Die DVAG sagte mir bis zum Sommer des Jahres 2011 nicht
allzu viel. Klar, auf dem Cap des ehemaligen Formel-1-Fahrers Michael
Schumacher war das Unternehmen präsent, auch die eine oder andere
Sportveranstaltung wurde offensichtlich gesponsert. In besagtem Jahr sprach
mich die Schwester meiner damaligen Freundin an, ob es mich nicht interessiere
würde, mit ihrer Freundin über Altersvorsorge zu sprechen. „Höre dir das
einfach mal an“, so habe ich das noch im Gedächtnis. Kurzum kam die Dame in
unsere gemeinsame Wohnung, die wir damals bewohnten, es wurde Kaffee
ausgesetzt, die Atmosphäre war entspannt, ja fast vertrauensvoll. Diese Dame
gab nun zum Besten, dass sie bei der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) diverse
Versicherungen abgeschlossen habe und damit absolut zufrieden sei. Aus der
Ankündigung der Schwester meiner Ex-Freundin entnahm ich, dass – wenn Interesse
bestehen würde – der Kontakt und die Korrespondenz auch über sie laufen würde.
Weit gefehlt. Im Gespräch wurde klar, dass sie nur „Anwerberin“ für einen
weiteren Herrn ist, mit dem sie in der Gastronomie zusammengearbeitet hat. Das
klang im ersten Moment schon mal ein wenig exotisch. Kurzum: das Treffen wurde
wieder bei uns in der Wohnung vereinbart.
Dort nun ergab sich allerdings ein gänzlich anderer Verlauf.
Denn nun waren die Versicherungsmöglichkeiten zwar Thema, wurden aber unter dem
Motto „da habt ihr tolle Möglichkeiten zu sparen“ aufgelistet. Und jeder weiß
in der Versicherungsbranche; bevor man sparen kann, muss man erst mal Geld in
die Hand nehmen. „Nein, Aktien sind zu riskant“, so der Rat des
Ex-Arbeitskollegen der Schwester meiner Ex-Freundin. Aber eine
Riester-Versicherung (auf die einzelnen Varianten will ich der Einfachheit
halber an dieser Stelle verzichten), das sei
definitiv etwas, was man „machen“ sollte. Die Phrasen, die nun abgesondert wurden, sind bestens bekannt.
„Der Staat gibt euch ja nichts mehr und da müsst ihr zusehen, etwas zur Seite
zu legen.“ Außerdem: „Da bekommt ihr auch staatl. Förderung. Und die Beiträge
sind auch absetzbar.“ Dass diese Verträge sehr riskant sind und in den ersten
Jahren vor allem die Provisionen und andere anfallenden Kosten getilgt werden
müssen, die mit Vertragsabschluss anfallen, wurde nicht offen mitgeteilt. Dazu
kam, dass man mir einen Bausparvertrag und eine s. g. „Wunsch-Police“ (so eine
Art „Fond-Sparen) angedreht hat. Diese wurde mir zwar erläutert, jedoch wurde
ich nach dem Abschluss relativ „alleine gelassen“.
Nach der Trennung von meiner
Freundin wenige Wochen später dauerte es ein paar Wochen bis ich wieder eine
Nachricht bekam. Nach einigem Hin und Her, da ich keinen Termin fand, traf man
sich im November des Jahres 2011 in einem Café. Hier nun dämmerte es nun selbst
bei mir. Denn dieses Gespräch begann – Déjà-vu – wieder locker und, ich möchte
fast sagen, kumpelhaft. Nach 5 bis 10 Minuten kommt der Herr aber wieder zum
Thema „Sparen“. „Wir hatten doch das letzte Mal über Anlagemöglichkeiten
gesprochen“, begann er. Dieser Abend war es auch, an dem ich den
Bauspar-Vertrag abschloss. Und auch die Riester-Rente stand wieder im Fokus.
„Darüber können wir später ja noch mal nachdenken, das ist kein Problem“, so
seine Entgegnung auf meine ablehnende Haltung zu diesem „Produkt“. Nun schlich
sich bei mir langsam aber sicher das Misstrauen ein. Denn im engmaschigen
Paragraphendickicht der Versicherungs- und Bausparverträge wurde mir zum
Beispiel beim Bausparvertrag verschwiegen, dass man beim Abschluss erst einmal
über 120 Euro Kosten schultern musste. Das erfuhr ich erst als ich Anfang des
Jahres 2012 den „Auszug“ des Unternehmens erhielt, bei dem der Bausparvertrag
aktiv war. Bei dem schon angesprochenen Treffen des Novembers 2011 bemerkte
ich, dass es nicht primär wichtig war, auf eine bestimmte Lebenssituation
einzugehen (mit einer „ganzheitlichen Betreuung aus einer Hand“ wirbt man bei
der Deutschen Vermögensberatung). Viel mehr bekam man immer dieselben „Partner“
der DVAG in einer vorgefertigten Broschüre vorgeführt.
