Mittwoch, 19. Januar 2011

1.FC Union - Aachen: Eindrücke

Eigentlich sollte die Tatsache, dass eine Frau ein Spiel im Männerfußball leitet, kein Tabu mehr sein, welches dazu führt, dass dieser Einsatz am nächsten Tag auf allem Titelseiten zu lesen ist. Aber bei Bibiana Steinhaus ist es durchaus angebracht, etwas genauer hinzuschauen.
Denn sie ist die einzige Frau, die Spiele im DFL-Bereich leitet. So auch am Freitag das Spiel des 1.FC Union Berlin gegen Aachen. Auch hier wurde wieder dokumentiert, wie wertvoll es doch sein kann, wenn man Selbstdarsteller (viele ihrer männlichen Kollegen sind solche) an der Pfeife arbeitet.
Die Ruhe, die Frau Steinhaus ausgestrahlt hat, färbt nämlich ganz offensichtlich auch auf den einen oder anderen Spieler ab. Fakt ist, dass die Dame nicht verkrampft wirkt und doch sehr diszipliniert das Spiel leitet. Auch eine natürliche Autorität scheint vorhanden zu sein, denn auch das ein oder andere energischere Wort fiel an diesem Freitagabend im Beisein der Spieler. Es war der dritte Einsatz der Dame aus dem Harz, den ich live im Stadion an der Alten Försterei mit verfolgen konnte. Und sie hat sich von Mal zu Mal gesteigert. Der erste Auftritt, die verunglückte Premiere anno 2004, war einer aus dem Gruselkabinett. Eine sehr junge, verunsicherte Frau, die der Unmut, der von den Rängen kam, so mitnahm, dass sie kuriose Situationen pro Union entschied. Da war man nah an dem Knackpunkt zu sagen, Frau, lass es doch besser ganz bleiben! Mit anderen Worten, man war der Verzweiflung sehr, sehr nah.

Im Herbst 2006 trat sie wieder an selber Stelle auf, diesmal im Spiel gegen die Dortmunder Amateure. Inzwischen schien sie sich auf aufgeheizte Situationen eingestellt zu haben und hatte in den zwei Jahren wohl auch die eine oder andere Anekdote erlebt, die sie nun als Erfahrung ins Feld führen konnte. Jedenfalls war ihr Part nun sehr unauffällig, was bei einem (oder auch einer) Unparteiischen als positiv zu werten ist.
Und nun der Auftritt vom vergangenen Freitag. Noch optimaler. Immer das richtige Wort zur richtigen Zeit, keine unnötigen, sondern wohl dosierte Verwarnungen. Auch die Assistenten wollten sich da nicht lumpen lassen und fügten sich in das enge Leistungsspektrum nahtlos ein.
Ich vergaß: Der Ergebnis des Abends stimmt ebenfalls. Ein 2:1-Sieg stand am Ende zu Buche, mit dem man beim 1.FC Union sicherlich mehr als nur leben kann. Der zweite Heimsieg in Folge (Siege feiert man sowieso fast ausschließlich in der Wuhlheide) schraubte das Punktekonto der Neuhaus-Elf auf 22. Nach den Schlappen von Mannschaften wie Ingolstadt und Osnabrück, werden solche Punkte nicht im Wert verfallen.

Die Berliner Qualitätspresse schreibt derweil die Spieler bereits zu „Stars“ hoch, die nach dem Sieg gegen Aachen auf einmal sprunghaft im Wert steigen würden und damit auch die Gehaltsansprüche nach oben schrauben. Hierzu sei zu sagen: Eine Flocke macht noch lange keinen Winter. Die vergangenen Heimspiele konnten gewonnen werden, aber auswärts drückt der Schuh tatsächlich.
Hier herrscht seit über einem halben Jahr quälende Dürre, die nur durch einen Sieg bei Arminia Bielefeld (den Ersten, wenn mich nicht alles täuscht) unterbrochen wurde. Auch was eine Personalauffrischung angeht, backt man in Köpenick kleine Brötchen. Kein Neuzugang wurde vermeldet, viel mehr beruft man sich auf die vielen Verletzten, die nun wieder in den Kader gerückt sind und dem Spiel ihren Stempel aufdrückten (u.a. der Kapitän Mattuschka). Siege sind gewiss das durchschlagendste Argument, allerdings ist das Problem des statischen Spiels nicht ausgestanden. Ein großes Loch klafft auf der Stürmerposition. Mosquera ist ein offensiver Mittelfeldmann (auch wenn er gegen Aachen getroffen hat), zumindest gefällt er auf diesem Part. Er kann sich Bälle erobern und diese dann auch geschickt verteidigen bzw. verteilen. Mit Savran stellte man ihm nun einen Wühler, einen Wadenbeißer zur Seite, der auch gegen Aachen die bewährten „Union-Tugenden“ auf dem Platz auslebte, und zu dem auch technisch das ein oder andere einstreut.

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