Hansa Rostock, Hansa Rostock; denke ich an diese Mannschaft,
so fällt mir persönlich sofort wieder das Auswärtsspiel ein, welches das
Rückspiel in der Saison 2009 / 2010 zwischen dem 1.FC Union und eben den
Hanse-Städtern war. Eigentlich sollte es im Januar 2010 stattfinden. Der Weg über die tiefverschneite Autobahn
damals war schon ein Abenteuer und als man sich bis kurz vor Güstrow gekämpft
hatte, erfuhr man von der Absage auf Grund von zugeschneiten Zufahrtsstraßen
und einem Fußballplatz im Ostsee-Stadion, welcher beim besten Willen nicht
bespielbar war. Mit 50 km/h schlich man zusammen mit der Schneepflug-Armada, die einem den Weg nach Berlin freiräumte, über die Bundesautobahn 19. So kam es das man erst später am Nachmittag bzw. Abend wieder in der Hauptstadt aufschlug, ohne, dass der Ball auch nur eine Sekunde gerollt wäre. Neben der Autobahn konnte man meterhohe Schneeverwehungen entdecken. Es war eine absolut skurille Situation - selbst in der Nachbetrachtung.
Das Rückspiel an einem Mittwoch im Februar 2010 tat man sich
dann trotzdem an; für Glanzpunkte konnte der glorreiche FCU an der Ostsee
damals zumindest nicht sorgen.
Nun schrieben wir den 25. November 2011 und es stand mal
wieder ein Auswärtsspiel bei Hansa Rostock an, welches ich mir nicht entgehen
lassen wollte. Zusammen mit einem weiteren Fußball- bzw. Union-Freund machte
sich die kleine Reisegruppe ab Gatower-Straße um kurz nach 12 Uhr auf den Weg
gen Rostock. Und eben dieser Fußballfreund ist mit Christopher Quiring in die
Grundschule gegangen, und diesmal, so hofften wir, würden wir – ganz im
Gegensatz zur Reise nach Duisburg – Chrissi in Aktion erleben. Auf der Fahrt an
die Ostsee ließen wir noch mal langsam die Woche Revue passieren und ich wurde
weiter mit Infos über unseren Wirbelwind aus der einen Jugend gefüttert. Dieses Mal kamen wir allerdings ohne in einen
Schneesturm zu geraten bis nach Güstrow, um uns auf dem dortigen Rastplatz kurz
aufzuhalten. Nach der kleinen Rast
machte man sich wieder auf den Weg, um am Kreuz Rostock auf die A20 zu biegen,
bis man zur Abfahrt Rostock Südstadt erreicht hatte.
Am Parkplatz vor dem Hauptbahnhof traf man auf die bekannten
Farben und diverse Berliner Kennzeichen. Auf der Suche nach einer Lokalität, in
der man sich kulinarisch bedienen kann, wurde der Berliner Fan bei einer
Würstchenbude (improvisiert?!) vor dem Portal fündig. Eine neue Erkenntnis
nahmen wir dabei auch in die Hauptstadt mit: die Currywurst in Rostock, genauer
gesagt in der Bude am Hauptbahnhof, ist ess- und bezahlbar. Beruhigend.
Was mich weniger beruhigte, war die Antwort des kleinen
gelben Männchens, welches den Parkaufseher gab. Als Antwort auf meine Frage,
wer den Parkplatz denn bewacht, wenn sämtliche Hundertschaften Richtung Stadion
gefahren sind, entgegnete mir der 1,60-Hüne: „Also eine Funkstreife bleibt auf
jeden Fall hier.“ Klasse, also wenn der Mob denn willens, dann hat er wenig
Gegenwehr zu befürchten.
Um 16 Uhr dann lief der „Sonderzug“ zum Bahnhof Parkstraße
im Hauptbahnhof ein. Eine Station fuhr man dann bis zur Parkstraße und dort
wartete schon der Polizeikessel, um einen auf den letzten 2 Kilometern zum
Stadion zu Fuß zu begleiten.
Die Einlasssituation hatte sich im Vergleich zum Februar 2010 überhaupt nicht
verändert. Die 2.200 Gäste-Fans wurden strategisch äußerst klug durch ein
kleines Eisentor mit einem Durchmesser von vielleicht einem Meter geschleust.
Dies führte unweigerlich dazu, dass die
Menschenmassen vor eben diesem Tor anschwollen,
da eben jenes Tor praktisch alle 10 Sekunden für 5 Minuten geschlossen wurde.
