Sonntag, 26. April 2009

Redacted – Eine Kritik.

Der Streifen „Redacted“ ist ein US-Kriegsdrama. Die Handlung spielt in der irakischen Stadt Samarra und das Grundgerüst des Films beruht auf einem wahren Vorfall: Dem Massaker von Mahmudiyya. In dieser Stadt vergewaltigen 5 US-Soldaten ein 14-Jähriges Mädchen und töten ihr Opfer, samt der restlichen Familie. Dem folgten Racheakte Aufständischer / Widerstandskämpfer. Dieser Film also beruht auf diesem Ereignis, die Charaktere und viele Details sind frei erfunden, darauf wird im Vorspann auch explizit hingewiesen. Es geht um eine im Irak eingesetzte Company, die Company „Alpha“, vor allem aber um einen gewissen Kreis von Soldaten. Diese Einheit kontrolliert in Samarra einen ganz bestimmten Posten. Vor allem sollen sie Pkw / Lkw kontrollieren sowie Passanten, und nicht etwa stichprobenartig, nein, alle, die den Checkpoint passieren müssen sich einer kleinen Leibesvisitation unterziehen. Im Anschluss daran kommt der Sprengstoff- / Drogenspürhund zum Einsatz, der die Fahrzeuge mit seinem Führer umkurvt. So geht das wochenlang und vor allem der stupide Alltag steht zunächst im Fokus. Ein Soldat nimmt diesen Alltag auf Video auf, für sein „Tagebuch“, denn er möchte sich, wenn er zurückkehrt, an einer Filmhochschule bewerben, sozusagen mit einer Echtzeitdokumentation. Der Soldat ist Angel Salazar. In einer Szene ist der Kontrollpunkt zu sehen, dann wird augenblicklich auf Zeitraffer geschaltet und der Kontrollvorgang wiederholt sich ein paar Mal. Immer wieder zeigt die Kamera Menschen, die auf die Soldaten zu kommen und veranschaulicht damit auch ein klitzekleines bisschen den psychischen Druck, dem sie ausgesetzt sind. Wer ist gut? Wer ist böse? Wie kann ich differenzieren, nach so vielen Wochen? Vor den Checkpoints sind viele Schilder aufgestellt, die darauf hinweisen, wie man sich zu verhalten hat, doch, so der Film, Studien belegen, dass 50 % der Iraker gar nicht lesen können. Auch Missverständnisse sind alltäglich. Eines Tages fährt ein Mann mit seiner schwangeren Frau zügig auf den Checkpoint zu und hält die Handzeichen der Soldaten anscheinend für ein „Durchwinken“. Er stoppt nicht, darauf hin wird sofort das Feuer eröffnet und die schwangere von Schüssen getroffen getötet. So recht einordnen konnte ich diese Szene allerdings nicht. Es wurde dann von der Sprecherin darauf hingewiesen, dass 2.000 Menschen an US-Kontrollpunkten getötet wurden und nur 90 von ihnen tatsächlich „Täter“ waren. Und doch kann ich es im Teil nachvollziehen, was einem durch den Kopf geht, wenn sich jemand zügig solch einem Punkt nähert und man nicht weiß wer sich in Fahrzeug aufhält. Der Soldat, der geschossen hat, Reno Flake, wird allerdings eine wichtige Rolle spielen. Salazar, der alles aufzeichnet, fragt am Abend nach dem Vorfall, ob es Flake belaste, was er getan habe. Dieser scheint überrascht. Die Gesinnung wird schnell klar. Es scheint ihn nicht anzutasten, was die geschehen war an diesem Tag. Er reagiert „cool“ und verteidigt sein Vorgehen und verneint jegliche Gefühle.
Ein dreistes Vorgehen der Soldaten ist die Kontrolle von Frauen. Sie werden nicht etwa von weiblichen Soldaten durchsucht, sondern von Männern. Dafür stellen sie sich in ein Provisorium, in dem man nicht genug verfolgen kann, was der Soldat tut. Die zu Kontrollierenden werden außerdem z. T. rabiat angegangen. Zum Personenkreis, die von Sarazar gefilmt werden gehören auch Lawyer McCoy, James Sweet und BB Rush.
James Sweet ist der Befehlshaber der Truppe und kommt bei einem Routinerundgang ums Leben, weil er auf eine Bombe tritt, die sich in einem Fußball befand.
Eines Tages wird eine Razzia durchgeführt. Ein Haus, in dem sich ein Verdächtiger befindet wird gestürmt und die Zielperson festgenommen.
