Donnerstag, 13. Dezember 2012

1.FC Union - 1.FC Kaiserslautern 2:0 (1:0)


Es war eine exemplarische Szene für das gesamte Spiel: der Ex-Lauterer Adam Nemec, nun in Diensten des 1.FC Union, hatte an der Seitenlinie einem Ball hinterher gehechelt und ihn mit letzter Kraft davor bewahrt ins Seitenaus zu rollen. Er bugsierte „das Leder“ wieder ins Feld zurück, wo es die Kollegen in rot und weiß aufnahmen und den nächsten gefährlichen Angriff in Richtung des Tores der Gäste vom Aufstiegsfavoriten aus Kaiserslautern initiierten. Mit mehr Biss, den Kopf oben, immer bereit, alles in die Waagschale zu werfen, so agierte die Mannschaft von Uwe Neuhaus gegen den Favoriten. Das ist insofern bemerkenswert, als das man sehr dürftig in die Saison startete und der „FCK“ sicherlich neben Hertha als eines der stärksten Teams in der 2. Bundesliga gilt.
Der glorreiche FCU aber, der seit 6 Spielen unbesiegt war, baute seine Serie weiter aus. Mit dem 2:0 gegen die Pfälzer feierte man nicht nur den dritten Sieg in Folge, sondern auch den vierten Sieg in den letzten 7 Spielen bei drei Unentschieden. Das wiederum macht einen Punktschnitt von über 2,1 Punkten. Doch das ist nicht das Erwähnenswerteste an diesem Abend. Viel auffälliger war, dass man sich gegen die übermächtigen Gäste nicht in den Graben versteckte und präventiv die weiße Fahne hisste. Nein, auch wenn es in den ersten Minuten doch sehr deutlich wurde, dass Kaiserslautern individuell (Iddrissu, Baumjohann etc.) besser besetzt ist, schafften es unsere Jungs ihre Stärken ins Felde zu führen und mannschaftsdienlich einzusetzen.

Herausstach wieder einmal der Keeper, Daniel Haas, der nach knapp 10 Minuten gegen den durchgebrochenen Albert Bunjaku per Reflex den Ball über die Latte lenkte. Nach dieser Aktion konnte man durchaus davon sprechen, dass der Gast zwar optisch mehr Spielanteile hatte, dabei aber keine zwingenden Szenen mehr kreieren konnte. Union hingegen arbeitete sich immer tiefer ins Spiel hinein und konnte ab der Mitte der ersten Halbzeit auch selbst gefällig nach vorne kombinieren. Daraus resultierten durchaus einige Situationen. Eine davon hätte um ein Haar das 1:0 gebracht. Ein Diagonalball brachte Michael Parensen ins Spiel, der auf links völlig alleine gelassen wurde. Seine scharfe Hereingabe konnte ein Lauterer für den schon geschlagenen Torwart Sippel klären, bevor ein Unioner das Spielgerät über die Linie bugsiert hat.
Dann war es Markus Karl, dessen Kopfball zur Bogenlampe mutierte, bei dessen Abwehraktion Sippel so weit in Rücklage geriet, dass er mit dem Ball hinter die Linie geraten wäre. Wenn, ja wenn Herr Sippel die Murmel nicht geistesgegenwärtig um den Pfosten herum (anders kann man diese akrobatische Meisterleistung nicht umreißen) – man möchte fast sagen, liebevoll – ins Aus gelegt hätte. Dann war es Alexander Bugera für Kaiserslautern, dessen Flanke so verunglückte, dass sie zum Torschuss wurde und auf die Latte des Tores von Daniel Haas klatschte. In der 44. Minute segelte dann von rechts eine Flanke in den Strafraum der Lauterer, die Simon Terodde eingeköpften konnte. Flankengeber war Christopher Quiring, der einem sehenswerten Angriff den vorletzten Pepp gab ;-)

Wer nun in der zweiten Hälfte einen Sturmlauf der „roten  Teufel“ erwartet hatte, der sah sich getäuscht. Im Gegenteil: Union kontrollierte die Partie, ohne dabei zu den ganz großen Chancen zu kommen. Bis zur 66. Minute, als ein Zuspiel von Marc Pfertzel, dem Rechtsverteidiger, bei Simon Terodde ankam, der das Leder von der Brust abtropfen lies und es dann per Seitfallzieher ins Tor schweißte. Schon vorher hatte Treodde immer wieder versucht, den Mann, der die rechte Außenbahn beackerte, Chrissi, ins Spiel zu bringen. Jedoch waren die Bälle jeweils immer ein wenig zu ungenau. Bei präziserer Bedienung des kleinen Flügelflitzers hätte es mehrfach brandgefährlich werden können. So aber setzte man auf Konter und hielt den 1.FC Kaiserslautern erfolgreich vom eigenen Gehäuse fern.
Neben mir auf der Tribüne wurde die Situation so umschrieben: „Ich glaube, die sind weichgeklopft.“. Gemeint waren die Gäste, die durch Idrissou (der gegen Union eigentlich – egal welches Trikot er gerade trug – immer traf) zwar noch zu so etwas wie eine Halbchance nach einem Standard kamen. Letztendlich aber verdient unterlagen, zumal unsere Mannschaft nach einem sagenhaften Ballgewinn von Nemec an der Seitenlinie fast nach noch zum 3:0 gekommen wäre. Der Gästetorwart Sippel konnte mit energischem aus seinem Tor spurten gerade noch verhindern, dass der für Quiring eingewechselte Zoundi ihn rumkurvte. 

Es blieb dabei: Union feierte den dritten Sieg in Serie (das gelang zuletzt im November  / Dezember 2011 als wirklich jedes Zahnrad perfekt ins andere griff) und das siebente Spiel in Folge ohne Niederlage. Wann das allerdings gelang entzieht sich meiner Kenntnis. Hängen bleibt, dass – die Ausnahme bildet das Spiel gegen die Jungs vom Betzenberg – spielerische Elemente in der Hinrunde größtenteils auf der Strecke blieben und man trotz dieses Seuchenstarts versöhnlich eine Rückschau auf die Hinrunde halten kann. Ein Chinedu Ede konnte nicht ansatzweise ersetzt werden, was aber auch niemand ernsthaft in Erwägung gezogen hat. Trotzdem hätte man sich, davon gehe ich aus, durchaus gewünscht, dass man den einheimischen Spielermarkt nicht ganz so übergeht, ihn links liegen lässt. Das Reservoir in und um Berlin ist schließlich groß und auch für zwei Jäger weitläufig genug.