Der Unmut und auch der Druck wuchs. Der Effekt war, dass geschoben wurde, und
so leider auch kleinere, speziell Frauen, Probleme beim immer enger werdenden
Raum bekamen. Der Anpfiff wurde schließlich 15 Minuten verlegt, allerdings
reichte auch das nicht, um allen Unionern zu ermöglichen, pünktlich zum Anpfiff
im Gäste-Block zu sein.
Das Spiel selbst, um nun zum sportlichen Part des Abends zu
kommen, wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Schon in den ersten 45
Minuten war Union das spielbestimmende, drückendüberlegene und reifere
Team. Das Team musste vor dem Gastspiel
in Rostock umgestellt werden; für den gelbgesperrten Markus Karl rückte Michael
Parensen aus dem linken Mittelfeld auf die „Sechs“ als defensiver
Mittefeldspieler und für ihn wiederum rückte Chinedu Ede auf links.
Und diese mehr oder weniger unfreiwilligen Umstellungen
erwiesen sich als Segen. Denn Parensen war über die vollen 90 Minuten der Mann,
der Strippen zog, der das Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff war. Schon
nach den ersten 45 Minuten hätte man zwei, drei Treffer machen müssen (Silvio,
Quiring). Das hat sich die Mannschaft aber für die zweite Halbzeit aufgehoben,
in der sie Rostock phasenweise gut laufen ließ. Innerhalb von 10 Minuten wurden
drei Treffer erzielt und auch nach dem Anschluss durch Albrecht ließ sich das
Team nicht aus der Ruhe bringen und erstickte das zarte Flämmchen Hoffnung der
Rostocker im Keim. Innerhalb weniger Minuten in der zweiten Halbzeit stand es
3:0 für die Guten. Vor allem das erste Tor war schulbuchmäßig raus gespielt
worden.
Silvio behauptete einen Ball bravourös, bediente Ede in der
Zentrale, und dieser sah den rechts einlaufenden Pfertzel (meine Worte:
„RECHTS, RECHTS, PFERTZEL!!!“). Und der Pass kommt tatsächlich. Pfertzel
vollendet dann wunderschön ins lange Eck – keine Chance für Müller im
Hansa-Karton! Dann wieder dieser Ede, der das 2:0 durch Chrissi vorbereitete. Und selbst als unser linker Verteidiger Kohlmann gegen Trapp ausgewechselt wurde, riss der Spielfaden nicht. Wieder rennt Parensen durch den gesamten Mittelblock der Hansa-Kogge, bedient auf links Trapp, der flach in den Strafraum spielt, wo Mosquera im Stile eines Spitzenstürmers (oh man, was für ein Duktus) zum 3:0 vollendet. Was für ein Pogo im Gästeblock! So richtig realisieren mussten wir die letzten 10 Minuten erstmal schon - 3 Tore in 10 Minuten für unseren FCU! Nach dem 1:3 war es Mosquera mit seinem 2. Tor des Abends nach feiner Vorarbeit des überragenden
Ede, der für klare Verhältnisse sorgte. Dieser wusel flinke Ede war überall zu
finden und nahm es mit der halben Rostocker Defensive auf. In der Schlussminute
war es dann wieder der nicht minder überragende Parensen auf der "Sechs", der einen Pass der
Rostocker abfing und mit Nachdruck mit dem Ball am Fuß einen Gegenspieler
abschüttelte, einen brillanten Pass in den Lauf des startenden Mosquera
spielte, und dieser bediente dann mustergültig den mitgelaufenen Zoundi, der
der Kogge den Rest gab.
5:2 aus Union-Sicht!
Auswärts! In Rostock! Seit 1972 hat Union in Rostock nicht mehr voll punkten
können bzw. ein Spiel zu den eigenen Gunsten entscheiden können.
Die Rückfahrt traten wir dann gegen 21.30 Uhr (?) an und
fuhren sogleich auch auf der A20 in den erst besten Stau. Selbst dieser Umstand
aber konnte die Stimmung nur wenig eintrüben. Gegen 23 Uhr besuchte man ein
Schnellrestaurant, welches gesäumt war von freudetrunkenen Rot-Weißen, die
ihren Hunger stillten.
Mein Fußballwochenende war um 1 Uhr in der Früh am Samstag mehr als
gerettet.