Die Stimmung in der Truppe scheint gereizt. Es macht sich Hass auf die Bevölkerung breit. Flake, McCoy, Sweet, Rush und Sarazar spielen eines Abends Poker und schütten währenddessen jede Menge Alkohol in sich hinein. Das Thema, dass die Bevölkerung sie anfeinde und doch nur eines wolle: Sie tot sehen, macht sich breit. Und aus der Kalten heraus schlägt Flake vor, dass man doch das Mädchen aus dem Haus, aus dem man den Verdächtigen festgenommen hatte, doch vergewaltigen könne. Als Wiedergutmachung sozusagen. Das Wort „vergewaltigen“ nimmt Flake jedoch nicht in den Mund. Er bagatellisiert das, was er vorhat. BB Rush springt ihm zu Seite – ein Soldat, der geistig auf niedrigstem Niveau operiert. Sarazar beschließt sofort das Ganze auf Video aufnehmen zu wollen und willigt ein mitzukommen. Auch McCoy wird sie begleiten, allerdings spricht er davon, dass er auf sie aufpassen wolle, da sie es ja doch nicht tun würden und er es sowieso für undenkbar und nicht richtig hält. Nur bei ihm greift etwas, das man Gewissen nennt. Die anderen Soldaten sind scharf auf die Erfahrung und vor allem auf eine Frau. Das wird in den Dialogen kurz vor der Tat deutlich. Es macht sich bei Flake und Rush eine Art Vorfreude breit. Sie gehen in der Nacht auf ihre „Tour“ und stürmen in das Haus. Doch bevor das Mädchen erniedrigt wird, erschießt Flake ihre gesamte Familie mit einer AK 47 und spricht davon, dass man ihn bedroht hätte und er keine andere Möglichkeit hatte. Dann beginnt das Martyrium, welches damit endet, dass das Opfer erst erschossen und dann verbrannt wird. McCoy schafft es nicht und bleibt vor dem Haus und schiebt Wache.
Nach dem die Tat publik wurde gab es Racheaktionen der Aufständischen. Sarazar wird auf offener Straße beim Kauf eines Geschenkes entführt und Tage später vor laufender Kamera enthauptet. Eine militante Gruppe hatte ihn gefangen genommen und lange gefoltert. Sie sahen es als Vergeltung für die Tat, für das, was sich in jener Nacht in einem Haus in Samarra abspielte. Die Armee und die TV-Anstalten reagieren geschickt und alsbald wird auch der Vater des toten Mädchens befragt, der bereits in Kenntnis gesetzt worden war, dass es sich um einen Vergewaltigung handelte. Er publiziert, dass dies nicht ungesünd bleiben würde. Und diese Ankündigung bewahrheitete sich.
Der Film zeigte den Vorgang der Vergewaltigung teilweise und machte dadurch auch die Hilflosigkeit der Opfer sehr deutlich. Gegen bewaffnete Soldaten, die einen mitten in der Nacht überfallen, konnte sich die Familie nicht wehren.
Als McCoy nach seiner Zeit im Irak wieder in die USA zurückkehrt wird er als Kriegsheld gefeiert, der sich für „das Gute“ eingesetzt hat. Er ist – aus Sicht der Verwandtschaft und von Freunden – auf seinem Zenit. Doch im Menschen McCoy brodelt es. Er vergisst die Bilder aus jener Nacht nicht, er hört die Schreie und die Salven der AK 47. Unverdrossen beginnt er zu weinen. Denn ihm wird die Last, die auf ihm liegt schlagartig bewusst. Neben dem Elend, was er jeden Tag zu Gesicht bekam, kommt nun auch die Erkenntnis das Leben eines Mädchens zumindest indirekt mit ausgelöscht zu haben. Dieses Erlebnis wird sein gesamtes Leben nicht mehr aus seinem Kopf ausziehen, es wird immer dort, auf der großen Festplatte gespeichert sein und sein Gewissen quälen.
Doch er hatte ja seine Stimme erhoben! Bevor er in die USA zurückkehrte wollte er reinen Tisch machen. Er meldete die beiden Haupttäter Flake und Rush bei den Oberen. Darauf hin werden beide Verhört, doch streiten alles ab. Hingegen scheint man McCoy wenig Glauben zu schenken.
Der Film kommt wahnsinnig authentisch rüber, der der Film über weite Strecken nicht unbedingt mit Schusswechselszenen gespickt ist. Doch genau das zeichnet den Film und wohl auch die Tätigkeit aus, die diese Soldaten dort verübt haben. Diese Realitätsnähe, diese Extreme im Moment der Tat – sie zeigen die Kluft. Der Film klagt in gewisser Weise an. Soldaten, die, weil ihnen Beschäftigung fehlt, sie abstumpfen und einen Schuldigen suchen zum Aggressor werden, zu dem, welchen sie in den feindlichen Reihen vermuten. Der Schmerz über den Verlust eines Mitmenschen – viele Indikatoren werden zu einem gefährlichen Mix.
Der Film ist t. W. sehr sachlich aufgebaut, man kann der Handlung schnell folgen. Es wird nichts verherrlicht, sondern für den Zuschauer extrem authentisch wiedergegeben. Dass der Film überspitzt sein könnte, kam mir in den 86 Minuten nicht in den Sinn.

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