Nun war mein Forschungsgeist geweckt und ich informierte
mich darüber, ob dieses Vorgehen grundsätzlich so auch bei anderen zu
beobachten ist. Oder ob ich nur ein Einzelfall war. Die Recherche war
vergleichsweise kurz, brachte jedoch die Abgründe ans Licht.
Ergebnisoffen können diese „Berater“ gar nicht tätig sein,
da sie vertraglich verpflichtet sind, Produkte nur von bestimmten Anbietern zu
verkaufen. Er kann also überhaupt nicht
„unabhängig“ agieren, da es vertragliche Zwänge gibt, nur ganz spezielle
Produkte anzubieten. Diese „unabhängigen Berater“ sind also alles andere als
unabhängig. Sie vermitteln Produkte – und zwar nur von „ausgewählten (durchaus
negativ zu interpretieren) Partnern.“
Offensichtlich schien, dass der Verkaufsdruck der von einer höheren
Hierarchie-Ebene ausgeübt werden muss, so erdrückend ist, dass in jedem Gespräch
– und ich hatte schon drei Verträge abgeschlossen – neue „Anlage- und
Spartrips“ offeriert werden.
Hinzu kam bei mir, dass mich der Herr ebenfalls „werben“
wollte. Mir also anbot, dass ich eine „Schulung“ machen könne, mit dem
lapidaren Zusatz, „dass es dort Essen umsonst“ gibt. Außerdem könne ich das
dann ebenfalls machen und er hätte mich dann „geworben“, das sei „eine gute
Sache.“ Ich könne dann nebenbei auch Geld verdienen; und das nicht zu knapp.
Inzwischen ist klar, dass ich gut daran tat, die „Wunschpolice“ aufzulösen, die
Riester-Rente abzulehnen und das Deutsche Bank Konto, zu welchen ich auf seinen
Rat hin wechselte („Da kriegst du monatlich sogar Zinsen auf dein Guthaben“),
wieder aufzulösen. Beim Bankkonto kämen nach einer Frist (die das Konto – zum
Anfüttern - erst mal gebühren frei läuft) doppelt so hohe Kontogebühren pro
Monat auf mich zu, wie bei meinem Sparkassen-Konto.
Nach dem ich die Recherchen – und das zog sich – abschloss,
beschloss ich, die Zusammenarbeit mit dem Herren sofort zu beenden. Die
Rhetorik, dieses triviale Gespräch; alles ist so einfach. Schließ die
Versicherung ab, dann klappt’s schon; das habe ich am Ende als Affront
aufgenommen. Denn das Ziel war nicht die Beratung, sondern lediglich das
Absetzen von Finanzprodukten in möglichst kurzen Zeitabständen. Der Sinn und
Zweck für den dann gegen irgendwas Versicherten ist sekundär. Diesen „hard
Fact“ kann ich dem Herrn noch nicht mal zum Vorwurf machen. Denn wer auf
Provisionsbasis arbeitet, ist praktisch dem Zwang unterworfen, zu verkaufen –
egal was er im Portfolio führt. Im Netz findet man diverse Erfahrungsberichte
von „Ex-Kunden“ solcher „unabhängigen Berater“, deren Geschichten Parallelen
mit meiner aufweisen.
Ich kann nur jedem empfehlen, von solchen Angeboten Abstand
zu nehmen, sollten sie denn über Bekannte an einen herangetragen werden. Der
Stress, den dies nach sich zieht, ist es schlussendlich nicht mal im Ansatz
wert. Das, was in so einem „Deal“ prosperiert, sind die Provisionen des
„Beraters“, der korrekter Weise als „Verkäufer“ bezeichnet werden müsste. Als
integer würde ich das Verhältnis zu meinem damaligen „Verkäufer“ nicht
beschreiben, allerdings möchte ich an dieser Stelle sehr wohl auch meine
Verantwortung eingestehen. Niemand hielt mir einen Lauf an die Schläfe mit dem
Hinweis, dass man mir „das Licht ausblasen“ werde, wenn ich diesen oder jenen
Kontrakt nicht mit meiner Tinte schmutzig mache. Naivität! Das war mein größtes
Laster. Jedes Wort für bare Münze nehmen. Nachfragen? Eigentlich nicht; der wird
das Beste für mich rausholen. In Wahrheit waren meine Gedanken komplett monetär
gesteuert. Mehr, ich will mehr! Liest sich skurril, aber so war mein
Gedankengang. Jetzt kann ich sagen, dass ich mich davon weitestgehend gelöst
habe. Die „Wunschpolice“ habe ich gekündigt, genauso wie den Bausparvertrag.