Dienstag, 7. Juli 2009

Die Superheuchler

Am 15. Juni um 20.15 Uhr war es soweit: der neue Quotenbrecher von SAT.1 ging auf Sendung. Die „Superlehrer“ sind ein Team aus vier Pädagogen (Die Sportlehrerin muss ausgeklammert werden, denn sie ist gelernte Bürokauffrau. Ebenso der Deutschlehrer, der Frührentner (ja, genau diesem Personenkreis fühle ich mich sehr verpflichtet) ist. Schon mal zwei Personen Abzug) und einer Sozialarbeiterin (die auf der offiziellen SAT.1-Seite als „Sozialpädagogin“ bezeichnet wird, aber nicht aktiv am Unterricht bzw. der Gestaltung des Unterrichts teilnimmt. Eine Person Abzug), die es mit 16 unbelehrbaren und verzogenen Teenies zu tun bekommen. Sie sollen die Bande – in der keiner einen Schulabschluss besitzt - wieder auf Vordermann bringen. Innerhalb von 14 Wochen sollen die 16 Versuchskaninchen ihren Hauptschulabschluss geschafft haben, um eine Lehrstelle zu erlangen bzw. eine Berufsfachschule zu besuchen. Die Teilnehmer an diesem Projekt sollten es als zweite bzw. Chance verstehen, damit ihnen nicht „der Zugang zu einer Berufsausbildung verwehrt“ bleibt, wie es im Text heißt. Ja, alles zum Wohle der Jugendlichen, denen der großzügige Privatsender noch eine Hintertür offen hält. Wie sozial, wie verantwortungsvoll. Es kommen einem die Tränen – nur den Auserwählten scheint der Ernst der Lage noch nicht bewusst zu sein. Gezeigt werden fast ausschließlich Ausraster, schlechte Noten oder sonstige Beleidigungen bzw. Beschimpfungen. Der Lehrer wedelt vorne stehend mit einer gelben Karte und die Runde, die diese Geste scheinbar nicht für voll nimmt. Autorität sieht anders aus, und doch bekommt man mit den 16 Schicksalen Mitleid. Eine Mathearbeit wurde geschrieben…es hagelt Fünfer und Sechser. Disziplin ist für die meisten ein Fremdwort. Diese Serie wurde als „Dokutainment“ angekündigt. Ein Mix aus Seriosität und Sensationsjournalismus. Herausgekommen ist leider wieder die Quotenmaschinerie. Womöglich ist das dem Sender nicht einmal ganz unrecht, denn so lässt sich auf den Montagabend doch eine ganz ordentliche Aufmerksamkeit erzeugen. Und sein wir mal ehrlich: Solche Brennpunkttehmen ziehen gerade in Zeiten, in denen das Bildungssystem im Kollektiv hinterfragt wird am besten.

Für mich hat dieses Format mit einer ordentlichen Dokumentation, in der sachlich analysiert wird und Möglichkeiten für die Jugendlichen aufgezeigt werden, wenig zu tun. Viel mehr geht es darum die Jugendlichen durch die Manege zu treiben. Wie Vieh werden sie vorgeführt. Ein weiterer Nachteil ist, dass sich die Aufnahmen auf ihre künftigen Vorstellungsgespräche (sofern es sie geben wird) auswirken werden.
Auch die Konsequenzen bei Fehlverhalten sind die altbekannten Maßnahmen. Den Sitz in der Klasse für den Rest der Stunde räumen ist nur ein Beispiel. Sie lernen also dieselben Muster kennen, mit denen ihn schon auf ihren vorherigen Schulen nicht geholfen werden konnte.
Neben dem schwammigen Begriff des Lehrers wird also pädagogisch auf den Standart zurückgegriffen, der jedem bekannt ist.
Es kommt also wie es kommen muss. Und SAT.1 reibt sich genüsslich die Hände. Der Deutschlehrer wird als „absolute Respektsperson“ bezeichnet. Genau diesen Charakter hat man wohl gesucht, denn von der Bezeichnung zehrt der Mann nur noch in der Theorie.
Das alles bringt dem Sender Einschaltquoten und durch die Themenwahl (die grundsätzlich nicht fehl am Platze ist) bekommt das Ganze einen vernünftigen Anstrich.
Was jeder weiß: Der Hauptschulabschluss an sich ist heute noch lange, lange kein Türöffner für eine Ausbildung.

Geknallt hat es bereits – natürlich – zwischen Schülern und Lehrern, aber auch untereinander gibt es dem einen oder anderen Konflikt auszufechten.
Mittlerweile ist auch die Bild-Zeitung (online) auf den Hund…ähm, pardon, Lehrer gekommen, und hat die Prügelstory (ein Schüler wurde gegen eine Klassenkameradin handgreiflich, nach dem ein böses Wort im Raum fiel) mit Kusshand aufgenommen.
Bravo SAT.1! Zumindest der Sender hat sein Ziel schon mal erreicht.
Welche Ziele die jetzt 15 Schülern (das Ungetüm wurde, pädagogisch sinnvoll, aus dem Unterricht entfernt) erreichen werden? Ihren Soll für den Gönner haben sie erfüllt.

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