Der Roman von William Gay „Nächtliche Vorkommnisse“ (Originaltitel „Twilight“) kam mir letzten Sonntag unter die Augen und erweckte mein Interesse, da die Geschichte, die die Buchrücken und die ersten Seiten erzählten sehr verführerisch klangen. Ein Bestattungsunternehmer in einem kleinen Nest in Tennessee, der gerne unpopuläre Fotos mit den Toten schießt, die er eigentlich nur herrichten sollte, damit die Angehörigen dieser Menschen sich von Ihnen beim Begräbnis verabschieden können.
Diesen Bestattungsunternehmer kann man mit Fug und Recht als Perversen bezeichnen, der seine Neigungen an den Toten auslebt, sich auch gerne mal mit Ihnen vor den Kamin setzt und mit ihnen seiner Lieblingsmusik bzw. Seifenopern lauscht, die durch das Radio klingen. Interessant ist, dass die Geschwister Tyler (Kenneth und Corrie), die ebenfalls in dem Nest wohnen, in dem die Geschichte spielt, dem windigen Bestattungsunternehmer auf die Spur kommen. Sie heben das Grab ihres Vaters aus, weil sie den Verdacht hegen, dass auch er Opfer der Machenschaften von Breece (dem Bestattungsunternehmer) wurde. Und sie wurden leider nicht enttäuscht.
Kenneth stibitzt Breece eines Tages die Aktentasche, in dem er belastendes Material findet (Fotos, einen besudelten Schlüpfer). Nach dem er Kriegsrat mit seiner Schwester Corrie hält, beschließt diese mittels der Bilder Geld von Breece zu erpressen. Soweit, so gut. Breece fürchtet um seinen Leumund in der Stadt, obwohl er generell Menschen scheut.
Er heuert nach kurzer Überlegung einen anscheinend bei allen bekannten Psychopathen namens Sutter an, der Abhilfe schaffen bzw. die Bilder wiederbeschaffen soll. Breece bietet ihm den Betrag, um den er von den Tyler Geschwistern erpresst wird. 15.000 Dollar sollen fließen. Sutter, der selber schon mehr als einmal mit dem Gesetz in Konflikt kam und Menschenleben auf dem Gewissen hat, weiß, dass er mit seinem Wissen (warum Breece die Fotos fürchtet konnte er beim Gespräch halbwegs in Erfahrung bringen) Breece in der Hand hat und nach Möglichkeit ließe sich aus der Angelegenheit mehr Kapital schlagen.
Die Geschichte trotzt meiner Meinung nach nur so vor Potential, welches der Autor eben anfangs auch ausschöpft, gegen Mitte des Werks allerdings bleibt der Spannungsbogen allerdings lasch. Der Autor verrennt sich in halbseitige Metaphern und Vergleiche. Versucht krampfhaft die Natur, das Drumherum zu umschreiben. Dass das nach 20 bis 30 Seiten reichlich monoton rüberkommt, verwundert nicht. Interessant ist, dass Kenneth nach dem Tod seiner Schwester Corrie vor Sutter flieht, und die Bilder tief im Hinterland herumirrend in einer Art Vertiefung versteckt. Heraussticht, dass Sutter Kenneth durch die Tiefen des Waldes dem Anschein nach ohne optische Hinweise (Fußspuren etc.) verfolgen kann, obwohl er mehrere Stunden Rückstand hat. Außerdem wird dem Leser zu keiner Zeit im Buch näher erläutert, wie Sutter zu diesen Qualitäten kommt. Kenneth trifft auf religiöse Eiferer, die ihm Unterschlupf gewähren, begeht mit deren Tochter Intimitäten.
Und nach dem er diese Familie wieder verlässt, schlägt der Killer Sutter auf, der die gesamte Familie tötet.
Kenneth sucht nach einem Staatsanwalt, der gegen Sutter vor Jahren bereits ein Verfahren führte, welches sich aber verlief und an dessen Ende ein Freispruch für Sutter stand. Der Staatsanwalt wohnt und arbeitet in einer einige Kilometer entfernten Stadt, deswegen schlug sich Kenneth durch die Pampa. Am Ende wird alles gut, obwohl Sutter als Oma verkleidet, vor dem Gerichtsgebäude, in dem der Staatsanwalt arbeitet, auf Kenneth lauert und ihn versucht zu entführen und über Folter den Ort der Bilder zu erhalten.
Es bleibt dabei: der Anfang ist spannend und schnelllebig, der Mitteilteil elend lang und monoton. Erst gegen Ende nimmt das Werk wieder ordentlich Fahrt auf.
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