Es war eine exemplarische Szene für das gesamte Spiel: der
Ex-Lauterer Adam Nemec, nun in Diensten des 1.FC Union, hatte an der
Seitenlinie einem Ball hinterher gehechelt und ihn mit letzter Kraft davor
bewahrt ins Seitenaus zu rollen. Er bugsierte „das Leder“ wieder ins Feld
zurück, wo es die Kollegen in rot und weiß aufnahmen und den nächsten
gefährlichen Angriff in Richtung des Tores der Gäste vom Aufstiegsfavoriten aus
Kaiserslautern initiierten. Mit mehr Biss, den Kopf oben, immer bereit, alles
in die Waagschale zu werfen, so agierte die Mannschaft von Uwe Neuhaus gegen
den Favoriten. Das ist insofern bemerkenswert, als das man sehr dürftig in die
Saison startete und der „FCK“ sicherlich neben Hertha als eines der stärksten
Teams in der 2. Bundesliga gilt.
Der glorreiche FCU aber, der seit 6 Spielen
unbesiegt war, baute seine Serie weiter aus. Mit dem 2:0 gegen die Pfälzer
feierte man nicht nur den dritten Sieg in Folge, sondern auch den vierten Sieg
in den letzten 7 Spielen bei drei Unentschieden. Das wiederum macht einen
Punktschnitt von über 2,1 Punkten. Doch das ist nicht das Erwähnenswerteste an
diesem Abend. Viel auffälliger war, dass man sich gegen die übermächtigen Gäste
nicht in den Graben versteckte und präventiv die weiße Fahne hisste. Nein, auch
wenn es in den ersten Minuten doch sehr deutlich wurde, dass Kaiserslautern
individuell (Iddrissu, Baumjohann etc.) besser besetzt ist, schafften es unsere
Jungs ihre Stärken ins Felde zu führen und mannschaftsdienlich einzusetzen.
Herausstach wieder einmal der Keeper, Daniel Haas, der nach
knapp 10 Minuten gegen den durchgebrochenen Albert Bunjaku per Reflex den Ball
über die Latte lenkte. Nach dieser Aktion konnte man durchaus davon sprechen,
dass der Gast zwar optisch mehr Spielanteile hatte, dabei aber keine zwingenden
Szenen mehr kreieren konnte. Union hingegen arbeitete sich immer tiefer ins
Spiel hinein und konnte ab der Mitte der ersten Halbzeit auch selbst gefällig
nach vorne kombinieren. Daraus resultierten durchaus einige Situationen. Eine
davon hätte um ein Haar das 1:0 gebracht. Ein Diagonalball brachte Michael
Parensen ins Spiel, der auf links völlig alleine gelassen wurde. Seine scharfe
Hereingabe konnte ein Lauterer für den schon geschlagenen Torwart Sippel
klären, bevor ein Unioner das Spielgerät über die Linie bugsiert hat.
Dann war
es Markus Karl, dessen Kopfball zur Bogenlampe mutierte, bei dessen
Abwehraktion Sippel so weit in Rücklage geriet, dass er mit dem Ball hinter die
Linie geraten wäre. Wenn, ja wenn Herr Sippel die Murmel nicht
geistesgegenwärtig um den Pfosten herum (anders kann man diese akrobatische
Meisterleistung nicht umreißen) – man möchte fast sagen, liebevoll – ins Aus
gelegt hätte. Dann war es Alexander Bugera für Kaiserslautern, dessen Flanke so
verunglückte, dass sie zum Torschuss wurde und auf die Latte des Tores von
Daniel Haas klatschte. In der 44. Minute segelte dann von rechts eine Flanke in
den Strafraum der Lauterer, die Simon Terodde eingeköpften konnte. Flankengeber
war Christopher Quiring, der einem sehenswerten Angriff den vorletzten Pepp gab
;-)
Wer nun in der zweiten Hälfte einen Sturmlauf der
„roten Teufel“ erwartet hatte, der sah
sich getäuscht. Im Gegenteil: Union kontrollierte die Partie, ohne dabei zu den
ganz großen Chancen zu kommen. Bis zur 66. Minute, als ein Zuspiel von Marc
Pfertzel, dem Rechtsverteidiger, bei Simon Terodde ankam, der das Leder von der
Brust abtropfen lies und es dann per Seitfallzieher ins Tor schweißte. Schon
vorher hatte Treodde immer wieder versucht, den Mann, der die rechte Außenbahn
beackerte, Chrissi, ins Spiel zu bringen. Jedoch waren die Bälle jeweils immer
ein wenig zu ungenau. Bei präziserer Bedienung des kleinen Flügelflitzers hätte
es mehrfach brandgefährlich werden können. So aber setzte man auf Konter und
hielt den 1.FC Kaiserslautern erfolgreich vom eigenen Gehäuse fern.
Neben mir
auf der Tribüne wurde die Situation so umschrieben: „Ich glaube, die sind
weichgeklopft.“. Gemeint waren die Gäste, die durch Idrissou (der gegen Union
eigentlich – egal welches Trikot er gerade trug – immer traf) zwar noch zu so
etwas wie eine Halbchance nach einem Standard kamen. Letztendlich aber verdient
unterlagen, zumal unsere Mannschaft nach einem sagenhaften Ballgewinn von Nemec
an der Seitenlinie fast nach noch zum 3:0 gekommen wäre. Der Gästetorwart Sippel
konnte mit energischem aus seinem Tor spurten gerade noch verhindern, dass der
für Quiring eingewechselte Zoundi ihn rumkurvte.
Es blieb dabei: Union feierte den dritten Sieg in Serie (das
gelang zuletzt im November / Dezember
2011 als wirklich jedes Zahnrad perfekt ins andere griff) und das siebente
Spiel in Folge ohne Niederlage. Wann das allerdings gelang entzieht sich meiner
Kenntnis. Hängen bleibt, dass – die Ausnahme bildet das Spiel gegen die Jungs
vom Betzenberg – spielerische Elemente in der Hinrunde größtenteils auf der
Strecke blieben und man trotz dieses Seuchenstarts versöhnlich eine Rückschau
auf die Hinrunde halten kann. Ein Chinedu Ede konnte nicht ansatzweise ersetzt
werden, was aber auch niemand ernsthaft in Erwägung gezogen hat. Trotzdem hätte
man sich, davon gehe ich aus, durchaus gewünscht, dass man den einheimischen
Spielermarkt nicht ganz so übergeht, ihn links liegen lässt. Das Reservoir in
und um Berlin ist schließlich groß und auch für zwei Jäger weitläufig
genug.