern predigt, der scheint sie selbst, wie der Fall aus dem Jahr 2008 zeigt, nicht sehr zugeneigt zu sein. Das Totschlagargument der fehlenden Meinungsfreiheit muss endlich in der – Achtung – Mottenkiste verschwinden. Frau Sarrazin darf sich zu der Situation erklären, wo sie möchte.
Nun auch noch bei Maischberger. Ob und inwiefern das Sinn macht, sei dahingestellt. Viel gefährlicher ist, dass viele Menschen der Inhalt der ganzen Geschichte gar nicht mehr primär interessiert, sondern sie dem „Mythos Sarrazin“ föhnen wollen. Was hat der noch mal gesagt? Ach, vollkommen irrelevant, Hauptsache, er hat was gesagt. Dieses Motto scheinen einige der Untertanen bereits verinnerlicht zu haben.
Hier geht es überhaupt nicht mehr um eine Pädagogin, die im Dienst vermeintlich Fehler gemacht hat, sondern wieder mal nur um eine Märtyrerin. Das ärgert einen insoweit, als, dass es so sehr wohl realistisch gewesen wäre, Sachlichkeit walten zu lassen.
Frau Sarrazin geht es ähnlich wie ihrem Mann: Sie fühlt sich unverstanden und gebrandmarkt. Dabei hat sie das Patentrezept bei der Hand, so zumindest die eigene Einschätzung.
Jedenfalls darf man sich in den nächsten Tag noch auf die ein oder andere skurrile Nachricht gefasst machen.
Politisch, sportlich, bissig, weltoffen, hartnäckig und obendrein auch noch unabhängig.
Dienstag, 25. Januar 2011
Mittwoch, 19. Januar 2011
1.FC Union - Aachen: Eindrücke
Eigentlich sollte die Tatsache, dass eine Frau ein Spiel im Männerfußball leitet, kein Tabu mehr sein, welches dazu führt, dass dieser Einsatz am nächsten Tag auf allem Titelseiten zu lesen ist. Aber bei Bibiana Steinhaus ist es durchaus angebracht, etwas genauer hinzuschauen.
Denn sie ist die einzige Frau, die Spiele im DFL-Bereich leitet. So auch am Freitag das Spiel des 1.FC Union Berlin gegen Aachen. Auch hier wurde wieder dokumentiert, wie wertvoll es doch sein kann, wenn man Selbstdarsteller (viele ihrer männlichen Kollegen sind solche) an der Pfeife arbeitet.
Die Ruhe, die Frau Steinhaus ausgestrahlt hat, färbt nämlich ganz offensichtlich auch auf den einen oder anderen Spieler ab. Fakt ist, dass die Dame nicht verkrampft wirkt und doch sehr diszipliniert das Spiel leitet. Auch eine natürliche Autorität scheint vorhanden zu sein, denn auch das ein oder andere energischere Wort fiel an diesem Freitagabend im Beisein der Spieler. Es war der dritte Einsatz der Dame aus dem Harz, den ich live im Stadion an der Alten Försterei mit verfolgen konnte. Und sie hat sich von Mal zu Mal gesteigert. Der erste Auftritt, die verunglückte Premiere anno 2004, war einer aus dem Gruselkabinett. Eine sehr junge, verunsicherte Frau, die der Unmut, der von den Rängen kam, so mitnahm, dass sie kuriose Situationen pro Union entschied. Da war man nah an dem Knackpunkt zu sagen, Frau, lass es doch besser ganz bleiben! Mit anderen Worten, man war der Verzweiflung sehr, sehr nah.
Im Herbst 2006 trat sie wieder an selber Stelle auf, diesmal im Spiel gegen die Dortmunder Amateure. Inzwischen schien sie sich auf aufgeheizte Situationen eingestellt zu haben und hatte in den zwei Jahren wohl auch die eine oder andere Anekdote erlebt, die sie nun als Erfahrung ins Feld führen konnte. Jedenfalls war ihr Part nun sehr unauffällig, was bei einem (oder auch einer) Unparteiischen als positiv zu werten ist.
Und nun der Auftritt vom vergangenen Freitag. Noch optimaler. Immer das richtige Wort zur richtigen Zeit, keine unnötigen, sondern wohl dosierte Verwarnungen. Auch die Assistenten wollten sich da nicht lumpen lassen und fügten sich in das enge Leistungsspektrum nahtlos ein.
Ich vergaß: Der Ergebnis des Abends stimmt ebenfalls. Ein 2:1-Sieg stand am Ende zu Buche, mit dem man beim 1.FC Union sicherlich mehr als nur leben kann. Der zweite Heimsieg in Folge (Siege feiert man sowieso fast ausschließlich in der Wuhlheide) schraubte das Punktekonto der Neuhaus-Elf auf 22. Nach den Schlappen von Mannschaften wie Ingolstadt und Osnabrück, werden solche Punkte nicht im Wert verfallen.
Die Berliner Qualitätspresse schreibt derweil die Spieler bereits zu „Stars“ hoch, die nach dem Sieg gegen Aachen auf einmal sprunghaft im Wert steigen würden und damit auch die Gehaltsansprüche nach oben schrauben. Hierzu sei zu sagen: Eine Flocke macht noch lange keinen Winter. Die vergangenen Heimspiele konnten gewonnen werden, aber auswärts drückt der Schuh tatsächlich.
