Sonntag, 5. Juni 2011

Neue Neuausrichtung

Dem 1.FC Union standen in den letzten Tagen viele Veränderungen ins Haus, vor allem, was den Kader für die neue Saison 2011/2012 angeht.
Aber nicht nur die Mannschaft auf dem Platz wird in der neuen Saison ein verändertes Gesicht zeigen, auch eine Person, die hinter der Mannschaft stand – im wahrsten Sinne des Wortes -, die dieses Team mit aufgebaut hat, wird eine Veränderung wahrnehmen. Christian Beeck, Sportlicher Leiter, ist seine Funktion los. Beeck, der selbst als Spieler eine reiche Vergangenheit beim 1.FC Union vorweisen kann, begann 1980 beim 1.FC Union mit dem Fußballspielen, und selbst, wenn er dann das Leibchen eines anderen Vereins überstreifte, wies er auf seinen Verein hin, bei dem er das Spiel erlernt hatte. Später sollte er unter Eduard Geyer bei Energie Cottbus sogar in der Bundesliga zum unumstrittenen Abwehrchef beim Energie Cottbus werden.

Im Jahr 2005, kurz nach dem Absturz des Vereins in die Oberliga Nord Ost, wurde Beeck im Oktober desselben Jahres als neuer Teammanager präsentiert. Während er zwischendurch sogar als Chef-Scout und A-Jungendtrainer arbeitete, wurde er später Sportdirektor im Verein und gestaltete eine nicht minder erfolgreiche Epoche des Vereins mit – sozusagen den Wiederaufstieg in bekannte Gefilde. In seine Zeit bei Union fallen die Verpflichtungen von u. a. Daniel Göhlert, Patrick Kohlmann und auch Michael Parensen. All diese Verpflichtungen waren für den sportlichen Erfolg richtungsweisend. Er erlebte den Aufstieg aus der Oberliga –damals noch viertklassig – in die Regionalliga Nord mit, dort dann nach zwei Jahren die Qualifikation für die eingleisige dritte Liga. Gleich im ersten Jahr konnte die Mannschaft unangefochten Premierenmeister der neu eingeführten Spielklasse werden und fünf Jahre nach dem man sich aus der 2. Bundesliga verabschieden musste, was 2004 geschah.

Im Sommer 2010 wurde eine Lizenzspielerabteilung geschaffen, welche Beeck als dann Teammanager gleichberechtigt mit Trainer Neuhaus betreuen sollte.
Zingler sagte im April 2010 dem Tagesspiel zur Vertragsverlängerung von Christian Beeck: „Wir wollen Strukturen schaffen, mit denen wir unsere mittelfristigen Ziele, die Etablierung im Lizenzfußball, verwirklichen können. (…) Das macht auch Entscheidungen im Sportlichen notwendig.“ Das klingt für den normalen Menschen erst mal positiv. Zumal Beeck – wie angesprochen – seit 2005 in verschiedenen Funktionen im Verein tätig war. Sichtbare Differenzen gab es nach der Vertragsverlängerung 2010 erst im Jahre 2011, als Christian Beeck ein Testspiel gegen Rasenballsport Leipzig im Stadion an der Alten Försterei ansetzte. In einer offiziellen Pressemitteilung hieß es dann wie folgt: „Nicht alles, was aus sportlicher Sicht sinnvoll erscheint, passt zu Union. Das Präsidium steht in der Gesamtverantwortung für den Verein und muss mehr berücksichtigen, als die Bedürfnisse einzelner Abteilungen“, so Präsident Zingler. Das Präsidium hat zuvor entschieden, dass das Testspiel nicht stattfinden sollte und ist somit den Sportdirektor in den Rücken gefallen.
So zumindest habe ich damals das Statement empfunden. Jeder kennte die Geschichte von RB Leipzig, aber hier dürfen Sentimentalitäten eigentlich keine übergeordnete Rolle spielen. Es handelte sich um ein Spiel, welches aus sportlicher Sicht mehr als sinnvoll gewesen wäre. Jedoch muss auch ich zugeben, dass meine Sympathien für den Verein aus Leipzig gen Null tendieren. Es ging vor allem um Grundsätzliches, fast eine Art Glaubenskrieg. Für Christian Beeck war die emotionale Komponente nicht ausschlaggebend bei der Vereinbarung des Spiels.

Auch hinter den Kulissen soll es zu Konflikten zwischen Teammanager Beeck und Trainer Neuhaus gekommen sein. Dass man sich nicht in inniger Zuneigung zugetan war, das ist kein Geheimnis. Vielen galt der Rauschmiss (so möchte ich es mal bezeichnen) von Beeck und das Installieren von Nico Schäfer, der zuvor lange Jahre bei RW Essen tätig war, als Rotes Tuch. Denn es besteht zwischen Neuhaus und Schäfer eine Parallele. Neuhaus war zwischen April 2005 und November 2006 als Trainer in Essen tätig. Auf mich macht das – vor dem Hintergrund des Vertrags für Beeck aus dem letzten Sommer – einen merkwürdigen Eindruck.

Dazu passen auch die bisherigen Verpflichtungen des Vereins, die alle samt nicht aus der Region stammen und teilweise sogar Nationalmannschaftserfahrung vorweisen können (z. B. Patrick Zoundi). Spieler, deren Unterschrift unter ein Arbeitspapier beim 1.FC Union och vor einem Jahr als utopisch hätten bezeichnet werden können. Hier darf man aber ebenfalls Fragezeichen setzen, ob alle Verpflichtungen mit auf die Kappe eines Nico Schäfer gehen. Nicht nur Nico Schäfer steht für „die Neuausrichtung“ im Verein. Auch die Tatsache, dass Theo Gries, der die zweite Mannschaft des 1.FC Union in der Oberliga in der abgelaufenen Saison vorzüglich betreut hat, den Verein verlassen muss, lässt ein bisschen tiefer blicken.

Ich für meinen Teil habe trotzdem wieder 165 Euro in eine Dauerkarte investiert, denn ich möchte selbst beurteilen, wie sich die neue strategische Ausrichtung sportlich auf dem Platz niederschlägt. Mit der Begründung, die der Öffentlichkeit nach der Entlassung von Christian Beeck vorgesetzt wurde, konnte ich persönlich wenig anfangen. Chrstian Beeck lebt diesen Verein – so schätzte ich ihn ein. Er ist fußballerisch in Köpenick groß geworden und mit dem Verein auf diese Weise verwurzelt. Er hat Stallgeruch und war nah an der Mannschaft. Analysiert man das Profil von Nico Schäfer, so wird klar, dass vor allem der Teil mit der Nähe zur Mannschaft, zu den sportlichen Belangen abhandenkommen wird.
Man sollte die Entwicklungen sehr genau im Auge behalten.