Ich wollte nur einen Kaffee trinken gehen in der
Nachmittagsschichte; ich schwöre es…und doch entwickelte sich auf einmal ohne
Vorwarnung eine politische Diskussion. Eine Diskussion über die anstehende Wahl
des US-Präsidenten. Es prallten zwei Welten aufeinander, die unterschiedlicher
nicht sein könnten. Man kennt das ja: man schaut sich einen Bericht in einem
Nachrichtenmagazin an, in dem der Korrespondent die Wahlveranstaltung eines
konservativen Nests besucht. Dort wird dann Agitation gegen alles und jeden
betrieben, was sich gerade so anbietet. Gegen Moslems, den „Kommunisten“ Obama,
die Schulden, die Krankenversicherung, allgemein wird mit der Angst vor zu viel
Staat im Staate Stimmung gemacht. Dabei ist den Befragten keine Argumentation
peinlich genug, als dass man sie nicht ins Felde führen könnte. Der
Konservative in den USA ist jedoch nicht gleichzusetzen mit den Menschen, die
wir in Europa als konservativ bezeichnen würden. Das bemerkte ich bei meinem
Disput, den ich gerne in Kurzform schildern möchte, da er mir einen
interessanten Einblick in das Innenleben eben dieser Menschen gab. Herausstach
dabei vor allem eine Ideologie, die man hier getrost als inhuman bezeichnen
kann – und das ist noch diplomatisch ausgedrückt!
Es
folgte ein Donnerwetter, welches von meinem Gegenüber inszeniert wurde.
Leidtragender war der US-Präsident, der seit 2008 von den Demokraten gestellt
wird. Im Stakkato-Modus befindlich ging es los mit der wilden Fahrt: der
„Schuldenpräsident“, so befand mein Gegenüber, hätte die USA bereits an den
Rand des Ruins gebracht. Sowieso würde das Geld „unfair verteilt“ und es
bekämen die Falschen in den Genuss dieser Wohltat. Die Drohnen-Einsätze in
Pakistan, bei denen Menschen aus der Distanz wie Tontauben abgeknallt werden?
„Weißt du was?“, so pfefferte es mir aus der anderen Ecke entgegen, „das ist
nun mal Krieg! Das sind doch Terroristen, über die wir hier reden.“ Desweiteren
wurde natürlich der amerikanische Traum von Freiheit proklamiert und daran
erinnert, dass sich der Staat – so wie es Obama macht – sowieso viel zu sehr in
die Heile freie Welt das US-Amerikaners einmischen würde. Nein, ich werde diese kuriose, ja fast schon
zynische Definition des Wortes Freiheit nie verstehen. Was ist an der Einführung
einer Krankenversicherung – eine der wichtigsten politischen Maßnahmen auf
Obamas Agenda – denn bitte so grauenvoll? Exotisch wirkt zudem, dass die, denen
es nützen würde, ins selbe Horn blasen, und ihre Freiheit beschnitten sehen.
Geradezu grotesk wirkt dann die Reaktion meines Gegenübers, als ich ihm
entgegen, was denn die Alternative zu Obamas Konjunkturprogramm sei. Nichts!
Wie das Kaninchen vor der Schlange stehen sie da und wissen nicht recht, was
sie darauf antworten sollen, die „Markthöhrigen“ dieser Welt. Auch in diesem
Fall war es so. Man solle das Geld nicht „inflationär“, sondern gezielter
einsetzen, so das wenig stichhaltige Argument, welches mir entgegengehalten
wurde. Im Zuge des Gesprächs kam man dann unwillkürlich, wenn man mit einem
ehemaligen US-Bürger spricht, auf den ersten Golfkrieg und zuvor die
Machtergreifung Ruhollah Chomeinis, der Ende der 70er die iranische Revolution
mitgestaltete und anführte.
Auch das Thema Griechenland kam irgendwann auf die
Agenda und auch hier hatte man ab und an das Gefühl mit einem Vertreter der
Springer-Presse im Zwiegespräche zu stehen. In Bezug auf Griechenland wurde die
Situation damit verglichen, ob ich „einem Bettler“ mein Geld zur Verfügung
stellen würde. Reichlich surreal wirkte das alles auf mich, zumal das Motiv
dieser Aussagen doch klar ersichtlich ist: es soll suggeriert werden, dass die
Griechen finanziellen Support ohne jegliche Gegenleistung bekommen würden und
damit in Saus und Braus Orgien feiern würden. Da ist Guido der Große aus dem
Jahr 2010 wieder präsent, der damals in Anspielung auf die sozialen Leistungen
in Deutschland, von der Gefahr „leistungslosen Wohlstands“ sprach und auch die
„spätrömische Dekadenz“ ins Feld führte. Ähnlich auch hier. Dass die Griechen
mit dem Geld, was ihnen von den Kapitalmärkten zur Verfügung gestellt wurde,
auch deutsche Güter kauften (auch in der Rüstung) wird konsequent negiert oder
ignoriert. Außerdem wird – auch das ist ein Mainstreamphänomen – auch hier die
Schuldenfrage verklärt. Grundsätzlich sind die Staatsschulden als solche nicht
für die dramatische Lage in Griechenland verantwortlich. Wirklich zugespitzt
hat sich die Situation bei dem ausgeben der Staatsanleihen, als die
Zinsaufschläge empfindlich in die Höhe schossen (weit über 15 % waren es
zwischenzeitlich).
Heraussticht, und das darf ich als Fazit ziehen,
dass die Diskussion ideologieverseucht daherkommt und daher – das mag kaum
verwundern – kaum Ertragreiches abwirft. Wenn man mit der vollkommen verfehlten
Austeritätspolitk nicht endgültig abschließt und sie ad acta legt, wird sich
die Situation weiter zuspitzen und wir werden erleben, dass Griechenland ein „fail
State“ wird, wenn man soll, also ein Staat, der faktisch nicht mehr regierbar ist.