Donnerstag, 16. Juli 2009

Bunte Ärgernisse oder doch Kunst?

Sie sind allgegenwärtig und spalten die Gesellschaft: Grafittis bzw. Takes.
In jeder Großstadt und fast jeder Kleinstadt sind sie anzutreffen die Kürzel und / oder selbst gestalteten Bilder, die ihre Urheber als „Kunst“ betrachten und sich deshalb selber den Persilschein zum Aufbringen dieser Kunst ausstellen. Sie prangen auf Zügen, Wänden, Brücken, Dächern und ab und zu sogar auf Pkws oder Bäumen. Man kann ihnen also nicht entkommen, wenn man seinen Fuß vor die Tür setzt. Nun kann man sich durchaus darüber streiten welche Bedeutung diese Werke für den einzelnen haben – und ich spreche hier explizit über die Optik. Ich persönlich empfinde 70 % der Takes und Bilder, die ich sehe als hässlich oder nicht gelungen an. Oft handelt es sich um wirklich billige Schmierereien, die die Umgebung optisch in unerträglicher Weise vergewaltigen. Das hat absolut nichts mit „Verschönerung“ zu tun, sondern stellt für mich eine Abwertung dar. Genauso wie die Namenskürzel, die einem einfach nur noch auf die Nerven gehen. Ebenso die Argumente vieler der selbsternannten Helden, die ihre Taten bagatellisieren und mittels anderer Taten herunterzuspielen versuchen. Auch hier wäre es interessant herauszubekommen, was passiert, wenn man es mit dem Eigentum der Sprayer genauso handhaben würde, wie sie es selbst mit fremden tun. Und doch sollte man den objektiven Blick für die Sache behalten. Nicht jedes Bild macht optisch einen unattraktiven Eindruck. Ich habe schon Werke erblickt, die man durchaus als Kunst bezeichnen darf. Farbenfroh und nicht in 5 Minuten zurechtgesprayt. Hier ist zu merken, dass viel Arbeit und Liebe zum Detail hinter steckt. Den Urhebern könnte ich sogar abnehmen, dass sie ihren Teil zur Aufwertung des Stadtbildes beitragen möchten.

Eine S-Bahnlinie, mit der ich Verkehre, die bringt mich an wahren Kunstwerken vorbei. Es hat fast ein bisschen etwas von einer Galerie, an der man vorbeigeführt wird. Und es ist beeindruckend, wenn man seine Blicke über die vielen Farbtöne und Figuren schweifen lässt. Es ist wie ein Abtauchen in eine andere Welt.

Leider empfinde ich dieses Gefühl viel zu selten, wenn ich durch Berlin laufe. Oft bleibt einfach nur Ärger über läppische Schmierereien, die das Stadtbild in den Dreck ziehen. Es kann mir keiner erzählen, dass das, was z. T. an Hauswänden und in Zügen klebt etwas mit Kunst zu tun hat! Einzelne Buchstaben oder irgendwas in Sekunden dahin gekritzeltes müssten den, der sich daran versucht hat vor Peinlichkeit erröten lassen.
Die Frage ist doch, wo liegt die Grenze zwischen Kunst und bloßer Beschmierung.

Und neben dieser Frage sollte man nie vergessen, dass solche Aktionen ohne Genehmigung immer eine Sachbeschädigung darstellen.

Ich würde dafür plädieren, dass man für Sprayer mehr Flächen zur Verfügung stellt. Legal und ihnen die Möglichkeit zu geben sich wirklich auszuleben.
Es soll ja auch Leute geben, die aus der Szene ausgestiegen sind, weil sie ihr Hobby zum Beruf gemacht haben.

Es ist also nicht unrealistisch und doch wird noch zu wenig getan, um das Talent, was durchaus bei einigen vorhanden ist, auch tatsächlich ernst zu nehmen und entsprechend zu fördern.

Das muss neben der Strafverfolgung ganz oben auf der Agenda stehen.

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