Samstag, 2. März 2013

Eine echte Alternative (?)

Vor ein paar Wochen war ich zwecks einer Recherche zu den in den Massenmedien immer wieder beliebten Kampagnen zum Thema „Schulden und Sparen“ (ein Thema, welches von dem Kommentatoren immer wieder gerne aufgegriffen und entsprechend ausgeschlachtet wird) unterwegs und wollte mir abseits von Mainstream („Wir müssen sparen!“, „Pleite-Griechen“, etc. – also Botschaften du Vorwürfe, von denen wir schon lange wissen, dass sie haltlos bzw. nicht logisch sind.) Informationen ziehen, da man in den schon angesprochenen Medien schon lange keine differenzierte und fundierte Analyse mehr erwarten kann. So kann man sich keine vernünftige Meinung bilden, weshalb ich also versuchte, alternative Quellen zu erschließen, Alternativen zum bestehenden Problemlösungssystem zu akquirieren.
Dabei stieß ich auf die NachDenkSeiten und den dort aktiven Journalisten Jens Berger, der sich des Themas mehrfach sehr ausführlich angenommen hat. An dieser Stelle kann ich dieses Polit-Blog nur wärmstens allen Bürgerinnen und Bürgern empfehlen, die schon seit langer Zeit eine fundierte und unabhängige Berichterstattung zu den aktuellen Themen herbeisehnen. Hier werden die neoliberalen Parolen seziert, kommentiert und in letzter Instanz wird aufgezeigt, dass sie des Öfteren bedenkliche Folgen nach sich ziehen. Herr Berger widmet sich diesen – oft sehr plumpen – Parolen von Bild-Zeitung und Co. (ja, dazu muss man leider auch Blätter wie den Tagesspiegel zählen) und bietet somit eine alternative Sichtweise zu den „Reformen“, die alá „am deutschen Wesen soll Europa genesen“ daher kommen. Auch das vermeintliche „Sparen“ (in Wirklichkeit wird natürlich nichts gespart, sondern einfach nur gekürzt) wird von Jens Berger entsprechend süffisant kommentiert. Außerdem zeigen die NachDenkSeiten Alternativen zum neoliberalen, antiquierten und zerstörerischen Gedankenmodellen (die zum großen Teil in Deutschland bereits Realität sind und nun exportiert werden sollen).
Neben den NachDenkSeiten stieß ich auf den Wiener Rechnungswesen-Professor, Franz Hörmann, der sich mit dem Kreditgeld- bzw. Schuldgeldsystem (Geldschöpfung aus Luft) grundsätzlich beschäftigt und die Probleme benennt, die dieses System mit sich bringt. Hier geht es vor allem darum, die Bevölkerung überhaupt einmal mit relevanten Informationen zur Geldschöpfung (wie, warum, wo)  zu versorgen, um primär aufzuklären. Ich sah einen Vortrag von ihm, den er im November 2011 in Linz hielt, und die größte Herausforderung für mich war, dieses Denken zuzulassen. Denn man ist tatsächlich aus seiner Schul- und Ausbildungszeit auf bestimmte Inhalte „konditioniert“ bzw. gewöhnt worden und hat nicht wirklich gelernt, sich mit spezifischen Fragen zum Geld-System wie es heute existiert zu konfrontieren, weil man jegliche Diskussion darüber strikt abgelehnt hat („Es darf nicht sein, was nicht sein kann.“).
Ich brauchte drei Versuche, bis ich mich darauf „einlassen“ konnte und seinem Leitfaden einigermaßen folgen konnte. Die Basics im Bereich Geldschöpfung muss man sich zunächst vergegenwärtigen und sich dann fragen, wieso wir Geld einen Eigenwert zu sprechen. Hat Geld wirklich einen Eigenwert oder ist es nicht viel mehr so, dass er nur angedichtet wird und unser Geld eigentlich wertlos ist und „nur“ Informationen transportiert? Ist es wirklich ein Wertaufbewahrungs- und universelles Tauschmittel? Oder ist es nicht so, dass wir einem kolossalen Irrtum unterliegen? Alle diese Fragen beantwortet  Hörmann, zeigt wie das System heute funktioniert und wieso man eben im System keine Schulden zurückzahlen kann. Richtig gehört! Man kann in unserem heutigen Geldsystem keine Schulden zurückzahlen, weil Geld nur als Schuld in Umlauf kommt. Da wir aber Geld als etwas betrachten, was einen echten Wert habe, werden auch noch Zinsen auf Kredite erhoben. Für diese Zinsen wird jedoch nie das Geld erzeugt.
Ins rechte Licht rückt Hörmann damit, dass Geld an sich wertlos ist, es ist Informationsgeld. Wieso muss sowas dann aber dinglich besichert werden? Etwas, was eine private Geschäftsbank praktisch ohne Limit erzeugen kann, muss mit Sicherheiten (echten Gütern, Immobilien etc.) gedeckt sein, obwohl die Materie selbst völlig wertlos ist? Wie kann das sein? Franz Hörmann erklärt an verschiedenen Beispielen, wie es dazu kommen konnte und wieso solch ein System zwingend in einem bestimmten Zeitfenster zusammenbrechen muss.
Desweiteren entlarvt er auch die „Spar“-Propaganda der Bundesregierung („Zukunft ohne Schulden“, „Wir dürfen nicht über unsere Verhältnisse leben“, usw.) als vor diesem Hintergrund wirkungslos und kontraproduktiv (sinkende Nachfrage -> sinkende Steuereinnahmen ->Arbeitslosigkeit -> Sozialhilfe muss gezahlt werden -> Unruhen).
Ja, das Video ist für mich ein Fanal gewesen, weil Hörmann im gleichen Vortrag versucht, auf ein neues System aufmerksam zu machen, eine Lösung anzubieten. Hier darf man sich trefflich streiten, ob diese Lösung gut oder schlecht ist, wann sie kommen wird, in welcher Form – aber kommen wird diese Veränderung. 
Was man durchaus in Frage stellen könnte, sind die Äußerungen, die Hörmann im Bezug auf den Holocaust getätigt hat. Bis heute wirkt die Geschichte auf mich konstruiert. Drei Studenten Fragen einen Professor  zu  Thema Holocaust aus, stellen ihm rhetorische Fragen und der Prof. antwortet zumindest „kreativ“. Die Begründung von Franz Hörmann zu diesem Interview und deren Antworten hat er auf seiner Website ausführlich dargelegt. Trotzallem frage ich mich, ob man das nicht hätte eleganter lösen können; ohne diese Schlammschlacht. Der Intention der Fragesteller war Herrn Hörmann offensichtlich ab einem bestimmten Punkt klar. Spätestens an diesem Punkt hätte man so ein Interview abbrechen müssen.
Dass dann Passagen, die nicht seine Meinung wiederspiegeln, eben doch als solche verkauft werden, ist tatsächlich Rufmord, den sich niemand gefallen lassen muss. Das Anliegen von Fran Hörmann ist wichtig und es muss Gehör finden. Denn ein Geldsystem, welches nur auf Enteignung der Menschen hinausläuft, kann und darf nicht die Zukunft sein…
Der Link zum Vortrag in Linz: Linz 2011