Dabei stieß ich auf die NachDenkSeiten und den dort aktiven Journalisten Jens Berger, der sich des Themas mehrfach sehr ausführlich angenommen hat. An dieser Stelle kann ich dieses Polit-Blog nur wärmstens allen Bürgerinnen und Bürgern empfehlen, die schon seit langer Zeit eine fundierte und unabhängige Berichterstattung zu den aktuellen Themen herbeisehnen. Hier werden die neoliberalen Parolen seziert, kommentiert und in letzter Instanz wird aufgezeigt, dass sie des Öfteren bedenkliche Folgen nach sich ziehen. Herr Berger widmet sich diesen – oft sehr plumpen – Parolen von Bild-Zeitung und Co. (ja, dazu muss man leider auch Blätter wie den Tagesspiegel zählen) und bietet somit eine alternative Sichtweise zu den „Reformen“, die alá „am deutschen Wesen soll Europa genesen“ daher kommen. Auch das vermeintliche „Sparen“ (in Wirklichkeit wird natürlich nichts gespart, sondern einfach nur gekürzt) wird von Jens Berger entsprechend süffisant kommentiert. Außerdem zeigen die NachDenkSeiten Alternativen zum neoliberalen, antiquierten und zerstörerischen Gedankenmodellen (die zum großen Teil in Deutschland bereits Realität sind und nun exportiert werden sollen).
Neben den NachDenkSeiten stieß ich auf den Wiener
Rechnungswesen-Professor, Franz Hörmann, der sich mit dem Kreditgeld- bzw.
Schuldgeldsystem (Geldschöpfung aus Luft) grundsätzlich beschäftigt und die
Probleme benennt, die dieses System mit sich bringt. Hier geht es vor allem
darum, die Bevölkerung überhaupt einmal mit relevanten Informationen zur Geldschöpfung
(wie, warum, wo) zu versorgen, um primär
aufzuklären. Ich sah einen Vortrag von ihm, den er im November 2011 in Linz
hielt, und die größte Herausforderung für mich war, dieses Denken zuzulassen.
Denn man ist tatsächlich aus seiner Schul- und Ausbildungszeit auf bestimmte
Inhalte „konditioniert“ bzw. gewöhnt worden und hat nicht wirklich gelernt,
sich mit spezifischen Fragen zum Geld-System wie es heute existiert zu
konfrontieren, weil man jegliche Diskussion darüber strikt abgelehnt hat („Es darf
nicht sein, was nicht sein kann.“).
Ich
brauchte drei Versuche, bis ich mich darauf „einlassen“ konnte und seinem
Leitfaden einigermaßen folgen konnte. Die Basics im Bereich Geldschöpfung muss
man sich zunächst vergegenwärtigen und sich dann fragen, wieso wir Geld einen
Eigenwert zu sprechen. Hat Geld wirklich einen Eigenwert oder ist es nicht viel
mehr so, dass er nur angedichtet wird und unser Geld eigentlich wertlos ist und
„nur“ Informationen transportiert? Ist es wirklich ein Wertaufbewahrungs- und
universelles Tauschmittel? Oder ist es nicht so, dass wir einem kolossalen
Irrtum unterliegen? Alle diese Fragen beantwortet Hörmann, zeigt wie das System heute
funktioniert und wieso man eben im System keine Schulden zurückzahlen kann.
Richtig gehört! Man kann in unserem heutigen Geldsystem keine Schulden
zurückzahlen, weil Geld nur als Schuld in Umlauf kommt. Da wir aber Geld als
etwas betrachten, was einen echten Wert habe, werden auch noch Zinsen auf
Kredite erhoben. Für diese Zinsen wird jedoch nie das Geld erzeugt.
Ins rechte Licht rückt Hörmann damit, dass Geld an
sich wertlos ist, es ist Informationsgeld. Wieso muss sowas dann aber dinglich
besichert werden? Etwas, was eine private Geschäftsbank praktisch ohne Limit
erzeugen kann, muss mit Sicherheiten (echten Gütern, Immobilien etc.) gedeckt
sein, obwohl die Materie selbst völlig wertlos ist? Wie kann das sein? Franz Hörmann erklärt an verschiedenen Beispielen,
wie es dazu kommen konnte und wieso solch ein System zwingend in einem
bestimmten Zeitfenster zusammenbrechen muss.
Desweiteren entlarvt er auch die „Spar“-Propaganda
der Bundesregierung („Zukunft ohne Schulden“, „Wir dürfen nicht über unsere
Verhältnisse leben“, usw.) als vor diesem Hintergrund wirkungslos und
kontraproduktiv (sinkende Nachfrage -> sinkende Steuereinnahmen
->Arbeitslosigkeit -> Sozialhilfe muss gezahlt werden -> Unruhen).
Ja, das Video ist für mich ein Fanal gewesen, weil
Hörmann im gleichen Vortrag versucht, auf ein neues System aufmerksam zu
machen, eine Lösung anzubieten. Hier darf man sich trefflich streiten, ob diese
Lösung gut oder schlecht ist, wann sie kommen wird, in welcher Form – aber
kommen wird diese Veränderung.
Was man durchaus in Frage stellen könnte, sind die
Äußerungen, die Hörmann im Bezug auf den Holocaust getätigt hat. Bis heute
wirkt die Geschichte auf mich konstruiert. Drei Studenten Fragen einen
Professor zu Thema Holocaust aus, stellen ihm rhetorische
Fragen und der Prof. antwortet zumindest „kreativ“. Die Begründung von Franz
Hörmann zu diesem Interview und deren Antworten hat er auf seiner Website
ausführlich dargelegt. Trotzallem frage ich mich, ob man das nicht hätte
eleganter lösen können; ohne diese Schlammschlacht. Der Intention der
Fragesteller war Herrn Hörmann offensichtlich ab einem bestimmten Punkt klar.
Spätestens an diesem Punkt hätte man so ein Interview abbrechen müssen.
Dass dann Passagen, die nicht seine Meinung
wiederspiegeln, eben doch als solche verkauft werden, ist tatsächlich Rufmord,
den sich niemand gefallen lassen muss. Das Anliegen von Fran Hörmann ist wichtig und es
muss Gehör finden. Denn ein Geldsystem, welches nur auf Enteignung der Menschen
hinausläuft, kann und darf nicht die Zukunft sein…
Der Link zum Vortrag in Linz: Linz 2011
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