Sonntag, 8. September 2013

Gedanken zur bevorstehenden Bundestagswahl.


Vor einiger Zeit – ca. 3 Wochen – wurde ich bei einem Gespräch darauf aufmerksam gemacht, dass man, obwohl als bald die Bundestagswahl ansteht, nichts von Wahlkampf mitbekommen würde. Still ruht der See, wenn man so will. Dieser Erkenntnis ist auf Grund der Konstellation, die sich in diesem Jahr ergibt, allerdings nicht verwunderlich oder gar vom Himmel gefallen. Bereits Ende 2012 wurde der Grundstein für diesen unspektakulären Wahlkampf des Jahres 2012 gelegt. Mit der Nominierung von Peer Steinbrück durch die SPD. Dieses Thema habe ich bereits in einigen Beiträgen zur Sprache gebracht, möchte aber aus aktuellem Anlass ein bisschen detaillierter auf diese Problematik eingehen. Der genannte Kandidat der SPD, zweitstärkste Kraft (mit herben Verlusten in den letzten Jahren) hinter der CDU, bietet eben für viele Menschen, die sich eine Alternative zu Frau Merkel wünschen würden, nichts Neues bzw. anderes  an. Viele europapolitsiche Entscheidungen der Regierung in den letzten Monaten hat die Bundestagsfraktion des Kandidaten Steinbrück (wie auch er selbst) mitgetragen. Das bedeutet, dass Frau Merkel in Punkto „Eurorettung“ bzw. „Europapolitik“ von dieser Seite im politischen Alltag sogar Rückendeckung (bei allen mündlich formulierten Einwänden) für ihren Kurs bekommen hat. Aus diesem Grund wirkt es wenig authentisch, wenn der Kandidat Steinbrück die Kanzlerin und deren Regierung – zu Recht – für deren rigiden Sparkurs rügt, ihr im Endeffekt in den Abstimmungen aber immer wieder Hörigkeit beweist. Dies ist in vielerlei Hinsicht dramatisch, denn grundsätzlich ist die Kritik Steinbrücks (abgesehen davon, dass ich von ihm generell wenig halte) durchaus berechtigt. Nur durchdringen mit seinen Argumenten kann Steinbrück nicht, da ihm die Kanzlerin – in diesem Fall ebenfalls nicht ganz zu Unrecht – in diesen Situationen in Erinnerung rufen kann, wie gut man doch zusammengearbeitet habe und dass die SPD-Fraktion den europapolitischen Beschlüssen der Regierung zugestimmt habe. Schachmatt!

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Teilprivatisierung der Rente in Deutschland, die die SPD befürwortet und unter deren Ägide sie eingeführt wurde. Hier liegt man auf einer Linie mit den Christdemokraten und teilweise auch mit der FDP, der das ganze aber wohl sogar nicht weiter genug geht. Fortgeführt wird das Thema mit der Diskussion um das Renteneintrittsalter mit 67, welches bereits beschlossen wurde. Auch diese 2 Jahre Rentenkürzung befinden die SPD und ihr Kandidat für korrekt. Auch hier besteht Konsens mit der schwarz-gelben Bundesregierung. Man könnte auch das Thema Auslandseinsätze der Bundeswehr auf die Agenda setzen und hier sogar Gemeinsamkeiten bei Christdemokraten und Grünen ausmachen. Wobei sich die Grünen im Einzelfall – so grotesk ist die Welt - als militaristischer als die Regierung herausstellen. Peer Steinbrücks Vergangenheit als Finanzminister im Kabinett Merkel I von 2005 bis 2009 und seine in dieser Zeit in Übereinstimmung mit Frau Merkel getroffenen Entscheidungen wurden an dieser Stelle bereits mehrfach unterstrichen. Für die Bundestagswahl bedeutet das alles nichts, was einem Hoffnung machen würde. Die Ablösung von „Schwarz-Gelb“ liegt in unerreichbaren Sphären.

Das ist eine auf der einen Seite zwar realistische, im gleichen Atemzug aber umso bitterere Erkenntnis.  Bis auf die Linke im Bundestag gibt es keine Partei, die zum Beispiel beim Thema „Euro und Europa“ ein wirklich alternatives Konzept – gefallen oder nicht gefallen mal außen vor – vorlegt. Die SPD kämpft mit einer stumpfen Waffe gegen Windmühlen, die sie selbst erbaut hat. Es hätte einen Kandidaten gebraucht, der keine „Merkel-Vergangenheit“ aufweist und vor allem einen konsequenten Sozialdemokratisierungsprozess eingeleitet hätte. Das ist mit Personen alá Steinbrück, Steinmeier oder noch heftiger der grauen Eminenz Müntefering eine Mission Impossible. Jener Person, die noch heute die Agenda-Politik in höchsten Tönen lobt, die Sozialdemokratie bis auf die Knochen blamiert und sich in dieser Rolle sichtlich gefällt.

Die Aufgabe der SPD als zahlenmäßig größter Gegenspieler der CDU bzw. Frau Merkel wäre es gewesen, eine echte Alternative zur Regierungspolitik aufzuzeigen, die es überhaupt attraktiv macht, die Regierungskoalition „abzustrafen“.

Glaubt man den Prognosen, ist der Thron, auf dem es sich die Kanzlerin wohnlich gemacht hat, auf so festem Fundament gebaut wie noch nie.