Hier herrscht seit über einem halben Jahr quälende Dürre, die nur durch einen Sieg bei Arminia Bielefeld (den Ersten, wenn mich nicht alles täuscht) unterbrochen wurde. Auch was eine Personalauffrischung angeht, backt man in Köpenick kleine Brötchen. Kein Neuzugang wurde vermeldet, viel mehr beruft man sich auf die vielen Verletzten, die nun wieder in den Kader gerückt sind und dem Spiel ihren Stempel aufdrückten (u.a. der Kapitän Mattuschka). Siege sind gewiss das durchschlagendste Argument, allerdings ist das Problem des statischen Spiels nicht ausgestanden. Ein großes Loch klafft auf der Stürmerposition. Mosquera ist ein offensiver Mittelfeldmann (auch wenn er gegen Aachen getroffen hat), zumindest gefällt er auf diesem Part. Er kann sich Bälle erobern und diese dann auch geschickt verteidigen bzw. verteilen. Mit Savran stellte man ihm nun einen Wühler, einen Wadenbeißer zur Seite, der auch gegen Aachen die bewährten „Union-Tugenden“ auf dem Platz auslebte, und zu dem auch technisch das ein oder andere einstreut.
Denn sie ist die einzige Frau, die Spiele im DFL-Bereich leitet. So auch am Freitag das Spiel des 1.FC Union Berlin gegen Aachen. Auch hier wurde wieder dokumentiert, wie wertvoll es doch sein kann, wenn man Selbstdarsteller (viele ihrer männlichen Kollegen sind solche) an der Pfeife arbeitet.
Die Ruhe, die Frau Steinhaus ausgestrahlt hat, färbt nämlich ganz offensichtlich auch auf den einen oder anderen Spieler ab. Fakt ist, dass die Dame nicht verkrampft wirkt und doch sehr diszipliniert das Spiel leitet. Auch eine natürliche Autorität scheint vorhanden zu sein, denn auch das ein oder andere energischere Wort fiel an diesem Freitagabend im Beisein der Spieler. Es war der dritte Einsatz der Dame aus dem Harz, den ich live im Stadion an der Alten Försterei mit verfolgen konnte. Und sie hat sich von Mal zu Mal gesteigert. Der erste Auftritt, die verunglückte Premiere anno 2004, war einer aus dem Gruselkabinett. Eine sehr junge, verunsicherte Frau, die der Unmut, der von den Rängen kam, so mitnahm, dass sie kuriose Situationen pro Union entschied. Da war man nah an dem Knackpunkt zu sagen, Frau, lass es doch besser ganz bleiben! Mit anderen Worten, man war der Verzweiflung sehr, sehr nah.
Im Herbst 2006 trat sie wieder an selber Stelle auf, diesmal im Spiel gegen die Dortmunder Amateure. Inzwischen schien sie sich auf aufgeheizte Situationen eingestellt zu haben und hatte in den zwei Jahren wohl auch die eine oder andere Anekdote erlebt, die sie nun als Erfahrung ins Feld führen konnte. Jedenfalls war ihr Part nun sehr unauffällig, was bei einem (oder auch einer) Unparteiischen als positiv zu werten ist.
Und nun der Auftritt vom vergangenen Freitag. Noch optimaler. Immer das richtige Wort zur richtigen Zeit, keine unnötigen, sondern wohl dosierte Verwarnungen. Auch die Assistenten wollten sich da nicht lumpen lassen und fügten sich in das enge Leistungsspektrum nahtlos ein.
Ich vergaß: Der Ergebnis des Abends stimmt ebenfalls. Ein 2:1-Sieg stand am Ende zu Buche, mit dem man beim 1.FC Union sicherlich mehr als nur leben kann. Der zweite Heimsieg in Folge (Siege feiert man sowieso fast ausschließlich in der Wuhlheide) schraubte das Punktekonto der Neuhaus-Elf auf 22. Nach den Schlappen von Mannschaften wie Ingolstadt und Osnabrück, werden solche Punkte nicht im Wert verfallen.
Die Berliner Qualitätspresse schreibt derweil die Spieler bereits zu „Stars“ hoch, die nach dem Sieg gegen Aachen auf einmal sprunghaft im Wert steigen würden und damit auch die Gehaltsansprüche nach oben schrauben. Hierzu sei zu sagen: Eine Flocke macht noch lange keinen Winter. Die vergangenen Heimspiele konnten gewonnen werden, aber auswärts drückt der Schuh tatsächlich.
Hier herrscht seit über einem halben Jahr quälende Dürre, die nur durch einen Sieg bei Arminia Bielefeld (den Ersten, wenn mich nicht alles täuscht) unterbrochen wurde. Auch was eine Personalauffrischung angeht, backt man in Köpenick kleine Brötchen. Kein Neuzugang wurde vermeldet, viel mehr beruft man sich auf die vielen Verletzten, die nun wieder in den Kader gerückt sind und dem Spiel ihren Stempel aufdrückten (u.a. der Kapitän Mattuschka). Siege sind gewiss das durchschlagendste Argument, allerdings ist das Problem des statischen Spiels nicht ausgestanden. Ein großes Loch klafft auf der Stürmerposition. Mosquera ist ein offensiver Mittelfeldmann (auch wenn er gegen Aachen getroffen hat), zumindest gefällt er auf diesem Part. Er kann sich Bälle erobern und diese dann auch geschickt verteidigen bzw. verteilen. Mit Savran stellte man ihm nun einen Wühler, einen Wadenbeißer zur Seite, der auch gegen Aachen die bewährten „Union-Tugenden“ auf dem Platz auslebte, und zu dem auch technisch das ein oder andere einstreut.
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